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Suzanne Collins – Die Tribute von Panem 3# – Flammender Zorn

Veröffentlicht am

Titel: Die Tribute von Panem – Flammender Zorn
Autorin: Suzanne Collins
Verlag: Oetinger
Genre: Dystopie
Altersempfehlung: Ab 14 Jahren (“Angabe des Herstellers” laut Amazon)
Seiten: 430
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-7891-3220-9
Das Buch auf der Verlagshomepage – ich habe bestimmt schon erwähnt, dass ich diese Buchhomepages, die Oetinger immer macht, einfach zauberhaft finde… Nein? Dann sei es jetzt erwähnt 😀

Hier geht es zu den Rezensionen zu Band 1 & 2 – dort habe ich meine Meinung zum bisherigen Verlauf der Reihe geschildert.

Ich habe bei diesem Buch an mehreren Stellen so sehr heulen müssen, das war nicht mehr lustig…
Emotional das stärkste Buch der Trilogie, ich glaube, mich hat lange kein Buch mehr so sehr mitgenommen und quasi von innen nach außen gekehrt. Wobei bei mir vielleicht noch dazukommt, dass ich selbst eine kleine Schwester habe und somit auf einer so emotionalen Ebene mit Katniss mitgefühlt habe, dass ich regelrecht Alpträume hatte nach dem Lesen.
Darum würde ich nicht mal sagen, dass Action das Buch vor allem ausmacht. Oder die Auflösung der Dreiecksliebesgeschichte.
Da sind so viele Themen – Mediengeilheit angesichts völlig anderer Probleme, der Umgang mit der Wahrheit bei permanenter (Selbst-)Inszenierung, posttraumatische Belastungsstörung und die bei vielen Menschen daraus resultierende Drogensucht…
Ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll, aber in gewisser Hinsicht war diese Dystopie, diese Fiktion auf einer unheimlichen Ebene fast schon wahrer als das, was wir Tag für Tag in den Nachrichten sehen.

Cover:

Ich habe soeben gegoogelt, dass die Covergestalterin Hanna Hörl 2011 gestorben ist :(.
Ich liebe ihre Cover für die gesamte Panem-Reihe heiß und innig, einfach weil sie gleichzeitig schlicht und eindringlich, aber nie eintönig sind.
Ja, in allen Covern kommt das grünäugige Mädchen vor, aber sie sind trotzdem alle etwas anders, unterstreichen mit feinen Details immer das, worauf es im jeweiligen Band ankommt – wobei man diese Details anfangs übersieht und sie erst bemerkt, wenn man ganz genau hinschaut.
So auch hier wieder. Mir fällt erst beim Schreiben dieser Rezension auf, dass auf den goldenen Blättern des Covers Flammen züngeln.
Die Welt, wie sie bisher von den Menschen in Panem für selbstverständlich angenommen wurde, brennt an allen Ecken und Enden und wenn dieser Krieg vorbei ist, wird nichts mehr jemals wieder so sein, wie es einmal war. Das sieht man schon am Cover sehr eindringlich.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Da gäbe es so viel zu sagen, ich bin mir nicht sicher, ob ich alles in einer Rezension unterbringen kann und will. Für mich ist diese Reihe eine der Relevantesten, die wir in den letzten Jahren auf dem Markt hatten.
Ich verstehe gleichzeitig die Kritik einiger Leser, es würde sich im Prinzip nur um die Dreiecksgeschichte Katniss – Peeta – Gale drehen, aber um ehrlich zu sein war für mich (und ich mag Romantik nicht sonderlich bzw. keine auf Romantik zentrierten Bücher) das Ganze … komplexer als das obligatorische pubertäre „Der ist heiß, aber den kenne ich länger“-Getue.
Keiner von den drei ist noch ein Teenager. Sie alle mussten in einer unbarmherzigen Welt viel zu früh erwachsen werden. Es sind uralte Menschen in den Körpern von Teenagern, aber keine Teenager mehr. Und das ist unglaublich schmerzhaft. In unserer heutigen Kultur, in der die Menschen später wirklich erwachsen und selbstständig werden als jemals zuvor (behaupte ich mal ganz frech) und sich alles um Selbstverwirklichung dreht, ist die Geschichte von sehr jungen Menschen, die ihre Familie mitversorgen müssen und dann alles verlieren, besonders eindrücklich.
Das tut weh.
Und das ist für mich nicht zu vergleichen mit den ganzen Romantasy-Schinken, in denen sich die in der Regel sehr unreife Protagonistin nicht zwischen zwei heißen Boys entscheiden kann. (Nichts gegen diese Bücher und deren Leserschaft, mir geht es nur darum, „Panem“ hier ein wenig abzugrenzen).
Für mich war Gale vs. Peeta auch immer ein bisschen „Dieser Mensch wirkt auf den ersten Blick ganz, vom Krieg weitestgehend unbeschädigt, aber niemand weiß wirklich, zu was er im Namen des Krieges bereit ist. Und dieser andere Mensch ist offensichtlich vom Krieg verstümmelt worden, körperlich und geistig.“ Es sind zwei Seiten ein- und derselben Medaille.
Collins schafft es auch hier wieder, unfassbar realitätsnah zu zeigen, was Kriege aus Menschen machen. Aus sehr jungen Menschen. Was Überwachung aus Menschen macht. Und Dekadenz.
Sie scheut sich dabei nicht, in einem „Jugendbuch“ drastische Dinge drastisch und schmerzhaft zu erzählen. Wie oben erwähnt, hatte ich von dem Buch Alpträume, was eigentlich so gut wie kein Buch schafft, weil es mir so an die Substanz gegangen ist.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Die Sprache tut – auf positive Art und Weise – so oft weh …
Ich bin mir gerade einfach nicht sicher, was das Eindringlichste für mich war. Die Eindrücke, die ungefähr zu Beginn auf Katniss einprasseln? Die eingeflochtenen Liedzeilen?
Das souveräne Spiel mit der Sprache, wenn man genau sieht, dass sich Coin derselben rhetorischen Kniffe bedient, wie das Regime selbst?
Für mich auch sprachlich der stärkste Band der ganzen Reihe.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Ich kann bei Reihenenden nicht anders, als gleich die ganze Reihe als Solche mit zu bewerten – einfach weil ein Reihenende etwas Besonderes ist und das Ganze noch mal abrundet.
Auch wenn Band 2 an einigen Stellen etwas schwach war – Band 3 war ein unfassbar starkes Ende und die Trilogie an sich halte ich – aus oben genannten Gründen – für eines der relavantesten Werke unserer Zeit.
Das Buch nimmt einen durch die Mangel, zwingt zum Nachdenken und verstört nachhaltig. Es gehört auf jeden Fall zu der Art Buch, die Kafka mit seinem berühmten Ausspruch von der Axt und dem gefrorenen Meer gemeint haben musste …
Ich weiß nicht, ob ich mir die Reihe so schnell erneut geben kann – dafür war die Erstlektüre zu schmerzhaft – aber dennoch würde ich sie zu meinen Favoriten zählen.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Marie Graßhoff – Kernstaub – Über den Staub an Schmetterlingsflügeln (Kernstaub #1)

Veröffentlicht am

Titel: Kernstaub – Über den Staub an Schmetterlingsflügeln
Autorin: Marie Graßhoff
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
Genre: Science Fiction? Fantasy? Science Fantasy? Schwer zu sagen.
Seiten: 822 Seiten entsprechen 1516 KB
Format: Kindle eBook
ASIN: B0178U5IEM
Das Buch auf Amazon – falls ihr keinen Reader habt und nicht auf dem Smartphone lesen wollt, gibt es auch eine Taschenbuchausgabe.

Ich bin Fangirl geworden. Ernsthaft. Ja, der Roman ist ziemlich lang (das Taschenbuch ist 822 Seiten lang) und es handelt sich um ein Independent-Werk, das die Autorin – etwas mehr als einen Monat jünger, als ich – da selbst herausgebracht hat.
Und es ist eins der schönsten und tiefgreifendsten Bücher, die ich je gelesen habe. Vom Ranking würde ich das sofort mit zu meinen Favoriten tun und es völlig gleichwertig neben „Harry Potter“, „ASOIAF“ und Co. in mein gedankliches „Beste Reihen“-Rega stellen.
Hier wird eine Welt aufgebaut, die auf einem komplexen System aus Seelenwanderung, Wiedergeburt und der Macht des Kerns beruht – doch jedes System hat einen Störfaktor. Den Kernstaub. Mara.
Alle sagen Mara, sie müsste sich einfach töten lassen und das Universum könnte ewige Glückseligkeit erlangen – doch stimmt das wirklich?
Die poetische Schreibweise, die es schafft, auch Unsagbares in Worte zu verpacken, drang direkt in mein Herz und die Geschichte an sich ist so ungewöhnlich und gleichzeitig so menschlich, dass ich immer weiterlesen wollte, sobald ich erst in der Story drin war.
An dieser Stelle würde ich gerne eine kleine Anekdote erzählen: „Kernstaub“ war das erste Buch, das ich bei der Autorin als Rezensionsexemplar für diesen Blog angefragt habe. Mich hat die Leseprobe gereizt und die Autorin war so lieb und hat in einem Bloggerforum Leseexemplare angeboten. Damals hatte ich allerdings ein ziemlich verbuggtes Billig-Android und die einzige Version des Buches, die ich zum Laufen bringen konnte, war die PDF-Fassung (mit der ich jedes Mal neu die Stelle suchen musste, an der ich aufgehört habe, weil die App das bei der PDF-Version nicht abgespeichert hat). Dann hat Marie im Dezember 2014 das Buch über Create Space veröffentlicht (davor gab es das Buch soweit ich weiß nur über Marie, es war gar nicht frei erhältlich) und ich habe die Gelegenheit genutzt, um es mir herunterzuladen – der Prolog hat mich zappelig werden lassen, ich wollte mehr, aber… mein blödes Handy musste kaputtgehen und landete in Reperatur. Durch Schusseligkeiten seitens der Post, der Reparaturstelle etc. bekam ich es erst im Februar wieder und im März war es schon wieder kaputt. Dieses Mal mit einer neuen Android-Version, bei der aber die Reader-App dauernd abgestürzt ist, weil das Handy hardwaretechnisch die Leistung nicht verkraftet hat. Args.
Dann hat Marie angekündigt, eine Leserunde auf Lovelybooks zu veranstalten. Mir wurde ein neues Handy geschenkt.
Und ich konnte endlich, 8 Monate nach dem ersten Kontakt mit Marie, das Buch lesen. Dann aber konnte ich einfach nicht aufhören und war innerhalb absurd kurzer Zeit fertig…

Cover:

Scheinbar gibt es auch ein „altes“ Cover, das habe ich allerdings glaube ich gar nicht mehr zu Gesicht bekommen. Ich kenne es jedenfalls nur mit dem „neuen“ Cover – also dem schwarz-orangen Bild von einem zerstörten Planeten und der Silhouette zweier Menschen vor Wolken und Sternen.
Ich mag das Cover unheimlich gern. Es ist eines dieser Cover, die perfekt zur erzählten Geschichte passen. Der zerstört wirkende Planet und das sich ausbreitende Band aus Licht kommen ganz konkret in der Geschichte vor und die zwei Menschen könnten die Protagonistin und ihr Begleiter sein.
Ich schaue es mir eigentlich sehr gerne an und es macht sich optisch auch sehr gut auf einem 5,7-Zoll-Display.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Hier wird eine Welt ausgebreitet, die sehr vielschichtig ist und ich bin mir immer noch sicher, dass wir noch gar nicht all ihre Facetten gesehen haben.
Mara lebt in einer Sphäre – einem abgespalteten Abbild der Welt zwischen dem 14ten und dem 22sten Jahrhundert, das sich immer und immer wiederholen wird – und weiß nicht, dass in der Wirklichkeit inzwischen mehrere Jahrhunderte vergangen sind und die Welt wie Mara sie kennt längst nicht mehr existiert.
Doch nicht nur die Welt ist anders als gedacht – so gut wie jeder Mensch aus Maras näherer Umgebung ist nicht der, der er oder sie auf den ersten Blick zu sein scheint. Am Allerwenigsten aber Mara selbst.
Sie muss sich nicht nur mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass die Welt wie sie sie kennt eigentlich nur eine Illusion ist – sie muss auch lernen zu verstehen, dass sie die einzige Störung im System ist und seit acht Milliarden Jahren gejagt wird. Angeblich müsste sie nur sterben, damit alle Seelen der Welt irgendwann in der Lage sind, absolute Seeligkeit zu erlangen.
Doch was ist eigentlich der Kernstaub?

Ein komplexer Weltenbau, eine komplexe Geschichte und viele Themen, die uns alle angehen. Marie Graßhoff spricht in diesem Roman Umweltverschmutzung, menschliche Verblendung im ewigen Haschen nach „besser, schneller, reicher“, Kriege, Grausamkeit aber auch zeitlose Schönheit an. Es ist lange her, seit ein Roman ein so tiefes Echo in mir hinterlassen hat, dass ich auch Tage nach dem Fertiglesen immer noch gelegentlich daran denke und mit einer schmerzlichen Sehnsucht im Herzen wissen möchte, wie es weitergeht.

Das haben eigentlich nur wenige Buchreihen in diesem Maße bei mir geschafft.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Die Sprache ist Geschmackssache.
Mir persönlich gefällt diese Art Sprache. Voller Metaphern und ungewöhnlicher Sprachbilder, schafft Marie Graßhoff es, sogar Dinge wie die völlige Auflösung des Ichs in einem Schwarm Schmetterlinge oder die Zersplitterung einer Seele in Worte zu kleiden.
Wundervolle, kostbare und mehrdeutige Worte, in die ich mich oft hineinlegen könnte und die mich oft eher an ein Prosagedicht erinnert haben und weniger an eine tatsächliche Geschichte.
Und so manches Wort trifft dabei einfach mitten ins Herz, samt Widerhaken, bleibt stecken und tut weh. So schön geschrieben ist das – für mich.
Da ich aber weiß, dass nicht alle diese Art von Sprache mögen, würde ich euch empfehlen, in eine Leseprobe reinzuschnuppern. Ich jedenfalls war begeistert.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Habe ich schon erwähnt, dass ich mich in dieses Buch verliebt habe und nun sehnsüchtig darauf warte, dass „Weltasche“ erscheint?
Ich glaube, der Reader war noch ganz heiß von meinem schnellen Lesen, da habe ich auch die kleine Zusatzgeschichte zum Roman regelrecht inhaliert.
„Kernstaub“ ist ein sehr philosophisches, aber gleichzeitig durchaus auch actionreiches Buch mit ungewöhnlichem Weltenbau, faszinierenden Romanfiguren und einer Sprache, die unglaublich poetisch ist.
Wer ein ungewöhnliches Buch mit sehr ernsten gesellschaftskritischen Anklängen und einer düsteren Stimmung lesen möchte, für den ist „Kernstaub“ perfekt.

Feuerflocke fünf Sterne Klein
Disclaimer: Ja, ist das nun ein Rezensionsexemplar oder nicht, wenn man den Beginn dieses Blogposts berücksichtigt? Naja, vermutlich nicht wirklich. Aber ich möchte den Disclaimer nutzen, um Marie dafür zu danken, die Leserunde moderiert zu haben. Es war wunderbar, mit dir über das Buch zu diskutieren, Zusatzfragen zu stellen und ganz besonders tief in die Welt von Mara einzutauchen!

Suzanne Collins – Die Tribute von Panem – Gefährliche Liebe (Panem #2)

Veröffentlicht am

Titel: Die Tribute von Panem – Gefährliche Liebe
Autorin: Suzanne Collins
Verlag: Oetinger
Genre: Dystopie
Altersempfehlung: Ab 14 Jahren („Angabe des Herstellers“ laut Amazon)
Seiten: 431
Format: Hardcover
ISBN: 978-3789132193

Das Buch auf der Verlagshomepage

Hier geht es zur Rezension von Band 1!

Ich habe Band 2 in einem Rutsch gelesen. Aufgeklappt und nicht mehr losgelassen.
Ja, einerseits hat mir Band 1 insofern besser gefallen, dass die Kämpfe in der Arena in Band 1 einfach irgendwie spannender waren als in Band 2. Vielleicht war es aber auch durchaus die Absicht von Suzanne Collins, dass die Spiele selbst in Teil 2 irgendwie… schal wirkten. Schal, dekadent, unnötig, mit Beigeschmack. So abgeschmackt, dass sie nach 75 Jahren endlich abgeschafft gehören.
Die Emotionen in Band 2 waren für mich dafür stärker. Ich glaube, es ist lange her, dass ich bei einem Buch so oft den Tränen nah war und einmal tatsächlich weinen musste. Die Sache mit den Tributen aus Band 1 und der drohende Hunger waren schlimm genug, aber was die Leute in Band 2 durchmachen mussten, die Grausamkeiten… das setzte mir doch sehr zu.
Wenn ich dann noch bedenke, dass so viele Menschen ihr Leben oder ihre Lebensgrundlagen verlieren müssen, weil das Kapitol meint, Katniss bestrafen zu müssen, ist das furchtbar…

Cover:

Dass ich das deutsche Coverdesign wundervoll finde, habe ich bereits erwähnt, oder?

Band 1 hatte mich mit dem Kontrast zwischen sattgrünen Blättern und vielen winzigen Details, unter anderem den roten Bluttropfen. Band 2 kommt mit roten Blättern – und man weiß nicht, ob die Tropfen auf den Blättern Tau, Blut oder Tränen sind.
Liebe ist in diesem Buch keine Privatsache, sondern eine Waffe, ein zweischneidiges Schwert und an kleine Schwerter erinnern mich auch die tiefroten Blätter. Auch wenn Katniss im Dorf der Sieger scheinbar fette Tage genießen darf, das Regime hat seinen Zenit auf jeden Fall hinter sich, für das Kapitol bricht der Herbst an und das bedeutet, dass es für alle Menschen blutig wird..

Genug wirr heruminterpretiert. Für mich passt das Cover, gerade weil ich so viel hineindenken konnte, perfekt zum Buch.
Zur Materialfestigkeit… Es ist eins der am Meisten begrabbelten Bibliotheksbücher in der Bibliothek, aus der ich es ausgeliehen hatte und dafür noch sehr gut in Schuss 😀

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Für Katniss ist die Welt so heil, wie sie für einen Menschen in Panem überhaupt sein kann – sie und ihre Familie müssen nicht mehr hungern, sie hat ein Haus. Alles scheint gut, sie hat sich damit abgefunden, auch in den Folgejahren Teil der Machinerie zu sein und irgendwann Jugendliche zu mentorieren, ist innerlich abgestumpft und macht mechanisch die ganzen Mediensspielereien mit, die das Kapitol von ihr verlangt.
Auch wenn ihre eigene kleine Privatwelt zusammengebrochen ist, kann sie zumindest weiterfunktionieren, macht die obligatorische Tour der Sieger mit und gut ist.
Doch dann stellt sich heraus, dass Peetas Trick mit dem Liebespaar nach hinten losgegangen ist – und auf einmal ist sie diejenige, die die Fassade aufrecht erhalten muss. Oder es geschehen schreckliche Dinge.

Nachdem schon in Band 1 klar war, dass hier keine sehr rosige Welt präsentiert wird, wird dieser Eindruck hier noch weiter verstärkt und ausgebaut. Ein besonders krasser Kontrast war für mich der Widerspruch zwischen einer totalitären Überwachung, die im Laufe der Zeit auf grausame Weise auch im bisher vergessenen Distrikt 12 Einzug hält und niemanden verschont und… Katniss‘ schlichter Ahnungslosigkeit, was eigentlich in den anderen Distrikten vor sich geht. Sie hat keine Ahnung, dass ihr Sieg nicht folgenlos geblieben ist. Aber sie weiß, dass alles was in diesen sechs Monaten nach ihrem Sieg geschieht und weiter geschehen wird, irgendwie ihre Schuld ist. Sogar dann, wenn sie nicht in der Lage ist, etwas dagegen zu tun.

Dafür fand ich die Kämpfe selbst hier eher… langweilig. Das liegt, wie oben bereits erwähnt, vielleicht ein wenig an „es ist Band 2 und wir kennen das Prozedere bereits“, ein wenig aber auch daran, dass hier für meinen Geschmack unfassbar viele Figuren rein als Kanonenfutter reingenommen wurden, mal ein wenig Namedroppingauftritte hatten und dann relativ schnell wieder gemeuchelt wurden. Auch der Mechanismus hinter der Arena wurde in meinen Augen viel zu schnell durchschaut und naja. Das wirkte ein wenig, als würde man das einbauen, weil das halt der Aufhänger war, aber möglichst schnell damit fertig werden wollen, weil man ja eigentlich viel Wichtigeres zu schreiben hätte.
Dafür hätte ich mir gewünscht, dass der Geschichte von Finnick mehr Raum eingeräumt werden würde. Wobei, vielleicht wäre das Buch dann noch belastender geworden, als es ohnehin schon war, wer weiß… Gerade angesichts eines Endes, das ich gefühlt drei Mal gelesen habe, weil ich es nicht fassen konnte und mit offenem Mund immer wieder zurückblättern musste.
Feuerflocke vier Sterne Klein

Sprache:

Ich liebe immer noch die Möglichkeiten, die eine Ich-Erzählerin und Präsens zusammen ergeben. Das macht das Miterleben mit Katniss um Einiges eindringlicher, weil der Leser es sozusagen erfährt, während es geschieht. Selbst wenn Katniss einen Rückblick macht, wirkt es immer so, als würde sie irgendwo sitzen oder liegen und mit dieser melancholischen Filmstimme direkt mit mir reden.
Und ja,mir gefällt dieser Effekt immer noch unheimlich gut. Noch stärker in einer Figur drin kann man fast gar nicht sein, weil man sozusagen zeitnah aus ihren Augen auf die Ereignisse blickt.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Ich bleibe bei den vier Flocken, weil für mich der Punkt mit den eher abgehandelt wirkenden und in meinen Augen nicht überragend spannenden zweiten Spielen doch recht schwer wiegt.
Vieles in diesem Band war toll und sehr bewegend – die Sache mit dem Hochzeitskleid, die auf Katniss lastende Verantwortung für den Aufstand oder die Art, wie Katniss mit Mobbing seitens der anderen Jubiläumstribute umgehen musste. Hier war sehr viel Atmosphäre und Innenschau.
Aber darüber darf dann die äußere Spannung, die doch die Handlung antreiben soll, nicht verloren gehen.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Suzanne Collins – Die Tribute von Panem 1# – Tödliche Spiele

Veröffentlicht am

Allgemeine Informationen zum Buch:

Titel: Die Tribute von Panem 1# – Tödliche Spiele
Autorin: Suzanne Collins
Verlag: Oetinger
Genre: Dystopie
Altersempfehlung: auf der Verlagshomepage steht „für alle Altersklassen“, teilweise wird es als „ab 12“ eingestuft, ich würde es eher ab 14 einstufen
Seiten: 415
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-7891-3218-6

Das Buch auf der Verlagshomepage

Ich habe zufällig vor einigen Monaten den Film gesehen – davor hatte ich wegen des Hypes einfach kein Interesse an dem Buch – und fand ihn unglaublich gut. Die ganze Zeit fragte ich mich, wie das wohl als Buch aussehen mag… und als ich die Möglichkeit bekam, mir das Buch in der Bücherei auszuleihen, musste ich es mir einfach schnappen. Das ist also einer der wenigen Fälle, in denen ich zuerst den Film gesehen und dann das Buch gelesen habe.
Ironischerweise habe ich diesen seltenen Ausrutschern bisher meine wertvollsten Leseerfahrungen zu verdanken und „Panem“ gehört definitiv dazu.
Ich wusste bereits, was (grob) passiert. Entsprechend habe ich nicht auf Spannung gelesen. Aber ich hatte an sehr vielen Stellen im Film Fragen – wie ist der Hintergrund zu X? Woher weiß Katniss, dass Y? Wieso sehen die Menschen im Kapitol alle so schräg aus? Und die wurden für mich im Buch sehr zufriedenstellend gelöst und obwohl ich wusste, wie es ausgeht, fand ich es unglaublich spannend, es zu lesen, statt es einfach nur zu sehen. Der Mitfühleffekt war wesentlich stärker.
Und zum Glück lag der Film lang genug zurück, sodass ich den Leuten beim Lesen größtenteils meine eigenen Gesichter geben konnte, statt mit den Filmgesichtern zu leben.
Die von Vielen bemängelte Liebesgeschichte fand ich in dem Zusammenhang nicht störend oder übertrieben, sondern im Figurenkontext interessant aufgelöst.

Cover:

Ich liebe die deutschen Buchcover der Reihe, da bin ich ehrlich. Das Grün, das Auge halb zwischen den Blättern verborgen, hat etwas Geheimnisvolles und passt sehr gut zum Inhalt, da Katniss sich ja sehr viel zwischen den Blättern versteckt in diesem Band.
Der Kontrast, den die knallroten Bluttropfen auf den Blättern bilden, ist sehr eindringlich und signalisiert sofort Gefahr. Wer den Inhalt kennt, kann all diese Bildsymbole der Handlung zuordnen.
Mein Exemplar stammt aus einer Bibliothek und war ein Hardcover, das sehr oft ausgeliehen wird. Man sieht dem Buch die Beanspruchung allerdings kaum an.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

In diesem Band erfährt man noch nicht so viel über die Romanwelt an sich – in den Grundzügen weiß man, dass Kriege und Naturkatastrophen dazu geführt haben, dass aus der heutigen USA der wesentlich kleinere und ärmere Staat Panem wurde –  und wie sich nach einem Aufstand das Kapitol an den Distrikten gerächt hat.
Als besonders grausame Strafe für die Distrikte wurden die Hungerspiele eingeführt, für die die Distrikte jeweils einen männlichen und einen weiblichen Jugendlichen stellen müssen. Wer noch keine 12 ist, ist fein raus – wer bereits 18 ist und nicht gezogen wurde, hat Glück gehabt, denn je älter man wird, desto mehr Lose werden in den Topf geworfen.
Außerdem kann man sich – da in den Distrikten permanent Hunger und Not herrscht – gegen zusätzliche Lose einige knapp bemessene zusätzliche Lebensmittel leisten.
Panem ist dazu auch noch eine streng durchstrukturierte Diktatur, sodass jedes Verhalten außer der Norm – vom Fernbleiben bei den Fernsehübertragungen bis hin zum Wildern – drakonisch bestraft wird. Das Leben ist gefährlich.
Dennoch, es passt alles überraschend gut zusammen und nichts wird beschönigt. Gewalt ist grausam, Gewalt ist tödlich, Verwundungen sind sehr gefährlich und ein Terrorregime ist ungerecht und niederdrückend.
Ich fand das System der Hungerspiele auch sehr gut und plausibel erklärt – und durch die sachlichen Welterklärungen, durch die man weiß, dass Katniss gefühlte 500 Lose in der Trommel hat und Prim nur ein Einziges, erhalten die Ereignisse eine besondere Tragik.
Es tut regelrecht weh, zu lesen, wie dieses kleine, tapfere Mädchen so viel Pech hat, bei nur einem Los gleich bei der ersten Ernte gezogen zu werden.
Doch, der Inhalt und die gesamte Welt drumherum gefielen mir wirklich sehr gut – ich fand keine Logikfehler (die mich gewaltig aus dem Lesefluss zu bringen pflegen, da ich dann erstmal ein paar Stunden grübeln muss) und die Atmosphäre passte zum Inhalt.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Hach ja, hier wurde man schon im Vorfeld ja lang und breit darauf hingewiesen, wie ungewöhnlich es ist, dass der Roman im Präsens geschrieben ist und diskutiert, ob das in Ordnung ist und überhaupt und sowieso.

Panem ist nicht mein erstes im Präsens geschriebenes Buch, aber in meinen Augen eins, bei dem ich das Gefühl hatte, dass der Stilbruch wirklich relevant ist (während ich bei einem im Präsens gehaltenen Krimi oft keinen Unterschied gemerkt hätte) und die Unmittelbarkeit sehr stark betont.

Das Buch wird auf diese Weise sehr, sehr eindringlich und dringt direkt bis unter die Haut vor. Mir persönlich hat das sehr gut gefallen und bei den Folgebänden sieht man auch, wie toll es sich mit diesem Stil weiterarbeiten lässt.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Ich bin wirklich, wirklich froh, dass ich mich vom Hype nicht abschrecken ließ und die Reihe für mich entdeckt habe. Ein Jugendbuch, bei dem ich glaube, dass es möglichst viele Jugendliche und Erwachsene lesen sollten – denn die Themen „Überwachungsstaat“, „Zensur“, „Gewalt“ sind heute aktueller denn je.

Auch als Twen kann man die Reihe genießen und sehr viel Erschreckendes über den aktuellen Zustand der Gesellschaft erfahren.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Kaori Yuki – Neji

Veröffentlicht am

Titel: Neji
Zeichnungen & Text: Kaori Yuki
Originaltitel: 螺子 , gesprochen „Neji“, bedeutet „Schraube“
Verlag: Carlsen
Genre: Science Fiction
Altersempfehlung: ab 14
Seiten: 208
Format: Taschenbuch
ISBN: 978-3-646-70124-1 (die ISBN bezieht sich auf die unten verlinkte E-Book-Ausgabe, da der Manga in Druckform nur noch gebraucht zu bekommen ist)
Der Manga auf der Verlagshomepage

Die Welt im Jahre 2033 – ein exotischer Ort. Während es völlig normal ist, dass Roboter unter den Menschen weilen und man zwischen Planeten hin- und herreisen kann, gibt es auch Unbekanntes. Woher haben die Menschen, die aus dem Kryoschlaf erwachen, auf einmal diese merkwürdigen Psi-Kräfte? Und was, wenn diese in die falschen Hände geraten?
Wieso besitzen Roboter einen Mechanismus, der sie in Monster verwandelt?
Wer hat diese seltsamen Drogen in Umlauf gebracht, denen immer mehr Menschen zum Opfer fallen?
„Neji“ erzählt in drei lose zusammenhängenden Kurzgeschichten, wie unsere Welt auf keinen Fall werden darf.
Dabei entstanden die ersten zwei 1992, die dritte Geschichte entstand etwa 10 Jahre später.

Cover:

Zugegeben, ein bisschen trashig ist das Cover schon, vor allem mit modernen Mangacovern verglichen. Ein monochromer junger Mann – Neji – der in martialischer Pose auf blutrotem Grund mit der Waffe auf den Leser zielt.
Wenn ich nicht genau wüsste, dass der Manga zehn Jahre alt ist und somit ein trashiges Actionmotiv nicht automatisch auch eine seichte Rambostory bedeutet, hätte ich wohl nicht zu „Neji“ gegriffen. Ich bin aber auch nicht ganz die Zielgruppe, die vermutlich eher männlich ist und solche Bilder cool fand – vor zehn Jahren.
Aber ich würde nicht sagen, es gefällt mir nicht. Nur trashig ist es halt.

Feuerflocke drei Sterne Klein

Inhalt:

Akt 1 erzählt die Geschichte von Neji und Snow White – wie sie sich kennenlernen, viele Jahre später wiederfinden und einem skrupellosen Plan auf die Schliche kommen.
Akt 2 setzt die Geschichte fort – Neji ist für G.E.R.A. zu einer echten Gefahr geworden und diese setzen Cross – einen weiteren Jungen mit gewaltigen Kräften – auf ihn an. Doch auch Cross ist nicht ganz freiwillig bei G.E.R.A. und als er die Wahrheit erfährt, wird alles anders.
Akt 3 wurde zehn Jahre später gezeichnet und erzählt eine von den ersten Teilen losgelöste Geschichte. Neji und Cross leben inzwischen zusammen und befinden sich gerade in einer Bar, als ein Mädchenroboter durchs Dach kommt und alles zerlegt. Als ein Kommando die Bar stürmt und das Mädchen vernichten will, greifen die Beiden ein – denn der Roboter flehte um sein Leben…

Ich glaube, mir ist nur ein einziger Lokigfehler aufgefallen – wieso friert G.E.R.A. jahrelang nicht nur die Leute ein, bei denen sie wissen, dass sie interessante Kräfte haben – sondern auch die Leute, die sie am Ende zu welchem Zweck auch immer sezieren wollen? Ich meine, klar – das war nötig, damit die Handlung in Akt 1 in Gang kommt und Screw sein Mädchen wiedersieht. Und da es ursprünglich eine Kurzgeschichte war, konnte Kaori Yuki sich auch nicht seitenlang darüber auslassen und es entstand dadurch auch die nötige Portion Drama – aber ein wenig unlogisch war es doch.

Abgesehen davon jedoch eine sehr schlüssige Welt und interessante Geschichten.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Zeichenstil:

Der Zeichenstil gefällt mir insgesamt ganz gut, auch wenn in den ersten zwei Akten (die zehn Jahre vor Akt drei entstanden) die Kompositionen teilweise noch etwas chaotisch sind und gerade für ungeübte Mangaleser darum nicht immer leicht durchschaubar.
Wenn mehrere Personen im Bild waren und etwas explodiert ist, musste ich die Panels doch etliche Male betrachten, ehe ich ganz genau wusste, was nun wem passiert ist.
Im dritten Akt hatte ich damit jedoch keinerlei Probleme.
Die Figuren waren gut zu unterscheiden und hatten alle ihre Eigenheiten, sodass ich nicht dauernd nachschauen musste, wer wer ist.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Sprache:

An der Sprache habe ich persönlich nichts auszusetzen.
Sie war gut ausbalanciert, keine zu schnulzige Ausdrucksweise oder übertriebener Pathos – alles wunderschön, klar und wortgewaltig.
In meiner Ausgabe gab es auch keine Druckfehler.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Aufbau:

Der Manga ist in drei Akte unterschiedlicher Länge geteilt, die jeweils auch separat lesbare Kurzgeschichten ergeben.
Die deutsche Ausgabe bei Carlsen hat die japanische Leserichtung und es sind jeweils mehr als vier Panels auf jeder Seite.

Fazit:

Mir hat die futuristische Story sehr gut gefallen – auch wenn man aus jedem der drei „Akte“ des Mangas vermutlich einen eigenen Manga machen könnte vom Umfang und den angerissenen ethischen Themen her. Ursprünglich handelte es sich um drei grob zusammenhängende Kurzgeschichten.
In Akt 1 hätte ich gerne mehr über die Vergangenheit von Screw/Neji und Snow White erfahren und auch mehr über die Menschen, die sie entführen ließen. Ich hätte gern gewusst, wie Screw wirklich zu G.E.R.A. gekommen ist und wieso sie Snow White vierzig Jahre lang eingefroren hielten, wenn sie mit ihr eigentlich nichts vorhatten. Da weiß ich nicht, ob das ein Logikfehler war oder einfach den Raum einer Kurzgeschichte gesprengt hätte – vielleicht weiß jemand was dazu?
Akt 2 fand ich schön, der hat sehr Vieles aus Akt 1 noch mal aufgeklärt – dabei aber widerum Andeutungen hinterlassen, bei denen ich gern nachgehakt hätte. Ich sage nur „Luther und Sonia“, falls jemand den Manga schon kennt. Wie gesagt, auch aus der Story hätte man einen eigenen Manga machen können, so mussten einige Teile der Geschichte etwas zu schnell und zu hektisch abgehandelt werden.
Akt 3 erzählt letztendlich eine relativ unabhängige Geschichte, die ein bisschen an „I, Robot“ erinnert, in Teilen aber noch darüber hinausgeht. Die Androiden dort sind nicht einfach Putzkolonnen, sondern sollen explizit Gefühle entwickeln – und das aus einem ziemlich perfiden Grund.
Insgesamt staune ich immer wieder über den Einfallsreichtum der vielen Mangaka da draußen – weil sie Geschichten zeichnen, die Vielen in Europa im Traum nicht einfallen würden und somit zusätzliche Perspektiven auf alte Motive und Geschichten ermöglichen.

Feuerflocke vier Sterne Klein