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Schlagwort-Archive: Trilogie

C. M. Hafen – Drachenfrieden (Das Drachenvolk von Leotrim #3)

Veröffentlicht am
Leotrim Band 3

Coverabbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

Titel: Drachenfrieden
Autorin: C. M. Hafen
Verlag: O’Connell Press
Genre: Fantasy
Altersempfehlung: In Elternbegleitung kann das Buch auch von Kindern ab 8/9 Jahren gelesen werden (persönliche Einschätzung)
Seiten: 214 Seiten
Format: eBook
Coverdesign by:  Bild von Asmus Koefoed, Gestaltung O’Connell Press
ISBN: 978-3945227626
ASIN: B071RCP5RL
Das Buch auf der Verlagshomepage

Ich wurde gefragt, ob ich Vorableserin für dieses Buch sein darf und… da fragt man mich noch?! Natürlich wollte ich <3.

Diese Reihe ist für mich etwas Besonderes. Ich lese eigentlich viel lieber Fantasy mit erwachsenen Protagonist*innen. Und überhaupt und sowieso. Aber trotzdem haben sich Silván, Ambro und Norwin von Anfang an in mein Herz geschlichen und sich dort festgekrallt. Wenn ich also nach meinem Lieblingsbuch über Drachen gefragt werde, dann heißt es von meiner Seite seit Band 1: „Die Trilogie vom Drachenvolk von Leotrim“.

Es tut weh, dass die Reihe damit zu Ende ist. So sehr, dass ich mehrere Tage lang kein anderes Buch lesen konnte, sobald das hier fertig war. Ich wollte der Geschichte noch etwas Exklusivraum in meinem Kopf geben, zumindest so lange, bis die Rezension getippt ist. Und dann vielleicht noch einen Tag oder zwei.

Die Anforderungen an einen Teil drei, an alle anderen ranzukommen, sind dann auch noch immer besonders hoch und gerade wenn man so ein Fangirl ist wie ich, liegt die Latte dann umso höher.

Aber hach, es war schön, ein letztes Mal nach Leotrim zu kommen. So richtig schön. Ich habe gelacht, ich habe geweint und ich habe imaginären Leuten die Haare gestreichelt und gesagt, dass alles gut wird.

Cover:

Ich finde die Cover bei dieser Trilogie ja unglaublich edel. Schlicht, einprägsam und einfach schön. Dieses Mal ist der Drache pink und das Drachenauge rot, der Rest ist wie immer aufgeteilt – Drachenauge im mittleren Drittel und oben und unten ein schlichtes Schwarz.
Hoffentlich gibt es von dieser Buchreihe irgendwann einen Hardcoverschuber, ich kann mir vorstellen, dass er unfassbar edel daherkommen würde, allein durch die Schönheit der Drachenschuppen.
Den würde ich sofort kaufen.

Inhalt:

Ambro folgt dem Ruf der „Mutter aller Wasser“ – zusammen mit Norwin macht er sich auf eine Reise, bei der er nicht nur mehr über Leotrim erfährt, sondern einige folgenschwere Erkenntnisse über sich selbst findet.
Aber auch Dakota und die scheinbar allwissende Chronistin müssen noch eine Menge Dinge über Leotrim – und sich selbst – herausfinden.
Carolin Hafen scheut nicht vor wirklich großen und schmerzhaften Themen zurück. Themen, die gleichzeitig so sensibel verpackt sind, dass ich nach wie vor eine Leseempfehlung für Kinder aussprechen kann (wenn auch unbedingt bei Jüngeren mit Eltern zusammen). Einiges davon sind Dinge, die können jede Familie treffen. Und dann stellt sich die Frage, wie man mit einem Kind über so ein Thema sprechen soll. Das ist eine der Stellen, an denen ich beim Lesen bitterlich geweint habe. Und es war gleichzeitig so wunderschön und so umsichtig geschrieben…
Andere Dinge sind metaphorisch und stärker verschlüsselt. Und gerade dadurch sehr weise. Menschen fürchten Veränderungen. Und zu viele Veränderungen auf einmal können unabsehbare Folgen haben. Zum Guten wie zum Schlechten.
Einige Fragen bleiben ungeklärt – aber irgendwie geht es mir da wie Ambro. Ich weiß gar nicht, ob ich die Antworten auf diese Fragen noch direkt aus dem Buch von der Autorin wirklich brauche – oder ob ich den Gedanken einfach noch ein bisschen Zeit geben soll, damit die Erkenntnis von selbst in mir heranreift.
Das war eine Stelle, die sich mir wie mit Widerhaken eingebrannt hat. Ambro würde inzwischen viele Fragen nicht mehr stellen – aber sein Vater würde ihm alle beantworten.
Und wo trifft man sich in diesem Fall? Das weiß so genau dann niemand…
Ich bin immer noch ganz verzaubert.


Sprache:

In einer Romanreihe, in der die Bedeutung von Sprache, von Geschichten, von Büchern und Träumen so hoch ist, muss auch die Sprache besonders sein. Und mir fallen so viele Kleinigkeiten auf, auf sprachlicher Ebene. Ich mag immer noch die Bedeutung von „Mowarisch“, die sich vermutlich nur für Menschen erschließt, die irgendwie mal mit einer slawischen Sprache zu tun hatten, in der „Mowa“ das Wort für Sprache ist. Und die leise Bedeutung, die in der Wahl genau DIESES Wortes mitschwingt.
Oder der Name Watchyn.
Oder… Es sind so viele Kleinigkeiten. So viele sprachliche, liebevolle Details. Bei den Namen, wo sie mir aufgefallen sind. Bei einigen anderen Dingen. Ich sage nur „Nerina“, wer das Buch kennt, weiß dann, was ich meine, ohne dass ich hier spoilern muss.
Und natürlich dieser feinfühlige Einsatz von Sprache, auch an schwierigen Stellen.
Fand ich auch dieses Mal wieder unglaublich schön.


Fazit:

Wie oben schon erwähnt – ein Buch, das mich tagelang nicht loslassen kann und bei dem ich einzelne Episoden und Passagen immer noch im Kopf herumdrehe und wende. Eins dieser Herzensbücher mit Widerhaken, die auch Monate später noch nachhallen werden, dessen bin ich mir sicher. Für mich gehört die Leotrim-Reihe mit zu den weisesten, schönsten und berührendsten Buchreihen, die ich je gelesen habe und ich bin froh, sie kennengelernt zu haben.

Das Buch ist für alle Menschen, die wissen, wie wichtig und machtvoll Worte sind – oder die sich daran erinnern wollen. Für alle, die in die Magie von Geschichten eintauchen wollen. Und für alle, die wissen, dass es im Leben eines Menschen mehr Übergangszeiten gibt als die vom Jugendlichen zum Erwachsenen.

Wunderschön und ein echtes Sehnsuchtsbuch, auch nachdem das letzte Wort gelesen ist.


Disclaimer: Danke an Autorin und Verlag für das Vorab-Rezensionsexemplar. Ihr habt damit einen Fan der Reihe sehr glücklich gemacht ❤

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Alice Andres – Punks Return (Punk’s Undead #2)

Veröffentlicht am

Titel: Punks Return
Autorin: Alice Andres
Verlag: O’Connell Press
Genre: Horror
Seiten: 1874 KB entsprechen rund 140 Seiten.
Format: eBook
ASIN: B01MCSZI7Z
Das Buch auf der Verlagshomepage

Link zu Band 1: *klick*

Nachdem Buch 1 gefühlt mitten im schönsten Cliffhanger endete, habe ich mich sehr gefreut, als mich die Autorin fragte, ob ich auch für Band 2 wieder ein Leseexemplar haben möchte. Natürlich wollte ich – schließlich will man wissen, wie sich der Cliffhanger aus Band 1 auflöst und wie das Ganze dann weitergeht ;-).
Anders als der recht actionlastige Reihenauftakt geht es hier etwas ruhiger weiter – in meinen Augen eine gute Mischung. Die meisten Autoren machen den Fehler, nach einem actionreichen Auftakt NOCH mehr geballte Action in den Mittelteil zu klatschen und das Ganze damit irgendwann in dragonballartige Höhen zu peitschen (nicht falsch verstehen – ich mag Dragonball – aber dort ist das Konzept irgendwie trashig-charmant, woanders meist eher nicht…). Nicht so hier. Statt in die Breite, geht die Handlung erstmal in die Tiefe und das ist gut so.

Achtung: Dies ist die Rezension zu einem zweiten Band. Spoiler zu Band 1 lassen sich nur bedingt bis gar nicht vermeiden. Wer „Punk’s Undead“ nicht gelesen hat, der klicke auf den obigen Link zu Band 1.

Cover:

Das finde ich im Nachhinein sogar noch besser als das Cover von Band 1. Mit den grüngoldenen Augen und der Nahaufnahme habe ich das Gefühl, direkt einem der Nosferatus in die gelben, stark geschminkten Augen zu starren. Auch die Schrift ist jetzt kontrastreicher und dunkler, die Schriftart bleibt gleich. Nur das „Die Vampir-Punk-Reihe“ in der obersten Ecke ist nicht perfekt lesbar, aber das ist Meckern auf hohem Niveau bei einem Cover, das ich – sobald es auf Facebook gezeigt wurde – sofort angehimmelt habe.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Ich gebe ehrlich zu, im ersten Moment war ich verwirrt. Wer Teil 1 kennt und weiß, wie das endet, kann mich vermutlich verstehen. Wir begleiten Laura, die versucht, ein normales Leben zu führen – was nicht gerade dadurch erleichtert wird, dass ihre Sinne ungefähr so scharf sind wie die eines Vampirs und ihre Essgewohnheiten ein wenig roher sind als gewöhnlich. Dass Olli dann ausgerechnet als Bewältigungsart „Wir ignorieren jetzt einfach alles, was zwischen Anfang und Ende von Band 1 passiert ist“ gewählt hat, ist für Laura NICHT hilfreich und da kann ich Lauras Frustration und deren Folgen sehr gut nachvollziehen.
Wir erhalten hier einen weiteren Einblick in die Vergangenheit von Olli und Valentin, es gibt immer noch genug Action – auch wenn, wie oben bereits erwähnt, die Handlung an sich ruhiger ist – und wir erfahren mehr über die Nosferatus.
Dabei wird Valentin als Charakter immer interessanter und vielschichtiger. Auch scheut sich die Autorin wie schon in Band 1 nicht, Leuten etwas anzutun. Auch wichtige Figuren sind nicht sicher und das baut natürlich zusätzliche Spannung auf.
Dennoch bleiben bei all dem genug Fragen übrig, um die Leser auf den nächsten Band hibbeln zu lassen. Ich will jedenfalls jetzt SOFORT wissen, wie sich die ganzen Rätsel auflösen, aber da werden wir uns wohl eine Weile gedulden müssen…
Bei all der Spannung bleibt aber auch das Tiefgründige nicht auf der Stelle – in einem neuen Gewand stellt hier Alice Andres die Frage danach, was uns zu Menschen macht. Ist es das Gewissen? Und ist ein gewissensloses Leben wirklich automatisch glücklicher? Da werden die essentiellen Fragen der Gesellschaft mal eben ganz nebenher in einem unterhaltsamen Kleid erläutert – so, wie ich es mag, ohne erhobenen Zeigefinger und dennoch nachdenklich.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Hat Spaß gemacht. Hat wirklich, wirklich großen Spaß gemacht und ist oft auch sehr selbstironisch unterwegs.
Ich glaube, ich habe selten so viel gelacht, wie bei dem Dialog zwischen Laura und Valentin, bei dem Valentin das Wort „Alpha-Kevin“ in den Mund nimmt und sich dafür von Laura eine hämische Bemerkung anhören darf ;-).
Die vielen versteckten Anspielungen auf Populärkultur und Geekiges ließen den Roman manches Mal zu einem lustigen Wimmelbildbuch werden, bei dem jede gefundene Anspielung einen Bonuspunkt bringt.
Laura ist durch die Erlebnisse in Kroatien erwachsener geworden – und das merkt man auch der Erzählsprache an. Keine quirligen Schwärmereien mehr, keine Ausflüge ins Naivpoetische. Eine Sprache, die genau auf Laura und ihre neue Situation abgestimmt ist.
Und dazwischen, sehr charmant, ein paar Zeilen Münchener Dialekt.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Ein zweiter Band, der sich nicht hinter Band 1 zu verstecken braucht.
Ich hatte viel Spaß beim Lesen und habe mich gefreut, dass es nach dem rasanten Anfang jetzt mehr in die Tiefe geht und hintergründiger wird. Nun freue ich mich auf das Warten, auf Band 3 und darauf, tiefer in diese Welt eintauchen zu können.
Für mich gab es die perfekte Mischung aus gelösten und neuen Fragen, die perfekte (relative) Ruhe vor und nach dem Sturm und eine virtuos erzählte Geschichte abseits von Glitzervampiren.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Danke an O’Connell Press und Alice Andres für das Rezensionsexemplar!

C. M. Hafen – Drachensichel (Das Drachenvolk von Leotrim #2)

Veröffentlicht am
Drachensichel Cover

Coverabbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlags!

Titel: Drachensichel
Autorin: C. M. Hafen
Verlag: O’Connell Press
Genre: Fantasy
Altersempfehlung:In Elternbegleitung kann das Buch auch von Kindern ab 8/9 Jahren gelesen werden (persönliche Einschätzung)
Seiten: 244
Format: eBook (Kindle-Version)
Coverdesign by: Bild von Asmus Koefoed, Gestaltung O’Connell Press
ISBN: 978-3945227510
ASIN: B01D5NYKFY
Das Buch auf der Verlagshomepage 
Es gibt Reihen, in denen fühlt man sich sofort zu Hause, wenn man – metaphorisch – das Buch aufschlägt und den ersten Satz liest. Bei einem eBook ist es natürlich die Wischbewegung. Man gibt sich noch einige Minuten, um die Karte anzustaunen (Karte ❤ ) und dann will man auch schon eintauchen.
Dieses Leotrim ist düsterer als das in Band 1. Viel düsterer. Und das ist gut so. Ich habe das Gefühl, zusammen mit Ambro immer mehr darüber herauszufinden, dass die Welt nicht nur gut ist.
Schon in Band 1 musste er Dinge verdauen, die für ein kleines Kind hart sind. Doch die Ereignisse in Band 2 gingen mir noch mehr an die Nieren und der Junge wirkte authentisch verstört.
Gleichzeitig war dieses Buch voller Atmosphäre, voller Geheimnis, voller Schönheit und Tiefe. So viele Geheimnisse, die abseits vom Hauptstrang um Ambro und Norwin darauf warten, gelüftet zu werden. So viele Wesen, denen wir noch begegnen werden. So viele Dinge…

Cover:

Die Entscheidung, das Motiv an sich als Reihencover zu behalten und mit Farben zu arbeiten, gefällt mir sehr gut. Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich das gleiche Motiv verschieden eingefärbt wirken kann, oder?
Das Blaue wirkte sehr ruhig, sehr ausgeglichen und ich hatte das Gefühl, Wellen zu sehen.
Das rote Auge und die grünen Schuppen wirkten auf mich bereits aggressiver, wütender, aber auch energischer.
Ich wusste also von Anfang an: Das hier wird düsterer und ereignisgeladener, als Band 1.
Und so war es letztendlich auch.

Feuerflocke fünf Sterne Klein
Inhalt:

In gewissem Sinne ist dies ein Buch vom Aufbrechen und Ankommen.
An ihrem sechzehnten Geburtstag bricht Dakota auf – denn Hangameh kann ihr nicht alle Antworten geben und sie muss selbst auf die Suche nach ihrer Identität gehen.
Ambro kommt zu Hause an – doch sein Zuhause ist kein Zuhause mehr und er muss auf die Suche gehen.
Auch andere Charaktere sind auf Wanderschaft und die Orte, durch die sie gehen, bereiten mir teilweise aus den verschiedensten Gründen Gänsehaut. Ich sage nur „dieser eine Wald“ und „diese eine Stadt“ ;-). Wer es gelesen hat, weiß, was ich meine. Wer nicht, den will ich nicht spoilern. Mir hat es die Sprache verschlagen und ich möchte diesen Effekt nicht mildern.
Wir erfahren weitere Dinge über die Welt, sodass Leotrim immer runder wird – aber noch hat es einige Geheimnisse und ich hoffe, die werden in Band 3 gelüftet. Ich bin so verliebt in diese Reihe, wenn Band 3 draußen ist, will ich einen Schuber!
Feuerflocke fünf Sterne Klein
Sprache:

Ich frage mich, wie die Autorin das macht. Das Buch atmet eine Leichtigkeit und ist doch voller Bilder, voller Metaphern und voller Passagen, die sich fast schon wie ein Gedicht lesen.
Gleichzeitig sind alle Sätze kristallklar und da sie direkt ins Herz gehen, auch für einen jungen Menschen vermutlich sehr gut verständlich.
Ohne die Sprache und die Art und Weise, Sätze in Bilder zu verwandeln, wäre die Atmosphäre vermutlich nur halb so schön.
Ich hatte bei einigen Beschreibungen so starke Gänsehaut, dass es wehtat und musste mir die Tränen verkneifen, weil mich die Worte angerührt haben, während ich gerade im Bus saß.
Und an einer bestimmten Stelle, die ich bei „Inhalt“ bereits erwähnt habe, hat mir die Art und Weise, wie hier erzählt wurde, die Kehle zugeschnürt.

Feuerflocke fünf Sterne Klein
Fazit:

Ich habe schon Band 1 sehr, sehr geliebt. Habe ich das schon erwähnt? Ich hatte das Gefühl, als hätte ich all die Jahre nach genau SO einem Buch gesucht und bei so viel Liebe zu Band 1 sind die Ansprüche an Band 2 dann natürlich sehr hoch. Vor allem, wenn man ein Jahr darauf warten muss, dass es weitergeht.
Aber das Buch hat mich nicht enttäuscht, ich habe eher das Gefühl, es ist sogar noch besser als Band 1 und es wirkte keinesfalls wie ein „typischer“ zweiter Band – es ist eine Menge passiert, viele Geheimnisse bleiben noch ungelöst, aber es kränkelt nicht am Syndrom des zweiten Bandes, sondern ist sehr gut lesbar und nimmt ganz schön an Fahrt auf, ist streckenweise düsterer und ereignisreicher, als Band 1.
Ich bin gespannt, wie die Reise von Ambro, Norwin und all den anderen endet – nur leider muss ich ein ganzes Jahr warten.
Für diese Buchreihe gibt es auf jeden Fall wieder meine allerwärmste Leseempfehlung!

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Markus Tillmanns – „Basaltblitz – die Geburt eines Helden“ (Basaltblitz #1)

Veröffentlicht am

a basaltblitz Cover von RVST für KDPTitel: Basaltblitz – die Geburt eines Helden
Autor: Markus Tillmanns
Verlag: Amazon Create Space / Selfpublishing
Genre: Fantasy / Urban Fantasy
Altersempfehlung: ab 14
Seiten: 2559 KB entsprechen 110 Seiten
Format: Kindle eBook
Coverdesign by: Indra Renovstyawan
ASIN: B0143GWWIO
Das Buch auf der Homepage des Autors und auf Amazon

Es ist schwer, so ein kurzes Buch zu beschreiben, ohne sofort alles zu verraten, fürchte ich.
Es geht um Superhelden.
Und es ist eine völlig abgedrehte Geschichte.
Allerdings sehr kurz.
Und es ist kein Comic, sondern vom Format her eher der Auftakt zu einem dreibändigen Serial, für einen Roman ist es zu kurz und das Ende zu offen.
Ich mochte die Idee, ich fand weite Teile des Buches entweder spannend oder ziemlich witzig und hatte auf alle Fälle Spaß beim Lesen.

Cover:

Das Einzige, woran ich etwas auszusetzen hätte, wäre die Lesbarkeit der Schrift bei „Fantasy-Roman von Markus Tillmanns“ , weil es natürlich in weiß auf hellblauem Grund nicht perfekt zu lesen ist. Aber das ist Meckern auf fast schon übertrieben hohem Niveau.
Abgesehen davon ist das ein hochprofessionell gezeichnetes Cover, das zumindest für mich auch sofort den Flair eines Comiccovers hatte. Ein Superheld mit allem was dazugehört – Cape, wallende Haare, Superkräfte und unbeteiligter Blick – und eine tolle Hochhauskulisse. Auch die Farben sind schön aufeinander abgestimmt. Das Buch wäre definitiv ein Coverkauf geworden, wenn ich es im Buchladen gesehen hätte.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Nick ist ein ganz normaler Junge – eher klein und schmächtig für sein Alter, wird er von seinen Klassenkameraden teilweise brutal gedemütigt und gemobbt. Da hilft nur die Flucht in die fernen Welten der Helden aus seinen Lieblingscomics. DIE hätten bestimmt keine Probleme mit unliebsamen Mitschülern!
Doch dann kommt der geheimnisvolle Neue in die Klasse und bringt einen Kometen mit – den Nick prompt verspeist. Nur um am Morgen darauf als Superheld aufzuwachen.
Das ergibt alles nicht wirklich einen Sinn? Muss es auch nicht. Langsam kristallisiert sich heraus, wieso es zu Nicks Umwandlung zum Superhelden kommt und es gibt eine charmante Erklärung dafür, wieso eigentlich niemand einen Superhelden erkennt, auch wenn der gar nicht maskiert ist. Und natürlich gibt es einen übermächtigen Gegner UND eine ganz besonders lästige Schwachstelle.
Hier hätte ich mir gewünscht, dass das Buch ein wenig länger gewesen wäre und man als Leser zumindest einige Erklärungen bereits in Band 1 erhalten hätte. Die Handlung bewegt sich so rasant fort, dass teilweise gar kein Raum für genauere Überlegungen bleibt. Wieso kriegt er ausgerechnet DIE Schwäche, die er gekriegt hat? Wo kommt dieser seltsame Komet her? Was ist da eigentlich los?
Bei Kurzromanen und Serials habe ich kein Problem mit extrem offenen Enden – das Konzept ist aus Fernsehserien ja hinreichend bekannt – aber ich hätte mir trotzdem im Mittelfeld ein paar zusätzliche Ruhepole und die eine oder andere Erklärung gewünscht. So ging es für meinen Geschmack einen Tick zu hastig durch die Handlung und besonders im hinteren Drittel hatte ich andauernd viele Fragezeichen im Gesicht.

Feuerflocke drei Sterne Klein

Sprache:

Sprachlich ist das Buch sehr souverän. Ich habe kein einziges Mal gestockt, mich in meiner Immersion gestört gefühlt oder ein „So würde das doch kein Mensch sagen“ im Kopf gehabt.
Dank der flüssigen Schreibe und dem sehr lockeren Stil fühlte ich mich auf alle Fälle die ganze Zeit über bestens unterhalten. Vielleicht war darum das Buch so schnell vorbei?

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Wer ein rasantes, kurzes Buch für Zwischendurch sucht, das gleichzeitig unterhaltsam und gut geschrieben ist, für den ist „Basaltblitz“ das Richtige.
Für mich persönlich war es der Kürze fast zu viel und ich hätte mir oft eine Verschnaufpause oder zumindest etwas weniger dicht aneinandergepackte Handlung gewünscht, aber wer eine stark komprimierte Folge einer Superheldenserie in Buchformat zu schätzen weiß, den wird das nicht stören.
Tolles Cover, eine souveräne Sprachbeherrschung und eine neugierig machende Geschichte mit Luft nach oben für die Folgebände – in denen dann hoffentlich all das aufgelöst wird, was die Fragezeichen über meinem Kopf in Band 1 verursacht hat.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Disclaimer: Danke an Markus Tillmanns für das Rezensionsexemplar!

Pauline Gedge – Der Fremde Pharao (Lords of the Two Lands #1)

Veröffentlicht am

Titel: Der Fremde Pharao
Autorin: Pauline Gedge
Verlag: Rowohlt / Wunderlich (nicht mehr über den Verlag erhältlich)
Genre: Historischer Roman
Seiten: 455
Format: Hardcover
ISBN: 9783499230332
Das Buch gebraucht auf Amazon – ich habe versucht, herauszufinden, ob die deutsche Ausgabe noch irgendwo vertrieben wird, sieht aber nicht danach aus.

Seqenenre hat es satt. Er ist immer ein treuer Untertan und fleißiger Fürst gewesen. Alles war gut, er lebte mit seiner großen Familie in einem verschlafenen Nest und war zufrieden. Doch die Briefe des Pharaos, immer neue Frechheiten und Gängeleien ohne Grund stören ihn. Erst Recht, da der Pharao aus einer Linie aus Thronräubern stammt, während der ägyptische Thron eigentlich seiner Familie zusteht.
Kann er die Kränkungen verkraften?

Um ehrlich zu sein merkt man dem Buch den Reihenauftakt an. Mindestens in der ersten Hälfte passiert nur wenig und das was passiert, hat – anfangs – noch keine Konsequenzen. Dafür wird man sehr schön und ausführlich ins ägyptische Familienleben in einem Fürstenhaus eingeführt und das hat mir einerseits sehr gut gefallen, andererseits habe ich mich natürlich irgendwann gefragt, wo das hinführt.
Dann wird das Buch zusehends depressiver und negativer…

Cover:

Meine Ausgabe kommt in der Hinsicht toll daher. Hardcover mit einem – zugegeben, von der langen Zeit ein wenig mitgenommenem – Schutzumschlag, der es designtechnisch in sich hat. Goldprägereien, ein wundervolles ägyptisches Wandbild… Es sieht kostbar und edel aus, passend zur Epoche, die dargestellt wird.
Und wie gesagt, Schutzumschlag, Cover und Buch sind dafür, dass sie ungefähr 14 Jahre lang gelesen wurden, sehr gut gealtert.
Zur Erklärung: Das Buch gehört zu den Beutestücken eines meiner vielen Bücherhauls beim Bücherflohmarkt der BuWis an der Uni.
Feuerflocke fünf Sterne Klein
Inhalt:

Sequenenre ist wirklich ein treuer Untertan – oder eher einer von der Sorte „Ich tu nichts Wichtiges und lasse die Regierung in Ruhe, also soll mich auch die Regierung in Ruhe lassen“. Er geht gerne in die verlassene Palastruine direkt neben seinem Haus, um dort auf dem Dach zu sitzen und einfach nur eine Runde nachzudenken. Er liebt seine Frau und seine Kinder. Tani, die Jüngste, fühlt sich zu einem Nachbarfürsten hingezogen – sobald sie alt genug ist, wird geheiratet. Zwei seiner anderen Kinder – Geschwister – erwarten ein Kind.
Alles könnte wunderbar sein, wenn… ja wenn die seltsamen Briefe des Pharaos nicht wären, voller Argwohn und Unterstellung, die scheinbar völlig grundlos die Familie zu seltsamen Auflagen zwingen und sie grundlos zu schikanieren scheinen.
Doch der Pharao hat durchaus seinen Grund, misstrauisch gegen Sequenenres Familie zu sein. Schließlich hat er dieser Familie den Thron von Ägypten streitig gemacht.
Und so schürt er mit seinem Verhalten das Feuer, das zu genau dem Aufstand führt, den der Pharao eigentlich fürchtet.
Wie oben schon erwähnt, baut sich die Handlung sehr langsam und gemächlich auf, während die Autorin sich unendlich viel Zeit für Details nimmt. Wie beispielsweise, als Sequenenre einen Brief diktiert und dabei seinem Schreiber sagt, er solle die Floskeln mal alle schön selbst einfügen, er sagt die nicht alle vor. Oder wie das Familienleben abläuft. Lauter Kleinigkeiten, die das alte Ägypten lebendig machen können.
Hier stellt sich, bei aller wissenschaftlichen Neugier, dann irgendwann doch ein leichtes „Ja, und wohin geht die Geschichte jetzt“ ein. Denn sehr lange passiert nicht wirklich was.
Bis dann die Bedrohungen und Katastrophen einander regelrecht jagen.
Ich mag durchaus Figurenspannung, Aufbau und alles und eigentlich war es auch gut ausbalanciert, nur an einer Stelle hatte ich dieses richtungslose Gefühl.

Feuerflocke vier Sterne Klein

 

Sprache:

Sprachlich ist das Buch sehr schön. Es ist nah an der Standardsprache, kommt also ohne historisierende Floskeln oder pseudogeschwurbelte Sätze aus.
Die Sprache orientiert sich also stark am Inhalt – es wird ein schlichtes, schnörkelloses Leben im ländlichen Ägypten beschrieben, voll von – trügerischer – Idylle. Das hilft gut dabei, sich in den ganzen ägyptischen Namen zurechtzufinden. Denn auch wenn einige Namen – wie Tani – recht unverwechselbar sind, gibt es wiederum andere, bei denen ich nicht ohne weiteres ohne Kontext wüsste, ob das jetzt ein Mann oder eine Frau ist.
Da die Sätze aber immer klar strukturiert sind und man immer den nötigen Bezug der Personen zueinander hat, fällt das nicht ins Gewicht.
Feuerflocke fünf Sterne Klein
Fazit:

Ein Buch, das sprachlich schön und historisch zwar nicht immer zu 100% korrekt, aber sehr nahe am Belegten einen spannende Zeit in der ägyptischen Geschichte illustriert.
Das Grauen kommt auf leisen Sohlen – fast schon auf zu leisen, sogar für meinen Geschmack – und es bleibt spannend, was nach diesem Reihenauftakt passieren wird.
Die Bände 2 und 3 werden auf alle Fälle irgendwann noch nachgekauft.
Einer der von mir so geschätzten historischen Romane ohne überwiegenden Romanze-Anteil.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Suzanne Collins – Die Tribute von Panem 3# – Flammender Zorn

Veröffentlicht am

Titel: Die Tribute von Panem – Flammender Zorn
Autorin: Suzanne Collins
Verlag: Oetinger
Genre: Dystopie
Altersempfehlung: Ab 14 Jahren (“Angabe des Herstellers” laut Amazon)
Seiten: 430
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-7891-3220-9
Das Buch auf der Verlagshomepage – ich habe bestimmt schon erwähnt, dass ich diese Buchhomepages, die Oetinger immer macht, einfach zauberhaft finde… Nein? Dann sei es jetzt erwähnt 😀

Hier geht es zu den Rezensionen zu Band 1 & 2 – dort habe ich meine Meinung zum bisherigen Verlauf der Reihe geschildert.

Ich habe bei diesem Buch an mehreren Stellen so sehr heulen müssen, das war nicht mehr lustig…
Emotional das stärkste Buch der Trilogie, ich glaube, mich hat lange kein Buch mehr so sehr mitgenommen und quasi von innen nach außen gekehrt. Wobei bei mir vielleicht noch dazukommt, dass ich selbst eine kleine Schwester habe und somit auf einer so emotionalen Ebene mit Katniss mitgefühlt habe, dass ich regelrecht Alpträume hatte nach dem Lesen.
Darum würde ich nicht mal sagen, dass Action das Buch vor allem ausmacht. Oder die Auflösung der Dreiecksliebesgeschichte.
Da sind so viele Themen – Mediengeilheit angesichts völlig anderer Probleme, der Umgang mit der Wahrheit bei permanenter (Selbst-)Inszenierung, posttraumatische Belastungsstörung und die bei vielen Menschen daraus resultierende Drogensucht…
Ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll, aber in gewisser Hinsicht war diese Dystopie, diese Fiktion auf einer unheimlichen Ebene fast schon wahrer als das, was wir Tag für Tag in den Nachrichten sehen.

Cover:

Ich habe soeben gegoogelt, dass die Covergestalterin Hanna Hörl 2011 gestorben ist :(.
Ich liebe ihre Cover für die gesamte Panem-Reihe heiß und innig, einfach weil sie gleichzeitig schlicht und eindringlich, aber nie eintönig sind.
Ja, in allen Covern kommt das grünäugige Mädchen vor, aber sie sind trotzdem alle etwas anders, unterstreichen mit feinen Details immer das, worauf es im jeweiligen Band ankommt – wobei man diese Details anfangs übersieht und sie erst bemerkt, wenn man ganz genau hinschaut.
So auch hier wieder. Mir fällt erst beim Schreiben dieser Rezension auf, dass auf den goldenen Blättern des Covers Flammen züngeln.
Die Welt, wie sie bisher von den Menschen in Panem für selbstverständlich angenommen wurde, brennt an allen Ecken und Enden und wenn dieser Krieg vorbei ist, wird nichts mehr jemals wieder so sein, wie es einmal war. Das sieht man schon am Cover sehr eindringlich.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Da gäbe es so viel zu sagen, ich bin mir nicht sicher, ob ich alles in einer Rezension unterbringen kann und will. Für mich ist diese Reihe eine der Relevantesten, die wir in den letzten Jahren auf dem Markt hatten.
Ich verstehe gleichzeitig die Kritik einiger Leser, es würde sich im Prinzip nur um die Dreiecksgeschichte Katniss – Peeta – Gale drehen, aber um ehrlich zu sein war für mich (und ich mag Romantik nicht sonderlich bzw. keine auf Romantik zentrierten Bücher) das Ganze … komplexer als das obligatorische pubertäre „Der ist heiß, aber den kenne ich länger“-Getue.
Keiner von den drei ist noch ein Teenager. Sie alle mussten in einer unbarmherzigen Welt viel zu früh erwachsen werden. Es sind uralte Menschen in den Körpern von Teenagern, aber keine Teenager mehr. Und das ist unglaublich schmerzhaft. In unserer heutigen Kultur, in der die Menschen später wirklich erwachsen und selbstständig werden als jemals zuvor (behaupte ich mal ganz frech) und sich alles um Selbstverwirklichung dreht, ist die Geschichte von sehr jungen Menschen, die ihre Familie mitversorgen müssen und dann alles verlieren, besonders eindrücklich.
Das tut weh.
Und das ist für mich nicht zu vergleichen mit den ganzen Romantasy-Schinken, in denen sich die in der Regel sehr unreife Protagonistin nicht zwischen zwei heißen Boys entscheiden kann. (Nichts gegen diese Bücher und deren Leserschaft, mir geht es nur darum, „Panem“ hier ein wenig abzugrenzen).
Für mich war Gale vs. Peeta auch immer ein bisschen „Dieser Mensch wirkt auf den ersten Blick ganz, vom Krieg weitestgehend unbeschädigt, aber niemand weiß wirklich, zu was er im Namen des Krieges bereit ist. Und dieser andere Mensch ist offensichtlich vom Krieg verstümmelt worden, körperlich und geistig.“ Es sind zwei Seiten ein- und derselben Medaille.
Collins schafft es auch hier wieder, unfassbar realitätsnah zu zeigen, was Kriege aus Menschen machen. Aus sehr jungen Menschen. Was Überwachung aus Menschen macht. Und Dekadenz.
Sie scheut sich dabei nicht, in einem „Jugendbuch“ drastische Dinge drastisch und schmerzhaft zu erzählen. Wie oben erwähnt, hatte ich von dem Buch Alpträume, was eigentlich so gut wie kein Buch schafft, weil es mir so an die Substanz gegangen ist.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Die Sprache tut – auf positive Art und Weise – so oft weh …
Ich bin mir gerade einfach nicht sicher, was das Eindringlichste für mich war. Die Eindrücke, die ungefähr zu Beginn auf Katniss einprasseln? Die eingeflochtenen Liedzeilen?
Das souveräne Spiel mit der Sprache, wenn man genau sieht, dass sich Coin derselben rhetorischen Kniffe bedient, wie das Regime selbst?
Für mich auch sprachlich der stärkste Band der ganzen Reihe.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Ich kann bei Reihenenden nicht anders, als gleich die ganze Reihe als Solche mit zu bewerten – einfach weil ein Reihenende etwas Besonderes ist und das Ganze noch mal abrundet.
Auch wenn Band 2 an einigen Stellen etwas schwach war – Band 3 war ein unfassbar starkes Ende und die Trilogie an sich halte ich – aus oben genannten Gründen – für eines der relavantesten Werke unserer Zeit.
Das Buch nimmt einen durch die Mangel, zwingt zum Nachdenken und verstört nachhaltig. Es gehört auf jeden Fall zu der Art Buch, die Kafka mit seinem berühmten Ausspruch von der Axt und dem gefrorenen Meer gemeint haben musste …
Ich weiß nicht, ob ich mir die Reihe so schnell erneut geben kann – dafür war die Erstlektüre zu schmerzhaft – aber dennoch würde ich sie zu meinen Favoriten zählen.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Marie Graßhoff – Kernstaub – Über den Staub an Schmetterlingsflügeln (Kernstaub #1)

Veröffentlicht am

Titel: Kernstaub – Über den Staub an Schmetterlingsflügeln
Autorin: Marie Graßhoff
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
Genre: Science Fiction? Fantasy? Science Fantasy? Schwer zu sagen.
Seiten: 822 Seiten entsprechen 1516 KB
Format: Kindle eBook
ASIN: B0178U5IEM
Das Buch auf Amazon – falls ihr keinen Reader habt und nicht auf dem Smartphone lesen wollt, gibt es auch eine Taschenbuchausgabe.

Ich bin Fangirl geworden. Ernsthaft. Ja, der Roman ist ziemlich lang (das Taschenbuch ist 822 Seiten lang) und es handelt sich um ein Independent-Werk, das die Autorin – etwas mehr als einen Monat jünger, als ich – da selbst herausgebracht hat.
Und es ist eins der schönsten und tiefgreifendsten Bücher, die ich je gelesen habe. Vom Ranking würde ich das sofort mit zu meinen Favoriten tun und es völlig gleichwertig neben „Harry Potter“, „ASOIAF“ und Co. in mein gedankliches „Beste Reihen“-Rega stellen.
Hier wird eine Welt aufgebaut, die auf einem komplexen System aus Seelenwanderung, Wiedergeburt und der Macht des Kerns beruht – doch jedes System hat einen Störfaktor. Den Kernstaub. Mara.
Alle sagen Mara, sie müsste sich einfach töten lassen und das Universum könnte ewige Glückseligkeit erlangen – doch stimmt das wirklich?
Die poetische Schreibweise, die es schafft, auch Unsagbares in Worte zu verpacken, drang direkt in mein Herz und die Geschichte an sich ist so ungewöhnlich und gleichzeitig so menschlich, dass ich immer weiterlesen wollte, sobald ich erst in der Story drin war.
An dieser Stelle würde ich gerne eine kleine Anekdote erzählen: „Kernstaub“ war das erste Buch, das ich bei der Autorin als Rezensionsexemplar für diesen Blog angefragt habe. Mich hat die Leseprobe gereizt und die Autorin war so lieb und hat in einem Bloggerforum Leseexemplare angeboten. Damals hatte ich allerdings ein ziemlich verbuggtes Billig-Android und die einzige Version des Buches, die ich zum Laufen bringen konnte, war die PDF-Fassung (mit der ich jedes Mal neu die Stelle suchen musste, an der ich aufgehört habe, weil die App das bei der PDF-Version nicht abgespeichert hat). Dann hat Marie im Dezember 2014 das Buch über Create Space veröffentlicht (davor gab es das Buch soweit ich weiß nur über Marie, es war gar nicht frei erhältlich) und ich habe die Gelegenheit genutzt, um es mir herunterzuladen – der Prolog hat mich zappelig werden lassen, ich wollte mehr, aber… mein blödes Handy musste kaputtgehen und landete in Reperatur. Durch Schusseligkeiten seitens der Post, der Reparaturstelle etc. bekam ich es erst im Februar wieder und im März war es schon wieder kaputt. Dieses Mal mit einer neuen Android-Version, bei der aber die Reader-App dauernd abgestürzt ist, weil das Handy hardwaretechnisch die Leistung nicht verkraftet hat. Args.
Dann hat Marie angekündigt, eine Leserunde auf Lovelybooks zu veranstalten. Mir wurde ein neues Handy geschenkt.
Und ich konnte endlich, 8 Monate nach dem ersten Kontakt mit Marie, das Buch lesen. Dann aber konnte ich einfach nicht aufhören und war innerhalb absurd kurzer Zeit fertig…

Cover:

Scheinbar gibt es auch ein „altes“ Cover, das habe ich allerdings glaube ich gar nicht mehr zu Gesicht bekommen. Ich kenne es jedenfalls nur mit dem „neuen“ Cover – also dem schwarz-orangen Bild von einem zerstörten Planeten und der Silhouette zweier Menschen vor Wolken und Sternen.
Ich mag das Cover unheimlich gern. Es ist eines dieser Cover, die perfekt zur erzählten Geschichte passen. Der zerstört wirkende Planet und das sich ausbreitende Band aus Licht kommen ganz konkret in der Geschichte vor und die zwei Menschen könnten die Protagonistin und ihr Begleiter sein.
Ich schaue es mir eigentlich sehr gerne an und es macht sich optisch auch sehr gut auf einem 5,7-Zoll-Display.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Hier wird eine Welt ausgebreitet, die sehr vielschichtig ist und ich bin mir immer noch sicher, dass wir noch gar nicht all ihre Facetten gesehen haben.
Mara lebt in einer Sphäre – einem abgespalteten Abbild der Welt zwischen dem 14ten und dem 22sten Jahrhundert, das sich immer und immer wiederholen wird – und weiß nicht, dass in der Wirklichkeit inzwischen mehrere Jahrhunderte vergangen sind und die Welt wie Mara sie kennt längst nicht mehr existiert.
Doch nicht nur die Welt ist anders als gedacht – so gut wie jeder Mensch aus Maras näherer Umgebung ist nicht der, der er oder sie auf den ersten Blick zu sein scheint. Am Allerwenigsten aber Mara selbst.
Sie muss sich nicht nur mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass die Welt wie sie sie kennt eigentlich nur eine Illusion ist – sie muss auch lernen zu verstehen, dass sie die einzige Störung im System ist und seit acht Milliarden Jahren gejagt wird. Angeblich müsste sie nur sterben, damit alle Seelen der Welt irgendwann in der Lage sind, absolute Seeligkeit zu erlangen.
Doch was ist eigentlich der Kernstaub?

Ein komplexer Weltenbau, eine komplexe Geschichte und viele Themen, die uns alle angehen. Marie Graßhoff spricht in diesem Roman Umweltverschmutzung, menschliche Verblendung im ewigen Haschen nach „besser, schneller, reicher“, Kriege, Grausamkeit aber auch zeitlose Schönheit an. Es ist lange her, seit ein Roman ein so tiefes Echo in mir hinterlassen hat, dass ich auch Tage nach dem Fertiglesen immer noch gelegentlich daran denke und mit einer schmerzlichen Sehnsucht im Herzen wissen möchte, wie es weitergeht.

Das haben eigentlich nur wenige Buchreihen in diesem Maße bei mir geschafft.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Die Sprache ist Geschmackssache.
Mir persönlich gefällt diese Art Sprache. Voller Metaphern und ungewöhnlicher Sprachbilder, schafft Marie Graßhoff es, sogar Dinge wie die völlige Auflösung des Ichs in einem Schwarm Schmetterlinge oder die Zersplitterung einer Seele in Worte zu kleiden.
Wundervolle, kostbare und mehrdeutige Worte, in die ich mich oft hineinlegen könnte und die mich oft eher an ein Prosagedicht erinnert haben und weniger an eine tatsächliche Geschichte.
Und so manches Wort trifft dabei einfach mitten ins Herz, samt Widerhaken, bleibt stecken und tut weh. So schön geschrieben ist das – für mich.
Da ich aber weiß, dass nicht alle diese Art von Sprache mögen, würde ich euch empfehlen, in eine Leseprobe reinzuschnuppern. Ich jedenfalls war begeistert.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Habe ich schon erwähnt, dass ich mich in dieses Buch verliebt habe und nun sehnsüchtig darauf warte, dass „Weltasche“ erscheint?
Ich glaube, der Reader war noch ganz heiß von meinem schnellen Lesen, da habe ich auch die kleine Zusatzgeschichte zum Roman regelrecht inhaliert.
„Kernstaub“ ist ein sehr philosophisches, aber gleichzeitig durchaus auch actionreiches Buch mit ungewöhnlichem Weltenbau, faszinierenden Romanfiguren und einer Sprache, die unglaublich poetisch ist.
Wer ein ungewöhnliches Buch mit sehr ernsten gesellschaftskritischen Anklängen und einer düsteren Stimmung lesen möchte, für den ist „Kernstaub“ perfekt.

Feuerflocke fünf Sterne Klein
Disclaimer: Ja, ist das nun ein Rezensionsexemplar oder nicht, wenn man den Beginn dieses Blogposts berücksichtigt? Naja, vermutlich nicht wirklich. Aber ich möchte den Disclaimer nutzen, um Marie dafür zu danken, die Leserunde moderiert zu haben. Es war wunderbar, mit dir über das Buch zu diskutieren, Zusatzfragen zu stellen und ganz besonders tief in die Welt von Mara einzutauchen!