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Schlagwort-Archive: Thriller

Alva Furisto – Der Psi-Effekt – 6:42 Uhr (1#)

Veröffentlicht am
Mit freundlicher Genehmigung des Verlags!

Mit freundlicher Genehmigung des Verlags!

Titel: Der Psi-Effekt – 6:42 Uhr
Autorin: Alva Furisto
Verlag: bookhouse Verlag
Genre: Thriller
Seiten: 2930 kb entsprechen 471 Seiten
Format: eBook
ISBN: 978-9963-53-371-8
Das Buch auf der Verlagshomepage

Ein Buch über eine Autorin, die ein Buch geschrieben hat. Und zwar ein Fantasy-Buch, das tiefgründig ist und dessen Symbolik sich mit den Ereignissen verstrickt? Beuteschema.
Es kommt intelligente Kritik an der Institution Kirche vor? Beuteschema².
Das Ganze gepaart mit einem komplexen Plot, einer omnipotenten Terrororganisation und das Versprechen, dass nichts so ist, wie es scheint?
Da kann ich unmöglich nein sagen, wenn man mir so ein Buch als Rezensionsexemplar anbietet!
Es wundert mich nicht, dass ich das Buch dann innerhalb kürzester Zeit durch hatte. Ich habe es regelrecht inhaliert, weil ich das eBook offenhatte, wo ich ging und stand.
Cover:

Bonuspunkte dafür, dass es ein rein abstraktes Cover ist, ohne ein einziges Gesicht. Nichts gegen Coverkünstler, die Menschen auf ihre Cover setzen. Ich liebe alle Cover, die schön gemacht sind. Aber wenn auf allen Covern nur noch Menschen drauf sind … Ich glaube, ihr versteht, was ich meine.
Hier den Titel selbst vor einem schlichten und zerklüfteten Hintergrund in Szene zu setzen, ist eine tolle Lösung, die mich optisch sehr angesprochen hat und für mich auch sehr gut zum Inhalt des Buches passte.
Schade, dass hier kein konkreter Covergestalter angegeben ist, den ich in die Beschreibung und die Tags einfügen könnte. Was für eine tolle Arbeit!
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Wo fange ich an…
Dass ich den Cocktail, den der Klappentext verspricht, an und für sich für faszinierend genug hielt, um das Rezensionsexemplar sofort und zittrig vor Vorfreude anzunehmen, habe ich bereits erwähnt. Auch, dass ich das Buch anschließend regelrecht verschlungen habe, weil ich nicht aufhören konnte, zu lesen.
Aber auch abgesehen davon fand ich das Buch rundum spannend und die Figuren glaubwürdig. Als Atheistin musste ich bei den Diskussionen zwischen Anna und dem Bischof häufig schmunzeln, einfach weil ich diese Art der Diskussion an und für sich sehr gut aus eigener Erfahrung kenne. Nur hatte ich im Gegensatz zu Anna nie die Gelegenheit, all diese Dinge einem Bischof zu sagen. Wie die zwei sich dann trotzdem irgendwie zusammenraufen müssen, fand ich in dem Zusammenhang absolut authentisch und sehr unterhaltsam zu lesen.
Der Roman hat mehrere Erzählebenen und ist aus verschiedenen Perspektiven geschildert, arbeitet dabei auch mal gerne mit Cliffhangern und sehr geschickt platzierten Rückblenden. Dabei muss man als Leser natürlich gut mitdenken, um nachverfolgen zu können, was genau wann und warum passiert.
Einen kleinen Abzug gibt es von mir für das Ende. Wenn ich nicht wüsste, dass da noch was kommt, wäre ich an dieser Stelle nämlich ganz schön ausgerastet (und hätte deutlich mehr Feuerflocken abgezogen). Vielleicht liegt es an meiner Ausgabe (Rezensionsexemplar) und die Käufer des Buches bekommen die Info, dass ein zweiter Teil folgt – aber ich musste jedenfalls erstmal die Autorin anschreiben und fragen, ob meine Datei nicht fehlerhaft ist.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Sprache:

Alva Furisto kann erzählen und zwar so furios, wie ihr Name es bereits verspricht.
An den richtigen Stellen wird es nüchtern, emotional, chatauthentisch, spirituell und erotisch. An den richtigen Stellen ändert sich die Sprache genau so, wie sie muss.
Was mir außerdem sehr wichtig ist: Jede Figur hat ihre eigene Sprache erhalten. Man weiß bei einem Perspektivwechsel vom ersten Satz an, mit wem man zu rechnen hat und wer etwas gesagt hat oder sagen könnte.
Handwerklich also absolut sauber ausgeführt.
Ihr seht, ich habe hier nicht viel zu sagen. Wie es oft ist, wenn man etwas einfach ziemlich gut findet :D.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

„Der Psi-Effekt – 6:42 Uhr“ macht Spaß. Es ist ein quasi wie zwei Bücher in einem – ein rasanter und actionreicher Thriller ebenso wie ein sehr intelligent erzählter, tiefgründiger Roman darüber, was die Welt scheinbar zusammenhält. Ein Roman, der mir manchmal schmerzlich realistisch erschien und bei dem ich das Gefühl hatte, dass er dazu in der Lage ist, unserer kaputten Gesellschaft den Spiegel hinzuhalten. Er zeigt zu deutlich auf, wie die Welt momentan ist, aber nicht zu sein hat.
Und das ist zumindest für mich bei zeitgenössischen Romanen fast das Wichtigste, dass sie in irgendeiner Weise auch eine Aussage über die Gesellschaft treffen.
Auf alle Fälle freue ich mich jetzt schon auf den zweiten Teil und wünsche der Autorin viel Erfolg. Dieses Buch verdient es, von möglichst vielen Menschen gelesen und verstanden zu werden.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Ich bedanke mich beim bookhouse Verlag für das Rezensionsexemplar. Das waren sehr vergnügliche Lesestunden 🙂

Thomas Neumeier – Mondlüstern

Veröffentlicht am

Titel: Mondlüstern
Autor: Thomas Neumeier
Verlag: O’Connell Press
Genre: (okkulter) Thriller
Seiten: 1066 KB entsprechen 274 Seiten
Format: eBook
ASIN: B011DTKDB2
Das Buch auf der Verlagshomepage

Ein sehr spannender Thriller, der das Thema „Okkultismus“ gekonnt mit einem spannenden Kriminalfall verbindet, bei dem einerseits ganz klassisch mit Verdächtigen gesprochen und Verfolgungsjagden inszeniert werden, andererseits jedoch schlicht nichts so ist, wie es scheint.
Am Ende mischen so viele Parteien mit unterschiedlichen Interessen mit, dass die Geschichte schön komplex wird – und als dann eine Art Online-Big-Brother ins Spiel kommt, eskaliert die Situation völlig.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, auch wenn sich an einigen Stellen das Ermittlerpaar im Kreis gedreht hat. Aber das war nicht schlimm. Die zwei sind so herrlich unterschiedlich, dass es Spaß macht, ihre Diskussionen mitzuverfolgen.

Die Freundin des dänischen Polizisten Brandur Christensen wird von unbekannten Wesen brutal ermordet – und er zieht sich vom Dienst zurück. Doch dann erregt ein ähnlicher Fall aus Deutschland sein Interesse und er beginnt, zusammen mit der Esoterikautorin Anja Kahrmann zu ermitteln. Was geschah damals wirklich? Und was hat das mit dem Mord an seiner Freundin zu tun?

Cover:

Hier gebe ich ganz ehrlich zu, dass das Cover der Grund war, aus dem ich das Buch überhaupt angeklickt (und später dann angefragt habe). Mit dem wunderschön und gleichzeitig irgendwie unheimlich hinter die Wolken gesetzten Mond und den riesengroßen Raubtieraugen – die dennoch eine tödliche Intelligenz verraten – hat es mich auf Anhieb neugierig gemacht.
Die Inhaltsangabe war dann schnell gelesen und die Anfrage bald gestellt, ob ich es lesen darf. Aber selbst wenn ich es nicht als Rezensionsexemplar erhalten hätte – allein wegen des Covers wäre dieses Buch auf jeden Fall auf meinem Smartphone gelandet.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Hier wird es etwas schwer, ohne zu spoilern.
Auf jeden Fall hat der Autor eine sehr dichte Geschichte geschrieben, die ich in Hinblick auf einige besondre Punkte erschreckend realistisch fand.
Brandur und Anja wollen einen zwei Jahre alten Fall aufrollen, um herauszufinden, was wirklich geschah, als eine junge Frau brutal ermordet wurde. Diverse Gruppierungen jedoch mögen es gar nicht, wenn in ihren Geheimnissen herumgeschnüffelt wird – und geben das den beiden Ermittlern auch regelmäßig mehr als deutlich zu verstehen.
Ganz nebenbei erfährt man außerdem, dass in bayerischen Dörfern nicht zwingend alle Menschen erzkatholisch sein müssen, so Einiges über keltische Kulte und das Verhalten von Waldtieren.
Mir wäre auch sonst keine Unstimmigkeit aufgefallen, auch nicht bei der Charakterzeichnung (auch wenn ich über beide Menschen gerne mehr erfahren hätte) und das Buch ist in sich geschlossen, könnte jedoch durchaus eine Fortsetzung zulassen – ich würde mich freuen.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Ein lachendes und ein weinendes Auge hier.
Ich mochte die Sprache aus „Mondlüstern“ sehr. Manchmal erinnerte sie mich ein wenig an Jules Verne, war etwas altertümlich angehaucht und… ja, ich habe in den Amazon-Rezensionen gesehen, dass manche Leser diese Sprache schrecklich fanden. Bei mir hat die Sprache einen Nerv getroffen, ich mochte es sehr, dass ein Autor sich mal traut, komplexere Worte zu wählen, lange Sätze zu bauen und das Ganze sprachlich ein wenig anders aufzuziehen, als 80% der Thrillerautoren, die ich bisher gelesen habe.
Hat auch sehr gut zum Fall, zur Atmosphäre und zum Okkultismus in diesem Buch gepasst und mir als Fan von anspruchsvoller Sprache und kuriosen Worten auf jeden Fall gefallen.
Manchmal gerieten dadurch jedoch die Sätze einen Hauch zu verschwurbelt, es fehlte ein Wort oder war falsch geschrieben. Das ist nicht schlimm, aber doch schade.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Fazit:

Ich habe nach dem Lesen noch lange über die Implikationen und ja, die philosophischen Hintergründe hinter dem Konzept dieses Thrillers nachgedacht – das Buch hat also einen Nachhall hinterlassen, der mich die Welt ein Stückweit anders sehen lässt.
Ganz abgesehen davon, dass ich mich glänzend unterhalten gefühlt habe von dem ungleichen Duo Brandur und Anja, von den Polarforschern auf dem U-Boot und dem hohen Miträtselfaktor.
Ein sprachlich schöner, spannender und innovativer Thriller, nach dem ich den Autor auf alle Fälle im Auge behalten werde. Das hat gefallen!
In der Endbewertung runde ich auf 5 FeuerFlocken auf, da der Wermutstropfen mit den fünf oder sechs Rechtschreibfehlern im Prinzip winzig ist und für mich das Gesamtergebnis nicht getrübt hat, man solche Fehler gerade in eBooks außerdem schnell beheben kann, sodass künftige Leser sie sowieso nie zu Gesicht bekommen.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Danke an O’Connell Press für das Rezensionsexemplar! Ich hatte viel Spaß beim Lesen :).

A. K. Benedict – Die Eleganz des Tötens

Veröffentlicht am

Titel: Die Eleganz des Tötens
Autorin: A. K. Benedict
Verlag: Knaur TB
Genre: Thriller (mit Fantasy-Elementen?)
Seiten: 576
Format: Taschenbuch
ISBN: 978-3-426-51320-0
Das Buch auf der Verlagshomepage

Die Idee ist eigentlich ziemlich cool – aber ich bin mir immer noch nicht sicher, ob mir das Buch eigentlich gefallen hat oder nicht. Und das ist mir noch nie bei einem Buch passiert.
Das Konzept der Zeitreisen in diesem Buch ist richtig, richtig cool. Auch, wie es freien Willen, Determinismus und dergleichen auf die Probe stellt. Ein solches Konzept habe ich in der Form noch nirgends vorgefunden und werde es irgendwann für die Weltenschmiede aufarbeiten, auch wenn es ziemlich komplex ist und ich dafür das ganze Buch noch mal durchkämmen muss.
Killigan ist auch eine recht interessante Persönlichkeit und der Killer ein toller Antagonist. Hier scheint auf den ersten Blick eigentlich alles zu stimmen.
Würde daraus eine Serie, würde ich die Fortsetzung vermutlich sogar lesen.
Und dennoch kann ich einfach keine vernünftige Meinung zu diesem Buch abgeben und ich weiß nicht mal so richtig, wieso.

Cover:

Ich gebe ehrlich zu, dass das Cover einer der Gründe war, aus dem ich überhaupt Interesse an dem Buch hatte und es mir als Prämie bei „Was liest du“ gegen meine Punkte eintauschen wollte. Rein optisch hat der Designer hier also nichts falsch gemacht. Die Maske in Verbindung mit dem Titel macht neugierig und hat mich dazu gebracht, das Buch anzuklicken, den Klappentext zu lesen und die Prämie zu bestellen.
Die Ernüchterung folgte dann beim Lesen. Schon vom ersten Aufklappen des Buches hat der Rücken sich sehr hässlich gewellt und obwohl ich – gerade weil mir die miese Qualität der Pappe aufgefallen ist – bei diesem Buch extra vorsichtig war, werden sich die Seitenklappen wohl bald lösen und das Bild rubbelt sich bereits leicht ab. Vom Buchrücken rede ich lieber gar nicht erst.
Das Buch sieht inzwischen aus, als hätte ich es gekaut.
Aus diesem Grund massiver Flockenabzug. Ein „Quality Paperback“ ist das nämlich nicht.

Feuerflocke zwei Sterne Klein

Inhalt:

Stephen Killigan ist neu in Cambridge – er versucht dort, Philosophie zu unterrichten.
Doch ehe er sichs versieht, verstrickt er sich in ein Netz aus Lügen, Widersprüchen und Intrigen. Wer ist das tote Mädchen, über das er stolpert, das jedoch bald darauf spurlos verschwunden ist? Wer steckt hinter dem Tod an der seit einem Jahr vermissten Schönheitskönigin Miranda? Und welche Geheimnisse verbirgt Killigan selbst?
Zeitreisen, eine schrullige Mathematikprofessorin, eine heiße Bibliotheksangestellte und ein völlig durchgeknallter Philosophieprofessor, der sich gerne tote Menschen ansieht. Dazu ein Antagonist, der so charismatisch und gleichzeitig so fies ist, dass es eigentlich Spaß machen sollte.
Die Betonung liegt auf eigentlich. Es ist alles da, was eine gute Geschichte ausmachen sollte. Dennoch hatte ich oft das Gefühl, die Story an sich eiert ziemlich herum.
Mal begleiten wir den Killer, wie er sein undurchsichtiges Netz aus Zeitreisen spinnt und sich dabei in selbstherrlichen und Kommentaren ergeht. Dann wieder Killigan, der ein so sprunghafter Erzähler ist, dass ich manchmal mehrmals lesen musste, um zu verstehen, was diese krude Andeutung jetzt bedeuten soll. Dazu kommt, dass mir Killigan nicht immer völlig rational handelt. Okay, eine Affäre mit dem Schwarm des besten Freundes, wenn es nun mal funkt, sei ihm verziehen, es beruht ja auf Gegenseitigkeit und Lana kann selbst entscheiden, mit wem sie anbändelt. Aber wieso Killigan diesen irren Todesethiker nicht mal anzeigt oder dass es bei der Zeitreise ja nieeemandem auffällt, dass er andere Klamotten trägt oder völlig anders spricht als die Menschen dieser Zeit (in 400 Jahren dürfte sich das gesprochene Englisch massiv verändert haben) und überhaupt…
Und einige andere Elemtente, bei denen ich das Gefühl hatte, dass sie nur drin waren, weil sie halt in einen Thriller mit einem Psychopathen reingehören, die aber sonst überflüssig waren. Es fühlte sich aufgesetzt und deplatziert an.
Drei FeuerFlocken hier, ich mochte immerhin die Zeitreisen an sich und die perfide Verstrickung der Zeitlinien.
Feuerflocke drei Sterne Klein

Sprache:

Die Sprache fand ich eigentlich an sich nicht schlecht. Sie hat mir meistens sehr gut gefallen, aber das, was ich oben angemerkt hab, gilt natürlich hier insbesondere.
Es gibt schlicht keinen Unterschied zwischen den Sprechern aus dem siebzehnten Jahrhundert und den modernen Sprechern. Nicht, dass sie alle sofort krude sprechen müssten, aber wenigstens ein bisschen historisieren wäre schon schön. Gerade wenn die Autorin doch selbst englische Literatur studiert, müsste sie eigentlich wissen, wie unterschiedlich die englische Sprache zu verschiedenen Zeiten war und insbesondere wenn sie Menschen aus anderen Schichten auftreten lässt, kann ein bisschen Zeitkolorit nicht schaden. Das fehlte für mich völlig. Vermutlich diente es dazu, Killigans Verwirrung glaubhafter zu machen, weil er so natürlich nicht sofort kapiert, wo er gelandet ist und vor allem wann – aber auf mich als Historienfan wirkte das unglaubwürdig und konstruiert.
Gerade am Ende wird die Sprache außerdem so verschwurbelt, dass ich schlicht nicht immer erkennen konnte, was gemeint ist. Und ich lese in meiner Freizeit Schriften über Quantenphysik …
Feuerflocke drei Sterne Klein

Fazit:

Nach einer kurzen Lektüre der Rezensionen unter anderem bei Amazon stelle ich fest, dass ich nicht die Einzige bin, die das Buch schwer einordnen kann. Es hat Elemente, die durchaus gelungen sind und reizvoll daherkommen. Gleichzeitig kommt keine echte Spannung, keine echter Nervenkitzel auf. Alles bleibt irgendwie auf einer Ebene, auf der ich als unbeteiligte Zuschauerin eher desinteressiert verfolge, wie sich die einzelnen Storylines mal auseinanderwickeln.
Grundsätzlich hätte Killigan als Philosophiedozent und Zeitreisender aber durchaus Potential zu einem interessanten Thrillerprotagonist.

Kurz habe ich überlegt, bei diesem Buch ohne Bewertung zu bleiben – weil es schwer fällt, es in FeuerFlocken zu fassen. Im Prinzip kann ich es aber auch eigentlich einfach als das deklarieren, als was ich es wahrgenommen habe: Durchwachsenes Mittelmaß.

Feuerflocke drei Sterne Klein

Disclaimer: Das Buch habe ich als Prämie bei „Was liest du?“ angefordert, im Austausch gegen 20.000 Punkte. Ob das als Rezensionsexemplar zählt, weiß ich nicht – eigentlich nicht – aber ich gebe lieber einmal zu oft die Herkunft eines Buches an :).

Antje Wagner – Unland

Veröffentlicht am

Titel: Unland
Autorin: Antje Wagner
Verlag: Gulliver (gehört zu Beltz & Gelberg)
Genre: Jugendthriller
Altersempfehlung: ab 13 Jahren (Empfehlung des Verlags)
Seiten: 381
Format: Taschenbuch
ISBN: 978-3407745118
Das Buch auf der Verlagshomepage

Ich glaube, das ist – gleich nach „Die Verteidigung der Missionarsstellung“ von Wolf Haas, das ich für schlicht nicht rezensierbar halte und darum immer noch nicht für den Blog rezensiert habe – das am Schwersten rezensierbare Buch, das ich je in den Händen gehabt habe.
Was nicht bedeutet, dass es schlech ist. Ganz im Gegenteil. Es ist eins der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Mich hat schon sehr lange kein Buch so derartig mitgenommen, so stark emotional involviert. Ich habe gelacht, beinahe geweint und mich auf das Heftigste gegruselt.
Es ist einfach nur sehr schwer für mich zu beschreiben. Aber zum Glück habe ich hier so ein wunderbares Raster für Rezensionen, das macht es für mich leichter, ein unglaublich gutes Buch anständig zu besprechen.

Cover:

Das Cover überrascht. Eigentlich ist es ein ganz normales Foto von einem ganz normalen Wald. Eigentlich.
Hätte man es nicht auf die Seite gekippt. Was zur Folge hatte, dass ich erst irgendwo in der Buchmitte es überhaupt gemerkt habe und auch das nur, weil ich das Buch in der Ablage unter einem Glastisch verstaut habe und mir ein Lichtlein aufging, als ich es von schräg oben zufällig ansah, ohne es zu fokusieren.
Und jetzt, da ich es mir nach der Lektüre noch mal ganz intensiv anschaue… Das sind alles die gleichen, skelettartig tot wirkenden Bäume und ein bisschen trockenes Moos unten drunter. Auf die Seite gekippt.
Ohne zu spoilern, passt das unheimlich gut zum Inhalt.
Und da ich beim Cover auch die Stabilität und Verarbeitung mitbewerte: Auch die passt. Gerade weil ich erfahren habe, dass man das Buch auch als Schullektüre im Deutschunterricht liest. So ein Buch muss einen Tag in einem Ranzen überleben können und dieses hier kann das eindeutig.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Der Inhalt ist schnell erzählt. Franka muss aus Berlin ins verschnarchte Waldburgen ziehen – dort erhält sie die Chance, in einer betreuten Jugendwohngemeinschaft zu leben.  Doch als Heimkind in ein Dorf hineinzufinden, wo jeder jeden kennt, ist schwierig – besonders wenn man nicht der Norm entspricht.
Doch neben dem ganz alltäglichen Wahnsinn von Kleinkariertheit, Mobbing und Kindheitstraumata hat Waldburgen ein finsteres Geheimnis.
Wieso sollte die Gemeinde diese komischen schwarzen Ruinen namens Unland umzäunen?
Die Welt ist hier sehr dicht – man bekommt als Leser langsam kleine und kleinste Hinweisfitzelchen gefüttert, aber die Auflösung war doch noch mal ein ganzes Stück heftiger, als ich gedacht hätte.
Hier gibt es zwei mögliche Lesarten, die ich gleichberechtigt nebeneinander stellen würde – die Fantasylesart und die über Gefühlslandschaften im romantischen (als Literaturepoche!) Sinne des Wortes.
Beide Lesarten sind verstörend, beide regen zum Nachdenken an.
Auch die Figuren haben einen Absatz hier verdient. Denn die fand ich auf eine faszinierende Art und Weise sehr echt – man lernt sie über Äußerlichkeiten kennen und bildet sich als Leser fast automatisch Vorurteile – die dann systematisch dekonstruiert werden. Das ist ein Buch zum Mitdenken und Reflektieren, auch auf der Figurenebene.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Da hat sich die Autorin etwas einfallen lassen.
Sprachlich brilliant und wunderbar ausgewogen, mit aktuellen Songtexten, die immer genau von den Dingen handeln, die die Kinder unausgesprochen lassen müssen oder nicht auszusprechen wagen und die ich immer als sehr passend empfand. Wobei ich generell zu denen gehöre, die Songtexte in Büchern mögen.
Dazu spielt sie mit Schriftart und Schriftgröße. Wo es nötig ist, wird da schon mal auf Frakturschrift, immer größere Buchstaben oder krakelige Handschrift zurückgegriffen und das gibt dem Buch eine Authenzität und eine Echtheit, die angesichts des Plots ein unendlich weites Feld an Interpretationen und weiteren Gedanken auftut.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Wie gesagt, die Rezension fällt mir sehr schwer – weil „Unland“ auf eine Art und Weise die Emotionen anspricht, die es schwer macht, nachträglich darüber zu reflexieren. Einfach weil die Worte fehlen.
Hier werden so viele Themen angesprochen. Ausgrenzung, Normalität, Gewalt, Jugendkriminalität, Identität, Sexualität, Selbstfindung… das ganze Spektrum dessen, was Jugendliche, aber auch viele Erwachsene auf jeden Fall herumtreibt und das auf eine Weise, die ich als sehr intensiv empfand.
Bei diesem Buch empfehle ich aber, gerade wenn die Leser sehr jung sind, es mit den Eltern oder mit anderen Jugendlichen zu lesen und sich auszutauschen. Es lohnt sich.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Ich habe das Buch im Rahmen einer Leserunde im Katze-mit-Buch-Forum gelesen und das Buch dafür vom Verlag gestellt bekommen. Vielen Dank für das Buch und für eine spannende, lehrreiche Leserunde mit Antje Wagner, die sich unseren Fragen stellte. So viele Einblicke in die Entstehung des Buches, die Hintergründe der Handlung, ins Schreibhandwerk… Toll! Und danke an alle Mitleserinnen für ihren Input – der mich oft sehr nachdenklich gemacht hat und Perspektiven aufzeigte, die ich von selbst gar nicht wahrgenommen hätte.

Thomas Thiemeyer – Devil’s River

Veröffentlicht am

Titel: Devil’s River
Autor: Thomas Thiemeyer
Verlag: Knaur
Genre: Thriller
Seiten: 512
Format: Knaur HC (so steht es auf der Verlagsseite – im Prinzip ist es aber ein Taschenbuch mit kartoniertem Einband und Klappe auf der Vorder- und Rückseite)
ISBN: 978-3-426-51715-4
Das Buch auf der Verlagshomepage

Das Buch hat eine gegenwärtige Rahmenhandlung rund um die junge Eve: Die Medizinstudentin hängt sehr an ihrer Großmutter, die im hohen Alter stirbt und… ihr zusammen mit ihrem alten Haus das große Familiengeheimnis vermacht. Ihre Familie ist gar nicht glücklich darüber, dass Eve im alten Buch ihrer Großmutter liest. Doch weshalb? Welches dunkle Geheimnis versteckte die lebenslustige Großmutter in den alten Seiten?
Aber im Prinzip steht die Vergangenheit von River und Blake im Vordergrund. Wenn man genau hinsieht, offenbaren sich immer wieder spannende Querverbindungen. Wie kommt es, dass Eve die Geschichte von River nachliest, während River seltsame Vorahnungen einer zukünftigen Welt hat?
Das Buch lebt von sehr anschaulichen Beschreibungen, tollen Dialogen und einer gewissen Uneindeutigkeit – was ist wirklich passiert? Wer hat was wirklich gesehen? Wo ist die Grenze zwischen Fantasie, Magie und Wahrheit?

Anfangs las sich das Buch, als würde ich drei Bücher lesen – zum einen Eves Reise in die Vergangenheit, zum anderen der Western mit dem Bürgermeister und der Suche nach dem berüchtigten Frauenmörder Nathan Blake und zuletzt die mystische Geschichte von River. Nur der Zeitungsartikel am Anfang deutet an, dass es einen Zusammenhang gibt.

Doch dann werden die Handlungsstränge zusammengeführt und es wird immer spannender.
Ein Buch, das ich am Ende kaum aus der Hand legen konnte.

Cover:

Ui, das Cover. Als ich das Bild davon im Internet sah, konnte ich nämlich erstmal nichts sonderlich Beeindruckendes sehen. Halt Berge und ein See und ein Boot. Nichts, was ich so nicht schon mal gesehen hätte.
Und dann kam das Buch bei mir an, ich packte es aus und… wow. Wenn man es in der Hand hält, sieht man eigentlich erst, wie wunderschön es ist. Denn es handelt sich eben nicht, wie es auf den ersten Blick scheint, um ein simples Foto einer Landschaft mit Boot. Das ist ein unfassbar schönes Gemälde in zarten Pastellfarben mit vielen kleinen Details – die man nach Lust und Laune betrachten kann, sobald man das Buch in der Hand hält.
Sehr praktisch: Eine Karte der Gegend um den Devil’s River versteckt sich hinter der Coverklappe vorne und ein Stammbaum hinter der Klappe im hinteren Teil des Buches.
Wobei ich es nicht empfehlen würde, den Stammbaum vor dem Lesen anzuschauen – der spoilert sonst.
Zwei Kleinigkeiten, wegen denen ich jedoch ein Flöckchen abziehe: Im Klappentext steht eine Jahreszahl, was der Autor so nicht gewollt hat und irreführend für den Leser ist und… Die Leserillen. Ich besitze Bücher vergleichbarer und größerer Länge, die auch nach mehrmaligem Lesen noch einen recht jungfräulichen Buchrücken besitzen. Dieses Buch habe ich zum ersten Mal gelesen, es war quasi „fabrikneu“ und hat doch schon unschöne Rillen. Ich gehöre nicht zu den Fanatikern, die ihre Bücher sonstwie sorgfältig behandeln, aber ich gehöre zu den Leuten, die Bücher mehrmals lesen. Und es wäre mir lieb, wenn „Devil’s River“ beim fünften Mal nicht am Rücken auseinandergeht. Das wäre schade.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Inhalt:

Anfangs wird man mit einem Zeitungsartikel über merkwürdige Ereignisse an einem kanadischen Berg konfrontiert. Unzählige Menschen wurden in der Gegend vermisst gemeldet, man hat zahlreiche Schädel gefunden. Doch was ist wirklich passiert?
Die ersten Kapitel werden von diesem Artikel wie von einem roten Faden zusammengehalten, denn auf den ersten Blick hat die Geschichte der von ihrer Spießer-Mutter und ihrem noch spießigeren Freund Rupert bevormundeten Eve aus dem heutigen London sehr wenig mit dem Serienmörder zu tun, der im Wilden Westen kaltblütig Frauen ermordet. Oder mit der jungen Indianerin River, die als Medizinfrau auf der Suche nach Medizin die Täler rund um ihr Heimatdorf durchwandert.
Doch dann werden die drei Handlungsstränge auf überraschende, sehr rasante und temporeiche Art und Weise zusammengeführt und man sprintet zusammen mit den Romanfiguren von einem geheimnisvollen Abenteuer ins nächste.

Thiemeyer hat hier eine Welt geschaffen, die sehr eindrucksvoll ist – und bei der am Ende niemand genau weiß, was eigentlich geschehen ist. Vieles bleibt so der Fantasie des Lesers überlassen oder fordert zum Mit- und Nachdenken auf.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Die Sprache im Roman ist klar und gut lesbar.
Ein besonderes Highlight waren für mich die Stellen, in denen die Sprache der Ojibwe einbezogen wurden. Einige wissen ja, dass ich auf Sprache, Intertextualität, Conlang oder einfach nur besondere Sprachen in Büchern stehe. Darum war das für mich sprachlich die Kirsche auf der Sahnetorte.
Abgesehen davon: Die Erzählstimmen für Eve (Gegenwart) und River & Co. (Vergangenheit) haben sich deutlich voneinander abgehoben.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Ein sehr abenteuerliches, rasantes Buch. Spätestens sobald die drei Handlungsstränge miteinander verwoben werden, kann man eigentlich kaum noch mit dem Lesen aufhören.
Und vielleicht, ich hoffe jedenfalls darauf, gibt es irgendwann weitere Abenteuer von Eve in Buchform.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Gelesen im Rahmen einer autorenbegleiteten Leserunde im Katze-mit-Buch-Forum. Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar und an Thomas Thiemeyer für das Beantworten der vielen Leserfragen!

Jörg Karweick – Rönum

Veröffentlicht am

Titel: Rönum
Autor: Jörg Karweick
Verlag: O’Connell Press
Genre: Thriller
Seiten: 425 KB entsprechen 192 Seiten
Format: E-Book
ASIN: B00T8J1DV4
Das Buch auf der Verlagshomepage

Das Buch ist genial geschrieben – auf mehreren Zeit- und Ortsebenen wird die Erzählung in eine Rahmenhandlung eingebettet. Eine Touristin findet überraschend eine Leiche am Strand und informiert die Polizei.
Doch wie konnte es dazu kommen? In einer streng durchstrukturierten Binnenhandlung wird erzählt, was in dieser Zeit geschah – und die Frage gelöst, wieso eigentlich kein Tourist nach Rönum geht.

Beim Lesen hatte ich oft Gänsehaut – das Buch ist unterschwelliger Grusel vom Feinsten, mit gekonnt eingesetzten Symbolen und geschickten Cliffhangern.

Cover:

Schlicht und schön.
Die Sepiatöne, in denen das Cover gehalten ist, wirken ruhig und gediegen – gleichzeitig strahlt der von Nahem fotografierte Turm doch eine gewisse Bedrohung aus und die Titelschrift wirkt ein wenig wie verwitterter Stahl.
Selbst wenn man die Geschichte noch nicht kennt, weiß man im Prinzip, worauf man da eingestimmt wird – scheinbar ist alles gediegen, ein wenig altmodisch und sonst in Ordnung. Doch hinter der Fassade lauert eine düstere Gefahr.
(Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich so gut wie alle Cover aus diesem Verlag einfach schön finde?)

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Das Buch ist ziemlich kurz und entsprechend dicht geschrieben, es ist also nicht einfach, hier etwas zu schreiben, ohne zu viel zu verraten.
Die Touristin ist selbst früher öfter in die Gegend gekommen – doch aus irgendeinem Grunde haben ihre Eltern irgendwann aufgehört, mit ihr nach Rönum zu reisen. Mehr noch, sie überreden sie, nicht mehr darüber zu reden und wollen das Ganze am Besten vergessen. Dennoch macht sie selbst Urlaub in Rönum und… findet prompt eine Leiche.
Was ist da passiert?
Die Binnenhandlung soll hier Klarheit schaffen und erzählt die Ereignisse, die dem Leichenfund vorausgehen. Und rücken den Romanbeginn in ein anderes Licht.
Die Welt hinter dem Roman wird dabei nur angedeutet – man muss viel mitdenken und sich die Zusammenhänge nach und nach selbst zusammenpuzzeln.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Da gibt es nichts auszusetzen.
Ich fand die Sprache sehr schön – mystisch und poetisch, wo es mystisch und poetisch sein muss. Trocken und sachlich, wo es so sein muss und auch mal völlig wirr, wenn der Perspektiventräger gerade etwas wirr im Kopf ist. Mit anderen Worten: Wechsel der Erzählstimme bei Wechsel der Perspektive und Anpassung an die jeweilige Gegebenheit.
Mir persönlich gefällt das sehr gut – auch wenn ich weiß, dass manche Leser keine Freunde davon sind.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Das Buch habe ich schon beäugt, als es noch um 2014 herum nur mit Cover und Inhaltsangabe auf der Verlagshomepage beim Stöbern entdeckt habe. Und ich bereue auf jeden Fall nicht, es gelesen zu haben. Der Grusel kam auf leisen Sohlen, aber dafür ziemlich eindringlich und es wurde immer wieder spannend.
Das Buch hat mir auf jeden Fall sehr gut gefallen und ich empfehle es denen weiter, die gerne Thriller lesen – es aber nicht zwingend blutig brauchen.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Ich bedanke mich bei O’Connell Press für das Rezensionsexemplar. Es ist immer richtig toll, ein Buch angeboten zu bekommen, das man sowieso auf der Wunschliste hat.

Bernhard Aichner – Totenfrau

Veröffentlicht am

Titel: Totenfrau
Autorin: Bernhard Aichner
Verlag: btb
Genre: Thriller
Seiten: 444
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-442-75442-7

Kurz zum Inhalt:

Blums Mann. Wie er da liegt. Regungslos auf dem harten Asphalt. Sein Motorrad neben ihn, mit dem er aus der Ausfahrt fuhr. Wie ihm keiner mehr helfen kann. Nicht seine Frau. Nicht der Sanitäter. Nicht die Polizei.
Wie er einfach nur da liegt. Wie der Wagen langsam am Horizont verschwindet. Blum blickt ihm nach. Eine Bestatterin, die ihren Mann bestatten muss.
Fahrerflucht. Tränen auf ihren Wangen. Der Gedanke an Rache in ihrem Kopf.

Meinung

Aichner-Fans werden es schon erkannt haben: Obiges ist weder ein Klappentext, noch eine Inhaltsangabe, sondern ein sehr schlechter Versuch, Aichners Schreibstil nachzuahmen. Eine gar nicht so einfache Sache, die durchaus einiger Übung bedarf.
Denn Aichners Stil ist sagenhaft einmalig. Er verwendet selten volle Sätze, lässt „Wie“-Sätze einfach im Raum stehen, ohne sich darum zu scheren, dass da von rechts und linkswegen auch der Rest des Satzgefüges noch dazu müsste. Er macht Aufzählungen, betreibt manchmal ein reinstes Stakkato-Feuerwerk und lässt seine Geschichte dadurch enorm an Fahrt gewinnen.
Aber er nimmt sich auch Zeit für liebevolle Beschreibungen, für langsames Dahinplätschern, für glückliche und traurige Rückblenden, für Gefühle und mechanische Abläufe – nur um im nächsten Moment, wenn es nötig ist, wieder voll aufzudrehen und die Handlung Schlag auf Schlag voranzutreiben.
Stilistisch gesehen wirklich ausgefeilt, dagegen kann man nichts sagen.
Und ein Stil, der dem Inhalt nur angemessen ist.

Totenfrau ist ein Thriller ohne Gleichen. Blum ist Bestatterin in Innsbruck, der großen Stadt im heiligen Land Tirol. Ihr Mann ist Polizist, er war an einer heißen Sache dran und wie es bei Polizisten mit heißer Spur üblich ist, hat er niemandem auch nur ein Sterbenswörtchen erzählt – bis er in einem Unfall mit Fahrerflucht stirbt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Eine Dumpfbacke, wer es nicht tut – und Blums Freund und Helfer, der Rest von der Polizei, ist nicht gerade zu den Schelmen zu zählen…
Blum beginnt auf eigene Faust zu ermitteln, stößt bald auf Unaussprechliches – und beginnt mit einem Rachefeldzug quer durch Österreich.

Max Broll mit Brüsten?

Im Großen und Ganzen ist Totenfrau ein sehr solider Thriller, der spannend beginnt, spannend geschrieben ist, nichts an Brutalität fehlen lässt und sich auch für die intimen, gefühlvollen Momente die richtige Zeit nimmt. Ein Meisterwerk von einem Thriller, gäbe es da nicht diese winzige Kleinigkeit.
Es stellt sich beim Lesen schon sehr früh ein Déjà-vu ein, wenn man auch Aichners Max-Broll-Krimis kennt. Max Broll ist Totengräber, seine Tante Tilda Polizistin. Auch das Umfeld von Max leidet an der unglücklichen Eigenschaft, in dunkle Machenschaften verstrickt zu werden und auch Max nimmt die Sache gern in seine eigenen Hände. Auch die Broll-Krimis sind in Aichners unverwechselbarem Stil geschrieben. Auch die Broll-Krimis sind unglaublich spannend.
Und gerade an diese wird man schon zu Beginn von Totenfrau blöderweise stark erinnert und ich persönlich konnte mich lange des Eindrucks nicht erwehren, dass ich es mit einem Max-Broll-Aufguss zu tun habe, der die Hauptperson mal schnell zu einem Mädel macht und sonst alles gleich lässt, weil sich das ja eh so gut verkauft. Natürlich sind Bestatter und Totengräber zwei Paar Schuhe, aber so groß wie z.B. bei Arzt und Telefonistin ist der Unterschied auch wieder nicht.
Irgendwann hat mich dann beim Lesen der Sog der Spannung vollständig eingefangen und es war mir egal. Aber bis es soweit war, war es doch etwas zäh.

Ich würde Totenfrau allen Thriller-Fans ausdrücklich empfehlen und den Thriller auch Aichner-Fans ans Herz legen, kriegt man schließlich genau das, was man erwartet: Das Geschäft rund um den Tod, den Rachefeldzug, den Schreibstil. Und ein Gefühl des Heimkommens – ob positiv oder negativ, mag von Leser zu Leser variieren.

Dennoch eine Feuerflocke Abzug.

Feuerflocke vier Sterne Klein