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Marie Graßhoff – Kernstaub – Über den Staub an Schmetterlingsflügeln (Kernstaub #1)

Veröffentlicht am

Titel: Kernstaub – Über den Staub an Schmetterlingsflügeln
Autorin: Marie Graßhoff
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
Genre: Science Fiction? Fantasy? Science Fantasy? Schwer zu sagen.
Seiten: 822 Seiten entsprechen 1516 KB
Format: Kindle eBook
ASIN: B0178U5IEM
Das Buch auf Amazon – falls ihr keinen Reader habt und nicht auf dem Smartphone lesen wollt, gibt es auch eine Taschenbuchausgabe.

Ich bin Fangirl geworden. Ernsthaft. Ja, der Roman ist ziemlich lang (das Taschenbuch ist 822 Seiten lang) und es handelt sich um ein Independent-Werk, das die Autorin – etwas mehr als einen Monat jünger, als ich – da selbst herausgebracht hat.
Und es ist eins der schönsten und tiefgreifendsten Bücher, die ich je gelesen habe. Vom Ranking würde ich das sofort mit zu meinen Favoriten tun und es völlig gleichwertig neben „Harry Potter“, „ASOIAF“ und Co. in mein gedankliches „Beste Reihen“-Rega stellen.
Hier wird eine Welt aufgebaut, die auf einem komplexen System aus Seelenwanderung, Wiedergeburt und der Macht des Kerns beruht – doch jedes System hat einen Störfaktor. Den Kernstaub. Mara.
Alle sagen Mara, sie müsste sich einfach töten lassen und das Universum könnte ewige Glückseligkeit erlangen – doch stimmt das wirklich?
Die poetische Schreibweise, die es schafft, auch Unsagbares in Worte zu verpacken, drang direkt in mein Herz und die Geschichte an sich ist so ungewöhnlich und gleichzeitig so menschlich, dass ich immer weiterlesen wollte, sobald ich erst in der Story drin war.
An dieser Stelle würde ich gerne eine kleine Anekdote erzählen: „Kernstaub“ war das erste Buch, das ich bei der Autorin als Rezensionsexemplar für diesen Blog angefragt habe. Mich hat die Leseprobe gereizt und die Autorin war so lieb und hat in einem Bloggerforum Leseexemplare angeboten. Damals hatte ich allerdings ein ziemlich verbuggtes Billig-Android und die einzige Version des Buches, die ich zum Laufen bringen konnte, war die PDF-Fassung (mit der ich jedes Mal neu die Stelle suchen musste, an der ich aufgehört habe, weil die App das bei der PDF-Version nicht abgespeichert hat). Dann hat Marie im Dezember 2014 das Buch über Create Space veröffentlicht (davor gab es das Buch soweit ich weiß nur über Marie, es war gar nicht frei erhältlich) und ich habe die Gelegenheit genutzt, um es mir herunterzuladen – der Prolog hat mich zappelig werden lassen, ich wollte mehr, aber… mein blödes Handy musste kaputtgehen und landete in Reperatur. Durch Schusseligkeiten seitens der Post, der Reparaturstelle etc. bekam ich es erst im Februar wieder und im März war es schon wieder kaputt. Dieses Mal mit einer neuen Android-Version, bei der aber die Reader-App dauernd abgestürzt ist, weil das Handy hardwaretechnisch die Leistung nicht verkraftet hat. Args.
Dann hat Marie angekündigt, eine Leserunde auf Lovelybooks zu veranstalten. Mir wurde ein neues Handy geschenkt.
Und ich konnte endlich, 8 Monate nach dem ersten Kontakt mit Marie, das Buch lesen. Dann aber konnte ich einfach nicht aufhören und war innerhalb absurd kurzer Zeit fertig…

Cover:

Scheinbar gibt es auch ein „altes“ Cover, das habe ich allerdings glaube ich gar nicht mehr zu Gesicht bekommen. Ich kenne es jedenfalls nur mit dem „neuen“ Cover – also dem schwarz-orangen Bild von einem zerstörten Planeten und der Silhouette zweier Menschen vor Wolken und Sternen.
Ich mag das Cover unheimlich gern. Es ist eines dieser Cover, die perfekt zur erzählten Geschichte passen. Der zerstört wirkende Planet und das sich ausbreitende Band aus Licht kommen ganz konkret in der Geschichte vor und die zwei Menschen könnten die Protagonistin und ihr Begleiter sein.
Ich schaue es mir eigentlich sehr gerne an und es macht sich optisch auch sehr gut auf einem 5,7-Zoll-Display.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Hier wird eine Welt ausgebreitet, die sehr vielschichtig ist und ich bin mir immer noch sicher, dass wir noch gar nicht all ihre Facetten gesehen haben.
Mara lebt in einer Sphäre – einem abgespalteten Abbild der Welt zwischen dem 14ten und dem 22sten Jahrhundert, das sich immer und immer wiederholen wird – und weiß nicht, dass in der Wirklichkeit inzwischen mehrere Jahrhunderte vergangen sind und die Welt wie Mara sie kennt längst nicht mehr existiert.
Doch nicht nur die Welt ist anders als gedacht – so gut wie jeder Mensch aus Maras näherer Umgebung ist nicht der, der er oder sie auf den ersten Blick zu sein scheint. Am Allerwenigsten aber Mara selbst.
Sie muss sich nicht nur mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass die Welt wie sie sie kennt eigentlich nur eine Illusion ist – sie muss auch lernen zu verstehen, dass sie die einzige Störung im System ist und seit acht Milliarden Jahren gejagt wird. Angeblich müsste sie nur sterben, damit alle Seelen der Welt irgendwann in der Lage sind, absolute Seeligkeit zu erlangen.
Doch was ist eigentlich der Kernstaub?

Ein komplexer Weltenbau, eine komplexe Geschichte und viele Themen, die uns alle angehen. Marie Graßhoff spricht in diesem Roman Umweltverschmutzung, menschliche Verblendung im ewigen Haschen nach „besser, schneller, reicher“, Kriege, Grausamkeit aber auch zeitlose Schönheit an. Es ist lange her, seit ein Roman ein so tiefes Echo in mir hinterlassen hat, dass ich auch Tage nach dem Fertiglesen immer noch gelegentlich daran denke und mit einer schmerzlichen Sehnsucht im Herzen wissen möchte, wie es weitergeht.

Das haben eigentlich nur wenige Buchreihen in diesem Maße bei mir geschafft.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Die Sprache ist Geschmackssache.
Mir persönlich gefällt diese Art Sprache. Voller Metaphern und ungewöhnlicher Sprachbilder, schafft Marie Graßhoff es, sogar Dinge wie die völlige Auflösung des Ichs in einem Schwarm Schmetterlinge oder die Zersplitterung einer Seele in Worte zu kleiden.
Wundervolle, kostbare und mehrdeutige Worte, in die ich mich oft hineinlegen könnte und die mich oft eher an ein Prosagedicht erinnert haben und weniger an eine tatsächliche Geschichte.
Und so manches Wort trifft dabei einfach mitten ins Herz, samt Widerhaken, bleibt stecken und tut weh. So schön geschrieben ist das – für mich.
Da ich aber weiß, dass nicht alle diese Art von Sprache mögen, würde ich euch empfehlen, in eine Leseprobe reinzuschnuppern. Ich jedenfalls war begeistert.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Habe ich schon erwähnt, dass ich mich in dieses Buch verliebt habe und nun sehnsüchtig darauf warte, dass „Weltasche“ erscheint?
Ich glaube, der Reader war noch ganz heiß von meinem schnellen Lesen, da habe ich auch die kleine Zusatzgeschichte zum Roman regelrecht inhaliert.
„Kernstaub“ ist ein sehr philosophisches, aber gleichzeitig durchaus auch actionreiches Buch mit ungewöhnlichem Weltenbau, faszinierenden Romanfiguren und einer Sprache, die unglaublich poetisch ist.
Wer ein ungewöhnliches Buch mit sehr ernsten gesellschaftskritischen Anklängen und einer düsteren Stimmung lesen möchte, für den ist „Kernstaub“ perfekt.

Feuerflocke fünf Sterne Klein
Disclaimer: Ja, ist das nun ein Rezensionsexemplar oder nicht, wenn man den Beginn dieses Blogposts berücksichtigt? Naja, vermutlich nicht wirklich. Aber ich möchte den Disclaimer nutzen, um Marie dafür zu danken, die Leserunde moderiert zu haben. Es war wunderbar, mit dir über das Buch zu diskutieren, Zusatzfragen zu stellen und ganz besonders tief in die Welt von Mara einzutauchen!

Rod Rees – Der Widerstand – Demi-Monde: Welt außer Kontrolle 2

Veröffentlicht am

Coverquelle: Randomhouse BloggerportalTitel: Der Widerstand – Demi-Monde: Welt außer Kontrolle 2
Autor: Rod Rees
Verlag: Goldmann
Genre: Science Fantasy
Altersempfehlung: 16+ (Empfehlung von mir persönlich)
Seiten: 608
Format: Taschenbuch
ISBN: 978-3-442-47568-1
Das Buch auf der Verlagshomepage

Zum Buch kam ich zufällig – mehr oder weniger. Ich habe mich beim Randomhouse Bloggerportal registriert, weil ich Bücher liebe, man nie genug Bücher haben kann und ich den Gedanken attraktiv fand, die eine oder andere Rezension hier auf dem Blog optisch ein bisschen aufzupeppen. Ich wusste allerdings nicht wirklich, was ich anfordern sollte, um das Portal mal zu testen und habe mich tagelang ziellos durch die verfügbaren Titel geklickt. Hängen geblieben bin ich bei „Per Anhalter durch die Galaxis“ und dem ersten Teil der Demi-Monde-Reihe.
Den besitze ich bereits seit seiner Weile, habe ihn auch gelesen und rezensiert – aber irgendwie völlig vergessen, mich darum zu kümmern, den Folgeband in meinen Besitz zu bringen.
Also habe ich es angefordert, ca. zwei, drei Wochen später in meinem Briefkasten vorgefunden und… hier kommt die erste durch das Bloggerportal optisch verschönerte Rezension, wie bereits am Coverbild zu erkennen.

Hier findet ihr eine Leseprobe!

Cover:

Das finde ich sehr schön und passend gemacht – auf dem Cover von Band 1 sieht man Ella, wie sie langsam in die Rookeries reinrennt, den englischsprachigen Sektor der Demi-Monde, der am oberen Bildrand eingeblendet wird. Passend dazu rennt sie dieses Mal auf das französischsprachige „Quartier Chaud“ zu, wo in diesem Band ein Großteil der Handlung abläuft. Paris ist dabei leicht an der Stadtsilhouette zu erkennen – wer also mit der Serie vertraut ist, weiß ungefähr, wo man sich lokal nun zu verorten hat.
Und natürlich ist das Cover bzw. das Buch an sich, ähnlich wie bei Band 1, einfach unverwüstlich.
Außerdem gibt es mehrere Karten – eine Karte der gesamten Demi-Monde auf der vorderen Umschlagseide, eine Detailkarte des Quartier Chaud auf der hinteren Umschlagseite.
Hier also meinerseits keine Abzüge.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Was eigentlich in Band 2 passiert: Aaliz Heydrich ist in der Realität, während Norma immer noch in der Demi-Monde festsitzt. Gleichzeitig brennt es in Paris, denn dort ist der Anschluss an das ForthRight geplant – wogegen die freiheitsliebenden, promiskuitiven Bewohner des Quartier Chaud ein Problem haben. Schnell formiert sich Widerstand. Zur gleichen Zeit entdecken Archäologen eine Säule mit geheimnisvollen Zeichen und eine Prophezeiung bedeutet überhaupt nicht das, was sie zu bedeuten scheint.

Die Erwartungen nach einem wirklich, wirklich großartigen Band 1 sind hoch – und dass es ein Jahr gedauert hat, bis ich mir endlich Band 2 besorgt habe, spielt auch eine gewisse Rolle… Okay, ich habe ein gutes Gedächtnis und konnte eigentlich sehr schnell wieder in die Geschichte rein. Aber trotzdem. Man öffnet das Buch und man erwartet irgendwie wieder diesen Zauber und… er kommt nicht. Oder nicht sofort und dann auch nicht so, wie bei Teil 1. Aber der Reihe nach.

Spielte Band 1 noch größtenteils in den Rookeries und in Rodina (die zum FourthRight fusionierten), begibt man sich in Band 2 in eine andere Gegend der Demi-Monde – ein Großteil der Handlung spielt im französischsprachigen Quartier Chaud mit den Bezirken Paris, Rom, Barcelona und dem unabhängigen Venedig. Einzelne Szenen spielen im Coven (genauer gesagt in Rangun).
Die Schauplätze sind auch hier wieder sehr lebendig und eindrucksvoll charakterisiert und da man die wichtigsten Begriffe und Wortspiele schon mal kennt, ist man weder erschlagen davon, noch muss man an jeder Ecke darüber lachen. Wobei, UnFunnies für UnFunDaMentalisten ist jedes Mal einen Lacher wert, das gebe ich zu.

Tja. Und kaum hat man den Leser so weit, dass die gängigsten Begriffe bekannt sind, verstreut man ein paar neue (sodass das Buch am Ende zwei Glossare hat, weil eins nicht mehr ausreicht und man zwischen „Demi-Monde“-Neologismen und „Reale-Welt“-Neologismen trennen muss), damit man ja nicht aufhören darf zu denken…
Fand ich persönlich nicht schlecht und der Seitenhieb, der in den „Reale Welt“-Abschnitten auf unsere Gesellschaft, die Tendenz zu Überwachung, Übernormung, Schönheitsidealen, absurder Digitalisierung ausgeteilt wird, war gut gezielt, herrlich absurd und angesichts dessen, worauf sich die Gesellschaft zubewegt, bitter nötig. Außerdem wird hier – nachdem ich den ganzen Band 1 über mehr oder weniger davon ausging, dass bis auf die Erfindung von ABBA dem Supercomputer die Geschichte ungefähr so verlief, wie unsere auch – mal klargemacht, dass die Geschichte sich vor dem Hintergrund einer anderen Historizität abspielte:
In den USA haben die Evangelikalen die Macht an sich gerissen, der Brite gilt als Todfeind. Der Vater von Norma ist der erste US-Präsident, der mal eben kein fundamentalistischer Evangelist ist, doch das passt einer Gruppe Vampire, die die Weltherrschaft an sich reißen wollen, nicht. Weshalb Aaliz Heydrich überhaupt erst die reale Welt infiltrieren musste.
Und außerdem gibt es einen plausiblen Grund für Ellas seltsame Visionen aus Band 1…

Nachdem Rod Rees schon in Band 1 zahlreiche historische Persönlichkeiten, Strömungen und andere Dinge eingebaut hat, schüttet er jetzt noch einige Dinge mehr in den Cocktail. So treten jetzt auch Nostradamus der „Hellseher“, Kondratjew der Wirtschaftsmathematiker, der Marquis de Sade und Giacomo Casanova als Figuren auf. Und als würden nicht bereits genug Ideologien und Religionen durch den Kakao gezogen, kommt hier auch noch eine Verquickung der Mythen von Lilith, der Sintflut, Loki (im Buch Loci oder LoQi) hinzu. Und in der Demi-Monde ist „Wahrsagen“ eine seriöse Wissenschaft – was angesichts dessen, dass die Demi-Monde eine Mischung aus Sims-Spiel und Matrix ist, mir ziemlich logisch erscheint.
Allerdings kann ich verstehen, wenn einige Leser hier kapitulieren und das Buch gegen die Wand werfen. Ich habe Geschichte Leistungskurs gemacht, spreche vier Sprachen und habe eine Philologie UND die Philosophie studiert. Dennoch musste ich an einigen Stellen an diesem Buch Google/Wikipedia bemühen, um zu verstehen, auf wen oder was da gerade angespielt wird. Wer sich nie für Fremdsprachen, Philosophie, Mythologie und Geschichte interessiert hat, ist aber bei Band 2 noch ein gutes Stück aufgeschmissener als bei Band 1 und das wird den Durchschnittsleser völlig überfordern. Es war hart an der Grenze dazu, mich zu überfordern und machte das Lesen zwischen den Zeilen an einigen Stellen einfach furchtbar anstrengend.
Auch kann man Band 1 noch irgendwie als Jugendbuch durchgehen lassen, Band 2 jedoch nicht mehr. Es wird härter, es wird brutaler und… es wird übersexualisiert. Ja, wir sind hier im Quartier Chaud, die Religion ist der ImPuritanismus (bei dem die Erleuchtung im Höhepunkt liegt, der darum Ziel der Andacht ist) und manches kann ich noch als Colorit oder als halbwegs logische Erklärung im Rahmen des Weltenbaus gelten lassen, aber einige Sexszenen und Nackedeis waren schlicht nicht dringend nötig für die Story.

Außerdem tut Rod Rees etwas, was einerseits extrem genial sein könnte, andererseits sehr riskant ist und ihm in diesem Buch einfach nicht so gelungen ist, wie es sein sollte. Ich kann leider nicht verraten was, ohne viel zu stark zu spoilern – aber es ist in höchstem Maße problematisch.

Auch wirken mir einige Details einfach nicht mehr logisch zu Ende gedacht – es gibt eine Stelle, an der Heydrich von Fleischlieferungen ins „FourthRight“ spricht, aber zum UnFunDamentalismus gehört eigentlich eine „Leben&Mehr“ genannte Spezialdiät, die eine vegetarische Ernährung für alle UnFunDamentalisten vorsieht. Was also will Heydrich mit dem Fleisch, wenn weder er noch seine Leute es eigentlich essen dürften?

An anderen Stellen wirkte die Handlung leider stark unausbalanciert. Mir hätte eine gleichmäßigere Verteilung der Erzählstränge in der Realwelt innerhalb der Geschichte nämlich besser gefallen – von denen gab es zu wenige und dadurch wirkten sie teilweise sehr hastig erzählt. Dabei hätten sie auf alle Fälle Potential, denn die Entwicklung der Realwelt in dieser Romanwelt ist spannend und stellt den Leser vor viele Fragen. Um der Verständlichkeit willen hätte da auf alle Fälle mehr passieren müssen.
Dafür wurden andere Stellen stark in die Länge gezogen, obwohl sie durch vorhergehende Ereignisse eigentlich recht vorhersehbar waren – der Leser sollte hier mit abstrußen Ereignissen abgelenkt werden, aber das hat der Handlung nicht gut getan. Ich wusste ja, was passieren wird. Es war also an dieser Stelle nicht spannend.
Feuerflocke zwei Sterne Klein

Sprache:

Der Schreibstil ist wieder flüssig und eloquent, lebt von den cleveren Wortspielen und Begrifferätseln.
Hier gibt es eigentlich wenig auszusetzen – von den „Edda“-Versen vielleicht abgesehen, die ich schlicht und ergreifend nicht gut lesbar lesbar fand, da sie nicht als Text im Buch selbst auftauchten, sondern als Grafiken bzw. Bildtafeln im Buch eingebunden waren. Die Schriftart für die Grafik ist dabei so ungeschickt gewählt, dass ich statt „Loci“ erst andauernd „Lod“ gelesen habe, bis mir irgendwann aufging, dass „Lod“ schlicht und ergreifend keinen Sinn ergibt, wenn es sich bei dem Text doch um „Locis Gesang“ handelt.
Ansonsten… herrlich kreativer Umgang mit Worten wie ImPuritanismus, HimPerialismus etc. und „Polly“ für eine Art Allround-Youtube passte für mich sehr gut, weil es die Assoziation mit Polly Pocket weckte und bei der Datensammlerwut in der fiktiven USA ja tatsächlich jedes Leben auf ein taschenbuchgroßes Datenträgerle passen dürfte…
Feuerflocke vier Sterne Klein

Fazit:

Ich will nicht sagen, dass ich völlig enttäuscht war. Das Buch hat auf jeden Fall lange und nachhaltige Diskussionen mit meinem Blogpartner fruehstuecksflocke hervorgerufen und dominierte das eine oder andere Telefongespräch. Und ich fühlte mich auf alle Fälle schon gut unterhalten, jedenfalls in weiten Teilen, so ist es ja nicht. Und ich werde auf alle Fälle die Romanreihe an sich weiterlesen – Band 3 & 4 wurden nie ins Deutsche übersetzt und erschienen bei einem anderen Verlag, wer weiß, was da gelaufen ist, aber Englisch ist ja kein Problem für mich – aber für mich kommt Band 2 aus sehr vielen Gründen nicht an Band 1 heran.

Dazu zählt nicht nur der geheimnisvolle Kniff, den ich euch nicht verraten kann ohne zu spoilern, sondern auch die schlichte Überfrachtung der Handlung, die sich einschleichenden Längen und die teilweise ins Absurde abgleitende Sexualisierung.

Ich bleibe bei 2 Flocken – sprachlich brilliant und unverwüstlich, aber die Story ist nun mal so, wie sie ist.

Feuerflocke zwei Sterne Klein

Disclaimer: Danke an das Randomhouse Blogportal für mein Leseexemplar!