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Pauline Gedge – Der Fremde Pharao (Lords of the Two Lands #1)

Veröffentlicht am

Titel: Der Fremde Pharao
Autorin: Pauline Gedge
Verlag: Rowohlt / Wunderlich (nicht mehr über den Verlag erhältlich)
Genre: Historischer Roman
Seiten: 455
Format: Hardcover
ISBN: 9783499230332
Das Buch gebraucht auf Amazon – ich habe versucht, herauszufinden, ob die deutsche Ausgabe noch irgendwo vertrieben wird, sieht aber nicht danach aus.

Seqenenre hat es satt. Er ist immer ein treuer Untertan und fleißiger Fürst gewesen. Alles war gut, er lebte mit seiner großen Familie in einem verschlafenen Nest und war zufrieden. Doch die Briefe des Pharaos, immer neue Frechheiten und Gängeleien ohne Grund stören ihn. Erst Recht, da der Pharao aus einer Linie aus Thronräubern stammt, während der ägyptische Thron eigentlich seiner Familie zusteht.
Kann er die Kränkungen verkraften?

Um ehrlich zu sein merkt man dem Buch den Reihenauftakt an. Mindestens in der ersten Hälfte passiert nur wenig und das was passiert, hat – anfangs – noch keine Konsequenzen. Dafür wird man sehr schön und ausführlich ins ägyptische Familienleben in einem Fürstenhaus eingeführt und das hat mir einerseits sehr gut gefallen, andererseits habe ich mich natürlich irgendwann gefragt, wo das hinführt.
Dann wird das Buch zusehends depressiver und negativer…

Cover:

Meine Ausgabe kommt in der Hinsicht toll daher. Hardcover mit einem – zugegeben, von der langen Zeit ein wenig mitgenommenem – Schutzumschlag, der es designtechnisch in sich hat. Goldprägereien, ein wundervolles ägyptisches Wandbild… Es sieht kostbar und edel aus, passend zur Epoche, die dargestellt wird.
Und wie gesagt, Schutzumschlag, Cover und Buch sind dafür, dass sie ungefähr 14 Jahre lang gelesen wurden, sehr gut gealtert.
Zur Erklärung: Das Buch gehört zu den Beutestücken eines meiner vielen Bücherhauls beim Bücherflohmarkt der BuWis an der Uni.
Feuerflocke fünf Sterne Klein
Inhalt:

Sequenenre ist wirklich ein treuer Untertan – oder eher einer von der Sorte „Ich tu nichts Wichtiges und lasse die Regierung in Ruhe, also soll mich auch die Regierung in Ruhe lassen“. Er geht gerne in die verlassene Palastruine direkt neben seinem Haus, um dort auf dem Dach zu sitzen und einfach nur eine Runde nachzudenken. Er liebt seine Frau und seine Kinder. Tani, die Jüngste, fühlt sich zu einem Nachbarfürsten hingezogen – sobald sie alt genug ist, wird geheiratet. Zwei seiner anderen Kinder – Geschwister – erwarten ein Kind.
Alles könnte wunderbar sein, wenn… ja wenn die seltsamen Briefe des Pharaos nicht wären, voller Argwohn und Unterstellung, die scheinbar völlig grundlos die Familie zu seltsamen Auflagen zwingen und sie grundlos zu schikanieren scheinen.
Doch der Pharao hat durchaus seinen Grund, misstrauisch gegen Sequenenres Familie zu sein. Schließlich hat er dieser Familie den Thron von Ägypten streitig gemacht.
Und so schürt er mit seinem Verhalten das Feuer, das zu genau dem Aufstand führt, den der Pharao eigentlich fürchtet.
Wie oben schon erwähnt, baut sich die Handlung sehr langsam und gemächlich auf, während die Autorin sich unendlich viel Zeit für Details nimmt. Wie beispielsweise, als Sequenenre einen Brief diktiert und dabei seinem Schreiber sagt, er solle die Floskeln mal alle schön selbst einfügen, er sagt die nicht alle vor. Oder wie das Familienleben abläuft. Lauter Kleinigkeiten, die das alte Ägypten lebendig machen können.
Hier stellt sich, bei aller wissenschaftlichen Neugier, dann irgendwann doch ein leichtes „Ja, und wohin geht die Geschichte jetzt“ ein. Denn sehr lange passiert nicht wirklich was.
Bis dann die Bedrohungen und Katastrophen einander regelrecht jagen.
Ich mag durchaus Figurenspannung, Aufbau und alles und eigentlich war es auch gut ausbalanciert, nur an einer Stelle hatte ich dieses richtungslose Gefühl.

Feuerflocke vier Sterne Klein

 

Sprache:

Sprachlich ist das Buch sehr schön. Es ist nah an der Standardsprache, kommt also ohne historisierende Floskeln oder pseudogeschwurbelte Sätze aus.
Die Sprache orientiert sich also stark am Inhalt – es wird ein schlichtes, schnörkelloses Leben im ländlichen Ägypten beschrieben, voll von – trügerischer – Idylle. Das hilft gut dabei, sich in den ganzen ägyptischen Namen zurechtzufinden. Denn auch wenn einige Namen – wie Tani – recht unverwechselbar sind, gibt es wiederum andere, bei denen ich nicht ohne weiteres ohne Kontext wüsste, ob das jetzt ein Mann oder eine Frau ist.
Da die Sätze aber immer klar strukturiert sind und man immer den nötigen Bezug der Personen zueinander hat, fällt das nicht ins Gewicht.
Feuerflocke fünf Sterne Klein
Fazit:

Ein Buch, das sprachlich schön und historisch zwar nicht immer zu 100% korrekt, aber sehr nahe am Belegten einen spannende Zeit in der ägyptischen Geschichte illustriert.
Das Grauen kommt auf leisen Sohlen – fast schon auf zu leisen, sogar für meinen Geschmack – und es bleibt spannend, was nach diesem Reihenauftakt passieren wird.
Die Bände 2 und 3 werden auf alle Fälle irgendwann noch nachgekauft.
Einer der von mir so geschätzten historischen Romane ohne überwiegenden Romanze-Anteil.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Anne Rice – Das Geschenk der Wölfe (Wolf Gift Chronicles #1)

Veröffentlicht am

Titel: Das Geschenk der Wölfe (Original: The Wolf Gift)
Autorin: Anne Rice
Verlag: rowohlt Polaris
Genre: Fantasy
Seiten: 569
Format: Paperback mit Klappe
ISBN: 978-3-499-23860-4

Das Buch auf der Verlagshomepage

Eigentlich ist Reuben Journalist, kein Immobilienmakler. Doch nun soll er für seine Zeitung einen Bericht über ein altes Haus schreiben, damit die Besitzerin es verkaufen kann. Doch kaum ist Reuben dort, verliebt er sich in das Gebäude – das aber birgt ein dunkles und uraltes Geheimnis.
Ich muss ehrlich zugeben, ich hatte sehr hohe Erwartungen. Die Bücher von Anne Rice haben meine Teenage-Jahre geprägt und zeigten mir, worüber ich schreiben will. Nur stammen die Bücher, die ich kenne und liebe teilweise aus den Siebzigern und die neueren Werke von Anne Rice habe ich noch nicht gelesen. Die Jesus-Romane entsprechen um ehrlich zu sein auch nicht ganz meinem Beuteschema beim Lesen.
Als ich dann das Buch in der Buchhandlung sah – sollte ich oder sollte ich nicht? Die Angst vor einer Enttäuschung war groß. Gerade weil die Vampirchroniken für mich so bedeutsam waren, hatte ich Angst, dass „Das Geschenk der Wölfe“ nicht an sie herankommt.
Zum Glück habe ich mich geirrt.

Cover:

Tut mir leid, aber das geht gar nicht.
Der schmachtende junge Mann mit dem blassen Gesicht und den schwarzen Augen sieht eher wie ein Vampir aus, weniger wie ein vitaler, die Natur liebender Werwolf. Zu blass, zu düster. Wenn man schon den Protagonisten auf dem Cover haben will als Verlag: Lest das Buch. Oder schlagt wenigstens die erste Seite mit Romantext auf, denn dort steht eindeutig braune Locken und tiefliegende blaue Augen. Nicht leicht hervorstehende schwarze Augen und glatte schwarze Haare.
Ich mag ja generell keine schmachtenden Männer auf Covern – wenn ich nicht wüsste, was mich im Buch erwartet, hätte ich an eins dieser Romantasy-Schulmädchenbücher gedacht und auf diese Weise greifen die richtigen Leute gar nicht erst nach dem Buch, es sei denn, sie kennen Anne Rice bereits und wissen, dass sie für Erwachsene schreibt.
Auch das Haus auf der Anhöhe sieht nicht aus wie die halbe Burg, die im Roman beschrieben wird. Dazu sehen die Krähen, die sie umflattern, verdächtig nach Fledermäusen aus. Einzig der Vollmond und der Titel deutet auf Werwolf hin – sonst hätte man es für ein 0815-Vampirbuch halten mögen.
Schön fand ich die folierte Schrift – die Innenklappe hatte dagegen keinerlei praktischen Wert und die darauf gedruckten Stimmen zum Buch bestanden überwiegend aus Ein-Wort-Ausrufen. Da hätte ich mir mehr gewünscht.
Dazu kommt, dass man so ein dickes Buch einfach stabiler binden müsste – schon nach einem Mal lesen ist der Buchrücken stark gewellt und verknickt, obwohl ich schonend damit umgegangen bin. Wie oft kann ich es also noch lesen, bis die Farbe abblättert und das Buch letztendlich aus dem Leim geht?
Schade.
Drei Feuerflocken gibt es hier eigentlich nur, weil ich aus Erfahrung weiß, dass bei Covern prinzipiell immer Luft nach unten ist…

Feuerflocke drei Sterne Klein

Inhalt:

Das Buch war so spannend, dass ich es mit mir herumgetragen habe. Wo ich war, war auch das Buch nie weit entfernt.
Klar, das Buch beginnt ganz ricetypisch damit, dass erstmal ein ungewöhnlich hochgewachsener, gutaussehender junger Mann als Protagonist eingeführt wird. Dennoch würde ich nicht behaupten, dass Reuben ein Abklatsch beispielsweise von Lestat wäre – hier hat Rice gekonnt einen jungen Mann mit Neigung zum Altmodischen inmitten moderner Technik geschaffen, mit dem ich mich sehr gut identifizieren konnte. Seine Liebe zum sorgfältig zum Leben erweckten alten Gebäude konnte ich nachvollziehen, wenn es die Möglichkeit gegeben hätte, wäre ich schnurstracks selbst dort eingezogen.
Besonders gespannt war ich auf das Werwolfskonzept -ich habe bereits hier über das berichtet, was ich vorfand. Toll fand ich vor allem das Intertextuelle – nicht nur tauchten eine Menge Bücher auf und wurden diskutiert, Anne Rice hat auf Werwolfsgeschichten aller möglichen Zeitalter aufgebaut und diese fein in den Roman eingewoben. Für ihre Facebookfollower ein kleines Easteregg, wenn eine der Romanfiguren über ein Buch stolperte, über das sie immer wieder auf ihrer Seite berichtet. Für mich persönlich war außerdem sehr wichtig, dass sie im Ursprung ihrer Werwölfe keinen Abklatsch von Akashas Ursprung aus den Vampirchroniken liefert – das ist ihr in meinen Augen gelungen. Die Herkunftsmythen könnten kaum unterschiedlicher sein, auch wenn natürlich ihre Handschrift durchschimmert.
Den Aufbau fand ich… größtenteils sehr gut. Actionreiche Szenen mit viel Gerenne und zerfetzten Gedärmen wechselte sich mit ruhigen, fast poetischen Passagen ab, in denen der Protagonist genug Zeit hat, um seine neuen Fähigkeiten zu erkunden oder sein Schicksal zu reflektieren. Einzig die Entscheidung, das Buch gegen Ende sanft ausklingen zu lassen, fand ich nicht so toll. Zwischen Showdown und Ende vergingen mir zu viele Seiten, auf denen gegen Ende einfach nicht mehr wirklich etwas Substantielles passiert ist. Hier hätte man kürzen können.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Sprache:

Ich fand Anne Rice‘ Schreibstil schon in ihren alten Vampirromanen sehr schön und poetisch, verglichen mit moderneren Romanen wirkten aber einige Formulierungen teilweise eingestaubt. Nichts davon bei „Das Geschenk der Wölfe“. Die Sprache ist immer noch voller Poesie, die Beschreibungen sehr lebendig und anschaulich, aber das Angestaubte und teilweise (Fangirling hin, Fangirling her, das ist nicht von der Hand zu weisen) Trashige ist weg.
Natürlich sind auch jetzt die meisten guten Werwölfe ungewöhnlich gutaussehend, weise, gütig und der Protagonist ist selbstredend ein schöner Blauäugiger mit einer Körpergröße von 1,90m – dennoch hat sich etwas verändert. Ich kann nicht genau sagen, was – aber der Schreibstil ist jetzt wesentlich ausbalancierter und die ungewöhnliche Schönheit sämtlicher positiver Figuren sticht nicht so sehr als kitschig hervor. Teilweise erklärt sie sich einfach aus der verklärenden Wahrnehmung des Protas.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Ich würde das Buch auf jeden Fall für alle weiterempfehlen, die eine Wewolfgeschichte weitab der gängigen „Vampir vs. Werwolf“-Pfade lesen wollen und nach einer Geschichte suchen, in der die Werwölfe den aktiven Part übernehmen und man aus ihrer Sicht die Welt betrachtet.
Leider wird das Buch im deutschsprachigen Raum nach wie vor als Einzelband behandelt, dabei gäbe es schon seit einem Jahr eine Fortsetzung. Diese ist bisher nicht im deutschsprachigen Raum erschienen. Wer also wissen will, wie es mit Reuben, Laura und Co. weitergeht, muss sich gedulden oder das englische Original zur Hand nehmen.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Daniel Kehlmann – Die Vermessung der Welt

Veröffentlicht am

Titel: Die Vermessung der Welt
Autor: Daniel Kehlmann
Verlag: rowohlt
Genre: Belletristik
Seiten: 301
Format: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-498-03528-0
Das Buch auf der Verlagshomepage

Kann man die Welt vermessen, ohne sie bereist zu haben? Gauß vermisst auf diese Weise sogar den Kosmos, während Humboldt selbst Flüsse überquert und jeden einzelnen Hügel vermisst, der ihm über den Weg läuft. Jahrelang haben sie voneinander nur gehört – bis sie sich irgendwann treffen. Ob sich die Frage klären lässt, wie man die Welt richtig vermessen soll? Und gibt es da überhaupt ein Richtig oder Falsch?

Cover:

Das Cover finde ich schön – es basiert auf einer Zeichnung Alexander von Humboldts, die den Querschnitt von Südamerika darstellen soll – die „Geographie des Plantes Equinoxiales. Tableaux physique des Andes et pays„. Dazu kommt, dass ein Hardcover mit Lesebändchen natürlich auch entsprechend hochwertig wirkt und das Buch sehr stabil ist.
Für Schönheit des Covers und Wertigkeit des Buches gibt es darum volle Punktzahl.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Heutige Leser kennen mit Sicherheit „The Big Bang Theorie“ und ich konnte nicht aufhören, diese Serie beim Lesen im Hinterkopf zu behalten. Denn sieht man in der Serie den Genies beim Interagieren zu, kann man im Buch direkt in ihre Köpfe hineinschauen.
Zumindest für Gauß gilt das in hohem Maße, auf Humboldt bekommt man meist eine Draufsicht aus der Perspektive anderer Menschen.
Die zwei genialen Köpfe träumen jeweils davon, auf ihre Weise die Welt zu vermessen. Der eine reist um die ganze Welt, der andere berechnet sie von seinem Schreibtisch aus. Doch beide müssen immer wieder feststellen, dass die Realität ihnen Steine in den Weg legt.
Sowohl Gauß als auch Humboldt müssen immer wieder die bürokratischen Hürden einer Welt überwinden, die nicht glauben kann und will, dass man ganz unpolitisch einfach forschen um des Forschens möchte. Oder dass es einem relativ egal ist, ob eine Stadt mit einer tollen Universität gerade zu einem der deutschen Kleinstaaten oder zu Frankreich gehört.
Gegen Ende dann wird das Buch regelrecht metaphysisch-philosophisch und das hat mir insgesamt sehr gut gefallen.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Schon mal einen Roman gelesen, der poetisch, fesselnd, sprachlich eindrucksvoll, wortgewaltig ist und… dabei keine einzige wörtliche Rede enthält?
Vermutlich nicht – diese Besonderheit kenne ich bisher nur von „Die Vermessung der Welt“ und dort wird sie so gekonnt eingesetzt, dass ich die wörtliche Rede an keiner Stelle wirklich vermisst habe und mir ihr Fehlen erst im Nachhinein wirklich bewusst wurde.
Dadurch ergab sich aber ein ganz eigener Humor im Buch, der sich schwer beschreiben lässt. Man muss so einen indirekten Dialog erlesen haben um zu wissen, was dieser Umstand mit der Sprache macht.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Eine recht kurze Review, da das Buch nicht besonders lang ist und es schwer ist, mehr zu berichten, ohne permanent zu spoilern.
Fakt ist: Es hat mir sehr gut gefallen und ich hätte gern mehr davon gelesen. Das Buch wird im Laufe der Zeit immer philosophischer und das gefällt mir sehr gut – es wirkt einerseits sehr leicht und unbeschwert zu lesen, ist jedoch andererseits alles andere als seichte oder gar leichte Kost.
Das Buch wird auf jeden Fall irgendwann erneut gelesen, denn gerade bei komplexerer Literatur offenbart ein Reread offenbar mehr, als man glaubt.

Feuerflocke fünf Sterne Klein