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Schlagwort-Archive: Reihenauftakt

C. Svartbeck – Königsfalke (Spiegelmagie Band 1)

Veröffentlicht am

Titel: Königsfalke
Autor: C. Svartbeck
Verlag: Amazon Create Space
Genre: Dark Fantasy
Altersempfehlung: 16+ (ob 18+ oder nicht, darüber kann man streiten, aber meiner Meinung nach wurde nichts geschildert, was man einem weit entwickelten Teenager nicht zumuten könnte)
Seiten: 282 Seiten
Format: eBook / Kindle
Coverdesign by: der Autor gestaltete das Cover mit Hilfe von einem Bild des Künstlers breakermaximus und eines Bildes des Künstlers yyang selbst.
ASIN: B01H91CI3Y
Das Buch auf Amazon

Ich weiß noch, wie ich mal wieder ein wenig frustriert über eine Leseprobe aus einem größeren Verlag war, bei der ich das Gefühl hatte, die gleiche Geschichte zum 100000sten Mal präsentiert zu bekommen. Die gleiche Welt, die gleichen Völker … und dann sprang mich das Cover an und machte mich neugierig genug, um mich für das Buch und die Leserunde zu interessieren.
Und die Genrebezeichnung. Bei dunkler Fantastik, die in Richtung Grim&Gritty geht, habe ich mich momentan noch lange nicht sattgelesen und bin immer auf der Suche nach mehr Geschichten.
Der Königsfalke bietet vieles, was mich persönlich reizt. Der Weltenbaunerd in mir jubelt über eine Welt, die nicht an das europäische „Mittelalter“ angelehnt ist (dass 80% aller „Mittelalter“-Romane eigentlich an die frühe Neuzeit angelehnt sind, ist eine andere Baustelle *hust*) und mit einem innovativem Magiesystem aufwartet. Und immer wieder wird das, was man als Leser als Moral wahrnimmt, auf eine harte Probe gestellt – auch das ist etwas, was mir bei Büchern sehr wichtig ist. Wenn ich lese, will ich dabei an meine Grenzen gehen und über Dinge nachdenken müssen, über die ich sonst nie nachgedacht hätte.
Das hätte das Buch auf alle Fälle schon mal geschafft.

Cover:

Mir sprangen sofort die sehr kräftigen Farben ins Auge – die untere Seite des Covers leuchtet dem Leser regelrecht entgegen in feurigem Rot und glänzendem Metall. Hintergrund und Typografie sind dafür eher schlicht gehalten, nichts lenkt vom Hauptmotiv des Covers ab.
Ein – bei genauerem Hinsehen etwas seltsam gepanzerter – Mann mit Lanze und Pferd, über dem die Silhouette eines Falken schwebt.
Man kann ja von der Panzerung des Mannes halten, was man will (ich persönlich finde es taktisch unklug, Kopf und Schultern sehr stark zu bedecken und dann den Torso mit dem empfindlichen Bauchbereich nackt zu lassen – oder soll das ein Muskelpanzer sein?) – die Komposition „Mann mit Pferd“ und „Falke als Silhouette“ ist fr einen Kenner der Story dann doch außerordentlich treffend.
Hierzu kann ich nichts weiter sagen, ohne zu spoilern, denn was der Falke mit dem Krieger zu tun hat, ist essentieller Teil der Story.
Eine Flocke Abzug gibt es aber nicht für die fehlende Panzerung, sondern für irgendwas, das vor der Nase des Pferdes hing, aber nicht gut genug wegradiert wurde. Dieser Pixel fällt mir andauernd ins Auge, wenn ich das Cover anschaue und stört etwas.
Feuerflocke vier Sterne Klein

Inhalt:

Die Lieblingskonkubine von König Kanata bringt einen Sohn zur Welt, der später zum Feldherrn des Landes aufsteigen soll. Einige Zeit später bekommt auch die Hauptfrau des Königs ein Kind. Von da an sind nicht nur die Frauen, sondern auch deren Kinder erbitterte Feinde.
Und in einer Welt, in der ein  Menschenleben wenig zählt, kann schon ein geringerer Feind schnell den Tod bedeuten. Die beiden Prinzen Tolioro und Ioro sind dazu geboren, zwei verschiedene Plätze einzunehmen – als König und Feldherr. Man könnte also meinen, der künftige König wäre froh, einen fähigen Feldherren zu bekommen. Doch Tolioro ist von Kindesbeinen an von Neid so verzerrt, dass das Ganze gar nicht gut gehen kann…
In einem zweiten Handlungsstrang begleiten wir den jungen Zauberlehrling Jokon – doch in Karapak sind Zauberer nicht nur geachtet, sondern auch gefürchtet und eine Ausbildung zum Zauberer geht mit Opfern einher, die ihn an die Grenzen einer Moral führen.
Beide Welten – der karapakische Königshof und die Zauberschule – sind auf ihre Weise brutal und erbarmungslos. Und dadurch sind die Stränge beide auf ihre Weise unglaublich spannend.
Gleichzeitig deutet der Autor an, dass wir noch längst nicht alles von dieser Welt gesehen haben – es gibt unbekannte Länder, fremdartige Völker und eine komplexe Etikette am Hof von Karapak. Da gibt es noch viel zu lernen und zu verstehen.

Die Kunst in einem Reihenauftakt besteht ja unter anderem auch darin, die Figuren alle so zu platzieren, dass es spannend weitergehen kann und trotzdem einen abgeschlossenen Handlungs- und Spannungsbogen zu bilden. Das ist dem Autor in meinen Augen wunderbar gelungen. Ich hatte Spaß, ich habe mitgefiebert und ich blieb sehr neugierig auf Folgebände und gleichzeitig durchaus zufrieden mit dem Ausgang zurück.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Die Sprache ist auf eine kunstvolle Weise schlicht. Klingt nach einem Gemeinplatz, aber damit meine ich eigentlich etwas, was mir als sprachfixierter und conlangliebender Leserin einfach auffällt. Und das ist die weitestgehende Abwesenheit von eben allem Conlang. Die einzige Stelle, an der Sprache sich im Roman auf sich selbst bezieht, ist eine, in der wir erfahren, was die Namen Ioro und Tolioro bedeuten – eine Erklärung, die wiederum in der Perspektive gebrochen wird. Denn sie stammt nicht von Menschen aus Karapak.
Es gibt bei Fantasy immer zwei Möglichkeiten – entweder man nennt die Dinge bei ihren erfundenen Namen oder man findet schlichte, für sich selbst sprechende und gut klingende Begriffe aus der Textsprache dafür. Beides ist legitim und beides ist schwer in seine Geschichte einzubauen.
C. Svartbeck hat sich hier für die zweite Option entschieden – und das Ganze dann atmosphärisch und ästhetisch ansprechend durchgezogen. Es gibt Blasshaare und Blassaugen, es gibt Obsidiandolche und Königsfalken. Es gibt Feldherren, Tempel, Schwertkampf und Spiegel.
Und sonst nichts.
So sehr ich Conlang liebe, es ist auch irgendwie gekonnt, ein Buch in einer selbsterdachten Welt so zu schreiben, dass es bis auf eine – dadurch sehr einprägsame – Stelle einfach völlig ohne auskommt.
Viel wichtiger sind an dieser Stelle Namen – bei den Magiern gilt: Je kürzer, desto besser. Bei allen anderen gilt das Gegenteil. Dadurch sieht man schon sprachlich, dass hier zwei Teile der Gesellschaft einander gegenübergestellt werden, von denen vielleicht die eine als Spiegel der anderen dargestellt werden wird, wer weiß …
Eine sprachlich sehr klare Geschichte.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Wenn mich ein Buch so sehr umwirft, dass ich danach erstmal zwei-drei Tage nichts anderes lesen will, dann ist das Liebe. Oder so ähnlich.
Ich liebe Bücher, die mich zwingen, moralisch an die Grenzen zu gehen. Alles Mögliche zu hinterfragen. Ich liebe Bücher, die dabei auch noch so spannend geschrieben sind, dass ich sie nicht aus der Hand legen kann. Und Bücher, die mit ausgeklügelten Welten meinen Verstand herausfordern.
Mit diesem Reihenauftakt fühlte ich mich sehr gut unterhalten und freue mich schon sehr auf den zweiten Band.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Danke an den Autor für das Rezensionsexemplar und die Leserunde. Wenn man bedenkt, wie viel schiefgelaufen it… Erst hat Lovelybooks mich nicht bei den Mitbewerbern gezählt. Dann hat es meine Mailaddy nicht rausgerückt. Und es war eine kleine Odyssee, bis mich das eBook erreicht hat… Aber allen Widrigkeiten zum Trotz kam es an und ich habe es regelrecht weggeatmet 😀

Alva Furisto – Der Psi-Effekt – 6:42 Uhr (1#)

Veröffentlicht am
Mit freundlicher Genehmigung des Verlags!

Mit freundlicher Genehmigung des Verlags!

Titel: Der Psi-Effekt – 6:42 Uhr
Autorin: Alva Furisto
Verlag: bookhouse Verlag
Genre: Thriller
Seiten: 2930 kb entsprechen 471 Seiten
Format: eBook
ISBN: 978-9963-53-371-8
Das Buch auf der Verlagshomepage

Ein Buch über eine Autorin, die ein Buch geschrieben hat. Und zwar ein Fantasy-Buch, das tiefgründig ist und dessen Symbolik sich mit den Ereignissen verstrickt? Beuteschema.
Es kommt intelligente Kritik an der Institution Kirche vor? Beuteschema².
Das Ganze gepaart mit einem komplexen Plot, einer omnipotenten Terrororganisation und das Versprechen, dass nichts so ist, wie es scheint?
Da kann ich unmöglich nein sagen, wenn man mir so ein Buch als Rezensionsexemplar anbietet!
Es wundert mich nicht, dass ich das Buch dann innerhalb kürzester Zeit durch hatte. Ich habe es regelrecht inhaliert, weil ich das eBook offenhatte, wo ich ging und stand.
Cover:

Bonuspunkte dafür, dass es ein rein abstraktes Cover ist, ohne ein einziges Gesicht. Nichts gegen Coverkünstler, die Menschen auf ihre Cover setzen. Ich liebe alle Cover, die schön gemacht sind. Aber wenn auf allen Covern nur noch Menschen drauf sind … Ich glaube, ihr versteht, was ich meine.
Hier den Titel selbst vor einem schlichten und zerklüfteten Hintergrund in Szene zu setzen, ist eine tolle Lösung, die mich optisch sehr angesprochen hat und für mich auch sehr gut zum Inhalt des Buches passte.
Schade, dass hier kein konkreter Covergestalter angegeben ist, den ich in die Beschreibung und die Tags einfügen könnte. Was für eine tolle Arbeit!
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Wo fange ich an…
Dass ich den Cocktail, den der Klappentext verspricht, an und für sich für faszinierend genug hielt, um das Rezensionsexemplar sofort und zittrig vor Vorfreude anzunehmen, habe ich bereits erwähnt. Auch, dass ich das Buch anschließend regelrecht verschlungen habe, weil ich nicht aufhören konnte, zu lesen.
Aber auch abgesehen davon fand ich das Buch rundum spannend und die Figuren glaubwürdig. Als Atheistin musste ich bei den Diskussionen zwischen Anna und dem Bischof häufig schmunzeln, einfach weil ich diese Art der Diskussion an und für sich sehr gut aus eigener Erfahrung kenne. Nur hatte ich im Gegensatz zu Anna nie die Gelegenheit, all diese Dinge einem Bischof zu sagen. Wie die zwei sich dann trotzdem irgendwie zusammenraufen müssen, fand ich in dem Zusammenhang absolut authentisch und sehr unterhaltsam zu lesen.
Der Roman hat mehrere Erzählebenen und ist aus verschiedenen Perspektiven geschildert, arbeitet dabei auch mal gerne mit Cliffhangern und sehr geschickt platzierten Rückblenden. Dabei muss man als Leser natürlich gut mitdenken, um nachverfolgen zu können, was genau wann und warum passiert.
Einen kleinen Abzug gibt es von mir für das Ende. Wenn ich nicht wüsste, dass da noch was kommt, wäre ich an dieser Stelle nämlich ganz schön ausgerastet (und hätte deutlich mehr Feuerflocken abgezogen). Vielleicht liegt es an meiner Ausgabe (Rezensionsexemplar) und die Käufer des Buches bekommen die Info, dass ein zweiter Teil folgt – aber ich musste jedenfalls erstmal die Autorin anschreiben und fragen, ob meine Datei nicht fehlerhaft ist.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Sprache:

Alva Furisto kann erzählen und zwar so furios, wie ihr Name es bereits verspricht.
An den richtigen Stellen wird es nüchtern, emotional, chatauthentisch, spirituell und erotisch. An den richtigen Stellen ändert sich die Sprache genau so, wie sie muss.
Was mir außerdem sehr wichtig ist: Jede Figur hat ihre eigene Sprache erhalten. Man weiß bei einem Perspektivwechsel vom ersten Satz an, mit wem man zu rechnen hat und wer etwas gesagt hat oder sagen könnte.
Handwerklich also absolut sauber ausgeführt.
Ihr seht, ich habe hier nicht viel zu sagen. Wie es oft ist, wenn man etwas einfach ziemlich gut findet :D.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

„Der Psi-Effekt – 6:42 Uhr“ macht Spaß. Es ist ein quasi wie zwei Bücher in einem – ein rasanter und actionreicher Thriller ebenso wie ein sehr intelligent erzählter, tiefgründiger Roman darüber, was die Welt scheinbar zusammenhält. Ein Roman, der mir manchmal schmerzlich realistisch erschien und bei dem ich das Gefühl hatte, dass er dazu in der Lage ist, unserer kaputten Gesellschaft den Spiegel hinzuhalten. Er zeigt zu deutlich auf, wie die Welt momentan ist, aber nicht zu sein hat.
Und das ist zumindest für mich bei zeitgenössischen Romanen fast das Wichtigste, dass sie in irgendeiner Weise auch eine Aussage über die Gesellschaft treffen.
Auf alle Fälle freue ich mich jetzt schon auf den zweiten Teil und wünsche der Autorin viel Erfolg. Dieses Buch verdient es, von möglichst vielen Menschen gelesen und verstanden zu werden.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Ich bedanke mich beim bookhouse Verlag für das Rezensionsexemplar. Das waren sehr vergnügliche Lesestunden 🙂

Markus Tillmanns – „Basaltblitz – die Geburt eines Helden“ (Basaltblitz #1)

Veröffentlicht am

a basaltblitz Cover von RVST für KDPTitel: Basaltblitz – die Geburt eines Helden
Autor: Markus Tillmanns
Verlag: Amazon Create Space / Selfpublishing
Genre: Fantasy / Urban Fantasy
Altersempfehlung: ab 14
Seiten: 2559 KB entsprechen 110 Seiten
Format: Kindle eBook
Coverdesign by: Indra Renovstyawan
ASIN: B0143GWWIO
Das Buch auf der Homepage des Autors und auf Amazon

Es ist schwer, so ein kurzes Buch zu beschreiben, ohne sofort alles zu verraten, fürchte ich.
Es geht um Superhelden.
Und es ist eine völlig abgedrehte Geschichte.
Allerdings sehr kurz.
Und es ist kein Comic, sondern vom Format her eher der Auftakt zu einem dreibändigen Serial, für einen Roman ist es zu kurz und das Ende zu offen.
Ich mochte die Idee, ich fand weite Teile des Buches entweder spannend oder ziemlich witzig und hatte auf alle Fälle Spaß beim Lesen.

Cover:

Das Einzige, woran ich etwas auszusetzen hätte, wäre die Lesbarkeit der Schrift bei „Fantasy-Roman von Markus Tillmanns“ , weil es natürlich in weiß auf hellblauem Grund nicht perfekt zu lesen ist. Aber das ist Meckern auf fast schon übertrieben hohem Niveau.
Abgesehen davon ist das ein hochprofessionell gezeichnetes Cover, das zumindest für mich auch sofort den Flair eines Comiccovers hatte. Ein Superheld mit allem was dazugehört – Cape, wallende Haare, Superkräfte und unbeteiligter Blick – und eine tolle Hochhauskulisse. Auch die Farben sind schön aufeinander abgestimmt. Das Buch wäre definitiv ein Coverkauf geworden, wenn ich es im Buchladen gesehen hätte.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Nick ist ein ganz normaler Junge – eher klein und schmächtig für sein Alter, wird er von seinen Klassenkameraden teilweise brutal gedemütigt und gemobbt. Da hilft nur die Flucht in die fernen Welten der Helden aus seinen Lieblingscomics. DIE hätten bestimmt keine Probleme mit unliebsamen Mitschülern!
Doch dann kommt der geheimnisvolle Neue in die Klasse und bringt einen Kometen mit – den Nick prompt verspeist. Nur um am Morgen darauf als Superheld aufzuwachen.
Das ergibt alles nicht wirklich einen Sinn? Muss es auch nicht. Langsam kristallisiert sich heraus, wieso es zu Nicks Umwandlung zum Superhelden kommt und es gibt eine charmante Erklärung dafür, wieso eigentlich niemand einen Superhelden erkennt, auch wenn der gar nicht maskiert ist. Und natürlich gibt es einen übermächtigen Gegner UND eine ganz besonders lästige Schwachstelle.
Hier hätte ich mir gewünscht, dass das Buch ein wenig länger gewesen wäre und man als Leser zumindest einige Erklärungen bereits in Band 1 erhalten hätte. Die Handlung bewegt sich so rasant fort, dass teilweise gar kein Raum für genauere Überlegungen bleibt. Wieso kriegt er ausgerechnet DIE Schwäche, die er gekriegt hat? Wo kommt dieser seltsame Komet her? Was ist da eigentlich los?
Bei Kurzromanen und Serials habe ich kein Problem mit extrem offenen Enden – das Konzept ist aus Fernsehserien ja hinreichend bekannt – aber ich hätte mir trotzdem im Mittelfeld ein paar zusätzliche Ruhepole und die eine oder andere Erklärung gewünscht. So ging es für meinen Geschmack einen Tick zu hastig durch die Handlung und besonders im hinteren Drittel hatte ich andauernd viele Fragezeichen im Gesicht.

Feuerflocke drei Sterne Klein

Sprache:

Sprachlich ist das Buch sehr souverän. Ich habe kein einziges Mal gestockt, mich in meiner Immersion gestört gefühlt oder ein „So würde das doch kein Mensch sagen“ im Kopf gehabt.
Dank der flüssigen Schreibe und dem sehr lockeren Stil fühlte ich mich auf alle Fälle die ganze Zeit über bestens unterhalten. Vielleicht war darum das Buch so schnell vorbei?

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Wer ein rasantes, kurzes Buch für Zwischendurch sucht, das gleichzeitig unterhaltsam und gut geschrieben ist, für den ist „Basaltblitz“ das Richtige.
Für mich persönlich war es der Kürze fast zu viel und ich hätte mir oft eine Verschnaufpause oder zumindest etwas weniger dicht aneinandergepackte Handlung gewünscht, aber wer eine stark komprimierte Folge einer Superheldenserie in Buchformat zu schätzen weiß, den wird das nicht stören.
Tolles Cover, eine souveräne Sprachbeherrschung und eine neugierig machende Geschichte mit Luft nach oben für die Folgebände – in denen dann hoffentlich all das aufgelöst wird, was die Fragezeichen über meinem Kopf in Band 1 verursacht hat.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Disclaimer: Danke an Markus Tillmanns für das Rezensionsexemplar!

Platti Lorenz – Dieses Hutmenschenkomplott (Tyrrin Hexenkater #1)

Veröffentlicht am
Dieses Hutmenschenkomplott. Tyrrin Hexenkater Band 1 - Platti Lorenz

Danke an die Autorin für die Bereitstellung des Coverfotos!

Titel: Dieses Hutmenschenkomplott
Autorin: Platti Lorenz
Illustratorin: Mie Dettmann
Verlag: neobooks Self-Publishing
Genre: Fantasy, Humor
Altersempfehlung: Alleine: Ab 8 oder 9, hätte ich jetzt gesagt. Mit Eltern, die vorlesen und das Kind begleiten, auch früher.
Seiten: 135 Seiten entsprechen 1077 KB
Format: ePUB (direkt auf neobooks) und mobi (Amazon)
Coverdesign by: Mie Dettmann
ISBN: 978-3-7380-4028-9
Das Buch auf der Homepage von „neobooks“

Bei diesem Buch handelt es sich im Prinzip um das eBook zum Blog – ursprünglich erschien diese Geschichte also als Blogroman und auch die Fortsetzung erscheint nach einem festen Zeitplan Kapitel für Kapitel auf dem Blog.
Der Gedanke dahinter ist nicht zuletzt, dass viele keine Motivation, Lust und Zeit haben, um sich am Bildschirm eine komplette (längere) Geschichte am Stück durchzulesen, wenn sie nicht gerade von Kapitel eins an dabei waren. Aber in einem Stück ist das Ganze doch deutlich angenehmer. Da würde ich zustimmen. Egal wie gut die Geschichte ist. Am PC-Bildschirm zu lesen, ist irgendwie anstrengend und man wird von 500 Sachen abgelenkt. Da ist ein eBook toller.
Hier möchte ich auch anmerken, wieso für mich „Ein Hutmenschenkomplott“ eine tolle Vorlesegeschichte mit „parental guidance“ ist (mir fällt kein deutsches Wort ein). Es ist ein Buch, das auch für Kinder gut bis sehr gut geeignet ist und… das ist toll. Vielleicht bewege ich mich in den falschen Kreisen, da ich mit 25 einfach nicht die Zielgruppe für Kinderbücher und Vorlesegeschichten bin. Aber ich habe das Gefühl, dass der elektronische Markt für Kinderliteratur nicht sonderlich groß ist. Für illustrierte Kinderliteratur sowieso. Und da begrüße ich es, dass es in diesem Bereich gute Independent-Autoren gibt, die hier eine Nische ausfüllen.
Ein siebenjähriges Kind hat in der Regel kein Smartphone oder Tablet, um mal eben selbst ein eBook zu lesen. Logisch. Aber Medienkompetenz und dass wir unsere Kinder so aufwachsen lassen, dass es EGAL ist, ob ein Buch gedruckt und blätterbar oder elektronisch vorhanden ist – Buch ist Buch – das ist wichtig.
Ich schweife ab. Was ich eigentlich sagen wollte: Das Buch ist gut zum Vorlesen geeignet, weil ich mir vorstellen könnte, dass ein Kind Fragen stellen könnte. Bei all seiner Leichtigkeit gibt es hier durchaus philosophische Momente, die zum Interpretieren und Diskutieren einladen. Und dann sollte ein Diskussionspartner anwesend sein :).

Cover:

Wir sehen – siehe oben – den grauen Hexenkater mit den grünen Äuglein in seinem Körbchen.
Für mich persönlich ist das Bild an sich zwar ein sehr hübsches Kunstwerk, für ein Cover aber zu unruhig. Wir haben mehrere Texturen (der geflochtene Korb, der Holzboden, das süße Eulenkissen, das karierte Kissen), dazu eine handschriftlich wirkende Schrift bei der Autorenangabe und eine geriffelte Strukturschrift im Titel.
Dadurch wirkt besonders der untere Bereich sehr unruhig, erst im obersten Coverbereich ist eine klare Struktur zu erkennen. Hier wäre etwas weniger mehr gewesen – eine einfarbige Schrift, nur ein buntes Kissen oder Tyrrin nicht in seinem geflochtenen Körbchen, sondern beispielsweise auf der einfarbigen Bettdecke von Karel.
Die Zeichnung an sich finde ich sehr süß. Ich finde nur, wie gesagt, dass sie als Cover zusammen mit der Schrift nicht perfekt ist. Aber das Katerchen und die Eulendecke… Die Eulendecke! So herzig!

Feuerflocke drei Sterne Klein

Inhalt:

Tyrrin ist ein ganz besonderes kleines Katerchen. Nicht nur mit einer ungewöhnlichen Neugier gesegnet, sondern auch mit der Gabe, die Sprache der Menschen zu verstehen.
Dass ein solches Verständnis nicht nur passiv genutzt wird, dürfte dem geneigten Leser bald klar sein. Tyrrin fängt also an, zu quasseln. Da sprechende Katzen allerdings auch in der Welt dieses Romans nicht gerade an der Tagesordnung sind, führt das zu allerhand ulkigen und humorvoll umschriebenen Situationen.
Trotzdem kommt auch die Spannung nicht zu kurz, denn nicht alle Lebewesen sind Katzen wohlgesonnen…
Ich fand die Geschichte auf der einen Seite einfach superherzig und habe beim Lesen so manches „Mensch, wie NIEDLICH!“ ausgestoßen. Einfach weil es wirklich niedlich ist. Es gab aber auch Stellen, an denen ich tierisch nervös war, ob Tyrrin es nun aus der ganzen Sache herausschafft oder nicht.
Was ich hier außerdem erwähnen muss, sind die Illustrationen. Die waren oft einfach herrlich treffend und passten wunderbar zum Inhalt, ohne etwas „vorwegzunehmen“ oder dem Leser die eigene Phantasie abspenstig zu machen. Ja, ich fand die Geschichte toll und werde mir auch Teil 2 anschauen, sobald es in Buchform erschienen ist.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Hier wird sehr, sehr viel mit Sprache gespielt, sie spielt eine zentrale Rolle.
Katzen verstehen den Klang von „Old Lady“, aber nur Tyrrin versteht auch, was sie da für Geschichten erzählt.
Tyrrin lernt, sich richtig auszudrücken und bei Geschichten genau hinzuhören, um deren Kern zu verstehen.
Ich mochte, wie die Geschichten erzählt wurden und wie die Katzensicht auf die Welt ausgedrückt wurde.
Die „Old Lady“ ist gar nicht alt und Tyrrins sprachliche Fähigkeiten machen ihn zum perfekten Logopäden – oder auch nicht.
Einziges Manko waren zwei oder drei Verwechslungen von wahr/war. Aber ansonsten las sich der Text leicht und flüssig. Schön!

Feuerflocke vier Sterne Klein

Fazit:

Ich habe die Lektüre genossen. Es hat Spaß gemacht, ich war bestens unterhalten und die Bilder sind wunderniedlich. Hätte ich Kinder oder Geschwister im passenden Alter, ich hätte das Ganze sofort auf einem Tablet vorgelesen, damit besagtes theoretisch angenommenes Kind auch ja mit reinschauen und die Zeichnungen bewundern kann.
Es fällt leicht, sich mit Tyrrin zu identifizieren und bei seinen Abenteuern mitzufiebern. Es gibt Spannung und was zum Schmunzeln.
Insgesamt ein fast perfektes Gesamtpaket, bei dem ich mich schon sehr auf den Folgeband freue.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Disclaimer: Liebe Platti Lorenz, vielen Dank für das Rezensionsexemplar! Ich habe Tyrrin ins Herz geschlossen und hätte ihn sonst nie kennengelernt. Das wäre schade gewesen!

Pauline Gedge – Der Fremde Pharao (Lords of the Two Lands #1)

Veröffentlicht am

Titel: Der Fremde Pharao
Autorin: Pauline Gedge
Verlag: Rowohlt / Wunderlich (nicht mehr über den Verlag erhältlich)
Genre: Historischer Roman
Seiten: 455
Format: Hardcover
ISBN: 9783499230332
Das Buch gebraucht auf Amazon – ich habe versucht, herauszufinden, ob die deutsche Ausgabe noch irgendwo vertrieben wird, sieht aber nicht danach aus.

Seqenenre hat es satt. Er ist immer ein treuer Untertan und fleißiger Fürst gewesen. Alles war gut, er lebte mit seiner großen Familie in einem verschlafenen Nest und war zufrieden. Doch die Briefe des Pharaos, immer neue Frechheiten und Gängeleien ohne Grund stören ihn. Erst Recht, da der Pharao aus einer Linie aus Thronräubern stammt, während der ägyptische Thron eigentlich seiner Familie zusteht.
Kann er die Kränkungen verkraften?

Um ehrlich zu sein merkt man dem Buch den Reihenauftakt an. Mindestens in der ersten Hälfte passiert nur wenig und das was passiert, hat – anfangs – noch keine Konsequenzen. Dafür wird man sehr schön und ausführlich ins ägyptische Familienleben in einem Fürstenhaus eingeführt und das hat mir einerseits sehr gut gefallen, andererseits habe ich mich natürlich irgendwann gefragt, wo das hinführt.
Dann wird das Buch zusehends depressiver und negativer…

Cover:

Meine Ausgabe kommt in der Hinsicht toll daher. Hardcover mit einem – zugegeben, von der langen Zeit ein wenig mitgenommenem – Schutzumschlag, der es designtechnisch in sich hat. Goldprägereien, ein wundervolles ägyptisches Wandbild… Es sieht kostbar und edel aus, passend zur Epoche, die dargestellt wird.
Und wie gesagt, Schutzumschlag, Cover und Buch sind dafür, dass sie ungefähr 14 Jahre lang gelesen wurden, sehr gut gealtert.
Zur Erklärung: Das Buch gehört zu den Beutestücken eines meiner vielen Bücherhauls beim Bücherflohmarkt der BuWis an der Uni.
Feuerflocke fünf Sterne Klein
Inhalt:

Sequenenre ist wirklich ein treuer Untertan – oder eher einer von der Sorte „Ich tu nichts Wichtiges und lasse die Regierung in Ruhe, also soll mich auch die Regierung in Ruhe lassen“. Er geht gerne in die verlassene Palastruine direkt neben seinem Haus, um dort auf dem Dach zu sitzen und einfach nur eine Runde nachzudenken. Er liebt seine Frau und seine Kinder. Tani, die Jüngste, fühlt sich zu einem Nachbarfürsten hingezogen – sobald sie alt genug ist, wird geheiratet. Zwei seiner anderen Kinder – Geschwister – erwarten ein Kind.
Alles könnte wunderbar sein, wenn… ja wenn die seltsamen Briefe des Pharaos nicht wären, voller Argwohn und Unterstellung, die scheinbar völlig grundlos die Familie zu seltsamen Auflagen zwingen und sie grundlos zu schikanieren scheinen.
Doch der Pharao hat durchaus seinen Grund, misstrauisch gegen Sequenenres Familie zu sein. Schließlich hat er dieser Familie den Thron von Ägypten streitig gemacht.
Und so schürt er mit seinem Verhalten das Feuer, das zu genau dem Aufstand führt, den der Pharao eigentlich fürchtet.
Wie oben schon erwähnt, baut sich die Handlung sehr langsam und gemächlich auf, während die Autorin sich unendlich viel Zeit für Details nimmt. Wie beispielsweise, als Sequenenre einen Brief diktiert und dabei seinem Schreiber sagt, er solle die Floskeln mal alle schön selbst einfügen, er sagt die nicht alle vor. Oder wie das Familienleben abläuft. Lauter Kleinigkeiten, die das alte Ägypten lebendig machen können.
Hier stellt sich, bei aller wissenschaftlichen Neugier, dann irgendwann doch ein leichtes „Ja, und wohin geht die Geschichte jetzt“ ein. Denn sehr lange passiert nicht wirklich was.
Bis dann die Bedrohungen und Katastrophen einander regelrecht jagen.
Ich mag durchaus Figurenspannung, Aufbau und alles und eigentlich war es auch gut ausbalanciert, nur an einer Stelle hatte ich dieses richtungslose Gefühl.

Feuerflocke vier Sterne Klein

 

Sprache:

Sprachlich ist das Buch sehr schön. Es ist nah an der Standardsprache, kommt also ohne historisierende Floskeln oder pseudogeschwurbelte Sätze aus.
Die Sprache orientiert sich also stark am Inhalt – es wird ein schlichtes, schnörkelloses Leben im ländlichen Ägypten beschrieben, voll von – trügerischer – Idylle. Das hilft gut dabei, sich in den ganzen ägyptischen Namen zurechtzufinden. Denn auch wenn einige Namen – wie Tani – recht unverwechselbar sind, gibt es wiederum andere, bei denen ich nicht ohne weiteres ohne Kontext wüsste, ob das jetzt ein Mann oder eine Frau ist.
Da die Sätze aber immer klar strukturiert sind und man immer den nötigen Bezug der Personen zueinander hat, fällt das nicht ins Gewicht.
Feuerflocke fünf Sterne Klein
Fazit:

Ein Buch, das sprachlich schön und historisch zwar nicht immer zu 100% korrekt, aber sehr nahe am Belegten einen spannende Zeit in der ägyptischen Geschichte illustriert.
Das Grauen kommt auf leisen Sohlen – fast schon auf zu leisen, sogar für meinen Geschmack – und es bleibt spannend, was nach diesem Reihenauftakt passieren wird.
Die Bände 2 und 3 werden auf alle Fälle irgendwann noch nachgekauft.
Einer der von mir so geschätzten historischen Romane ohne überwiegenden Romanze-Anteil.

Feuerflocke vier Sterne Klein

J. H. Praßl – Thorn Gandir – Aufbruch (Die Chroniken von Chaos und Ordnung #1)

Veröffentlicht am
Chroniken von Chaos und Ordnung 1 Cover

Abbildung mit fruendlicher Genehmigung der Autoren. Vielen Dank dafür! Alle Rechte bleiben bei den jeweiligen Rechteinhabern.

Titel: Thorn Gandir – Aufbruch
Autoren: Das Autorenduo J. H. Praßl
Verlag: Acabus Verlag
Genre: High Fantasy
Seiten: 548
Format: Englische Broschur / Klappbroschur
ISBN:9783862822102
Das Buch auf der Verlagshomepage – mit einem Buchtrailer, der Leseprobe und Rezensionen.

Ich habe das Buch sozusagen zwei Mal gelesen. Einmal, als ich es als Rezensionsexemplar erhalten habe – allerdings in einer (was ich noch nicht wissen konnte) für mich sehr turbulenten Zeit, in der ich nicht annähernd so viel zum Lesen gekommen bin, wie ich es mir gewünscht habe. Dann habe ich es überraschenderweise im Urlaub beendet und mir damals schon eine Kurzrezension formuliert. Handschriftlich. Was ich sonst nie tue, aber da ich in den zwei Urlaubswochen noch vier oder fünf weitere Bücher gelesen habe, hielt ich es für eine gute Idee, die Gedanken zu diesem hier festzuhalten, solange sie frisch sind.

Ein wenig merkt man es dem Buch schon an, dass es auf einem P&P-Spiel basiert – so gibt es Schlachten, eine Heldentruppe und Stellen, bei denen ich mir gedacht habe „Ah, da hat man gewürfelt, hier hätte es auch ganz anders ausgehen können“ und das gibt dem Buch einen gewissen Reiz. Ja, es hat Elemente eines klassischen Questromans. Aber es lässt sich unglaublich viel Zeit, zu charakterisieren, die Welt zu zeigen und die Figuren interagieren zu lassen.
Vielleicht achte ich aber auch so stark darauf, weil ich selbst einige Runden gespielt habe und bei mir alle rollenspielig wirkenden Elemente die Erinnerung an eigene, spaßige Runden wachgerufen haben, wer weiß?
Es gibt viele bunte Schauplätze und auch zwischen den Zeilen einiges zu entdecken. Insofern gut, dass ich es zwei Mal gelesen habe.
Durch die hohe Dichte liest es sich besonders zu Beginn noch etwas langsam, weil Konzentration gefordert ist. Jede Kleinigkeit könnte einen doppelten Boden haben oder ein Hinweis für später sein. Gleichzeitig gibt es immer wieder überraschende und spannende Wendungen, an denen es teilweise ziemlich knapp wird … und vor allem muss man regelmäßig alles, was man über die Charaktere zu wissen glaubt, hinterfragen.
Mir hat der Reihenauftakt auf jeden Fall gut gefallen, die Reihe an sich ist für Fans anspruchsvoller High-Fantasy mit viel Zeit und für Menschen, die Bücher gerne mehrmals lesen und dabei neue Dinge entdecken.

Für die Leserunde auf leserunden.de (ein für mich neues Portal, das ich noch in meinen Blogpost zum Thema Leserunden reineditieren möchte) habe ich jeden einzelnen Leseabschnitt noch mal separat gelesen und anschließend alle eintrudelnden Gedanken und Ideen in die Leserundenthreads geschrieben, aber auch ein wenig in der Sprache gekramt und Weiterführendes angemerkt, das mir so überhaupt erst aufgefallen ist. Damit war für mich „Thorn Gandir“ eine sehr intensive Lektüre, das hatte ich bei Leserunden schon länger nicht mehr in DIESEM Maße und fand ich toll :).

Cover:

Ich weiß noch, wie es war, als ich das Buch ausgepackt habe und mir ein fast blütenweißes Cover entgegenleuchtete, mit diesem Stern in der Mitte.
Da ich inzwischen auch die zwei anderen Cover der Reihe kenne und ahne, in welche Richtung das Ganze geht… Ja, sehr passend – ein leuchtend weißes Cover für das Buch von Thorn, der sich als absolute Lichtgestalt begreift. Und danach wird es immer dunkler.
Gefällt mir persönlich sehr gut und sticht auch im Bücherregal stark in der Masse hervor! Außerdem ist das Buch dafür, dass ich es zwei Mal gelesen habe und es teilweise aufgeschlagen auf meinen Knien oder dem Tisch liegen ließ, um schnell etwas zu notieren, sehr gut in Schuss. Andere Bücher haben nach einmaligem Lesen mit Samthandschuhen mehr Gebrauchsspuren, als dieses hier. Eine gute Verarbeitung!

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Thorn Gandir verliert nicht nur eine Schlacht – er verliert auch einen Mann, den er für einen Freund gehalten hatte und die Frau, die er liebt. Von diesem Verlust und dem Gefühl des Verrats überwältigt, will er eigentlich nur noch seine Ruhe und sich nicht mehr mit den politischen Intrigen des valianischen Imperiums abgeben müssen.
Doch sowohl seine Rivalin Rosmerta als auch sein Gönner und Förderer Testaceus haben andere Pläne mit ihm – nachdem ein mächtiges magisches Artefakt entführt wurde, muss er es zusammen mit drei Gefährten aus den Fängen des Chaos wieder zurückbringen. Doch Telos Malakin, Bargh Barrowson und Chara haben alle ihre eigenen Pläne, Ziele und Absichten.
Kann die durchwachsene Gruppe es schaffen, einig genug zu sein, um am selben Strang zu ziehen? Und wer ist eigentlich wirklich der Feind in dieser Geschichte?
Amalea ist eine sehr bunte Welt – ich habe mir die Mühe gemacht und so oft wie möglich versucht, die Einflüsse auf die Welt nachzuvollziehen, die Vorbilder der fiktiven Sprachen zu rekonstruieren und andere Dinge herauszufinden, zu interpretieren, nachzuschlagen. Und ich bin mir immer noch sicher, dennoch etwas übersehen zu haben. Das Buch ist unglaublich dicht – es gibt eigentlich an so gut wie jeder Ecke etwas zu entdecken und zu deuten, keine einzige Seite vergeht, ohne dass irgendeine relevante Information im Text versteckt wäre.
Das fordert natürlich auch ziemlich heraus und zwingt zu konzentriertem Lesen, da sonst wichtige Hinweise und faszinierende Kleinigkeiten entgehen – und das wäre schade. Zwei Mal lesen hat sich hier also definitiv gelohnt!
Um die Logik der Gesamtwelt zu beurteilen, habe ich noch zu wenig von Amalea gesehen, bin aber gespannt auf das, was noch kommt. Die Geschichte selbst ist auf alle Fälle spannend und mehrschichtig erzählt.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Die paar Fehlerchen, die ich gemerkt habe, habe ich bei der Leserunde angemerkt. Aber da es auf mehreren hunderten von Seiten insgesamt so 3 waren … fallen die nicht ins Gewicht. Kann passieren.
Die Sprache fand ich in zweierlei Hinsicht faszinierend. Zum Einen die Sprache des Buches an sich. Geschrieben in einer tendentiell eher auktorielleren Art, mit vielen Fokuswechseln zwischen den Figuren, aber auch an den relevanten Stellen nah genug an der Figur, an die gerade „herangezoomt“ wird, hatte ich viel Spaß und … natürlich kann man so sehr bewusst lenken, welche Figur gerade angeschaut und aus welcher gerade hinausgeschaut wird. Das ist auch sprachlich sehr schön umgesetzt.
Für mich mit meinem Hintergrund als Conlangerin und Hobby-Linguistin (direkt Linguistik habe ich ja nicht studiert, nur einzelne Kurse besucht und Bücher durchgearbeitet) war aber auch spannend: Wie die Leute heißen bzw. aus welchen Sprachen sich Namen von Orten, Personen und Gottheiten ableiten, wie unterschiedliche Sprachen im Kontext der Erzählung dargestellt werden, wie Zaubersprüche gestaltet sind. Da hatte ich viel Vergnügen beim Deuten und Knobeln und bin gespannt, ob meine Vermutungen zu einigen Hintergründen der sprachlichen Eigenheiten aus Band 1 zu handfesten Erkenntnissen in Band 2 werden.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Ja, man merkt dem Buch an, dass es ursprünglich ein Rollenspiel war. Aber eins das allen Beteiligten großen Spaß gemacht hat und dieser Spaß kommt auch deutlich im Buch selbst zum Ausdruck. Und da Spaß ansteckend ist, hatte ich den auch beim Lesen.
Wer einen ungewöhnlichen Fantasy-Roman in einem liebevoll ausgearbeiteten Setting lesen will, das mal nicht 0815-Pseudomittelalter heißt und voller ungewöhnlicher Figuren steckt, für den ist dieser Reihenauftakt genau das Richtige.
Bringt euch viel Zeit mit, macht euch notfalls beim Lesen Notizen und findet heraus, wer wirklich hinter den Ereignissen steht.

Disclaimer: Vielen, vielen Dank an J.H. Praßl und den ACABUS-Verlag für das Rezensionsexemplar. Der herzliche Mailwechsel im Vorfeld hat Spaß gemacht und wir lesen uns auf alle Fälle noch öfter über den Weg!

Sabina S. Schneider – Zerelf (Von den Göttern verlassen #1)

Veröffentlicht am

Titel: Zerelf
Autorin: Sabina S. Schneider
Verlag: BookRix
Genre: Dark Fantasy
Seiten: 3759 KB entsprechen 302 Seiten
Format: Kindle eBook
ASIN: B013JSY3MU
Das Buch auf der Verlagshomepage – wobei BookRix streng genommen eine Selfpublishing-Plattform ist. Ich muss noch anmerken, dass ich das Buch runtergeladen habe, bevor es über BookRix neu eingestellt wurde, meine eigene Ausgabe lief noch über Amazon Create Space und hatte ein anderes Cover. Inzwischen hat die Autorin das Buch jedoch mit neuem Kleid versehen und über eine andere Plattform hochgeladen.

Serena ist ein Mädchen, das fast keine Gefühle kennt. Es muss mühevoll lernen, was es heißt, zu lächeln, sich zu freuen, sich anderen Menschen verbunden zu fühlen. Es ist, als würde ein schwarzes Loch in ihrem Inneren sie daran hindern, ihre Gefühle wirklich zu leben und zu begreifen.
Das hindert sie nicht daran, selbstlose Dinge zu tun, die sie sich selbst nicht erklären kann – und stürzt sie in heillose Verwirrung, als sie nach der blutigen Rettung eines Sklavenmädchens aus ihrer Heimat fliehen muss. Vor allem, da die Kleine das Amulett Zerelf um den Hals trägt, von dem das Schicksal der Welt abhängt…

In dieser Fantasywelt gibt es verwunschene Wälder, ein (nicht so genanntes) Elfenvolk und ein Volk der Zwerge (ebenfalls in diesem Roman völlig anders benannt) und doch weist die Fantasywelt einige überraschende Eigenschaften auf, die ich hier nicht verraten kann, ohne zu spoilern – die mich jedoch tief berührt haben. Dieser kleine Satz, den man beinahe überliest und der das Werk einer jungen Indie-Autorin gleichberechtigt neben einen Roman von Doris Lessing – einer Literaturnobelpreisträgerin – stellt, weil es die gleiche Erkenntnis ist, die mich wirklich betroffen gemacht hat…
Die Erkenntnisse und Folgen sind auf jeden Fall überraschend und färbten meine Art, das Buch zu lesen, sehr stark ein, zwangen mich, beim Lesen nicht bloß unterhalten zu werden, sondern intensiv nachzudenken.

Kleine Anekdote am Rande: Das Buch lud ich mir ursprünglich aus Protest auf mein Smartphone. Die Autorin hat in einem auf Fantasy spezialisierten Forum ihr Buch und ihr Cover vorgestellt – und wurde von einigen Mitgliedern ziemlich angegangen. Aus Protest und Solidarität lud ich das Buch unbesehen herunter. Und habe es nicht bereut.

Cover:

Eine kleine Zwickmühle. Bewerte ich das Cover, mit dem ich es gekauft habe oder das Aktuelle? Es gibt im Internet eigentlich kaum noch ein Abbild des alten Covers, außer vielleicht auf diesem Sammelbild auf dem Autorenblog. Das Arbeiten mit Silhouetten und Schatten ist irgendwie ein Markenzeichen der meisten von Sabina S. Schneider selbstentworfenen Cover und ich mag diesen Stil sehr. Dem ursprünglichen Cover würde ich allerdings nur drei von fünf FeuerFlocken geben.
Hier hat sie noch zu viel von der Geschichte ins Cover zu packen versucht – Zwerg und Elf, ein symbolisches Schachspiel, Blut.
Das aktuelle Cover ist mir dagegen fast zu schlicht. Man sieht pastellfarbenen Wald und viel Licht, die Schrift dagegen ist im Dunkeln. Grafisch durchaus gekonnt gelöst, nur eben nicht so ganz meins. Aber Cover sind sowieso Geschmackssache. Ich weiß, dass die Autorin ihr aktuelles Cover liebt.
Und ich weiß, dass sie eine superkreative Frau ist, die das Kleid ihres Buches noch einige Male wechseln wird :).

Feuerflocke drei Sterne Klein

Inhalt:

Sehr schonungslos, sehr beklemmend.
Serena hat keine nennenswerten Gefühle – und wenn, sind sie schwach und rudimentär ausgebildet, dabei dennoch mächtig genug, um ihr Verhalten zu beeinflussen. Und das ist die Figur, aus deren Sicht wir die Geschichte anfangs zu großen Teilen erleben.
Neben der absolut beklemmenden Prämisse für den Weltenbau (ich habe ganz oben schon angedeutet, was ich damitmeine) ergibt diese Innensicht … eine anfangs sehr schmerzhafte Lektüre. Denn es tut ziemlich weh, zu lesen, wie mit Serena umgegangen wird, wie sie durch ihre Herkunft und Gefühlslosigkeit stigmatisiert wird und… es größtenteils nicht einmal so richtig merkt. Es ist falsch, es ist ungerecht, es ist gemein. Und die Autorin schafft es, dem Leser hier so richtig ins Herz zu stechen damit.
Ich war wütend und traurig, wollte Serena helfen und habe ihr neugieriges Erforschen der eigenen aufkeimenden Gefühle mit Spannung mitverfolgt. Aber neben dem ausführlich geschilderten Alltag in Serenas Geburtsstadt erfahren wir auch viel über andere menschenähnliche Völker, mächtige Wälder, parallele Welten und die Macht der Magie.
Als Rahmen dient hier teilweise eine klassische Questgeschichte, bei der eine Gefährtengruppe das Amulett Zerelf beschützen soll – aber die in diesen Rahmen eingewobene Geschichte ist ziemlich komplex.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Meine Fassung (vor einer halben Ewigkeit heruntergeladen) enthielt noch Fehlerchen, aber ein Update hat die auch zum Verschwinden gebracht.
Abgesehen davon hat Sabina S. Schneider es jedoch geschafft, Dinge in Worte zu fassen, die andere Menschen sich nicht mal vorstellen könnten. Ich ließ mich darauf ein, zu lesen, wie ein Mädchen ohne Emotionen ihre Welt in Worte kleidet, wie fremde Wesen denken und sprechen und wie es im Kopf von völlig unvorstellbaren Wesen aus Parallelwelten zugeht.
Ich lief durch riesige Wälder, besuchte die Elfen und taumelte auf der Suche nach Serena durch eine seltsam verzerrte Paralleldimension.
Was Wortgewalt angeht … war es für mich (ich liebe große Worte, komplexe Beschreibungen und tiefgründige Andeutungen) ein sprachlich sehr rundes Buch.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Fazit:

Ich habe mich in die Welt und die Charaktere dieser Reihe auf den ersten Blick verliebt, sobald ich über die ersten paar % im Buch hinaus war. Es liest sich unglaublich flott, ist spannend und rasant, ohne dabei oberflächlich zu sein und sehr, sehr mutig.
Das ist das, was ich an bewusst verlagsfreien Autoren so schätze – sie wagen sich an Motive und Stoffe, die möglicherweise als nicht massentauglich gelten und darum geringere Chancen haben, verlegt zu werden. „Zerelf“ gehört hier auf jeden Fall zu den Schmuckstücken der Zunft.
Sehr, sehr gern gelesen und neugierig auf mehr.

Feuerflocke vier Sterne Klein