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Schlagwort-Archive: Mythos

Susanne O’Connell – Die Prophezeiung der Volturne

Veröffentlicht am

Titel: Die Prophezeiung der Volturne
Autorin: Susanne O’Connell
Verlag: O’Connell Press
Genre: High Fantasy
Altersempfehlung: 16+ – wobei, je nach Persönlichkeit, ich auch zu 18+ tendieren würde
Seiten: 400
Format: E-Book (meine Ausgabe), außerdem als Taschenbuch verfügbar
ISBN: 978-3-945227-06-0
Das Buch auf der Verlagshomepage

Irgendwann habe ich erwähnt, dass ich Geschichten über Wasserwesen heiß und innig liebe, es aber viel zu wenige davon gibt (an dieser Stelle eine versteckte Aufforderung, mir Romanempfehlungen mit Wasserwesen zu machen).
Nun, direkt im Wasser leben die Volturne zwar nicht, aber sie träumen davon, zum Wasser zu werden. Mehr noch – die Inhalte ihrer alten Schriften sagen ganz deutlich, dass ein Erlöser dieses Wunderwerk vollbringen kann. Ihre Kiemen zeugen zusätzlich davon, dass Wasser ihr Element ist.
Eine sehr ungewöhnliche Fantasygeschichte, die ich sehr gern gelesen habe.

Das verdanke ich nicht zuletzt dem Mut der Autorin, die Dinge so zu schildern, wie sie sind. Raubkatzen riechen aus den diversesten Gründen nun mal nicht nach Rosen, beispielsweise weil sie ihr Revier markieren müssen und dabei Dinge tun, die ein Mensch eher eklig findet.
Und es heißt zwar, andere Länder andere Sitten, aber Kinder „Backe-backe-Kuchen“ mit Leichen spielen zu lassen, ist eklig – und sollte auch so geschildert werden.
Keine Emotion, keine Regung, kein Ekelmoment wird hier verharmlost. Und ja, teilweise wird es wirklich mehr als einfach nur eklig… aber dafür auch an den richtigen Stellen wieder spannend und an einigen sogar recht lustig.

Cover:
Das Cover ist einfach atemberaubend schön… ein Wald, durch den funkelnd das Sonnenlicht streift und sich an glänzenden Seifenblasen bricht – überflutet von türkisfarbenem Wasser, das so weich und warm aussieht, dass ich auf der Stelle darin herumplanschen würde.

Das Cover hat etwas Märchenhaftes – aber wenn man genauer hinsieht, erkennt man auch die Bedrohung für das Leben in diesem uralten Wald. Denn welchem Wald kann es gut tun, wenn er überflutet wird? Egal wie optisch schön das Wasser ist?
Eben.
Und die Handlung im Buch ist alles andere als ein wunderschönes Sommermärchen

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:
Die hier aufgebaute Fantasywelt ist auf bizarre Weise schön. Bevölkert von Volturnen, Menschen und Herkanen, gleicht sie in vielen Aspekten unserer Welt – es gibt Orangen, Affen, Melisse, Hasen – und in anderer Hinsicht ist sie völlig anders.
Hier gibt es noch Säbelzahntiger und ein grausiges Volk, das eine sehr dunkle Magie beherrscht und nach Herrschaft strebt. Hier gibt es noch Prophezeiungen, die mehr als bloße Worte sind.

Gleichzeitig wirkt diese Welt in ihrer Grausamkeit und dem Gegensatz von ergreifender Schönheit und großer Gefahr auf mich sehr authentisch. Keine Welt – auch unsere zivilisierte nicht, selbst wenn es oft so scheint – ist nur schön oder nur schrecklich. Und das fängt die Autorin wunderbar ein. Herrliche Landschaften, wunderschöne Pflanzen, kristallklare Gewässer wechseln sich ab mit den Welten der Herkane – die direkt aus einem Alptraum zu kommen scheinen.

Doch auch die scheinbar heile, schöne Welt der Volturne ist nicht so schön, wie es scheint. Der Protagonist bekommt das am eigenen Leib zu spüren – denn Vagoor hat es gewagt, zuzugeben, dass er nicht an die Prophezeiung der Volturne glaubt. Eine Einstellung, die ihn zum Aussätzigen macht und eine Kette an Ereignissen in Gang setzt, die Vagoor und alle Volturne vernichten könnte. Es sei denn, es gelingt jemandem, alle drei Aufgaben zu lösen und die Prophezeiung der Volturne zu erfüllen.

Kann die von sich überzeugte, schöne Mirihanna es schaffen?
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Die Sprache ist gleichzeitig poetisch eloquent und klar – die Autorin nimmt kein Blatt vor den Mund. Wo Leichen drin sind, stehen auch Leichen drauf. Wo ein Tiger etwas mit seinem Urin markiert, markiert er es eben genau damit, nicht mit irgendeinem Euphemismus davon.
Durch diese sehr starke Klarheit wirken manche Passagen noch stärker, als sie es sonst könnten. Die Szenen bei den Herkanen waren nicht zuletzt darum so wirkungsvoll und ziemlich ekelerregend, weil sie mit dieser gestochenen Klarheit niedergeschrieben wurden, die keinen Raum fürs Schöndenken übrig ließen. Ich hatte keine Möglichkeit, mittels Kopfkino irgendetwas an den schrecklichen Szenen zu beschönigen.
Sehr mutig und bei einem Roman mit so viel Metaphorik sehr klug.
Als Liebhaberin von selbsterfundenen Wörtern – die gab es und sie haben gut in die Welt gepasst. Ich konnte mir schnell merken, welches Fantasywort wofür steht und hatte kein Problem mit den Begriffen. Sie waren eher das Salz in der Suppe.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Ihr könnt es euch vermutlich denken: Diese Literatur ist nichts für schwache Nerven – aber wer nach GRRM ohnehin keine Lust mehr auf beschönigende Fantasy hat, in der ein abgetrennter Arm auch kein großes Malheur ist und generell härtere, schonungslosere Geschichten bevorzugt, für den ist „Die Prophezeiung der Volturne“ bestens geeignet.
Schade nur, dass es vermutlich (oder höchstwahrscheinlich) keine weiteren Abenteuer in dieser tollen Welt geben wird. Denn die Welt an sich hat mir sehr gut gefallen und ich würde zu gerne noch den einen oder anderen Ausflug dorthin machen.
Ich wünsche Susanne O’Connel noch viele weitere tolle Romanveröffentlichungen – das Debüt ist ihr auf jeden Fall gelungen!

Feuerflocke fünf Sterne Klein
Disclaimer: Ich habe meine Ausgabe freundlicherweise von der Autorin erhalten. Was bei einem Buch, das ich mir ohnehin kaufen wollte, ein wunderbares Geschenk war.

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Jonathan Stroud – Valley – Tal der Wächter

Veröffentlicht am

Titel:  Valley – Tal der Wächter
Autor: Jonathan Stroud
Verlag: cbj (gehört zu Randomhouse)
Genre: Fantasy
Altersempfehlung: ab 12 Jahren
Seiten: 493
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-570-13493-17

Das Buch auf der Verlagshomepage

Das Buch fängt sehr klein und sehr zahm an. Es kommt als regelrecht klischeehaft typische, pädagogisch wertvolle Geschichte für Kinder daher, mit regelrechter Überbetonung des „als Kind muss man artig sein und hören und alte Legenden haben einen erzieherischen Kern, der die Traditionen bewahren soll“.
Und dann bekommt dieser Schein einen so extremen Riss, dass ich nach Luft schnappte und nicht glauben konnte, was ich eben gelesen habe. Und der Riss wird im Laufe des Buches nicht mehr gekittet, bis dann eine der größten Überraschungen in der Literaturgeschichte kommt. Ernsthaft, ich hätte nie mit dem gerechnet, was passiert ist.

Mit anderen Worten: Man muss den ersten 50 Seiten eine Chance geben – auch wenn sie auf den ersten Blick ein wenig moralhudelnd wirken und ich das schon als Kind nicht leiden konnte (das Buch ist bei „Ab 10 Jahren“ in der Bibliothek eingeordnet, cbj empfiehlt ein Lesealter von 12 Jahren).
Das ist ein Stilmittel, das Stroud bewusst und sehr gekonnt einsetzt, denn jedes moderne, freiheitsliebende Kind wird sich hier von Anfang an gegen den Strich gebürstet fühlen – ohne dass Stroud den Bogen so überspannen würde, dass man das Buch vor dem großen Knall in die Ecke pfeffern möchte. Nein. Man liest bis zu der Stelle, an der auf einmal alles anders wird und… schon will man es wirklich nicht mehr weglegen.
Insgesamt somit auch für „Große“ sehr interessantes, toll geschriebenes Buch mit dem typischen Stroud-Humor und einer unterschweilligen ernsten Note, über die ich immer noch nachdenke.

Cover:

Optisch und haptisch ein absoluter Hingucker.

Ein größtenteils kühles, blaues Cover mit viel Himmel, Wolken, einem angedeuteten Gebirge und davor graublau und ein wenig schwefelgelb, vom gleichen Gelb wie die Wolken und Bergspitzen, ein Kapuzenmensch. Drumherum dann nicht nur ein paar goldene Kratzspuren, nein, die funkeln auch tatsächlich, wenn man das Buch gegen das Licht hält und fühlen sich wie Kratzer an, wenn man es anfasst.

Und dazu Hardcover. Auch wenn ich durchaus ein E-Book zu schätzen weiß – ich liebe es, ein Hardcover in der Hand zu halten. Manchmal glaube ich, es könnte sogar etwas völlig Scheußliches drauf sein, aber wenn ich es anfassen kann und es irgendwelche hervorgehobenen/eingebetteten/glänzenden/im Dunkeln leuchtenden etc. Elemente hat, gibt es schon eine oder zwei Bonusflocken.

Und in dieses Buch habe ich mich, was Griffigkeit angeht, regelrecht verliebt.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Das Tal, in dem die Protagonisten leben, ist völlig abgeschottet – und das aus gutem Grund. Denn draußen, außerhalb der Berggipfel, lauern die Trolde und fressen jene, die zu entkommen versuchen. Und so entkam seit Jahrhunderten niemand mehr dem Tal und seinen Geschichten.
Nicht, seit der Held Sven – Gründer von Haus Sven – und elf weitere Recken, jeweils Gründer großer Häuser, in der großen Schlacht am Troldfelsen das Leben ließen, um dem Tal Sicherheit und Frieden zu schenken.

Hal und Aud, abenteuerlustige Kinder verfeindeter Häuser, wollen dennoch den Weg nach draußen suchen. Und lernen die Wahrheit hinter den Märchen aus alter Zeit kennen.

Stroud lässt seine Romanwelt lose auf nordischer Mythologie basieren – die Namen muten skandinavisch an, das Konzept der Trolde erinnert an die bekannten Trolle aus den Märchen und auch die Welt, in der die Protagonisten und deren Familien leben, mutet wie das mittelalterliche Schweden an. Dennoch handelt es sich beim Tal um einen Mikrokosmos, der seinen eigenen Regeln folgt und seine eigenen Helden verehrt.

Ich kann hier nicht mehr zur Romanwelt sagen, ohne zu spoilern – aber alles ist in sich stimmig und im Nachhinein betrachtet ziemlich philosophisch.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Ich gebe ganz ehrlich zu, dass ich anfangs furchtbar genervt war von der Sprache im Buch. Auch wenn ich deutlich über dem in der Bibliothek empfohlenen Mindestalter von zehn Jahren war – ich hatte das deutliche Gefühl, dass ich auch mit zehn seeehr viel dagegen gehabt hätte, angesprochen zu werden wie eine unartige Fünfjährige, der man zum siebzigsten Mal „Aber du musst artig sein und hören“ sagt. Gerade bei als Kinderbuch ausgewiesener Literatur achte ich seit einem sensibilisierenden Sachartikel sehr auf Augenhöhe und ob irgendwo der Oberlehrerton durchschlägt.
Die ersten fünfzig Seiten, wie oben berichtet, ist das der Fall und das war für mich der Grund, aus dem ich zwar weitergelesen habe – so schnell breche ich kein Buch ab – aber ein komisches Gefühl hatte. Ich fühlte mich sozusagen gegen den Strich gebürstet und das ist etwas, das nicht nur Katzen eher missfällt. Auch Leserinnen mögen das nicht besonders, wenn so ein Zustand über Seiten anhält und das freiheitsliebende, aufmüpfige Wesen in ihnen sich furchtbar gegen diese Belehrungen sträubt. Außerdem – Oberlehrerton hin, Oberlehrerton her, ich wollte wissen, wie es weitergeht.

Dennoch strotzt das Buch vor Jonathan Strouds trockenem Humor – der sich in all den Teilen der Geschichte Bahn bricht, in der nicht die Legende von Sven nacherzählt wird – und macht das Buch von den ersten paar Seiten an ziemlich vergnüglich. Man schaue sich nur die auf der Verlagsseite verlinkte Leseprobe und dort das erste Kapitel nach der Sven-Legende an ;-).

Stark wird die Sprache dann, wenn es daran geht, das sorgfältig aufgebaute Scheingeflecht aufzulösen und einstürzen zu lassen. Hier finden sich Beschreibungen, Metaphern, ausgedachte Worte, schlagkräftige Dialoge… alles, was man sich wünschen kann.

Ich gebe hier dennoch eine Flocke Abzug, weil – wie oben gesagt – der Anfang sich ein wenig oberlehrerhaft ausnahm und mich das wirklich ein wenig daran zweifeln ließ, ob das ein Buch für mich ist.
Feuerflocke vier Sterne Klein

Fazit:

Sobald man über die Seiten hinweg ist, in denen die Moral „Sei ein braves Kind“ zu sein scheint, wird „The Valley“ zu einem Buch, das sich rasend schnell wegliest und ungeheuer spannend ist.

Die Einschübe mit Svens Legende zeichnen ein zunehmend vielfältigeres Bild und am Ende offenbart sich dem geneigten Leser eine Geschichte, bei der man einfach nur laut „WHAT?“ rufen – und einen leider nicht vorhandenen Nachfolgeband kaufen möchte.

Und wenn man dann noch einmal die ersten Seiten des Buches liest… kommt einem auf einmal auch da die Sprache gar nicht mehr so oberlehrerhaft vor wie anfangs.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

[Film-Rezension] Hercules

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Wenn Hollywood einen antiken Mythos aufgreift und einen Blockbuster daraus macht, kann man sich sicher sein, dass ein völlig verqueres Actionspektakel dabei herauskommt, welches mit dem ursprünglichen Mythos außer dem Namen des titelgebenden Helden rein gar nichts mehr zu tun hat. So sicher, wie eine jede Nymphe von Zeus bestiegen wird, die bei drei nicht zu einem Baum wurde.

Anders versprach es der Trailer von Hercules, der in nur wenigen Sekunden gleich mehrere Heldentaten des Halbgottes zeigt: Der Kampf mit dem Nemëischen Löwen, Jagd auf den Erymanthischen Eber, die Hydra, garniert mit einem Hercules (gespielt von Dwayne The Rock Johnson), der tatsächlich Löwenfell und Keule trägt.
Eine Hercules-Verfilmung, die sich auf die Grundzüge des Mythos besinnt? Die die 12 Heldentaten in den Vordergrund stellt und Hercules endlich das Schwert wegnimmt?
Wenn das nicht Grund genug für fruehstuecksflocke ist, ins Kino zu gehen.

Beim Hercules, hab ich mich aber geirrt!

Besagte Heldentaten nehmen etwa die ersten 15 Sekunden des Films ein – erzählt von keinem geringeren als Iolaus (Reece Ritchie), Neffe des Herakles (sowohl im Film, als auch im Mythos), der gehörig in der Patsche sitzt, weil ein paar Piraten ihn auf besonders kreative Weise pfählen wollen. Die Strategie des ärmsten ist es, die Piraten mit den Geschichten hinzuhalten, bis Hercules wirklich kommt, um ihn zu retten. Der kommt dann auch wirklich, aber nicht allein – im Schlepptau hat er ein buntes Sammelsurium griechischer Helden: Der Seher Amphiaraus (Ian McShane), der wilde Tydeus (Aksel Hennie), der Messerwerfende Autolycus (Rufus Sewell) und last but not least die „Amazone“ Atalanta (Ingrid Bolsø Berdal). Gemeinsam werden die Piraten niedergemetzelt und anschließend in einer Kneipe gezecht, das Geld gezählt und Zukunftspläne geschmiedet, die Möglichkeiten einer Altersresidenz weit, weit weg erörtert und schließlich der nächste Auftrag angenommen.

Wer sich etwas mit griechischer Mythologie auskennt, hat bereits hier einiges an Glauben an den Film verloren: In Hermes-Sohn und Meisterdieb Autolycus erwartet man keinen Krieger, und der Seher Amphiaraos, der u.a. die Alkmene zeugte (und damit Hercules‘ Großvater ist), passt nicht wirklich zu einer Söldnertruppe. Immerhin handelt es sich bei Tydeus wirklich um einen Krieger, und auch seine im Film aufgegriffene Verbindung zu Theben und dort passierter Greueltaten passt, ist Tydeus doch einer der Sieben gegen Theben.
Weniger stimmig ist, dass Amphiaraus eigentlich nicht unbeteiligt an Tydeus Tod war und den guten gehasst hat…
Die Darstellung der Atalanta als Amazone hingegen kann man gerade so noch durchgehen lassen, wenngleich ihre bauch- und beinfreie Lederrüstung mit tiefem Ausschnitt wenig Schutz bieten dürfte…
Der Film erklärt den Zusammenhang der Truppe mit Hercules so: Alle diese Helden waren irgendwie bei dessen Heldentaten dabei, wurden von ihm gerettet oder kamen sonst irgendwie in seine Schuld und schlossen sich ihm an.

Der neue Auftrag führt die Söldnertruppe nach Thrakien, wo König Cotys sich von Rhesus bedroht sieht. Der führt nämlich Krieg gegen ihn und alles, was Cotys hat, sind ein paar Bauern. Hercules soll aus ihnen Krieger machen und sie in die Schlacht führen – was früher geschieht, als ihm lieb ist. Das Heer gerät in einen Hinterhalt, und man erfährt, dass Hercules keineswegs ein Halbgott ist, sondern vor allem von der Legende seiner Abkunft, seiner Unverwundbarkeit und seiner zwölf Arbeiten zehrt, um dem Feind Angst einzuflößen. So wird der anfängliche Zweikampf zwischen Hercules und einem Feind zur wahren Showeinlage zelebriert und der Film beginnt erneut, interessant zu werden – bis Amphiaraus in einem Streitwagen durch die Gegnerhorden fährt, einen Knopf drückt, links und rechts Klingen ausklappt und sich so seinen Weg bahnt und ich vor Lachen beinahe am Popcorn erstickt wäre…

Später greift der Film erneut den Hercules-Mythos kurz auf, thematisiert Megara und die toten Kinder (die Hercules laut Mythos getötet hat), bringt den Cerberus ins Spiel, der Hercules im Traum verfolgt – löst aber auch diese Traumvision sehr gekünstelt auf.

Wer eine ernstzunehmende Adaption des Hercules-Mythos erwartet, wie ihn der Trailer verspricht, wird bei Hercules bitter enttäuscht sein. Wer hingegen auf trashige, grundlos actiongeladene Spektakel mit coolen Sprüchen steht, für den ist Hercules sicher ein solides Stück seichter Unterhaltung.

Dwayne Johnson ist mit seinen Muskelbergen und der hünenhaften Gestalt wohl die beste Besetzung für den Halbgott und sieht mit Keule, Löwenfell und Bart durchaus wie ein wilder Berserker aus. Ingrid Bolsø Berdal steckt als Atalanta vielleicht in einer etwas zu freizügigen Rüstung, wird im Film aber Widererwarten alles andere als attraktiv dargestellt und kommt so der Atalanta des Mythos, einer jungfräulichen, wilden Jägerin, recht nahe.
Wirklich getragen wird der Film aber wohl von der herrlich sarkastischen Rolle des Amphiaraus, der auch als Erzähler fungiert und mit Visionen, Vorausdeutungen und Sprüchen wie „Zumindest ich werde heute nicht sterben – bei dir bin ich mir da nicht so sicher…“ vor dem Kampf dem Zuschauer regelmäßig ein Grinsen ins Gesicht zaubert.

Gäbe es keinen Amphiaraus, wären die 10 € für das Kinoticket jedenfalls zu viel.

Feuerflocke drei Sterne Klein

3 von 5 möglichen Feuerflocken