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Schlagwort-Archive: Leserunde

[Anthologie] Unicorns don’t swim – Hrsg. Antje Wagner

Veröffentlicht am

Titel: Unicorns don’t swim
Herausgeberin: Antje Wagner
Verlag: AvivA
Genre: Kurzgeschichten, Anthologie
Altersempfehlung: Ab 13
Seiten: 256
Format: Broschur
Coverdesign by: Britta Jürgs, Stockfoto von „JohanJK“
ISBN:978-3-932338-82-3
Das Buch auf der Verlagshomepage – dort gibt es auch weitere Informationen zum Buch und zu den teilnehmenden Autoren.

Liste der teilnehmenden Autoren: Ingrid Annel, Juliette Bensch, Anja Frisch, Sabine Funder, Laura Henkel, Vera Kissel, Katharina Korbach, Anja Kümmel, Sophie Micheel, Antonie Partheil, Kim Katharina Salmon, Kathrin Schrocke, Claudia Schuster, Corinna Waffender, Antje Wagner und Tania Witte.

Zunächst einmal: Ja, ich musste extra ein neues Schema für diese Rezension erfinden. Zwar habe ich schon mal eine Anthologie auf dem Blog rezensiert, dabei handelte es sich jedoch um die Sammlung eines einzelnen Autors, sodass ich sie in der Hauptbewertung (Sprache, Inhalt etc.) wie einen Roman behandeln konnte.
Das konnte ich bei dieser Rezi nicht wirklich. Ich weiß, einige Leute finden Schemata zum Buchbewerten blöd. Ich brauche sie, um meinen eigenen Qualitätsstandards zu genügen und auch nichts zu vergessen, was irgendwie wichtig ist.

Fakt ist: Es gibt keine einzige Kurzgeschichte in dieser Sammlung, von der ich sagen könnte, sie hätte mir nicht gefallen oder wäre schlecht geschrieben. Jede einzelne Geschichte ist auf ihre Weise gut, auf ihre Weise wertvoll und auf ihre Weise… weise. Ziel der Anthologie ist es ja, all die Konzepte von Mädchen einzufangen, die in den meisten Erzählungen entweder ganz ignoriert werden oder nur am Rande existieren dürfen.
Flüchtlingsmädchen, lesbische Mädchen, transidente Mädchen. Mädchen, deren Hauptlebensziel nicht darin besteht, irgendwann mal „einen süßen Boy“ abzuschleppen und dabei „megahip“ und „supersweet“ auszusehen. Und Mädchen, die gleichzeitig Tomboy und weiblich sein können.
Da ich als Teenie auch so eine schräge Mischung war (hübsch aussehen war mir zwar nicht völlig unwichtig, aber ich trug zu 80% schwarze Klamotten – hübsche Klamotten, wohlgemerkt – und las/schrieb lieber Geschichten, als irgendwelche Jungs zu stalken – und hörte schon damals eher Metal als Charts, zockte stundenlang Tetris und kann mit Liebesgeschichten aller Art bis heute wenig anfangen. Dafür lasse ich seit „Spiderman“ fast keinen Superheldenfilm mehr aus… ), habe ich mich zwischen den Seiten der Anthologie schnell wohlgefühlt.
Und ich denke, viele Menschen werden in dieser Sammlung zahlreiche Identifikationsfiguren finden.

Cover:

Ich mag es recht gern. Ein tätowiertes Skatergirl, sportlich, aktiv, rebellisch – aber mit angemalten Fingernägeln, einer schicken Frisur und Kleidung, die farblich perfekt aufeinander abgepasst ist. Das ist genau die Diskrepanz, die ich schon oben erwähnt habe. Kein Mädchen ist nur Prinzessin, kein Mädchen ist nur Rebellin, Schubladen sind doof. Und genau DAS strahlt das Cover und das Mädchen darauf für mich aus.
Das Weinrot als Kontrastfarbe ist da zusätzlich sehr hübsch gewählt.
Außerdem ist die Qualität des physischen Buches an sich ziemlich hoch. Ich hatte es im Urlaub dabei – Städtetripurlaub wohlgemerkt – und es ist somit ziemlich weit gereist. Aber das Buch geht nach wie vor tadellos auch im Liegen zu und hat keine Leserillen. Heißt: Das hält auch ein zweites, drittes, viertes Mal lesen locker aus, ohne dass ich es mir nachkaufen muss.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Konzept:

Die Idee hinter der Anthologie habe ich oben bereits angesprochen – Mädchen eine Stimme zu geben, die in den meisten Geschichten zumindest im Mainstream nicht ankommen.
Als durchaus gendersensibilisierte Autorin weiß ich zwar, wo ich solche Geschichten im Zweifelsfall suchen muss – bei kleinen Verlagen, bei Selfpublishern, abseits des Mainstreams – aber ich fand es schön, sie als Statementanthologie in den Händen zu halten. AvivA ist ein Verlag, der sich auf besondere Frauengeschichten abseits des Mainstreams spezialisiert hat und nächstes Jahr sein zwanzigstes Jubiläum feiert, in der Hinsicht also durchaus als etablierte Größe gesehen werden kann. Die Bücher liegen im Buchhandel aus und können somit gut gefunden und gekauft werden.
Bis auf eine Geschichte, bei der ich mir noch unsicher bin, würde ich auch sagen, dass jeder einzelne Beitrag das Konzept auf eine andere Weise umsetzt. Mal realistisch, mal fantastisch, mal hochlyrisch und sehr metaphorisch.
In meinen Augen perfekt umgesetzt und einige neue Autorinnen habe ich dadurch überhaupt erst auf den Schirm bekommen.
Feuerflocke fünf Sterne Klein
Zusammenstellung:

Ich fand die Reihenfolge in den meisten Fällen gut bis sehr gut gewählt. Texte mit einem echten Schocker wechseln sich ab mit humorvoller gestalteten Texten. Fantastisches mit Realistischem, Lyrisches mit Sachlichem.
Nur bei einem einzigen Text bin ich mir nicht sicher, ob ich ihn nicht ausschließlich darum ein bisschen blasser fand, weil der Text davor so intensiv war, dass danach einfach gar kein Text eine Chance gehabt hätte. Denn rein objektiv war eigentlich, wie gesagt, jeder von ihnen gut und in den meisten Teilen fand ich die Reihenfolge auch sinnvoll. Nur bei dem einen, dem in meinen Augen stärksten Text, hätte ich mir gewünscht, dass er ganz am Ende kommt, um den Text nach ihm nicht zu schwächen.
Ich könnte auch keinen Text nennen, der mir direkt nicht gefallen hat, nur einen, mit dessen Botschaft ich noch ein wenig hadere. Aber ich glaube, hadern gehört zu einer solchen Anthologie dazu und ist – vielleicht? vermutlich? – sogar so beabsichtigt.
Die Texte sind völlig unterschiedlich – von einer Geschichte von einem fremden Stern bis hin zur Geschichte über ein kleines Mädchen und ihre Meerschweinchen ist alles dabei. Es wird also nie langweilig.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Fazit:

Ich würde der ganzen Anthologie auf alle Fälle den Stempel „Pädagogisch wertvoll“ aufs Cover drücken. Und zwar nicht nur für Mädchen. Die Geschichten geben den Menschen eine Stimme, die zu oft im Mainstream ausgelassen werden und schaffen somit ein breiteres Bewusstsein für mögliche Identitäten.
Das Buch wird auf alle Fälle eins, das ich noch öfter in die Hand nehmen und lesen werde.

Feuerflocke fünf Sterne Klein
Disclaimer: Danke an den Verlag, die Herausgeberin Antje Wagner und das tolle „Katze mit Buch“-Forum für das Rezensionsexemplar und die Leserunde. Das gemeinsame Lesen, die daraus entstehenden Plauderrunden und die angeregten Diskussionen waren auch dieses Mal wieder unfassbar lehrreich, bereichernd und schön.

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Sarah Ockler – #skandal

Veröffentlicht am
Quelle: Randomhouse Bloggerportal

Quelle: Randomhouse Bloggerportal

Titel: #skandal
Autorin: Sarah Ockler
Verlag: cbt (gehört zu Random House)
Genre: Jugendbuch
Altersempfehlung: Ab 14 Jahren (Verlagsempfehlung)
Seiten: 416
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-570-16298-9
Das Buch auf der Verlagshomepage

Die Beschreibung liest sich zwar wie eine relativ konventionelle Teenie-Schnulze, aber da ich in letzter Zeit irgendwie einen Narren an Jugendbüchern über und mit Social Networks gefressen habe, konnte ich nach „Marias letzter Tag“ featuring Youtube einfach nicht an „#skandal“ featuring Facebook vorbei. Wenn als Nächstes noch ein Roman über twitternde Jugendliche käme, wäre ich begeistert – da treibe ich mich nun mal am Liebsten herum.
Zum Glück ist Lucy alles andere als so ein typisch girliges Klischeemädchen, das sich am Liebsten die Zehennägel rosa färbt und ungefähr so viel Hirn wie Kastenbrot hat. Im Gegenteil. Lucy ist intelligent, gut in der Schule, eine gepiercte Gesellin mit gefäbrtem Haar, einem riesigen Schäferhund namens „Night of the living Dog“ und hat „im Teamplay Zombies schnetzeln“ als Haupthobby, wenn sie nicht gerade Gothic-Stiefel spazieren führt. Dass eine Liebesgeschichte also auch einem Mädchen passieren kann, das nicht in der rosaroten Zuckerwelt lebt, fand ich herrlich erfrsichend und natürlich konnte ich mich mit ihr besser identifizieren.

Cover:

Auf dem Cover sind tatsächlich Cole und Lucy – und vermutlich authentische Markierdingsdas bei Facebook (ich nutze dieses Tool nie, deswegen habe ich es noch nie in freier Wildbahn gesehen)  – wie sie gerade auf ihrem Kussfoto markiert werden.
Als Cover die Schlüsselszene zu nehmen, mit der alles beginnt, ist nicht unclever.
Ich persönlich mag normalerweise keine Fotocover. Ich mag, um ehrlich zu sein, absolut keine Fotocover, da die bei mir immer irgendwie einen billigen Nachgeschmack hinterlassen. Man nehme ein Foto und tue Schrift drauf, fertig.
Hier fand ich das durch die Markierkreise nicht mal unbedingt so schlimm. Immerhin ist das Buch selbst ein schönes, wertiges Hardcover – auch wenn ich persönlich für die neonpinke Umschlaginnenseite eher wenig Sympathie habe. Ich mag Pink nun mal nicht und schon gar nicht in Neon. Was cbt und die dortigen Buchdesigner können, ist aber definitiv stimmige Gestaltung – Blautöne auf dem Cover (Himmel), Blau-Neonpink-Kontraste durchgängig bei der Buchgestaltung durchgehalten.
Aber mir persönlich hätte doch ein Cover besser gefallen, das zumindest vom Motiv her einen Tick wertiger rüberkommt, als das Foto.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Inhalt:

Eigentlich ist Lucy absolut kein Fan von Abschlussbällen und würde viel lieber daheim sitzen und mit ihrer Gruppe Zombies schnetzeln. Aber da ihre beste Freundin Elli mit Grippe im Bett liegt, muss Lucy in Ellis Kleid und mit Ellis Freund Cole zu Ellis Ball. Ehe sie sichs versieht, landet sie dabei auf der Afterparty und… küsst Cole.
Ehe sie auch nur die geringste Chance hat, die Sache in Ordnung zu bringen, tauchen Bilder davon auf Facebook auf – und eine Woge des Hasses bricht über Lucy herein. Was kann sie tun, um da wieder rauszukommen? Und wem kann sie eigentlich vertrauen?
Einer meiner Hauptkritikpunkte am Inhalt ist Cole. Der Junge  ist ein Bilderbuchschwarm – Schlagzeuger, gutaussehend, ebenfalls mit Hund.  Abgesehen davon erfährt man über ihn allerdings nicht viel. Er ist halt da und will geliebt werden, ist auch immer für Lucy da und hält sie von Fehlern ab. Aber abgesehen davon bleibt er für mich blass. Fast, als wäre er ausschließlich vorhanden, weil nun mal für die Geschichte ein Quotenschwarm gebraucht wird, ist aber ansonsten kaum relevant.
Interessanter ist hier die Rolle einer gewissen lokalen Berühmtheit, die mehr mit Lucy zu tun hat als man denkt und das Rätsel, wer die geheimnisvolle „Miss Behave“ ist, die regelmäßig dazu aufruft, Skandalöses auf ihre Seite zu posten.
Stellenweise fand ich es vorhersehbar, stellenweise zog es sich für mich ein bisschen und ich hatte das Gefühl, dass eigentlich nichts passiert.
Auch wenn das Buch dennoch sehr kurzweilig war, hätte ich mir hier schlicht mehr Tempo und Feuer gewünscht. Es wirkte oft zu sehr auf kleiner Flamme geköchelt.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Sprache:

Was ich an dem Roman wirklich gemocht habe, war wie echt die Jugendlichen und ihre Kommunikation untereinander wirkte. Da werden Facebooknachrichten, SMS und andere Sachen abgedruckt, die sich lesen, als hätten sie wirklich lebende und atmende Teenager aus dem 21sten Jahrhundert geschrieben.
Viele Verweise auf aktuelle Bücher und Serien, echte Nerds, die nicht wie peinliche Sockenpuppen wirkten. Das war sympathisch und hat auch über so manche Länge in der Handlung hinweggetröstet. Auch wenn eigentlich nichts passiert, man kann immer noch die sprachliche Güte der Kommunikation genießen und das habe ich auch.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:
Ein wenig störte mich an einigen Stellen die Vorhersehbarkeit – was aber dadurch wettgemacht wird, dass die Autorin mich auch so manches Mal eiskalt völlig auf dem falschen Fuß erwischt hat.
Aber es ist ein nettes Buch und die Liebesgeschichte rückt nicht so wahnsinnig in den Vordergrund, dass es mich nerven würde – wo sie aber vorkommt, wird sie sehr schön geschildert.
Das Buch ist auf jeden Fall grundsolide und durchaus unterhaltsam, kann aber beispielsweise von der emotionalen Intensität und der Unaufdringlichkeit der Message einfach nicht mit dem weiter oben verlinkten „Marias letzter Tag“ mithalten. Auch wenn das Thema durchaus ernst ist, dringt hier nun mal doch zu sehr der eher amerikanische locker-flockige Roman durch. Mir fehlte etwas Tiefgang, Ansätze wären da durcaus vorhanden (Elli wächst bei zwei weiblichen Elternteilen auf, Promis und Leidbewältigung, Social Media, Verschwörungstheorien etc.), wurden aber oftmals nicht so ausgenutzt, wie es möglich gewesen wäre.
Feuerflocke vier Sterne Klein

Disclaimer: Gelesen im Rahmen einer Leserunde auf „Katze mit Buch“ – danke für mein Exemplar und für den gemeinsamen Lesespaß!

Buchgeplauder über Leserunden

Veröffentlicht am

Oft findet ihr in meinen Rezensionen den Disclaimer „Ich habe das Buch im Rahmen einer Leserunde auf xy gelesen“. Mir ist aber aufgefallen, dass längst nicht alle Lesebegeisterten von dieser Möglichkeit wissen, der Leseleidenschaft zusammen mit netten Gleichgesinnten zu frönen. Darum hier eine kleine Einführung in die Welt der Leserunden!

Was und wie?

Eine Leserunde ist im Grunde genommen eine Art digitaler Buchclub – nutzt allerdings die Vorteile der digitalen Welt insofern, dass nicht alle Leser das Buch im gleichen Tempo gelesen haben müssen, um mitreden zu können.
Dabei spielt es keine Rolle, ob die Bücher verlost werden oder jeder Teilnehmer sein eigenes Exemplar kaufen muss. Der Leserundenleiter legt ein Datum fest, ab dem alle Teilnehmer mit dem Lesen beginnen sollten und ein Datum, an dem die Leserunde idealerweise zu Ende sein sollte – die meisten Leserunden, an denen ich teilnahm, gehen zwei bis drei Wochen.
Außerdem legt der Leserundenleiter Threads oder Ordner in bestimmten Abschnitten an, beispielsweise „Abschnitt 1: Anfang bis Seite 100“. In diesem Ordner darf dann wirklich nur kommentiert werden, was auf den Seiten 1 bis 100 passiert ist – Spoiler auf die Ereignisse ab Seite 101 sind verboten, man kann aber natürlich Vermutungen anstellen, wie es weitergehen könnte. Über den Inhalt der im Abschnitt enthaltenen Seiten kann man sich dagegen völlig frei austauschen, innerhalb dieser Schnittmenge sind Spoiler erlaubt.
Am Ende einer Leserunde stehen die Rezensionen.
Jeder Teilnehmer hat eine ausführliche Möglichkeit gehabt, das Buch zu lesen und die eigenen Leseerfahrungen durch den digitalen Austausch mit anderen Lesern zu erweitern und zu reflektieren – die Rezension am Ende ist sozusagen das Sahnehäubchen.

Wo?

Theoretisch kann jeder begeisterte Leser zu einer Leserunde aufrufen und sie beispielsweise via Facebookgruppe o.ä. organisieren. Ich selbst habe bisher an keiner privaten Leserunde teilgenommen. Entweder habe ich zu spät davon erfahren oder es war kein Buch, das mich reizte oder das ich gerade zur Hand hätte.
Darum kann ich hier nur von meiner Erfahrung auf drei Leserundenportalen berichten.

Am Bekanntesten ist natürlich „Lovelybooks“ – die deutsche Leser-, Rezensions- und Autorenplattform sieht sich gleichsam als deutschsprachiges Pendant zu Goodreads.
Wenn ich ehrlich bin, steht sie Goodreads in Hinblick auf Smartphonefreundlichkeit, Bedienbarkeit und Übersichtlichkeit ziemlich nach und ich wäre nicht dort, wenn nicht einer meiner Lieblingsverlage und etliche meiner heißgeliebten Independentautoren die jeweiligen Leserunden nicht ausschließlich auf dieser Plattform hosten würde.
Auf Lovelybooks laufen die Leserunden in der Regel mit einer Verlosung: Der Verlag lässt eine bestimmte Anzahl an Exemplaren (eBooks, Hardcover, Taschenbücher, teilweise auch einige Exemplare vom einen, einige vom anderen) verlosen, auf die man sich bewerben muss. Dabei können die Vorgaben unterschiedlich sein. Manche Verlage wollen einfach, dass man ein „Ich will mitlesen“ und vielleicht noch das gewünschte Format angibt. Andere Autoren wollen zusätzlich eine kleine, kreative Frage beantwortet haben.
Ein praktisches Feature ist hierbei die Möglichkeit, einer Leserunde zu „folgen“ – man klickt dazu auf dieses rote Plus:

Lovelybooks Follow

Screenshot: Evanesca Feuerblut Normalerweise sieht man dort, wo die weißen Quadrate sind, die Avatare der Follower einer Leserunde im Miniformat

Auf diese Weise bekommt man täglich eine Zusammenfassung aller am Vortag geschriebenen Kommentare – Vorsicht: Hier könnte es zu Spoilern kommen. In der Leserunde selbst gibt es zwar die Möglichkeit, Beiträge einzuklappen, um Spoiler zu verhindern (gerade wenn man nämlich „alle Beiträge“ anschaut und nicht in die einzelnen Abschnitte reinklickt, ist die Gefahr sonst zu groß), in der Mail kriegt man den Text jedoch in voller Pracht.
Also vorsicht mit diesem Feature! Auch wenn ich Lovelybooks an sich also nicht allzu sehr mag, da es technisch noch arg holpert: Als Leserundenplattform bringt Lovelybooks einige mächtige Werkzeuge, die dafür sorgen, dass die Leserunde reibungslos abläuft und großen Spaß macht.
Es wird erwartet, dass man am Ende der Leserunde eine Rezension auf Lovelybooks selbst hinterlässt. Wer zusätzlich bei anderen Plattformen, Amazon oder auf dem eigenen Blog rezensiert, erfreut natürlich zusätzlich das Autorenherz!
Ein Buchblog ist KEINE Voraussetzung, um an Leserunden teilnehmen zu können. Viele Leserunden werden von Autoren und/oder Verlegern begleitet.
Nachtrag vom 22.06.2015: Inzwischen hat Lovelybooks ein Update veröffentlicht, mit dem Leserunden in Zukunft noch komfortabler abgehalten werden können. Unter anderem wird nun grafisch stärker hervorgehoben, ob der Bewerbungszeitraum für eine Leserunde noch läuft und die glücklichen Gewinner eines Freiexemplars erhalten eine Benachrichtigung per E-Mail. Noch habe ich keine Leserunden unter den neuen Bedingungen mitgemacht, aber das bleibt bestimmt nicht aus.

Weniger bekannt und technisch ungefähr auf einer Wellenlänge mit Lovelybooks ist das soziale Rezensionsnetzwerk der Mayerschen Buchhandlung: „Was liest du?“. Der große Nachteil ist hier, dass hier nie mehr als drei Leserunden gleichzeitig stattfinden. Laufzeit sind drei Wochen.
Um die Bücher zugeschickt zu bekommen und bei der Verlosung der Bücher durch „Was liest du?“ berücksichtigt zu werden, muss man im Profil die Postanschrift hinterlegen.
Finde ich persönlich nicht schlimm – wie sollen die Bücher sonst bei mir ankommen? – aber Einige hält es doch davon ab, teilzunehmen. Wer ein Buch bereits gekauft hat, darf natürlich auch so mitmachen.
Auch hier kann man sich benachrichtigen lassen, wenn etwas Neues geschrieben wurde, indem man selbst beim Posten anwählt, dass man benachrichtigt werden möchte.

Screenshot von mir ^^.

Screenshot von mir ^^.

Bei jedem neuen Kommentar erhaltet ihr eine Mailbenachrichtigung. Auch hier solltet ihr aufpassen, dass ihr euch nicht spoilern lasst. Anders als bei Lovelybooks könnt ihr hier nicht einstellen, dass ihr z.B. nur einmal am Tag die Zusammenfassung der Kommentare haben wollt. Zumindest habe ich diese Einstellung auch nach langem Wühlen nicht gefunden.
Was an „Was liest du“ sehr schön und besonders ist, ist die freundliche, herzliche und eng zusammengewachsene Community und dass immer mindestens 20 Bücher verlost werden, sodass die Chancen recht gut sind. Da jedoch gleichzeitig immer nur zwei bis drei Titel gelesen werden, ist hier die Auswahl nicht so groß wie bei Lovelybooks. Außerdem werden natürlich nur Bücher berücksichtigt, die ihr in einer Mayerschen käuflich erwerben könnt – Independent-Autoren, Kleinverlage u.ä. fallen damit größtenteils unter den Tisch, auch wenn es durchaus einige Independet-Titel bei „Was liest du?“ gibt.
Am Ende der Leserunde sollte man eine Rezension auf der Plattform hinterlassen. Ein Buchblog ist keine Pflicht.
Die Plattform ist noch relativ neu, Änderungen sind jederzeit möglich.

Mein persönlicher Favorit ist allerdings das „Katze mit Buch„-Forum. Entdeckt habe ich dieses Forenschätzchen völlig zufällig, über die Facebookseite von „Blogger schenken Lesefreude“ 2013, als ich auf der Suche nach einem Bücher- und Rezensionsforum war. Die Community ist eher klein, aber sehr familiär und fein. Dort habe ich das Konzept „Leserunde“ auch das erste Mal kennengelernt, mein erstes Leserundenbuch war Martin Baldscheidts „Die besseren Wälder“.
Das Forum wird bei http://xobor.de gehostet – der Anbieter meines Vertrauens, sodass ich mit der Forenstruktur, der Technik hinter den Postings und den Eigenheiten der Software bestens vertraut war und mir das Einlernen (anders als bei „Was liest du?“ und „Lovelybooks“) ersparen konnte. Ich wusste ja, wie so ein Forum funktioniert.
Theoretisch hätte man auch hier die Möglichkeit, die Threads mit den Leserundenbeiträgen zu abonieren und sich so eine Mail schicken zu lassen, wann immer es Neues gibt – und zwar jeweils nur für den Thread, in dem man schon mitgeschrieben hat, was die Spoilergefahr massiv eindämmt.
Das ist aber nicht nötig. Durch einen Klick auf „Letzte Beiträge“ kann ich jederzeit sehen, ob es neue Beiträge im Unterforum der jeweiligen Leserunde gibt und kann zielgerichtet anklicken, was ich lesen möchte. Womit das Forum um viele Welten übersichtlicher ist als die anderen zwei Leserundenportale, bei denen ich meine Leserunde oft erstmal mühevoll wieder raussuchen darf.
Ähnlich wie auf Lovelybooks ist hier der Anteil der Leserunden mit Autorenbegleitung recht hoch, eigentlich postet bei fast jedem deutschsprachigen Buch der Autor selbst mit (oder beantwortet zumindest per E-Mail an ihn geschickte Intervewfragen)und das macht die Leserunden im Forum zu etwas Besonderem – schließlich kann man Fragen stellen und viel über die Entstehung eines Romans lernen.
Gelegentlich finden auch Leserunden zu Kochbüchern statt, wo die Mitglieder sich dann  über die nachgekochten Rezepte austauschen.

Muss man zwingend Buchblogger sein, um teilnehmen zu dürfen?

Nein. Ein Buchblog ist keine Voraussetzung. Natürlich wird man feststellen, dass sehr viele Leserundenteilnehmer selbst Buchblogger sind – aber es ist kein Muss.
Ich selbst habe bei Leserunden seit 2013 mitgemacht – die FeuerFlocke zusammen mit fruehstuecksflocke jedoch erst im Herbst 2014 eröffnet.
Da auf allen drei Plattformen die Bücher ausgelost werden, schaut auch niemand vorher, ob ihr einen Buchblog habt – das wird eure Verlosungschancen also weder beeinträchtigen noch erhöhen.

Und die, die kein Buch gewonnen haben?

Nicht immer gewinne ich meine Leserundenbücher. Einmal fanden Leserunden zu ein- und demselben Buch fast gleichzeitig auf „Katze mit Buch“ UND auf „Was liest du?“ statt – und ich habe mein Exemplar bei der „Katze“ gewonnen. Natürlich war ich trotzdem auch auf WLD willkommen und habe freudig mit den dortigen Teilnehmern diskutiert.
Manchmal erhalte ich Bücher als Rezensionsexemplar von Verlagen – muss aber erstmal meine anderen Rezensionsexemplare „abarbeiten“ und zufällig findet bald darauf eine Leserunde zu diesem Buch statt. Auch da geselle ich mich oft dazu, denn ich bin ein Social Reader und für mich bereichert das Austauschen über ein Buch die eigene Leseerfahrung ungemein. Um niemandem die Chance im Lostopf wegzunehmen, schreibe ich dann dazu dass ich das Buch schon habe.
Und natürlich gab es auch schon das Timing, dass ich mir ein Buch kurz vorher selbst gekauft habe, aber bisher nicht zum Lesen kam. Auch da passt eine Leserunde natürlich perfekt.

Außerdem habe ich mich hier zwar auf Plattformen konzentriert, bei denen man ein Buch gewinnen kann, es gibt jedoch auch durchaus Leserunden, bei denen man sich das Buch selbst kaufen muss – beispielsweise bei privaten Leserunden im „Was liest du?“-Forum und auf Facebook.

Habt ihr selbst schon an einer Leserunde teilgenommen? Wenn ja: An welcher? Wo?
Wenn nein: Wäre das etwas für euch? Wieso oder wieso nicht?

Alexandra Kui – Marias letzter Tag

Veröffentlicht am

Cover powered by Randomhouse BloggerportalTitel: Marias letzter Tag
Autorin: Alexandra Kui
Verlag: cbt
Genre: Jugendbuch
Altersempfehlung: Ab 14 Jahren (Empfehlung des Verlags)
Seiten: 288
Format: Hardcover
ISBN:978-3-570-16317-7
Das Buch auf der Verlagshomepage

Das Buch ist sehr liebevoll gemacht. Mit verschiedenen Schriftarten für verschiedene Teile des Textes, mit mehreren Schwarzweiß-Fotos, kleinen Play-Zeichen an jedem Kapitelbeginn und eine Art Tagwolke mit unterschiedlichen Schriftgrößen.
Auch sonst ist an dem Buch so Einiges experementiell – dieses Buch darf zur anspruchsvolleren Jugendlektüre gezählt werden, die auch mich gepackt und nicht mehr losgelassen hat, sodass dies eins dieser Bücher wurde, die ich an die absurdesten Orte mit mir mitgeschleppt (und obwohl mir davon schwindelig wurde, sogar auf dem Hometrainer gelesen) habe.
Sehr gekonnt baut die Autorin hier nämlich zwei Parallelwelten auf – die Dorfwelt der Erwachsenen, in der jeder jeden kennt, jedes Jahr die gleichen Feste gefeiert werden und jedes Ereignis die Runde macht – und die Welt der Teenager im Internet, in der man sein Leben nicht mit ein paar hundert, sondern mit tausenden von Menschen teilt und in der Trends sich auf eine Weise hochschaukeln können, wie sich die Offliner es kaum vorstellen können.
Was ich toll fand, war, dass das Netz nicht per se verteufelt oder verurteilt wird. Smartphones und Social Networks sind Teil des Lebens – aber während die Jugendsünden früher kaum Konsequenzen hatten, weil im Idealfall schlicht niemand von ihnen erfuhr, vergisst das Internet nie (und gleichzeitig sofort, wenn man nicht dauernd auf sich aufmerksam macht) und Lou fehlt mit sechzehn der Weitblick für das, was sie losgetreten hat und nicht mehr eingedämmt bekommt.
Sehr realistisch auch, dass Jugend hier nicht mehr das gelobte Land ohne Sorgen ist. Die Probleme der Jugendlichen fühlen sich ernstgenommen und authentisch an.

Hier findet ihr eine Leseprobe!
Cover:

Zunächst einmal: Es ist ein Hardcover und ich liebe Hardcover. Sie sind formschön, sie sind stabil, ja geradezu unverwüstlich. Auch wenn sie dadurch ein bisschen schwerer sind als man es von einem Taschenbuch gewohnt ist.
In Natur sieht es nicht nur genauso gut aus wie auf dem Bild, es ist auch sehr griffig – das Buch selbst ist, nimmt man den Schutzumschlag ab, nämlich genauso rot wie die Schrift. Dafür ist die innere Kartoneinlage wieder grün, genauso wie die Bindung selbst. Wodurch das Buch selbst einfach sehr schön verarbeitet wirkt und ich es gerne in die Hand genommen habe.
In die Coverbewertung fließt für mich ja immer auch die Gesamtgestaltung und Stabilität ein – und das ist bei diesem Buch sehr gut gelöst. Viele Schriften, viele kleine Details, passende Schwarzweiß-Fotos.
Egal wie man zum Inhalt steht – allein aus bibliophiler Sicht ist das Buch ein Gesamtkunstwerk und ich finde es schön, so ein Schätzchen jetzt auch in meiner Sammlung zu haben.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Lou hat Sorgen, Lou hat Ängste, Lou ist so mit sich selbst beschäftigt, dass sie nicht bemerkt, wie mit ihrer Freundin irgendetwas nicht stimmt – bis gemunkelt wird, Maria wäre vor den Zug gesprungen.
Sie beschließt, sich ihren Ängsten zu stellen und darüber YouTube-Videos zu drehen. Doch sie hat nicht damit gerechnet, dass ihre Botschaft völlig anders verstanden wird und ihre Idee außer Kontrolle gerät.

Mir hat der Aufbau hier sehr gut gefallen – Lou ist ein moderner Teenager und entsprechend laufen ihre Gedanken und Erinnerungen weder chronologisch noch sehr zielgerichtet ab. Diese natürliche, sprunghafte Erzählweise ermöglicht es, auf eine ganz andere Art und Weise Spannung aufzubauen – denn man weiß nie, wann das Video, die Rückblende, der Gedankenstrom endet und man erfährt, wie es mit Lou und ihren Videos weitergeht. Das war für mich sehr authentisch gelöst und einer der Gründe, aus denen ich das Buch kaum aus der Hand legen wollte – obwohl ich es musste, bei einer Leserunde muss ja etappenweise etwas kommentiert werden.

Inhalt und Form haben hier ein für mich persönlich sehr rundes Gesamtpaket abgegeben, nicht zuletzt, weil meine eigene Teeniezeit noch nicht so lange her ist und ich mich oft schön einfühlen konnte.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Dieser Roman spielt sehr schön mit Sprache – vom bewussten Einsatz von Songtexten über typografische Unterschiede bei verschiedenen Textsorten, verschiedene Schriftgrößen und mal mehr, mal weniger fragmentarische Sätze wird sehr authentisch nachgezeichnet, wie ein permanent vernetztes Kind unserer Zeit denkt.
Ironischerweise fällt mir jetzt erst, beim Tippen dieser Rezension, mal auf, dass das Buch im Präsens geschrieben ist – eine Wahl, die ich im Vorfeld gar nicht reflektiert habe, die ich aber jetzt im Zusammenhang mit dem Thema als klug gewählt empfinde. YouTube, Videos, das alles ist gefrorene Gegenwart, die sich immer und immer wieder abrufen lässt.
Es verwundert mich, weil mir Präsens normalerweise insofern auffällt, dass ich das Gefühl habe, etwas stimmt nicht oder stört. Das hatte ich bei diesem Buch nicht. Wie gesagt, das Präsens ist mir erst aufgefallen, als ich für diese Rezension noch mal durchgeblättert habe. So schön organisch muss man das erstmal hinbekommen! 😀
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Das Netz ist unerbittlich, vergisst nie und gleichzeitig sofort, will immer mehr und mehr – und irgendwann ist der Contentlieferer entmenschlicht und das Netz bricht wie eine Flutwelle über ihm zusammen. Es sei denn, man passt von Anfang an auf, was man in dieser virtuellen Welt macht – die, anders als es vielen vorkommt, eben keine Parallelwelt ist, sondern ein Teil unseres Lebens. Genauso, wie Angst ein Teil unseres Lebens ist, mit dem man den richtigen Umgang lernen muss.
Das ist die starke Botschaft eines starken Buches.
Mir persönlich hat es gut gefallen, in der Leserunde ist mir aber aufgefallen, dass Leser, die weit weg von Teenagern oder modernen Netzthemen sind, sich weniger gut einfühlen konnten.
Von mir gibt es dennoch eine uneingeschränkte Leseempfehlung – für Jugendliche und internetaffine Jugendbuchleser jeden Alters :).

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Ich las das Buch im Rahmen einer Leserunde auf „Katze mit Buch“ – vielen Dank für diese Möglichkeit und vielen Dank an die Autorin Alexandra Kui für die Begleitung der Leserunde! Es war die zweite Leserunde für mich mit dieser Autorin und es war wieder schön und interessant, sich mit der Autorin selbst auszutauschen *-*

Antje Wagner – Unland

Veröffentlicht am

Titel: Unland
Autorin: Antje Wagner
Verlag: Gulliver (gehört zu Beltz & Gelberg)
Genre: Jugendthriller
Altersempfehlung: ab 13 Jahren (Empfehlung des Verlags)
Seiten: 381
Format: Taschenbuch
ISBN: 978-3407745118
Das Buch auf der Verlagshomepage

Ich glaube, das ist – gleich nach „Die Verteidigung der Missionarsstellung“ von Wolf Haas, das ich für schlicht nicht rezensierbar halte und darum immer noch nicht für den Blog rezensiert habe – das am Schwersten rezensierbare Buch, das ich je in den Händen gehabt habe.
Was nicht bedeutet, dass es schlech ist. Ganz im Gegenteil. Es ist eins der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Mich hat schon sehr lange kein Buch so derartig mitgenommen, so stark emotional involviert. Ich habe gelacht, beinahe geweint und mich auf das Heftigste gegruselt.
Es ist einfach nur sehr schwer für mich zu beschreiben. Aber zum Glück habe ich hier so ein wunderbares Raster für Rezensionen, das macht es für mich leichter, ein unglaublich gutes Buch anständig zu besprechen.

Cover:

Das Cover überrascht. Eigentlich ist es ein ganz normales Foto von einem ganz normalen Wald. Eigentlich.
Hätte man es nicht auf die Seite gekippt. Was zur Folge hatte, dass ich erst irgendwo in der Buchmitte es überhaupt gemerkt habe und auch das nur, weil ich das Buch in der Ablage unter einem Glastisch verstaut habe und mir ein Lichtlein aufging, als ich es von schräg oben zufällig ansah, ohne es zu fokusieren.
Und jetzt, da ich es mir nach der Lektüre noch mal ganz intensiv anschaue… Das sind alles die gleichen, skelettartig tot wirkenden Bäume und ein bisschen trockenes Moos unten drunter. Auf die Seite gekippt.
Ohne zu spoilern, passt das unheimlich gut zum Inhalt.
Und da ich beim Cover auch die Stabilität und Verarbeitung mitbewerte: Auch die passt. Gerade weil ich erfahren habe, dass man das Buch auch als Schullektüre im Deutschunterricht liest. So ein Buch muss einen Tag in einem Ranzen überleben können und dieses hier kann das eindeutig.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Der Inhalt ist schnell erzählt. Franka muss aus Berlin ins verschnarchte Waldburgen ziehen – dort erhält sie die Chance, in einer betreuten Jugendwohngemeinschaft zu leben.  Doch als Heimkind in ein Dorf hineinzufinden, wo jeder jeden kennt, ist schwierig – besonders wenn man nicht der Norm entspricht.
Doch neben dem ganz alltäglichen Wahnsinn von Kleinkariertheit, Mobbing und Kindheitstraumata hat Waldburgen ein finsteres Geheimnis.
Wieso sollte die Gemeinde diese komischen schwarzen Ruinen namens Unland umzäunen?
Die Welt ist hier sehr dicht – man bekommt als Leser langsam kleine und kleinste Hinweisfitzelchen gefüttert, aber die Auflösung war doch noch mal ein ganzes Stück heftiger, als ich gedacht hätte.
Hier gibt es zwei mögliche Lesarten, die ich gleichberechtigt nebeneinander stellen würde – die Fantasylesart und die über Gefühlslandschaften im romantischen (als Literaturepoche!) Sinne des Wortes.
Beide Lesarten sind verstörend, beide regen zum Nachdenken an.
Auch die Figuren haben einen Absatz hier verdient. Denn die fand ich auf eine faszinierende Art und Weise sehr echt – man lernt sie über Äußerlichkeiten kennen und bildet sich als Leser fast automatisch Vorurteile – die dann systematisch dekonstruiert werden. Das ist ein Buch zum Mitdenken und Reflektieren, auch auf der Figurenebene.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Da hat sich die Autorin etwas einfallen lassen.
Sprachlich brilliant und wunderbar ausgewogen, mit aktuellen Songtexten, die immer genau von den Dingen handeln, die die Kinder unausgesprochen lassen müssen oder nicht auszusprechen wagen und die ich immer als sehr passend empfand. Wobei ich generell zu denen gehöre, die Songtexte in Büchern mögen.
Dazu spielt sie mit Schriftart und Schriftgröße. Wo es nötig ist, wird da schon mal auf Frakturschrift, immer größere Buchstaben oder krakelige Handschrift zurückgegriffen und das gibt dem Buch eine Authenzität und eine Echtheit, die angesichts des Plots ein unendlich weites Feld an Interpretationen und weiteren Gedanken auftut.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Wie gesagt, die Rezension fällt mir sehr schwer – weil „Unland“ auf eine Art und Weise die Emotionen anspricht, die es schwer macht, nachträglich darüber zu reflexieren. Einfach weil die Worte fehlen.
Hier werden so viele Themen angesprochen. Ausgrenzung, Normalität, Gewalt, Jugendkriminalität, Identität, Sexualität, Selbstfindung… das ganze Spektrum dessen, was Jugendliche, aber auch viele Erwachsene auf jeden Fall herumtreibt und das auf eine Weise, die ich als sehr intensiv empfand.
Bei diesem Buch empfehle ich aber, gerade wenn die Leser sehr jung sind, es mit den Eltern oder mit anderen Jugendlichen zu lesen und sich auszutauschen. Es lohnt sich.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Ich habe das Buch im Rahmen einer Leserunde im Katze-mit-Buch-Forum gelesen und das Buch dafür vom Verlag gestellt bekommen. Vielen Dank für das Buch und für eine spannende, lehrreiche Leserunde mit Antje Wagner, die sich unseren Fragen stellte. So viele Einblicke in die Entstehung des Buches, die Hintergründe der Handlung, ins Schreibhandwerk… Toll! Und danke an alle Mitleserinnen für ihren Input – der mich oft sehr nachdenklich gemacht hat und Perspektiven aufzeigte, die ich von selbst gar nicht wahrgenommen hätte.