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Suzanne Collins – Die Tribute von Panem 3# – Flammender Zorn

Veröffentlicht am

Titel: Die Tribute von Panem – Flammender Zorn
Autorin: Suzanne Collins
Verlag: Oetinger
Genre: Dystopie
Altersempfehlung: Ab 14 Jahren (“Angabe des Herstellers” laut Amazon)
Seiten: 430
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-7891-3220-9
Das Buch auf der Verlagshomepage – ich habe bestimmt schon erwähnt, dass ich diese Buchhomepages, die Oetinger immer macht, einfach zauberhaft finde… Nein? Dann sei es jetzt erwähnt 😀

Hier geht es zu den Rezensionen zu Band 1 & 2 – dort habe ich meine Meinung zum bisherigen Verlauf der Reihe geschildert.

Ich habe bei diesem Buch an mehreren Stellen so sehr heulen müssen, das war nicht mehr lustig…
Emotional das stärkste Buch der Trilogie, ich glaube, mich hat lange kein Buch mehr so sehr mitgenommen und quasi von innen nach außen gekehrt. Wobei bei mir vielleicht noch dazukommt, dass ich selbst eine kleine Schwester habe und somit auf einer so emotionalen Ebene mit Katniss mitgefühlt habe, dass ich regelrecht Alpträume hatte nach dem Lesen.
Darum würde ich nicht mal sagen, dass Action das Buch vor allem ausmacht. Oder die Auflösung der Dreiecksliebesgeschichte.
Da sind so viele Themen – Mediengeilheit angesichts völlig anderer Probleme, der Umgang mit der Wahrheit bei permanenter (Selbst-)Inszenierung, posttraumatische Belastungsstörung und die bei vielen Menschen daraus resultierende Drogensucht…
Ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll, aber in gewisser Hinsicht war diese Dystopie, diese Fiktion auf einer unheimlichen Ebene fast schon wahrer als das, was wir Tag für Tag in den Nachrichten sehen.

Cover:

Ich habe soeben gegoogelt, dass die Covergestalterin Hanna Hörl 2011 gestorben ist :(.
Ich liebe ihre Cover für die gesamte Panem-Reihe heiß und innig, einfach weil sie gleichzeitig schlicht und eindringlich, aber nie eintönig sind.
Ja, in allen Covern kommt das grünäugige Mädchen vor, aber sie sind trotzdem alle etwas anders, unterstreichen mit feinen Details immer das, worauf es im jeweiligen Band ankommt – wobei man diese Details anfangs übersieht und sie erst bemerkt, wenn man ganz genau hinschaut.
So auch hier wieder. Mir fällt erst beim Schreiben dieser Rezension auf, dass auf den goldenen Blättern des Covers Flammen züngeln.
Die Welt, wie sie bisher von den Menschen in Panem für selbstverständlich angenommen wurde, brennt an allen Ecken und Enden und wenn dieser Krieg vorbei ist, wird nichts mehr jemals wieder so sein, wie es einmal war. Das sieht man schon am Cover sehr eindringlich.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Da gäbe es so viel zu sagen, ich bin mir nicht sicher, ob ich alles in einer Rezension unterbringen kann und will. Für mich ist diese Reihe eine der Relevantesten, die wir in den letzten Jahren auf dem Markt hatten.
Ich verstehe gleichzeitig die Kritik einiger Leser, es würde sich im Prinzip nur um die Dreiecksgeschichte Katniss – Peeta – Gale drehen, aber um ehrlich zu sein war für mich (und ich mag Romantik nicht sonderlich bzw. keine auf Romantik zentrierten Bücher) das Ganze … komplexer als das obligatorische pubertäre „Der ist heiß, aber den kenne ich länger“-Getue.
Keiner von den drei ist noch ein Teenager. Sie alle mussten in einer unbarmherzigen Welt viel zu früh erwachsen werden. Es sind uralte Menschen in den Körpern von Teenagern, aber keine Teenager mehr. Und das ist unglaublich schmerzhaft. In unserer heutigen Kultur, in der die Menschen später wirklich erwachsen und selbstständig werden als jemals zuvor (behaupte ich mal ganz frech) und sich alles um Selbstverwirklichung dreht, ist die Geschichte von sehr jungen Menschen, die ihre Familie mitversorgen müssen und dann alles verlieren, besonders eindrücklich.
Das tut weh.
Und das ist für mich nicht zu vergleichen mit den ganzen Romantasy-Schinken, in denen sich die in der Regel sehr unreife Protagonistin nicht zwischen zwei heißen Boys entscheiden kann. (Nichts gegen diese Bücher und deren Leserschaft, mir geht es nur darum, „Panem“ hier ein wenig abzugrenzen).
Für mich war Gale vs. Peeta auch immer ein bisschen „Dieser Mensch wirkt auf den ersten Blick ganz, vom Krieg weitestgehend unbeschädigt, aber niemand weiß wirklich, zu was er im Namen des Krieges bereit ist. Und dieser andere Mensch ist offensichtlich vom Krieg verstümmelt worden, körperlich und geistig.“ Es sind zwei Seiten ein- und derselben Medaille.
Collins schafft es auch hier wieder, unfassbar realitätsnah zu zeigen, was Kriege aus Menschen machen. Aus sehr jungen Menschen. Was Überwachung aus Menschen macht. Und Dekadenz.
Sie scheut sich dabei nicht, in einem „Jugendbuch“ drastische Dinge drastisch und schmerzhaft zu erzählen. Wie oben erwähnt, hatte ich von dem Buch Alpträume, was eigentlich so gut wie kein Buch schafft, weil es mir so an die Substanz gegangen ist.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Die Sprache tut – auf positive Art und Weise – so oft weh …
Ich bin mir gerade einfach nicht sicher, was das Eindringlichste für mich war. Die Eindrücke, die ungefähr zu Beginn auf Katniss einprasseln? Die eingeflochtenen Liedzeilen?
Das souveräne Spiel mit der Sprache, wenn man genau sieht, dass sich Coin derselben rhetorischen Kniffe bedient, wie das Regime selbst?
Für mich auch sprachlich der stärkste Band der ganzen Reihe.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Ich kann bei Reihenenden nicht anders, als gleich die ganze Reihe als Solche mit zu bewerten – einfach weil ein Reihenende etwas Besonderes ist und das Ganze noch mal abrundet.
Auch wenn Band 2 an einigen Stellen etwas schwach war – Band 3 war ein unfassbar starkes Ende und die Trilogie an sich halte ich – aus oben genannten Gründen – für eines der relavantesten Werke unserer Zeit.
Das Buch nimmt einen durch die Mangel, zwingt zum Nachdenken und verstört nachhaltig. Es gehört auf jeden Fall zu der Art Buch, die Kafka mit seinem berühmten Ausspruch von der Axt und dem gefrorenen Meer gemeint haben musste …
Ich weiß nicht, ob ich mir die Reihe so schnell erneut geben kann – dafür war die Erstlektüre zu schmerzhaft – aber dennoch würde ich sie zu meinen Favoriten zählen.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

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Suzanne Collins – Die Tribute von Panem 1# – Tödliche Spiele

Veröffentlicht am

Allgemeine Informationen zum Buch:

Titel: Die Tribute von Panem 1# – Tödliche Spiele
Autorin: Suzanne Collins
Verlag: Oetinger
Genre: Dystopie
Altersempfehlung: auf der Verlagshomepage steht „für alle Altersklassen“, teilweise wird es als „ab 12“ eingestuft, ich würde es eher ab 14 einstufen
Seiten: 415
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-7891-3218-6

Das Buch auf der Verlagshomepage

Ich habe zufällig vor einigen Monaten den Film gesehen – davor hatte ich wegen des Hypes einfach kein Interesse an dem Buch – und fand ihn unglaublich gut. Die ganze Zeit fragte ich mich, wie das wohl als Buch aussehen mag… und als ich die Möglichkeit bekam, mir das Buch in der Bücherei auszuleihen, musste ich es mir einfach schnappen. Das ist also einer der wenigen Fälle, in denen ich zuerst den Film gesehen und dann das Buch gelesen habe.
Ironischerweise habe ich diesen seltenen Ausrutschern bisher meine wertvollsten Leseerfahrungen zu verdanken und „Panem“ gehört definitiv dazu.
Ich wusste bereits, was (grob) passiert. Entsprechend habe ich nicht auf Spannung gelesen. Aber ich hatte an sehr vielen Stellen im Film Fragen – wie ist der Hintergrund zu X? Woher weiß Katniss, dass Y? Wieso sehen die Menschen im Kapitol alle so schräg aus? Und die wurden für mich im Buch sehr zufriedenstellend gelöst und obwohl ich wusste, wie es ausgeht, fand ich es unglaublich spannend, es zu lesen, statt es einfach nur zu sehen. Der Mitfühleffekt war wesentlich stärker.
Und zum Glück lag der Film lang genug zurück, sodass ich den Leuten beim Lesen größtenteils meine eigenen Gesichter geben konnte, statt mit den Filmgesichtern zu leben.
Die von Vielen bemängelte Liebesgeschichte fand ich in dem Zusammenhang nicht störend oder übertrieben, sondern im Figurenkontext interessant aufgelöst.

Cover:

Ich liebe die deutschen Buchcover der Reihe, da bin ich ehrlich. Das Grün, das Auge halb zwischen den Blättern verborgen, hat etwas Geheimnisvolles und passt sehr gut zum Inhalt, da Katniss sich ja sehr viel zwischen den Blättern versteckt in diesem Band.
Der Kontrast, den die knallroten Bluttropfen auf den Blättern bilden, ist sehr eindringlich und signalisiert sofort Gefahr. Wer den Inhalt kennt, kann all diese Bildsymbole der Handlung zuordnen.
Mein Exemplar stammt aus einer Bibliothek und war ein Hardcover, das sehr oft ausgeliehen wird. Man sieht dem Buch die Beanspruchung allerdings kaum an.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

In diesem Band erfährt man noch nicht so viel über die Romanwelt an sich – in den Grundzügen weiß man, dass Kriege und Naturkatastrophen dazu geführt haben, dass aus der heutigen USA der wesentlich kleinere und ärmere Staat Panem wurde –  und wie sich nach einem Aufstand das Kapitol an den Distrikten gerächt hat.
Als besonders grausame Strafe für die Distrikte wurden die Hungerspiele eingeführt, für die die Distrikte jeweils einen männlichen und einen weiblichen Jugendlichen stellen müssen. Wer noch keine 12 ist, ist fein raus – wer bereits 18 ist und nicht gezogen wurde, hat Glück gehabt, denn je älter man wird, desto mehr Lose werden in den Topf geworfen.
Außerdem kann man sich – da in den Distrikten permanent Hunger und Not herrscht – gegen zusätzliche Lose einige knapp bemessene zusätzliche Lebensmittel leisten.
Panem ist dazu auch noch eine streng durchstrukturierte Diktatur, sodass jedes Verhalten außer der Norm – vom Fernbleiben bei den Fernsehübertragungen bis hin zum Wildern – drakonisch bestraft wird. Das Leben ist gefährlich.
Dennoch, es passt alles überraschend gut zusammen und nichts wird beschönigt. Gewalt ist grausam, Gewalt ist tödlich, Verwundungen sind sehr gefährlich und ein Terrorregime ist ungerecht und niederdrückend.
Ich fand das System der Hungerspiele auch sehr gut und plausibel erklärt – und durch die sachlichen Welterklärungen, durch die man weiß, dass Katniss gefühlte 500 Lose in der Trommel hat und Prim nur ein Einziges, erhalten die Ereignisse eine besondere Tragik.
Es tut regelrecht weh, zu lesen, wie dieses kleine, tapfere Mädchen so viel Pech hat, bei nur einem Los gleich bei der ersten Ernte gezogen zu werden.
Doch, der Inhalt und die gesamte Welt drumherum gefielen mir wirklich sehr gut – ich fand keine Logikfehler (die mich gewaltig aus dem Lesefluss zu bringen pflegen, da ich dann erstmal ein paar Stunden grübeln muss) und die Atmosphäre passte zum Inhalt.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Hach ja, hier wurde man schon im Vorfeld ja lang und breit darauf hingewiesen, wie ungewöhnlich es ist, dass der Roman im Präsens geschrieben ist und diskutiert, ob das in Ordnung ist und überhaupt und sowieso.

Panem ist nicht mein erstes im Präsens geschriebenes Buch, aber in meinen Augen eins, bei dem ich das Gefühl hatte, dass der Stilbruch wirklich relevant ist (während ich bei einem im Präsens gehaltenen Krimi oft keinen Unterschied gemerkt hätte) und die Unmittelbarkeit sehr stark betont.

Das Buch wird auf diese Weise sehr, sehr eindringlich und dringt direkt bis unter die Haut vor. Mir persönlich hat das sehr gut gefallen und bei den Folgebänden sieht man auch, wie toll es sich mit diesem Stil weiterarbeiten lässt.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Ich bin wirklich, wirklich froh, dass ich mich vom Hype nicht abschrecken ließ und die Reihe für mich entdeckt habe. Ein Jugendbuch, bei dem ich glaube, dass es möglichst viele Jugendliche und Erwachsene lesen sollten – denn die Themen „Überwachungsstaat“, „Zensur“, „Gewalt“ sind heute aktueller denn je.

Auch als Twen kann man die Reihe genießen und sehr viel Erschreckendes über den aktuellen Zustand der Gesellschaft erfahren.

Feuerflocke fünf Sterne Klein