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Schlagwort-Archive: Jugendbuch

Suzanne Collins – Die Tribute von Panem 3# – Flammender Zorn

Veröffentlicht am

Titel: Die Tribute von Panem – Flammender Zorn
Autorin: Suzanne Collins
Verlag: Oetinger
Genre: Dystopie
Altersempfehlung: Ab 14 Jahren (“Angabe des Herstellers” laut Amazon)
Seiten: 430
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-7891-3220-9
Das Buch auf der Verlagshomepage – ich habe bestimmt schon erwähnt, dass ich diese Buchhomepages, die Oetinger immer macht, einfach zauberhaft finde… Nein? Dann sei es jetzt erwähnt 😀

Hier geht es zu den Rezensionen zu Band 1 & 2 – dort habe ich meine Meinung zum bisherigen Verlauf der Reihe geschildert.

Ich habe bei diesem Buch an mehreren Stellen so sehr heulen müssen, das war nicht mehr lustig…
Emotional das stärkste Buch der Trilogie, ich glaube, mich hat lange kein Buch mehr so sehr mitgenommen und quasi von innen nach außen gekehrt. Wobei bei mir vielleicht noch dazukommt, dass ich selbst eine kleine Schwester habe und somit auf einer so emotionalen Ebene mit Katniss mitgefühlt habe, dass ich regelrecht Alpträume hatte nach dem Lesen.
Darum würde ich nicht mal sagen, dass Action das Buch vor allem ausmacht. Oder die Auflösung der Dreiecksliebesgeschichte.
Da sind so viele Themen – Mediengeilheit angesichts völlig anderer Probleme, der Umgang mit der Wahrheit bei permanenter (Selbst-)Inszenierung, posttraumatische Belastungsstörung und die bei vielen Menschen daraus resultierende Drogensucht…
Ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll, aber in gewisser Hinsicht war diese Dystopie, diese Fiktion auf einer unheimlichen Ebene fast schon wahrer als das, was wir Tag für Tag in den Nachrichten sehen.

Cover:

Ich habe soeben gegoogelt, dass die Covergestalterin Hanna Hörl 2011 gestorben ist :(.
Ich liebe ihre Cover für die gesamte Panem-Reihe heiß und innig, einfach weil sie gleichzeitig schlicht und eindringlich, aber nie eintönig sind.
Ja, in allen Covern kommt das grünäugige Mädchen vor, aber sie sind trotzdem alle etwas anders, unterstreichen mit feinen Details immer das, worauf es im jeweiligen Band ankommt – wobei man diese Details anfangs übersieht und sie erst bemerkt, wenn man ganz genau hinschaut.
So auch hier wieder. Mir fällt erst beim Schreiben dieser Rezension auf, dass auf den goldenen Blättern des Covers Flammen züngeln.
Die Welt, wie sie bisher von den Menschen in Panem für selbstverständlich angenommen wurde, brennt an allen Ecken und Enden und wenn dieser Krieg vorbei ist, wird nichts mehr jemals wieder so sein, wie es einmal war. Das sieht man schon am Cover sehr eindringlich.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Da gäbe es so viel zu sagen, ich bin mir nicht sicher, ob ich alles in einer Rezension unterbringen kann und will. Für mich ist diese Reihe eine der Relevantesten, die wir in den letzten Jahren auf dem Markt hatten.
Ich verstehe gleichzeitig die Kritik einiger Leser, es würde sich im Prinzip nur um die Dreiecksgeschichte Katniss – Peeta – Gale drehen, aber um ehrlich zu sein war für mich (und ich mag Romantik nicht sonderlich bzw. keine auf Romantik zentrierten Bücher) das Ganze … komplexer als das obligatorische pubertäre „Der ist heiß, aber den kenne ich länger“-Getue.
Keiner von den drei ist noch ein Teenager. Sie alle mussten in einer unbarmherzigen Welt viel zu früh erwachsen werden. Es sind uralte Menschen in den Körpern von Teenagern, aber keine Teenager mehr. Und das ist unglaublich schmerzhaft. In unserer heutigen Kultur, in der die Menschen später wirklich erwachsen und selbstständig werden als jemals zuvor (behaupte ich mal ganz frech) und sich alles um Selbstverwirklichung dreht, ist die Geschichte von sehr jungen Menschen, die ihre Familie mitversorgen müssen und dann alles verlieren, besonders eindrücklich.
Das tut weh.
Und das ist für mich nicht zu vergleichen mit den ganzen Romantasy-Schinken, in denen sich die in der Regel sehr unreife Protagonistin nicht zwischen zwei heißen Boys entscheiden kann. (Nichts gegen diese Bücher und deren Leserschaft, mir geht es nur darum, „Panem“ hier ein wenig abzugrenzen).
Für mich war Gale vs. Peeta auch immer ein bisschen „Dieser Mensch wirkt auf den ersten Blick ganz, vom Krieg weitestgehend unbeschädigt, aber niemand weiß wirklich, zu was er im Namen des Krieges bereit ist. Und dieser andere Mensch ist offensichtlich vom Krieg verstümmelt worden, körperlich und geistig.“ Es sind zwei Seiten ein- und derselben Medaille.
Collins schafft es auch hier wieder, unfassbar realitätsnah zu zeigen, was Kriege aus Menschen machen. Aus sehr jungen Menschen. Was Überwachung aus Menschen macht. Und Dekadenz.
Sie scheut sich dabei nicht, in einem „Jugendbuch“ drastische Dinge drastisch und schmerzhaft zu erzählen. Wie oben erwähnt, hatte ich von dem Buch Alpträume, was eigentlich so gut wie kein Buch schafft, weil es mir so an die Substanz gegangen ist.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Die Sprache tut – auf positive Art und Weise – so oft weh …
Ich bin mir gerade einfach nicht sicher, was das Eindringlichste für mich war. Die Eindrücke, die ungefähr zu Beginn auf Katniss einprasseln? Die eingeflochtenen Liedzeilen?
Das souveräne Spiel mit der Sprache, wenn man genau sieht, dass sich Coin derselben rhetorischen Kniffe bedient, wie das Regime selbst?
Für mich auch sprachlich der stärkste Band der ganzen Reihe.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Ich kann bei Reihenenden nicht anders, als gleich die ganze Reihe als Solche mit zu bewerten – einfach weil ein Reihenende etwas Besonderes ist und das Ganze noch mal abrundet.
Auch wenn Band 2 an einigen Stellen etwas schwach war – Band 3 war ein unfassbar starkes Ende und die Trilogie an sich halte ich – aus oben genannten Gründen – für eines der relavantesten Werke unserer Zeit.
Das Buch nimmt einen durch die Mangel, zwingt zum Nachdenken und verstört nachhaltig. Es gehört auf jeden Fall zu der Art Buch, die Kafka mit seinem berühmten Ausspruch von der Axt und dem gefrorenen Meer gemeint haben musste …
Ich weiß nicht, ob ich mir die Reihe so schnell erneut geben kann – dafür war die Erstlektüre zu schmerzhaft – aber dennoch würde ich sie zu meinen Favoriten zählen.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

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Sarah Ockler – #skandal

Veröffentlicht am
Quelle: Randomhouse Bloggerportal

Quelle: Randomhouse Bloggerportal

Titel: #skandal
Autorin: Sarah Ockler
Verlag: cbt (gehört zu Random House)
Genre: Jugendbuch
Altersempfehlung: Ab 14 Jahren (Verlagsempfehlung)
Seiten: 416
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-570-16298-9
Das Buch auf der Verlagshomepage

Die Beschreibung liest sich zwar wie eine relativ konventionelle Teenie-Schnulze, aber da ich in letzter Zeit irgendwie einen Narren an Jugendbüchern über und mit Social Networks gefressen habe, konnte ich nach „Marias letzter Tag“ featuring Youtube einfach nicht an „#skandal“ featuring Facebook vorbei. Wenn als Nächstes noch ein Roman über twitternde Jugendliche käme, wäre ich begeistert – da treibe ich mich nun mal am Liebsten herum.
Zum Glück ist Lucy alles andere als so ein typisch girliges Klischeemädchen, das sich am Liebsten die Zehennägel rosa färbt und ungefähr so viel Hirn wie Kastenbrot hat. Im Gegenteil. Lucy ist intelligent, gut in der Schule, eine gepiercte Gesellin mit gefäbrtem Haar, einem riesigen Schäferhund namens „Night of the living Dog“ und hat „im Teamplay Zombies schnetzeln“ als Haupthobby, wenn sie nicht gerade Gothic-Stiefel spazieren führt. Dass eine Liebesgeschichte also auch einem Mädchen passieren kann, das nicht in der rosaroten Zuckerwelt lebt, fand ich herrlich erfrsichend und natürlich konnte ich mich mit ihr besser identifizieren.

Cover:

Auf dem Cover sind tatsächlich Cole und Lucy – und vermutlich authentische Markierdingsdas bei Facebook (ich nutze dieses Tool nie, deswegen habe ich es noch nie in freier Wildbahn gesehen)  – wie sie gerade auf ihrem Kussfoto markiert werden.
Als Cover die Schlüsselszene zu nehmen, mit der alles beginnt, ist nicht unclever.
Ich persönlich mag normalerweise keine Fotocover. Ich mag, um ehrlich zu sein, absolut keine Fotocover, da die bei mir immer irgendwie einen billigen Nachgeschmack hinterlassen. Man nehme ein Foto und tue Schrift drauf, fertig.
Hier fand ich das durch die Markierkreise nicht mal unbedingt so schlimm. Immerhin ist das Buch selbst ein schönes, wertiges Hardcover – auch wenn ich persönlich für die neonpinke Umschlaginnenseite eher wenig Sympathie habe. Ich mag Pink nun mal nicht und schon gar nicht in Neon. Was cbt und die dortigen Buchdesigner können, ist aber definitiv stimmige Gestaltung – Blautöne auf dem Cover (Himmel), Blau-Neonpink-Kontraste durchgängig bei der Buchgestaltung durchgehalten.
Aber mir persönlich hätte doch ein Cover besser gefallen, das zumindest vom Motiv her einen Tick wertiger rüberkommt, als das Foto.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Inhalt:

Eigentlich ist Lucy absolut kein Fan von Abschlussbällen und würde viel lieber daheim sitzen und mit ihrer Gruppe Zombies schnetzeln. Aber da ihre beste Freundin Elli mit Grippe im Bett liegt, muss Lucy in Ellis Kleid und mit Ellis Freund Cole zu Ellis Ball. Ehe sie sichs versieht, landet sie dabei auf der Afterparty und… küsst Cole.
Ehe sie auch nur die geringste Chance hat, die Sache in Ordnung zu bringen, tauchen Bilder davon auf Facebook auf – und eine Woge des Hasses bricht über Lucy herein. Was kann sie tun, um da wieder rauszukommen? Und wem kann sie eigentlich vertrauen?
Einer meiner Hauptkritikpunkte am Inhalt ist Cole. Der Junge  ist ein Bilderbuchschwarm – Schlagzeuger, gutaussehend, ebenfalls mit Hund.  Abgesehen davon erfährt man über ihn allerdings nicht viel. Er ist halt da und will geliebt werden, ist auch immer für Lucy da und hält sie von Fehlern ab. Aber abgesehen davon bleibt er für mich blass. Fast, als wäre er ausschließlich vorhanden, weil nun mal für die Geschichte ein Quotenschwarm gebraucht wird, ist aber ansonsten kaum relevant.
Interessanter ist hier die Rolle einer gewissen lokalen Berühmtheit, die mehr mit Lucy zu tun hat als man denkt und das Rätsel, wer die geheimnisvolle „Miss Behave“ ist, die regelmäßig dazu aufruft, Skandalöses auf ihre Seite zu posten.
Stellenweise fand ich es vorhersehbar, stellenweise zog es sich für mich ein bisschen und ich hatte das Gefühl, dass eigentlich nichts passiert.
Auch wenn das Buch dennoch sehr kurzweilig war, hätte ich mir hier schlicht mehr Tempo und Feuer gewünscht. Es wirkte oft zu sehr auf kleiner Flamme geköchelt.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Sprache:

Was ich an dem Roman wirklich gemocht habe, war wie echt die Jugendlichen und ihre Kommunikation untereinander wirkte. Da werden Facebooknachrichten, SMS und andere Sachen abgedruckt, die sich lesen, als hätten sie wirklich lebende und atmende Teenager aus dem 21sten Jahrhundert geschrieben.
Viele Verweise auf aktuelle Bücher und Serien, echte Nerds, die nicht wie peinliche Sockenpuppen wirkten. Das war sympathisch und hat auch über so manche Länge in der Handlung hinweggetröstet. Auch wenn eigentlich nichts passiert, man kann immer noch die sprachliche Güte der Kommunikation genießen und das habe ich auch.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:
Ein wenig störte mich an einigen Stellen die Vorhersehbarkeit – was aber dadurch wettgemacht wird, dass die Autorin mich auch so manches Mal eiskalt völlig auf dem falschen Fuß erwischt hat.
Aber es ist ein nettes Buch und die Liebesgeschichte rückt nicht so wahnsinnig in den Vordergrund, dass es mich nerven würde – wo sie aber vorkommt, wird sie sehr schön geschildert.
Das Buch ist auf jeden Fall grundsolide und durchaus unterhaltsam, kann aber beispielsweise von der emotionalen Intensität und der Unaufdringlichkeit der Message einfach nicht mit dem weiter oben verlinkten „Marias letzter Tag“ mithalten. Auch wenn das Thema durchaus ernst ist, dringt hier nun mal doch zu sehr der eher amerikanische locker-flockige Roman durch. Mir fehlte etwas Tiefgang, Ansätze wären da durcaus vorhanden (Elli wächst bei zwei weiblichen Elternteilen auf, Promis und Leidbewältigung, Social Media, Verschwörungstheorien etc.), wurden aber oftmals nicht so ausgenutzt, wie es möglich gewesen wäre.
Feuerflocke vier Sterne Klein

Disclaimer: Gelesen im Rahmen einer Leserunde auf „Katze mit Buch“ – danke für mein Exemplar und für den gemeinsamen Lesespaß!

Alexandra Kui – Marias letzter Tag

Veröffentlicht am

Cover powered by Randomhouse BloggerportalTitel: Marias letzter Tag
Autorin: Alexandra Kui
Verlag: cbt
Genre: Jugendbuch
Altersempfehlung: Ab 14 Jahren (Empfehlung des Verlags)
Seiten: 288
Format: Hardcover
ISBN:978-3-570-16317-7
Das Buch auf der Verlagshomepage

Das Buch ist sehr liebevoll gemacht. Mit verschiedenen Schriftarten für verschiedene Teile des Textes, mit mehreren Schwarzweiß-Fotos, kleinen Play-Zeichen an jedem Kapitelbeginn und eine Art Tagwolke mit unterschiedlichen Schriftgrößen.
Auch sonst ist an dem Buch so Einiges experementiell – dieses Buch darf zur anspruchsvolleren Jugendlektüre gezählt werden, die auch mich gepackt und nicht mehr losgelassen hat, sodass dies eins dieser Bücher wurde, die ich an die absurdesten Orte mit mir mitgeschleppt (und obwohl mir davon schwindelig wurde, sogar auf dem Hometrainer gelesen) habe.
Sehr gekonnt baut die Autorin hier nämlich zwei Parallelwelten auf – die Dorfwelt der Erwachsenen, in der jeder jeden kennt, jedes Jahr die gleichen Feste gefeiert werden und jedes Ereignis die Runde macht – und die Welt der Teenager im Internet, in der man sein Leben nicht mit ein paar hundert, sondern mit tausenden von Menschen teilt und in der Trends sich auf eine Weise hochschaukeln können, wie sich die Offliner es kaum vorstellen können.
Was ich toll fand, war, dass das Netz nicht per se verteufelt oder verurteilt wird. Smartphones und Social Networks sind Teil des Lebens – aber während die Jugendsünden früher kaum Konsequenzen hatten, weil im Idealfall schlicht niemand von ihnen erfuhr, vergisst das Internet nie (und gleichzeitig sofort, wenn man nicht dauernd auf sich aufmerksam macht) und Lou fehlt mit sechzehn der Weitblick für das, was sie losgetreten hat und nicht mehr eingedämmt bekommt.
Sehr realistisch auch, dass Jugend hier nicht mehr das gelobte Land ohne Sorgen ist. Die Probleme der Jugendlichen fühlen sich ernstgenommen und authentisch an.

Hier findet ihr eine Leseprobe!
Cover:

Zunächst einmal: Es ist ein Hardcover und ich liebe Hardcover. Sie sind formschön, sie sind stabil, ja geradezu unverwüstlich. Auch wenn sie dadurch ein bisschen schwerer sind als man es von einem Taschenbuch gewohnt ist.
In Natur sieht es nicht nur genauso gut aus wie auf dem Bild, es ist auch sehr griffig – das Buch selbst ist, nimmt man den Schutzumschlag ab, nämlich genauso rot wie die Schrift. Dafür ist die innere Kartoneinlage wieder grün, genauso wie die Bindung selbst. Wodurch das Buch selbst einfach sehr schön verarbeitet wirkt und ich es gerne in die Hand genommen habe.
In die Coverbewertung fließt für mich ja immer auch die Gesamtgestaltung und Stabilität ein – und das ist bei diesem Buch sehr gut gelöst. Viele Schriften, viele kleine Details, passende Schwarzweiß-Fotos.
Egal wie man zum Inhalt steht – allein aus bibliophiler Sicht ist das Buch ein Gesamtkunstwerk und ich finde es schön, so ein Schätzchen jetzt auch in meiner Sammlung zu haben.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Lou hat Sorgen, Lou hat Ängste, Lou ist so mit sich selbst beschäftigt, dass sie nicht bemerkt, wie mit ihrer Freundin irgendetwas nicht stimmt – bis gemunkelt wird, Maria wäre vor den Zug gesprungen.
Sie beschließt, sich ihren Ängsten zu stellen und darüber YouTube-Videos zu drehen. Doch sie hat nicht damit gerechnet, dass ihre Botschaft völlig anders verstanden wird und ihre Idee außer Kontrolle gerät.

Mir hat der Aufbau hier sehr gut gefallen – Lou ist ein moderner Teenager und entsprechend laufen ihre Gedanken und Erinnerungen weder chronologisch noch sehr zielgerichtet ab. Diese natürliche, sprunghafte Erzählweise ermöglicht es, auf eine ganz andere Art und Weise Spannung aufzubauen – denn man weiß nie, wann das Video, die Rückblende, der Gedankenstrom endet und man erfährt, wie es mit Lou und ihren Videos weitergeht. Das war für mich sehr authentisch gelöst und einer der Gründe, aus denen ich das Buch kaum aus der Hand legen wollte – obwohl ich es musste, bei einer Leserunde muss ja etappenweise etwas kommentiert werden.

Inhalt und Form haben hier ein für mich persönlich sehr rundes Gesamtpaket abgegeben, nicht zuletzt, weil meine eigene Teeniezeit noch nicht so lange her ist und ich mich oft schön einfühlen konnte.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Dieser Roman spielt sehr schön mit Sprache – vom bewussten Einsatz von Songtexten über typografische Unterschiede bei verschiedenen Textsorten, verschiedene Schriftgrößen und mal mehr, mal weniger fragmentarische Sätze wird sehr authentisch nachgezeichnet, wie ein permanent vernetztes Kind unserer Zeit denkt.
Ironischerweise fällt mir jetzt erst, beim Tippen dieser Rezension, mal auf, dass das Buch im Präsens geschrieben ist – eine Wahl, die ich im Vorfeld gar nicht reflektiert habe, die ich aber jetzt im Zusammenhang mit dem Thema als klug gewählt empfinde. YouTube, Videos, das alles ist gefrorene Gegenwart, die sich immer und immer wieder abrufen lässt.
Es verwundert mich, weil mir Präsens normalerweise insofern auffällt, dass ich das Gefühl habe, etwas stimmt nicht oder stört. Das hatte ich bei diesem Buch nicht. Wie gesagt, das Präsens ist mir erst aufgefallen, als ich für diese Rezension noch mal durchgeblättert habe. So schön organisch muss man das erstmal hinbekommen! 😀
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Das Netz ist unerbittlich, vergisst nie und gleichzeitig sofort, will immer mehr und mehr – und irgendwann ist der Contentlieferer entmenschlicht und das Netz bricht wie eine Flutwelle über ihm zusammen. Es sei denn, man passt von Anfang an auf, was man in dieser virtuellen Welt macht – die, anders als es vielen vorkommt, eben keine Parallelwelt ist, sondern ein Teil unseres Lebens. Genauso, wie Angst ein Teil unseres Lebens ist, mit dem man den richtigen Umgang lernen muss.
Das ist die starke Botschaft eines starken Buches.
Mir persönlich hat es gut gefallen, in der Leserunde ist mir aber aufgefallen, dass Leser, die weit weg von Teenagern oder modernen Netzthemen sind, sich weniger gut einfühlen konnten.
Von mir gibt es dennoch eine uneingeschränkte Leseempfehlung – für Jugendliche und internetaffine Jugendbuchleser jeden Alters :).

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Ich las das Buch im Rahmen einer Leserunde auf „Katze mit Buch“ – vielen Dank für diese Möglichkeit und vielen Dank an die Autorin Alexandra Kui für die Begleitung der Leserunde! Es war die zweite Leserunde für mich mit dieser Autorin und es war wieder schön und interessant, sich mit der Autorin selbst auszutauschen *-*

Antje Wagner – Unland

Veröffentlicht am

Titel: Unland
Autorin: Antje Wagner
Verlag: Gulliver (gehört zu Beltz & Gelberg)
Genre: Jugendthriller
Altersempfehlung: ab 13 Jahren (Empfehlung des Verlags)
Seiten: 381
Format: Taschenbuch
ISBN: 978-3407745118
Das Buch auf der Verlagshomepage

Ich glaube, das ist – gleich nach „Die Verteidigung der Missionarsstellung“ von Wolf Haas, das ich für schlicht nicht rezensierbar halte und darum immer noch nicht für den Blog rezensiert habe – das am Schwersten rezensierbare Buch, das ich je in den Händen gehabt habe.
Was nicht bedeutet, dass es schlech ist. Ganz im Gegenteil. Es ist eins der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Mich hat schon sehr lange kein Buch so derartig mitgenommen, so stark emotional involviert. Ich habe gelacht, beinahe geweint und mich auf das Heftigste gegruselt.
Es ist einfach nur sehr schwer für mich zu beschreiben. Aber zum Glück habe ich hier so ein wunderbares Raster für Rezensionen, das macht es für mich leichter, ein unglaublich gutes Buch anständig zu besprechen.

Cover:

Das Cover überrascht. Eigentlich ist es ein ganz normales Foto von einem ganz normalen Wald. Eigentlich.
Hätte man es nicht auf die Seite gekippt. Was zur Folge hatte, dass ich erst irgendwo in der Buchmitte es überhaupt gemerkt habe und auch das nur, weil ich das Buch in der Ablage unter einem Glastisch verstaut habe und mir ein Lichtlein aufging, als ich es von schräg oben zufällig ansah, ohne es zu fokusieren.
Und jetzt, da ich es mir nach der Lektüre noch mal ganz intensiv anschaue… Das sind alles die gleichen, skelettartig tot wirkenden Bäume und ein bisschen trockenes Moos unten drunter. Auf die Seite gekippt.
Ohne zu spoilern, passt das unheimlich gut zum Inhalt.
Und da ich beim Cover auch die Stabilität und Verarbeitung mitbewerte: Auch die passt. Gerade weil ich erfahren habe, dass man das Buch auch als Schullektüre im Deutschunterricht liest. So ein Buch muss einen Tag in einem Ranzen überleben können und dieses hier kann das eindeutig.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Der Inhalt ist schnell erzählt. Franka muss aus Berlin ins verschnarchte Waldburgen ziehen – dort erhält sie die Chance, in einer betreuten Jugendwohngemeinschaft zu leben.  Doch als Heimkind in ein Dorf hineinzufinden, wo jeder jeden kennt, ist schwierig – besonders wenn man nicht der Norm entspricht.
Doch neben dem ganz alltäglichen Wahnsinn von Kleinkariertheit, Mobbing und Kindheitstraumata hat Waldburgen ein finsteres Geheimnis.
Wieso sollte die Gemeinde diese komischen schwarzen Ruinen namens Unland umzäunen?
Die Welt ist hier sehr dicht – man bekommt als Leser langsam kleine und kleinste Hinweisfitzelchen gefüttert, aber die Auflösung war doch noch mal ein ganzes Stück heftiger, als ich gedacht hätte.
Hier gibt es zwei mögliche Lesarten, die ich gleichberechtigt nebeneinander stellen würde – die Fantasylesart und die über Gefühlslandschaften im romantischen (als Literaturepoche!) Sinne des Wortes.
Beide Lesarten sind verstörend, beide regen zum Nachdenken an.
Auch die Figuren haben einen Absatz hier verdient. Denn die fand ich auf eine faszinierende Art und Weise sehr echt – man lernt sie über Äußerlichkeiten kennen und bildet sich als Leser fast automatisch Vorurteile – die dann systematisch dekonstruiert werden. Das ist ein Buch zum Mitdenken und Reflektieren, auch auf der Figurenebene.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Da hat sich die Autorin etwas einfallen lassen.
Sprachlich brilliant und wunderbar ausgewogen, mit aktuellen Songtexten, die immer genau von den Dingen handeln, die die Kinder unausgesprochen lassen müssen oder nicht auszusprechen wagen und die ich immer als sehr passend empfand. Wobei ich generell zu denen gehöre, die Songtexte in Büchern mögen.
Dazu spielt sie mit Schriftart und Schriftgröße. Wo es nötig ist, wird da schon mal auf Frakturschrift, immer größere Buchstaben oder krakelige Handschrift zurückgegriffen und das gibt dem Buch eine Authenzität und eine Echtheit, die angesichts des Plots ein unendlich weites Feld an Interpretationen und weiteren Gedanken auftut.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Wie gesagt, die Rezension fällt mir sehr schwer – weil „Unland“ auf eine Art und Weise die Emotionen anspricht, die es schwer macht, nachträglich darüber zu reflexieren. Einfach weil die Worte fehlen.
Hier werden so viele Themen angesprochen. Ausgrenzung, Normalität, Gewalt, Jugendkriminalität, Identität, Sexualität, Selbstfindung… das ganze Spektrum dessen, was Jugendliche, aber auch viele Erwachsene auf jeden Fall herumtreibt und das auf eine Weise, die ich als sehr intensiv empfand.
Bei diesem Buch empfehle ich aber, gerade wenn die Leser sehr jung sind, es mit den Eltern oder mit anderen Jugendlichen zu lesen und sich auszutauschen. Es lohnt sich.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Ich habe das Buch im Rahmen einer Leserunde im Katze-mit-Buch-Forum gelesen und das Buch dafür vom Verlag gestellt bekommen. Vielen Dank für das Buch und für eine spannende, lehrreiche Leserunde mit Antje Wagner, die sich unseren Fragen stellte. So viele Einblicke in die Entstehung des Buches, die Hintergründe der Handlung, ins Schreibhandwerk… Toll! Und danke an alle Mitleserinnen für ihren Input – der mich oft sehr nachdenklich gemacht hat und Perspektiven aufzeigte, die ich von selbst gar nicht wahrgenommen hätte.