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Sabina S. Schneider – Zerelf (Von den Göttern verlassen #1)

Veröffentlicht am

Titel: Zerelf
Autorin: Sabina S. Schneider
Verlag: BookRix
Genre: Dark Fantasy
Seiten: 3759 KB entsprechen 302 Seiten
Format: Kindle eBook
ASIN: B013JSY3MU
Das Buch auf der Verlagshomepage – wobei BookRix streng genommen eine Selfpublishing-Plattform ist. Ich muss noch anmerken, dass ich das Buch runtergeladen habe, bevor es über BookRix neu eingestellt wurde, meine eigene Ausgabe lief noch über Amazon Create Space und hatte ein anderes Cover. Inzwischen hat die Autorin das Buch jedoch mit neuem Kleid versehen und über eine andere Plattform hochgeladen.

Serena ist ein Mädchen, das fast keine Gefühle kennt. Es muss mühevoll lernen, was es heißt, zu lächeln, sich zu freuen, sich anderen Menschen verbunden zu fühlen. Es ist, als würde ein schwarzes Loch in ihrem Inneren sie daran hindern, ihre Gefühle wirklich zu leben und zu begreifen.
Das hindert sie nicht daran, selbstlose Dinge zu tun, die sie sich selbst nicht erklären kann – und stürzt sie in heillose Verwirrung, als sie nach der blutigen Rettung eines Sklavenmädchens aus ihrer Heimat fliehen muss. Vor allem, da die Kleine das Amulett Zerelf um den Hals trägt, von dem das Schicksal der Welt abhängt…

In dieser Fantasywelt gibt es verwunschene Wälder, ein (nicht so genanntes) Elfenvolk und ein Volk der Zwerge (ebenfalls in diesem Roman völlig anders benannt) und doch weist die Fantasywelt einige überraschende Eigenschaften auf, die ich hier nicht verraten kann, ohne zu spoilern – die mich jedoch tief berührt haben. Dieser kleine Satz, den man beinahe überliest und der das Werk einer jungen Indie-Autorin gleichberechtigt neben einen Roman von Doris Lessing – einer Literaturnobelpreisträgerin – stellt, weil es die gleiche Erkenntnis ist, die mich wirklich betroffen gemacht hat…
Die Erkenntnisse und Folgen sind auf jeden Fall überraschend und färbten meine Art, das Buch zu lesen, sehr stark ein, zwangen mich, beim Lesen nicht bloß unterhalten zu werden, sondern intensiv nachzudenken.

Kleine Anekdote am Rande: Das Buch lud ich mir ursprünglich aus Protest auf mein Smartphone. Die Autorin hat in einem auf Fantasy spezialisierten Forum ihr Buch und ihr Cover vorgestellt – und wurde von einigen Mitgliedern ziemlich angegangen. Aus Protest und Solidarität lud ich das Buch unbesehen herunter. Und habe es nicht bereut.

Cover:

Eine kleine Zwickmühle. Bewerte ich das Cover, mit dem ich es gekauft habe oder das Aktuelle? Es gibt im Internet eigentlich kaum noch ein Abbild des alten Covers, außer vielleicht auf diesem Sammelbild auf dem Autorenblog. Das Arbeiten mit Silhouetten und Schatten ist irgendwie ein Markenzeichen der meisten von Sabina S. Schneider selbstentworfenen Cover und ich mag diesen Stil sehr. Dem ursprünglichen Cover würde ich allerdings nur drei von fünf FeuerFlocken geben.
Hier hat sie noch zu viel von der Geschichte ins Cover zu packen versucht – Zwerg und Elf, ein symbolisches Schachspiel, Blut.
Das aktuelle Cover ist mir dagegen fast zu schlicht. Man sieht pastellfarbenen Wald und viel Licht, die Schrift dagegen ist im Dunkeln. Grafisch durchaus gekonnt gelöst, nur eben nicht so ganz meins. Aber Cover sind sowieso Geschmackssache. Ich weiß, dass die Autorin ihr aktuelles Cover liebt.
Und ich weiß, dass sie eine superkreative Frau ist, die das Kleid ihres Buches noch einige Male wechseln wird :).

Feuerflocke drei Sterne Klein

Inhalt:

Sehr schonungslos, sehr beklemmend.
Serena hat keine nennenswerten Gefühle – und wenn, sind sie schwach und rudimentär ausgebildet, dabei dennoch mächtig genug, um ihr Verhalten zu beeinflussen. Und das ist die Figur, aus deren Sicht wir die Geschichte anfangs zu großen Teilen erleben.
Neben der absolut beklemmenden Prämisse für den Weltenbau (ich habe ganz oben schon angedeutet, was ich damitmeine) ergibt diese Innensicht … eine anfangs sehr schmerzhafte Lektüre. Denn es tut ziemlich weh, zu lesen, wie mit Serena umgegangen wird, wie sie durch ihre Herkunft und Gefühlslosigkeit stigmatisiert wird und… es größtenteils nicht einmal so richtig merkt. Es ist falsch, es ist ungerecht, es ist gemein. Und die Autorin schafft es, dem Leser hier so richtig ins Herz zu stechen damit.
Ich war wütend und traurig, wollte Serena helfen und habe ihr neugieriges Erforschen der eigenen aufkeimenden Gefühle mit Spannung mitverfolgt. Aber neben dem ausführlich geschilderten Alltag in Serenas Geburtsstadt erfahren wir auch viel über andere menschenähnliche Völker, mächtige Wälder, parallele Welten und die Macht der Magie.
Als Rahmen dient hier teilweise eine klassische Questgeschichte, bei der eine Gefährtengruppe das Amulett Zerelf beschützen soll – aber die in diesen Rahmen eingewobene Geschichte ist ziemlich komplex.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Meine Fassung (vor einer halben Ewigkeit heruntergeladen) enthielt noch Fehlerchen, aber ein Update hat die auch zum Verschwinden gebracht.
Abgesehen davon hat Sabina S. Schneider es jedoch geschafft, Dinge in Worte zu fassen, die andere Menschen sich nicht mal vorstellen könnten. Ich ließ mich darauf ein, zu lesen, wie ein Mädchen ohne Emotionen ihre Welt in Worte kleidet, wie fremde Wesen denken und sprechen und wie es im Kopf von völlig unvorstellbaren Wesen aus Parallelwelten zugeht.
Ich lief durch riesige Wälder, besuchte die Elfen und taumelte auf der Suche nach Serena durch eine seltsam verzerrte Paralleldimension.
Was Wortgewalt angeht … war es für mich (ich liebe große Worte, komplexe Beschreibungen und tiefgründige Andeutungen) ein sprachlich sehr rundes Buch.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Fazit:

Ich habe mich in die Welt und die Charaktere dieser Reihe auf den ersten Blick verliebt, sobald ich über die ersten paar % im Buch hinaus war. Es liest sich unglaublich flott, ist spannend und rasant, ohne dabei oberflächlich zu sein und sehr, sehr mutig.
Das ist das, was ich an bewusst verlagsfreien Autoren so schätze – sie wagen sich an Motive und Stoffe, die möglicherweise als nicht massentauglich gelten und darum geringere Chancen haben, verlegt zu werden. „Zerelf“ gehört hier auf jeden Fall zu den Schmuckstücken der Zunft.
Sehr, sehr gern gelesen und neugierig auf mehr.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Bettina Schott – Volturnus schläft

Veröffentlicht am

Titel: Volturnus schläft
Autorin: Bettina Schott
Verlag: Amazon Create Space
Genre: Historischer Roman
Seiten: 2148 KB, entspricht hier 344 Seiten
Format: E-Book
ASIN: B00RR1CKVW
Das Buch auf Amazon – signierte Exemplare können bei der Autorin bestellt werden!

Vieles fand ich wirklich großartig – die Autorin hat sehr gut recherchiert und weiß vermutlich so ziemlich alles über Lynchjustiz, Osterfeierlichkeiten und Flößertum im Schwarzwald. Und das hat man gemerkt. Ich hatte auf keiner Seite das Gefühl, dass da etwas dazuerfunden oder schlecht nachgeschlagen war. Alles war plausibel, logisch und nachvollziehbar.
Auch die Geschichte an sich fand ich sehr, sehr spannend – und gerade als ich mir sicher war, den Drahtzieher hinter den ganzen Übeln im Ort zu kennen, wendete sich das Blatt.
Ja, es war spannend, gut recherchiert und lebendig geschrieben. Die Autorin hat keine Scheu, Depressionen, Suizid und andere Tabuthemen anzusprechen, die vermutlich im achtzehnten Jahrhundert nicht thematisiert waren – aber unter Tabu standen. Und das Wissen um diese Tabuisierung und einen sensiblen Umgang damit habe ich auf jeden Fall im Roman bemerkt. Das ist sehr gut gemacht.
An einigen Stellen fand ich es etwas störend, dass noch mal genau erklärt wurde, dass Figur X halt so dachte, weil… und dann erstmal eine Erklärung folgte. Aber ich glaube, das ist eine reine Debütautorengeschichte und geht mit der Zeit von alleine weg.
Auf alle Fälle eine Autorin zum Weiterverfolgen, besonders da ich historische Romane seit meiner Kindheit liebe, aber die moderne Tendenz zum „historischen Liebesroman“ eher skeptisch beäuge.

Cover:

Ein Foto in Rottönen, von einer Frau im grellroten Kleid in einem düsteren Wald und mit einigen stilvollen Zierelementen – das Cover ist schlicht, aber schön. Es machte sich sehr gut auf dem Smartphonedisplay auch bei der bei mir voreingestellten eher geringen Helligkeit, mit gut lesbarem Titel.

Höchstens der Name der Autorin hätte etwas größer sein können, da man ihn sonst bei niedriger Auflösung übersieht – aber eigentlich gefällt mir das Cover sehr gut und es stimmt auf die eher düsteren Ereignisse im Buch ein. Es war auch eines der Gründe, weshalb mir das Buch in einer Facebookgruppe schon im Januar überhaupt erst aufgefallen ist.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Das Leben in Altsteig im Schwarzwald könnte seinen ganz normalen Gang nehmen – bald ist Ostern und Brunnenweihe zugleich, trotz ihrer Blindheit ist die junge Agnes verlobt und glücklich und ihr Bruder Friedel könnte den ganzen Tag den Legenden des Eigenbrötlers Louis lauschen.
Doch dann geschieht zu viel auf einmal – schwere Unfälle bei den Flößern, ein Liebesdrama und ein grauenhaftes Verbrechen bringen ganz Altsteig in Aufruhr.

Was ich hier gar nicht genug betonen kann, weil ich das in letzter Zeit so selten antreffe (Ich sage nur „Hexenverfolgung im tiefen Mittelalter“ 😉 und winke mit dem ganzen Zaun!): Die Autorin hat gut und ausführlich recherchiert. Bis hin dazu, dass sie ihren Handlungsort mehrmals selbst bereist hat und einige Personen im Roman tatsächlich historischen Persönlichkeiten aus dieser Zeit entsprechen. Man merkt deutlich, dass sie über das Flößerhandwerk, die Besonderheiten der Schwarzwälder Kultur im achtzehnten Jahrhundert und die Gerichtsbarkeit der damaligen Zeit bescheid weiß.
Mir sind eigentlich keine Anachronismen aufgefallen – außer vielleicht ab und zu eine etwas zu moderne Formulierung in der wörtlichen Rede – und ich bin da recht pingelig.

Manchmal konnte sie der Versuchung nicht widerstehen, auch wirklich alle Rechercheergebnisse ausführlich in den Roman einzubringen. Das fand ich beim Ausflug in die Erklärungen zum Flößertum in Ordnung, an manchen anderen Stellen nahm es dem Buch ein bisschen die Spannung raus. Aber spätestens ab der zweiten Hälfte des Buches gab es keine solchen Verzögerungen mehr.
Trotzdem ein Flöckchen Abzug, auch weil abgesehen von den historischen Erklärungen gerne mal noch in einem Nebensatz etwas erklärt wurde, was so nicht zwingend notwendig gewesen wäre.
Aber das sind alles „Kinderkrankheiten“ und wenn man bedenkt, dass ich sonst nichts zu bemeckern habe…
Feuerflocke vier Sterne Klein

Sprache:

Bis auf ein paar sprachliche Anachronismen, die mich ein wenig aus dem Fluss gebracht haben, gibt es hier nichts zu bemängeln.
Es gibt ja dieses SP-Klischee vom völlig verformatierten, unlektorierten und unkorrigierten Roman – dies trifft hier nicht zu. Bis auf ein- oder zwei vergessene Punkte am Satzende, die auch in einem Verlagsbuch vorkommen, fiel mir eigentlich kein Rechtschreibfehler auf und auch keine krude Grammatikkonstruktion.
Sehr schön fand ich auch, dass eine gute Balance zwischen Fremdwörtern für das Flößertum und der Hochsprache gefunden wurde – der Roman ist auch für Nichtexperten auf diesem Gebiet spannend und verständlich.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Ich bin froh, dass ich das Buch gelesen habe. Bettina Schott ist eine vielversprechende Debütautorin, die viel Liebe und Sorgfalt in dieses Buch gesteckt hat – und das merkt man dem Endergebnis auch an.
Außerdem schlägt sie nicht in die Kerbe der Romantik, sondern zeichnet ein realistisches, ungeschöntes und entsprechend teilweise grausames Bild der damaligen Menschen.
Wie schnell ein Mob außer Kontrolle geraten kann, weiß auch heute jeder Mensch – die Folgen der damaligen Justiz sind Vielen jedoch nicht in diesem Maße bewusst.
Somit lag hier nicht nur ein spannender Roman vor, sondern auch eine einfühlsame Gesellschaftsstudie.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Disclaimer: Als ich ein anderes Rezensionsexemplar beantragte, aber dabei anmerkte, dass ich mit großer Vorliebe Indepententautoren entdecke und gerne auch entsprechend hier vorstellen würde, schrieb mich die Autorin selbst an und fragte, ob ich Interesse an „Volturnus schläft“ hätte. Da mir das Buch bereits in einer Facebookgruppe aufgefallen war und ohnehin auf meiner Wunschliste stand… sagte ich gerne zu.
Danke, liebe Bettina, für das Rezensionsexemplar!