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Barb & J.C. Hendee – Dhampir ~ Halbblut (The Noble Dead Saga 1, Teil 1)

Veröffentlicht am

Titel: Dhampir – Halbblut
Autoren: Barb Hendee und J. C. Hendee
Verlag: Egmont-Lyx
Genre: Fantasy
Seiten: 432
Format: Taschenbuch, kartoniert
ISBN: 978-3-8025-8405-3
Das Buch auf der Verlagshomepage

Erstmal zur seltsamen Nummerierung:

Es ist kompliziert. Es gibt tatsächlich insgesamt drei Reihen „The Noble Dead Saga“. Die erste umfasst sechs Bücher, die zweite drei (von denen das letzte nach wie vor nicht auf Deutsch erschienen ist, soweit ich weiß), die dritte besteht im Moment aus zwei Bänden, die beide ebenfalls momentan nur auf Englisch verfügbar sind.
„Dhampir“ ist also der Reihenauftakt zur ersten Reihe, also zu der mit sechs Bänden.

Mit dem Buch wurde ich nie wirklich warm und wenn der Epilog nicht wäre… würde ich diese Reihe vermutlich nicht mehr weiterverfolgen. So will ich aber natürlich wissen, wie diese Geschichte jetzt ausgeht.
Dabei hätte die Geschichte durchaus Potential gehabt – Magiere und Leesil sind Vampirjäger. Naja, eigentlich tun sie nur so. Sie ziehen verängstigten Dorfbewohnern das Geld aus der Tasche, indem Magiere ihnen vormacht, den als Vampir verkleideten Leesil zu meucheln. Irgendwann haben sie auf diesen Quatsch keine Lust und wollen gemeinsam eine Kneipe aufmachen. Doch dann stellt sich heraus, dass es die Vampire doch gibt…
So weit, so Klappentext und auch der Grund, aus dem ich das Buch bei einem Bücherflohmarkt an der Uni überhaupt mitgenommen habe. Das Ganze klingt nach einer herrlich witzigen Geschichte, vieleicht nach einer Parodie und auf eine solche habe ich mich auch gefreut – allerdings etwas völlig Anderes bekommen.

 Cover:

Das Cover gefällt mir eigentlich sehr gut – die Frau auf dem Bild entspricht recht genau dem Bild, das ich von Magiere habe. Sie löst sich zum unteren Ende des Covers hin in Fledermäuse auf und wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass der Hintergrund Risse bildet.
Hier kann ich nichts Schlechtes sagen. Höchstens, dass ich auf die Weise natürlich sofort wusste, dass Magiere in irgendeiner Weise nicht ganz menschlich sein konnte – aber das ist ja schon aus dem Titel klar.
Positiv ist auch, dass das Buch – gebraucht gekauft – recht stabil ist und nicht beim Lesen auseinanderfällt. Ich sehe also keinen Grund, Punkte beim Cover abzuziehen.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:
Zunächst mal das Gute:
Es ist der erste Roman, den ich gelesen habe, der sich mit dem Konzept des Dhampirs beschäftigt – dem Kind einer sterblichen Frau und eines vampirischen Mannes (selten auch umgekehrt) – insofern war es mal was Anderes als das, was ich sonst zu lesen pflegte und ich empfand das Konzept von Vampiren und Dhampiren an sich als sehr spannend und schön ausgearbeitet. Dazu gibt es auf jeden Fall noch einen Artikel auf der Weltenschmiede, sobald ich die Reihe weitergelesen habe. Man will ja keine Weltenbauschlüsse aus nur einem Band einer größeren Saga schließen.
Und ganz ehrlich? Leesil ist mir sympathisch. Magieres Sidekick, Halbelf und Besitzer des geheimnisvollen Hundes Chap, ist er die rundeste und spannendste Figur im ganzen Buch. Die Abgründe, die er im Laufe des Buches auslotet, seine Vergangenheit, seine Tapferkeit und sein Schmerz machten das Buch an den Stellen, in denen überwiegend aus seiner Sicht berichtet wurde, lesenswert. Wäre der ganze Roman (oder ein größerer Teil davon) aus seiner Sicht erzählt worden, hätte ich größere Freude an der Geschichte.
Anders als Magiere selbst, merkt er von Anfang an: Da stimmt was nicht. Die verheimlicht was.

Und nun die Kritik…
Teils lag es schlicht und ergreifend an der Art des gewählten Erzählers – ein allwissender, auktorialer Erzähler erzählt aus gefühlt jeder einzelnen verfügbaren Perspektive, die auch noch fast jeden Absatz wechselt, eine Geschichte.
Das Problem ist: Dadurch weiß der Leser von Anfang an mehr als die Protagonistin Magiere und ich weiß nicht, wie es euch geht – aber mir gehen Bücher mit Protagonistinnen, die einfach nichts schnallen, während der Leser sämtliche Rätsel längst gelöst hat, unfassbar auf den Keks. Und Magiere steht eigentlich bis fast zum Schluss völlig auf dem Schlauch.
Ich weiß nicht, wie oft ich sie am Liebsten durchgeschüttelt oder kräftig geohrfeigt hätte, weil sie einfach nur unfassbar blöd handelt oder es nicht fertig bringt, die einfachsten Schlüsse zu ziehen.
Ich meine, das Buch heißt „Dhampir“, woraus man schließt, dass jemand im Buch einer ist. Irgendwo auf den ersten Seiten heißt es, dass manche Dorfbewohner munkelten, Magieres Vater wäre irgendwie unnatürlich. Das ist kein Wink mit dem Zaunspfahl, sondern da wird der Zaun samt Schrebergarten rausgerissen und mit morgensternhafter Brutalität auf den Kopf des Lesers geknallt. Selbst wenn man als Leser nicht ohnehin mit dem Thema vertraut ist, ist spätestens an dieser Stelle für jeden halbwegs intelligenten Leser der Groschen gefallen.
Nur für Magiere nicht.
Selbst als es offensichtlich ist, was es mit der Stadt und mit ihr selbst auf sich hat, bemerkt sie einfach nichts und wenn sie doch mal was bemerkt, tut sie es als verachtenswerten Aberglauben ab. Auch sonst ist sie verschlossen, verbohrt und oft schlicht und ergreifend blind, obwohl die Tatsachen ihr regelrecht ins Gesicht springen. Ich meine, selbst wer kein Fantasyleser ist oder sich mit Vampiren auskennt, wird erkennen, dass Parko, der Typ, der sie zu Beginn des Buches im Wald stalkt, nicht gerade natürlichen Ursprungs ist. Aber natürlich verschwiegt sie Leesil, dass ihr seine Unnatürlichkeit aufgefallen ist, weil sie das Vampirische in sich selbst verdrängen muss.
Und so hat Leesil, der im Gegensatz zu ihr Hirn im Kopf hat und keine Grütze, einfach keine Chance, ihr die offensichtliche Wahrheit vor den Latz zu knallen.
Wobei auch sonst die Tatsache, dass man permanent weiß, was die Antagonisten so treiben und wo sie sind, einfach keinen Raum für eigene Vermutungen, Rätsel, Fantasiegebilde lassen. Man weiß als Leser immer alles und das ist auf die Dauer langweilig.

Zur Romanwelt kann ich an dieser Stelle noch nicht so viel sagen – mir scheint hier mehr oder weniger eine Art fiktives Osteuropa um 1900 herum als Haupthandlungsort zu dienen, zumindest klingen die meisten Ortsnamen so. Allerdings gibt es auch Andeutungen auf orientalisch anmutende Länder und auf eine erlöschende Elfenkultur. Da ist auf jeden Fall noch Raum für mehr.
Feuerflocke zwei Sterne Klein

Sprache:

Druckfehler gab es keine – aber die Sprache ist vergleichsweise simpel gehalten. Womit ich nicht meine, dass es keine Schachtelsätze gegeben hätte – die gab es durchaus. Aber wann immer man etwas mit sehr schlichten Worten und einem Schachtelsatz statt mit wenigen treffenden, aber etwas komplizierteren Begriffen ausdrücken konnte, hat man dies getan.
Schön fand ich hier die Begriffe, die explizit für den Roman rund um Vampirismus geprägt wurden. Der Begriff „Edle Tote“ klingt ziemlich schön und auch sonst mochte ich den Sprachgebrauch der Vampire. Neben der recht simplen Sprache im Roman selbst waren diese Stellen angenehm poetisch.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Fazit:

Ich werde mir die restlichen Bände aus der Bibliothek ausleihen und lesen, da ich doch zu gern wüsste, wie das Buch endet. Der Epilog hat es tatsächlich geschafft, eine Romanhandlung aufzuwerten, die ich ansonsten als zäh wie Kaugummi und unfassbar vorhersehbar empfunden habe.
Auch wenn mir sehr Vieles nicht gefallen hat, gibt es doch einige gute Seiten auch an diesem Roman. Darum gibt es abschließend nicht eine (wenn ich nur den Inhalt bewertet hätte), sondern zwei FeuerFlocken und die Hoffnung, dass die Folgebände besser werden.

Feuerflocke zwei Sterne Klein