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George R. R. Martin – Das Lied von Eis und Feuer 1&2

Veröffentlicht am

Titel: Das Lied von Eis und Feuer – Die Herren von Winterfell / Das Lied von Eis und Feuer – Das Erbe von Winterfell (Original: A Game of Thrones)
Autor: George Raymond Richard Martin
Verlag: blanvalet
Genre: Fantasy
Seiten: 570 / 542
Format: Paperback mit Klappe
ISBN: 978-3-442-26774-3 / 978-3-442-26781-1

Kurz zum Inhalt:

Eddard „Ned“ Stark freut sich seines Lebens als Regent des nördlichen Reiches Winterfell, einem der sieben Königsländer von Westeros. Er widmet sich dem Regieren, der Erziehung seiner Kinder, der Liebe zu seiner Frau und seine größten Sorgen sind Deserteure der Nachtwache, eine unterbesetzte Wachmannschaft an der Grenzmauer im Norden und dass sein zweitjüngster Sohn gerne auf Zinnen herumklettert. Ein ruhiges und beschauliches Leben.
Aber dann besucht ihn plötzlich König Robert Baratheon persönlich und der ganze königliche Hofstaat nistet sich in Winterfell ein. Der Grund für Roberts Besuch: Seine rechte Hand Jon Arryn ist verstorben, und Ned soll sein Nachfolger werden. Ned folgt diesem Ruf nach, und schlagartig findet er sich in einem Gespinst aus Intrigen wider, das selbst in der realen Politik seinesgleichen sucht.

Meinung

Obiger Abriss umfasst nur das Geschehen auf den ersten 100 Seiten des Buches (Daumen mal Pi geschätzt), und noch etwas mehr zu erzählen würde den Rahmen der Rezension, wie auch des Möglichen sprengen.
Das Lied von Eis und Feuer enthält mehr Figuren, als ein Leser sich merken kann, und eine überdurchschnittlich hohe Zahl an Protagonisten, die ausnahmslos alle ihr eigenes Süppchen kochen – hinzu kommen dann noch die Süppchen, die all die Nebenfiguren kochen… und man mag es kaum glauben, aber in diesem Buch ist jeder ein Suppenkasper, will sagen: Jede Figur scheint gegen irgendjemanden etwas auszuhecken.
Das macht das Gespinst der Intrigen sehr schnell undurchschaubar und das Buch gleichzeitig unglaublich spannend. Denn es ist alles andere als klar, wer hier der Held ist. Die Figur mit den ehrlichsten Absichten? Der Ritter, der am meisten auf Ehre hält? Der Adelige, der am geschicktesten alles und jeden betrügt? Oder doch das kleine Mädchen, das nur den Schwertkampf lernen will?
Im Laufe der Handlung kommt es, wie es kommen muss – irgendwann kommt eine Figur im Laufe ihres Komplotts ein Stück voran, natürlich auf Kosten eines anderen. So rollen schon mal Köpfe, gerade liebgewonnene Figuren erleiden einen Schicksalsschlag nach dem anderen und am Ende ist wohl nur eines klar: Martin hat keine Skrupel, eine Figur über die Klinge springen zu lassen.

Aber genau da wird es spannend. Sobald man sich dessen bewusst wird, plätschert die Handlung nicht mehr dahin. Man gewinnt irgendwann eine Figur lieb, schlägt sich auf deren Seite – sei es, weil sie sympathisch ist, sei es, weil man ihre Sache für die gerechtere hält, sei es, weil hier die meiste Komik passiert … aber das heißt noch lange nicht, dass diese Figur das „Spiel der Throne“ auch gewinnen wird.
Jeder Kampf wird so zu einem echten Kampf. Niemand weiß, wie die Sache enden wird und welche Figuren Martin sterben lässt und welche nicht. Ein Protagonist und sein Leser können sich einer Sache noch so sicher sein, zwei Seiten später ist wieder alles anders. Man fiebert automatisch mit, denn die übliche Sicherheit „Er ist der Protagonist, er kann nicht sterben. Das Gute gewinnt immer.“ gilt hier mangels eines eindeutigen Protagonisten einfach nicht.

Dadurch kann man das Buch kaum weglegen – und würde am liebsten alle Bände auf einmal lesen…

Eine gewaltige Serie – und ein Ausgabenchaos

Wer Das Lied von Eis und Feuer rezensiert, muss natürlich anmerken, dass Martin selbst die Serie noch gar nicht fertiggeschrieben hat, obwohl der erste Band bereits 1996 erschien. Auf Englisch sind bisher fünf Bände erschienen, zwei weitere geplant. Auf Deutsch stehen wir hingegen schon bei zehn Bänden.
Der Leser mag hier zurecht stutzen: Ist Martin nicht Amerikaner? Schreibt er doch auf Deutsch? Wie zum Geier geht das?
Die Antwort ist einfach: Beim Verlag hatte jemand die schlaue Idee, einen englischen Band immer zu halbieren. Für jeden Englischen dürfen wir uns zwei Deutsche kaufen.
Man munkelt ja immer, dass die Verlage es verschlafen hätten, sich neue Vertriebswege zu erschließen, als das Internet kam – blanvalet hat hiermit wohl die Lösung gefunden, jedes Buch einfach doppelt zu verkaufen.
Die finanzielle Belastung ist auch gar nicht ohne: Ein Band kostet in Deutschland 15 €. In Österreich dank anderer Mehrwertsteuer sogar 15,50 €. (Taschenbuchpreise, wohlgemerkt! Vom Hardcover wollen wir gar nicht erst reden…)
Witzigerweise kostet der erste englische Band als Taschenbuch auf Amazon derzeit nur 6 € – und für 22,95 € erhält man sogar einen schmucken Schuber mit allen fünf Bänden auf einmal.
Auf Deutsch hingegen… lassen wir das.
Manch einer mag sich fragen, wieso der fruehstuecksflocke das Buch dennoch auf Deutsch gelesen hat. Die Antwort ist einfach: Erstens wollte er schon immer mal die Serie lesen, und er hat sich vorher nicht über diese Preispolitik informiert.
Zweitens unterhält er sich wahnsinnig gerne mit anderen über die Bücher, die er gerade liest – und nur wenige seiner direkten Bekannten würden sich von ihm ein englischsprachiges Buch leihen.
Dafür darf er nun eben das zigfache zahlen… selber Schuld. Außerdem muss er ja den Verlust ausgleichen, den er dem Verlag bereitet, weil er es wagt, Bücher zu verleihen.

Kommen wir zur Wertung

Ich vergebe 5 von 5 Feuerflocken für das Lied von Eis und Feuer – Band 1&2, weil ich seit Jahren kein so spannendes Buch mehr in der Hand hatte, dessen fiktive Welt außerdem noch mit einem wahnsinnigen Detailgrad besicht und mein Weltenbastler-Herz höher schlagen lässt.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Für die Preise des Fantasyabenteuers hingegen gibt es kein einziges Flöckchen… nur den Rat: Liebe Leute, spart euch die Zillionen und lest es auf Englisch.