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George R.R. Martin und Lisa Tuttle – Sturm über Windhaven

Veröffentlicht am

Titel: Sturm über Windhaven
Autoren: George R.R. Martin und Lisa Tuttle
Verlag: Blanvalet
Genre: Fantasy
Altersempfehlung: ab 12
Seiten: 447
Format: Taschenbuch
ISBN: 9783442243044
Das Buch ist über die Verlagshomepage nicht mehr bestellbar, da es scheinbar nicht mehr herausgegeben wird. Daher ausnahmsweise mal ein Link zu Amazon, wo man das Buch gebraucht noch bekommen kann.

m Gegensatz zu den Meisten, die dieses Buch gelesen und rezensiert haben, kannte ich „A Game of Thrones“ nicht, bevor ich begonnen habe, „Sturm über Windhaven“ zu lesen. Eher handelte es sich um eine Empfehlung – mir war der mitgebrachte Lesestoff zumindest in gedruckter Form ausgegangen, ich wollte nicht nur E-Books lesen und die Privatbibliothek meines Gastgebers wartete mit diesem Buch auf.
Und – ich gebe es schon bei der Einleitung zu – so ganz hat mich das Buch nicht überzeugt.
Maris von Amberly ist eine Landgeborene, doch seit sie denken kann, träumt sie vom Fliegen. Ihr Traum, zu der kleinen und elitären Gruppe von Fliegern zu gehören, muss jedoch hart umkämpft werden. Sollen nur die fliegen dürfen, denen die Flügel vererbt wurden? Oder sollen diejenigen fliegen, die am Begabtesten sind?
Eine Frage, die sich durch das ganze Buch zieht…

Cover:

Ich empfand die oberkörperfreien, düster schauenden Engel mit Metallflügeln als sehr unpassend, um es gelinde auszudrücken. Vielleicht bin ich von zu viel Nachdenken über Weltenbau verdorben, aber es gibt nichts Dämlicheres, als oberkörperfrei zu fliegen. Schon mal daran gedacht, wie kalt das ist und was für Winde das sind? Die düsteren Engel hätten eine Nierenentzündung sicher, ehe sie auch nur die halbe Fläche von A nach B geflogen wären…
Falls sie die Flieger aus der Mythologie darstellen sollten – nun, die kamen auf fliegenden Schiffen, nicht auf Engelsflügeln. Macht also auch keinen Sinn.
Generell passt für mich das Cover einfach nicht zum Buch, da es mit seiner rotschwarzen Färbung und düsteren Fliegern sehr nach „Endzeitschlacht, Feuer und Blut“ aussieht – dabei geht es um Buch um ganz andere Dinge. Hätte ich das Buch nicht leihweise empfohlen bekommen, wäre es für mich auf Grund des Covers nicht sehr anheimelnd gewesen.
Für ein Taschenbuch, das schon mindestens drei-viermal gelesen wurde, ist es aber bemerkenswert in Schuss.

Feuerflocke drei Sterne Klein

Inhalt:

Hier bin ich zwiegespalten.
Die Welt an sich ist echt, echt toll gebaut. Eigene Mythologie, eigene Wertvorstellungen, verschiedene Kulturen innerhalb einer vergleichsweise kleinen Welt bis hin zu solchen Details, auf die wohl nur ich achte und die unter anderem schlüssige Rohstoffe und eine der Welt angepasste Währung beinhaltet. Das ist eine Welt, in der ich mich sehr gerne noch weitaus länger aufgehalten hätte, als 447 Seiten lang, wenn ich ehrlich bin. Schade, dass es nirgends mehr davon gibt…
Die Geschichte selbst… Nun ja, einerseits ist die Idee nicht schlecht, durch große Zeitsprünge ein ganzes Leben schlaglichtartig zu beleuchten – aber es war einfach nicht meins. Kaum hatte ich mich eingelesen in die aktuelle Zeitschicht und konnte mitfiebern, kam auch schon ein Schnitt und man war wieder viele Jahre später. Dadurch musste ich mich in jedem Zeitabschnitt neu einlesen und mich neu orientieren: Wie alt ist Maris? Wer gehört zu ihrer Umgebung? Kenne ich die bereits oder sind das alles neue Leute?
Vielleicht ist das der Grund, aus dem für mich Maris die ganze Zeit eine nicht sehr sympathische Bezugsperson war. Sie wirkte auf mich naiv, weltfremd und so aufs Fliegen und ihre Träume fixiert, dass die Welt quasi an ihr vorbeizugehen schien. Ein längerer Roman, der sie vielleicht auch bei praktischen Alltagsgeschichten im Zusammenhang mit ihrem Beruf oder ihrem späteren Leben gezeigt hätte, hätte die Chance gehabt, mir vielleicht ihre guten Instinkte, praktische Klugheit und andere positive Eigenschaften vorzuführen.
So hatte ich aber oft das Gefühl, dass sie nicht immer völlig intelligent durch die Story taumelt. Viele Nebenfiguren wie beispielsweise Val Einflügler fand ich wesentlich aufregender, runder und interessanter als Maris.
Entsprechend muss ich Abzüge geben.

Feuerflocke drei Sterne Klein

Sprache:

Auch hier bin ich zwiegespalten.
Natürlich handelt es sich um ein professionell lektoriertes und später professionell übersetztes Buch, mir fielen auch keine Setz- oder Druckfehler auf. Und vielleicht bin ich hier ein wenig übertrieben erbsenzählerisch, aber teilweise hatte der Roman für mich nicht die Sprache, die eine selbstgebaute Welt gebraucht hätte.
Wörter wie „Snobismus“ im Zusammenhang mit einer Versammlung oder teilweise umgangssprachliche Wendungen aus der tatsächlichen Gegenwart rissen mich immer wieder aus Windhaven zurück in unsere Welt und in die Realität. Besonders im ersten Drittel hat mich das sehr gestört.
Später wurde es besser oder ich habe mich daran gewöhnt, aber dieser Punkt nahm mir doch ein bisschen Lesevergnügen.

Feuerflocke drei Sterne Klein

Fazit:

Insgesamt also eine für mich sehr gespaltene Lektüre – ich fand die Welt wundervoll und sehr gut ausgearbeitet. Das Fliegen, die logischen Folgen daraus, dass kaum Schiffsverkehr zwischen den Inseln herrscht, die ethischen Dimensionen der ganzen Geschichte um den Boten und seine Botschafft… das alles fand ich toll.
Aber die Zeitsprünge, Maris als Protagonistin und die Sprache, die mich oft aus der Welt rausgerissen hat, fand ich nicht wirklich gut. Vermutlich ist das Geschmackssache, denn ich habe auf Amazon auch Rezensionen gelesen, die genau diese Punkte gelobt haben, sodass ich schwer nur deswegen vom Buch abraten könnte.
Ich weiß nur: Meins war es nur so halbwegs.

Feuerflocke drei Sterne Klein

George R. R. Martin – Das Lied von Eis und Feuer 1&2

Veröffentlicht am

Titel: Das Lied von Eis und Feuer – Die Herren von Winterfell / Das Lied von Eis und Feuer – Das Erbe von Winterfell (Original: A Game of Thrones)
Autor: George Raymond Richard Martin
Verlag: blanvalet
Genre: Fantasy
Seiten: 570 / 542
Format: Paperback mit Klappe
ISBN: 978-3-442-26774-3 / 978-3-442-26781-1

Kurz zum Inhalt:

Eddard „Ned“ Stark freut sich seines Lebens als Regent des nördlichen Reiches Winterfell, einem der sieben Königsländer von Westeros. Er widmet sich dem Regieren, der Erziehung seiner Kinder, der Liebe zu seiner Frau und seine größten Sorgen sind Deserteure der Nachtwache, eine unterbesetzte Wachmannschaft an der Grenzmauer im Norden und dass sein zweitjüngster Sohn gerne auf Zinnen herumklettert. Ein ruhiges und beschauliches Leben.
Aber dann besucht ihn plötzlich König Robert Baratheon persönlich und der ganze königliche Hofstaat nistet sich in Winterfell ein. Der Grund für Roberts Besuch: Seine rechte Hand Jon Arryn ist verstorben, und Ned soll sein Nachfolger werden. Ned folgt diesem Ruf nach, und schlagartig findet er sich in einem Gespinst aus Intrigen wider, das selbst in der realen Politik seinesgleichen sucht.

Meinung

Obiger Abriss umfasst nur das Geschehen auf den ersten 100 Seiten des Buches (Daumen mal Pi geschätzt), und noch etwas mehr zu erzählen würde den Rahmen der Rezension, wie auch des Möglichen sprengen.
Das Lied von Eis und Feuer enthält mehr Figuren, als ein Leser sich merken kann, und eine überdurchschnittlich hohe Zahl an Protagonisten, die ausnahmslos alle ihr eigenes Süppchen kochen – hinzu kommen dann noch die Süppchen, die all die Nebenfiguren kochen… und man mag es kaum glauben, aber in diesem Buch ist jeder ein Suppenkasper, will sagen: Jede Figur scheint gegen irgendjemanden etwas auszuhecken.
Das macht das Gespinst der Intrigen sehr schnell undurchschaubar und das Buch gleichzeitig unglaublich spannend. Denn es ist alles andere als klar, wer hier der Held ist. Die Figur mit den ehrlichsten Absichten? Der Ritter, der am meisten auf Ehre hält? Der Adelige, der am geschicktesten alles und jeden betrügt? Oder doch das kleine Mädchen, das nur den Schwertkampf lernen will?
Im Laufe der Handlung kommt es, wie es kommen muss – irgendwann kommt eine Figur im Laufe ihres Komplotts ein Stück voran, natürlich auf Kosten eines anderen. So rollen schon mal Köpfe, gerade liebgewonnene Figuren erleiden einen Schicksalsschlag nach dem anderen und am Ende ist wohl nur eines klar: Martin hat keine Skrupel, eine Figur über die Klinge springen zu lassen.

Aber genau da wird es spannend. Sobald man sich dessen bewusst wird, plätschert die Handlung nicht mehr dahin. Man gewinnt irgendwann eine Figur lieb, schlägt sich auf deren Seite – sei es, weil sie sympathisch ist, sei es, weil man ihre Sache für die gerechtere hält, sei es, weil hier die meiste Komik passiert … aber das heißt noch lange nicht, dass diese Figur das „Spiel der Throne“ auch gewinnen wird.
Jeder Kampf wird so zu einem echten Kampf. Niemand weiß, wie die Sache enden wird und welche Figuren Martin sterben lässt und welche nicht. Ein Protagonist und sein Leser können sich einer Sache noch so sicher sein, zwei Seiten später ist wieder alles anders. Man fiebert automatisch mit, denn die übliche Sicherheit „Er ist der Protagonist, er kann nicht sterben. Das Gute gewinnt immer.“ gilt hier mangels eines eindeutigen Protagonisten einfach nicht.

Dadurch kann man das Buch kaum weglegen – und würde am liebsten alle Bände auf einmal lesen…

Eine gewaltige Serie – und ein Ausgabenchaos

Wer Das Lied von Eis und Feuer rezensiert, muss natürlich anmerken, dass Martin selbst die Serie noch gar nicht fertiggeschrieben hat, obwohl der erste Band bereits 1996 erschien. Auf Englisch sind bisher fünf Bände erschienen, zwei weitere geplant. Auf Deutsch stehen wir hingegen schon bei zehn Bänden.
Der Leser mag hier zurecht stutzen: Ist Martin nicht Amerikaner? Schreibt er doch auf Deutsch? Wie zum Geier geht das?
Die Antwort ist einfach: Beim Verlag hatte jemand die schlaue Idee, einen englischen Band immer zu halbieren. Für jeden Englischen dürfen wir uns zwei Deutsche kaufen.
Man munkelt ja immer, dass die Verlage es verschlafen hätten, sich neue Vertriebswege zu erschließen, als das Internet kam – blanvalet hat hiermit wohl die Lösung gefunden, jedes Buch einfach doppelt zu verkaufen.
Die finanzielle Belastung ist auch gar nicht ohne: Ein Band kostet in Deutschland 15 €. In Österreich dank anderer Mehrwertsteuer sogar 15,50 €. (Taschenbuchpreise, wohlgemerkt! Vom Hardcover wollen wir gar nicht erst reden…)
Witzigerweise kostet der erste englische Band als Taschenbuch auf Amazon derzeit nur 6 € – und für 22,95 € erhält man sogar einen schmucken Schuber mit allen fünf Bänden auf einmal.
Auf Deutsch hingegen… lassen wir das.
Manch einer mag sich fragen, wieso der fruehstuecksflocke das Buch dennoch auf Deutsch gelesen hat. Die Antwort ist einfach: Erstens wollte er schon immer mal die Serie lesen, und er hat sich vorher nicht über diese Preispolitik informiert.
Zweitens unterhält er sich wahnsinnig gerne mit anderen über die Bücher, die er gerade liest – und nur wenige seiner direkten Bekannten würden sich von ihm ein englischsprachiges Buch leihen.
Dafür darf er nun eben das zigfache zahlen… selber Schuld. Außerdem muss er ja den Verlust ausgleichen, den er dem Verlag bereitet, weil er es wagt, Bücher zu verleihen.

Kommen wir zur Wertung

Ich vergebe 5 von 5 Feuerflocken für das Lied von Eis und Feuer – Band 1&2, weil ich seit Jahren kein so spannendes Buch mehr in der Hand hatte, dessen fiktive Welt außerdem noch mit einem wahnsinnigen Detailgrad besicht und mein Weltenbastler-Herz höher schlagen lässt.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Für die Preise des Fantasyabenteuers hingegen gibt es kein einziges Flöckchen… nur den Rat: Liebe Leute, spart euch die Zillionen und lest es auf Englisch.