RSS-Feed

Schlagwort-Archive: Gegenwart

Alice Andres – Punks Return (Punk’s Undead #2)

Veröffentlicht am

Titel: Punks Return
Autorin: Alice Andres
Verlag: O’Connell Press
Genre: Horror
Seiten: 1874 KB entsprechen rund 140 Seiten.
Format: eBook
ASIN: B01MCSZI7Z
Das Buch auf der Verlagshomepage

Link zu Band 1: *klick*

Nachdem Buch 1 gefühlt mitten im schönsten Cliffhanger endete, habe ich mich sehr gefreut, als mich die Autorin fragte, ob ich auch für Band 2 wieder ein Leseexemplar haben möchte. Natürlich wollte ich – schließlich will man wissen, wie sich der Cliffhanger aus Band 1 auflöst und wie das Ganze dann weitergeht ;-).
Anders als der recht actionlastige Reihenauftakt geht es hier etwas ruhiger weiter – in meinen Augen eine gute Mischung. Die meisten Autoren machen den Fehler, nach einem actionreichen Auftakt NOCH mehr geballte Action in den Mittelteil zu klatschen und das Ganze damit irgendwann in dragonballartige Höhen zu peitschen (nicht falsch verstehen – ich mag Dragonball – aber dort ist das Konzept irgendwie trashig-charmant, woanders meist eher nicht…). Nicht so hier. Statt in die Breite, geht die Handlung erstmal in die Tiefe und das ist gut so.

Achtung: Dies ist die Rezension zu einem zweiten Band. Spoiler zu Band 1 lassen sich nur bedingt bis gar nicht vermeiden. Wer „Punk’s Undead“ nicht gelesen hat, der klicke auf den obigen Link zu Band 1.

Cover:

Das finde ich im Nachhinein sogar noch besser als das Cover von Band 1. Mit den grüngoldenen Augen und der Nahaufnahme habe ich das Gefühl, direkt einem der Nosferatus in die gelben, stark geschminkten Augen zu starren. Auch die Schrift ist jetzt kontrastreicher und dunkler, die Schriftart bleibt gleich. Nur das „Die Vampir-Punk-Reihe“ in der obersten Ecke ist nicht perfekt lesbar, aber das ist Meckern auf hohem Niveau bei einem Cover, das ich – sobald es auf Facebook gezeigt wurde – sofort angehimmelt habe.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Ich gebe ehrlich zu, im ersten Moment war ich verwirrt. Wer Teil 1 kennt und weiß, wie das endet, kann mich vermutlich verstehen. Wir begleiten Laura, die versucht, ein normales Leben zu führen – was nicht gerade dadurch erleichtert wird, dass ihre Sinne ungefähr so scharf sind wie die eines Vampirs und ihre Essgewohnheiten ein wenig roher sind als gewöhnlich. Dass Olli dann ausgerechnet als Bewältigungsart „Wir ignorieren jetzt einfach alles, was zwischen Anfang und Ende von Band 1 passiert ist“ gewählt hat, ist für Laura NICHT hilfreich und da kann ich Lauras Frustration und deren Folgen sehr gut nachvollziehen.
Wir erhalten hier einen weiteren Einblick in die Vergangenheit von Olli und Valentin, es gibt immer noch genug Action – auch wenn, wie oben bereits erwähnt, die Handlung an sich ruhiger ist – und wir erfahren mehr über die Nosferatus.
Dabei wird Valentin als Charakter immer interessanter und vielschichtiger. Auch scheut sich die Autorin wie schon in Band 1 nicht, Leuten etwas anzutun. Auch wichtige Figuren sind nicht sicher und das baut natürlich zusätzliche Spannung auf.
Dennoch bleiben bei all dem genug Fragen übrig, um die Leser auf den nächsten Band hibbeln zu lassen. Ich will jedenfalls jetzt SOFORT wissen, wie sich die ganzen Rätsel auflösen, aber da werden wir uns wohl eine Weile gedulden müssen…
Bei all der Spannung bleibt aber auch das Tiefgründige nicht auf der Stelle – in einem neuen Gewand stellt hier Alice Andres die Frage danach, was uns zu Menschen macht. Ist es das Gewissen? Und ist ein gewissensloses Leben wirklich automatisch glücklicher? Da werden die essentiellen Fragen der Gesellschaft mal eben ganz nebenher in einem unterhaltsamen Kleid erläutert – so, wie ich es mag, ohne erhobenen Zeigefinger und dennoch nachdenklich.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Hat Spaß gemacht. Hat wirklich, wirklich großen Spaß gemacht und ist oft auch sehr selbstironisch unterwegs.
Ich glaube, ich habe selten so viel gelacht, wie bei dem Dialog zwischen Laura und Valentin, bei dem Valentin das Wort „Alpha-Kevin“ in den Mund nimmt und sich dafür von Laura eine hämische Bemerkung anhören darf ;-).
Die vielen versteckten Anspielungen auf Populärkultur und Geekiges ließen den Roman manches Mal zu einem lustigen Wimmelbildbuch werden, bei dem jede gefundene Anspielung einen Bonuspunkt bringt.
Laura ist durch die Erlebnisse in Kroatien erwachsener geworden – und das merkt man auch der Erzählsprache an. Keine quirligen Schwärmereien mehr, keine Ausflüge ins Naivpoetische. Eine Sprache, die genau auf Laura und ihre neue Situation abgestimmt ist.
Und dazwischen, sehr charmant, ein paar Zeilen Münchener Dialekt.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Ein zweiter Band, der sich nicht hinter Band 1 zu verstecken braucht.
Ich hatte viel Spaß beim Lesen und habe mich gefreut, dass es nach dem rasanten Anfang jetzt mehr in die Tiefe geht und hintergründiger wird. Nun freue ich mich auf das Warten, auf Band 3 und darauf, tiefer in diese Welt eintauchen zu können.
Für mich gab es die perfekte Mischung aus gelösten und neuen Fragen, die perfekte (relative) Ruhe vor und nach dem Sturm und eine virtuos erzählte Geschichte abseits von Glitzervampiren.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Danke an O’Connell Press und Alice Andres für das Rezensionsexemplar!

Advertisements

Alva Furisto – Der Psi-Effekt – 6:42 Uhr (1#)

Veröffentlicht am
Mit freundlicher Genehmigung des Verlags!

Mit freundlicher Genehmigung des Verlags!

Titel: Der Psi-Effekt – 6:42 Uhr
Autorin: Alva Furisto
Verlag: bookhouse Verlag
Genre: Thriller
Seiten: 2930 kb entsprechen 471 Seiten
Format: eBook
ISBN: 978-9963-53-371-8
Das Buch auf der Verlagshomepage

Ein Buch über eine Autorin, die ein Buch geschrieben hat. Und zwar ein Fantasy-Buch, das tiefgründig ist und dessen Symbolik sich mit den Ereignissen verstrickt? Beuteschema.
Es kommt intelligente Kritik an der Institution Kirche vor? Beuteschema².
Das Ganze gepaart mit einem komplexen Plot, einer omnipotenten Terrororganisation und das Versprechen, dass nichts so ist, wie es scheint?
Da kann ich unmöglich nein sagen, wenn man mir so ein Buch als Rezensionsexemplar anbietet!
Es wundert mich nicht, dass ich das Buch dann innerhalb kürzester Zeit durch hatte. Ich habe es regelrecht inhaliert, weil ich das eBook offenhatte, wo ich ging und stand.
Cover:

Bonuspunkte dafür, dass es ein rein abstraktes Cover ist, ohne ein einziges Gesicht. Nichts gegen Coverkünstler, die Menschen auf ihre Cover setzen. Ich liebe alle Cover, die schön gemacht sind. Aber wenn auf allen Covern nur noch Menschen drauf sind … Ich glaube, ihr versteht, was ich meine.
Hier den Titel selbst vor einem schlichten und zerklüfteten Hintergrund in Szene zu setzen, ist eine tolle Lösung, die mich optisch sehr angesprochen hat und für mich auch sehr gut zum Inhalt des Buches passte.
Schade, dass hier kein konkreter Covergestalter angegeben ist, den ich in die Beschreibung und die Tags einfügen könnte. Was für eine tolle Arbeit!
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Wo fange ich an…
Dass ich den Cocktail, den der Klappentext verspricht, an und für sich für faszinierend genug hielt, um das Rezensionsexemplar sofort und zittrig vor Vorfreude anzunehmen, habe ich bereits erwähnt. Auch, dass ich das Buch anschließend regelrecht verschlungen habe, weil ich nicht aufhören konnte, zu lesen.
Aber auch abgesehen davon fand ich das Buch rundum spannend und die Figuren glaubwürdig. Als Atheistin musste ich bei den Diskussionen zwischen Anna und dem Bischof häufig schmunzeln, einfach weil ich diese Art der Diskussion an und für sich sehr gut aus eigener Erfahrung kenne. Nur hatte ich im Gegensatz zu Anna nie die Gelegenheit, all diese Dinge einem Bischof zu sagen. Wie die zwei sich dann trotzdem irgendwie zusammenraufen müssen, fand ich in dem Zusammenhang absolut authentisch und sehr unterhaltsam zu lesen.
Der Roman hat mehrere Erzählebenen und ist aus verschiedenen Perspektiven geschildert, arbeitet dabei auch mal gerne mit Cliffhangern und sehr geschickt platzierten Rückblenden. Dabei muss man als Leser natürlich gut mitdenken, um nachverfolgen zu können, was genau wann und warum passiert.
Einen kleinen Abzug gibt es von mir für das Ende. Wenn ich nicht wüsste, dass da noch was kommt, wäre ich an dieser Stelle nämlich ganz schön ausgerastet (und hätte deutlich mehr Feuerflocken abgezogen). Vielleicht liegt es an meiner Ausgabe (Rezensionsexemplar) und die Käufer des Buches bekommen die Info, dass ein zweiter Teil folgt – aber ich musste jedenfalls erstmal die Autorin anschreiben und fragen, ob meine Datei nicht fehlerhaft ist.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Sprache:

Alva Furisto kann erzählen und zwar so furios, wie ihr Name es bereits verspricht.
An den richtigen Stellen wird es nüchtern, emotional, chatauthentisch, spirituell und erotisch. An den richtigen Stellen ändert sich die Sprache genau so, wie sie muss.
Was mir außerdem sehr wichtig ist: Jede Figur hat ihre eigene Sprache erhalten. Man weiß bei einem Perspektivwechsel vom ersten Satz an, mit wem man zu rechnen hat und wer etwas gesagt hat oder sagen könnte.
Handwerklich also absolut sauber ausgeführt.
Ihr seht, ich habe hier nicht viel zu sagen. Wie es oft ist, wenn man etwas einfach ziemlich gut findet :D.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

„Der Psi-Effekt – 6:42 Uhr“ macht Spaß. Es ist ein quasi wie zwei Bücher in einem – ein rasanter und actionreicher Thriller ebenso wie ein sehr intelligent erzählter, tiefgründiger Roman darüber, was die Welt scheinbar zusammenhält. Ein Roman, der mir manchmal schmerzlich realistisch erschien und bei dem ich das Gefühl hatte, dass er dazu in der Lage ist, unserer kaputten Gesellschaft den Spiegel hinzuhalten. Er zeigt zu deutlich auf, wie die Welt momentan ist, aber nicht zu sein hat.
Und das ist zumindest für mich bei zeitgenössischen Romanen fast das Wichtigste, dass sie in irgendeiner Weise auch eine Aussage über die Gesellschaft treffen.
Auf alle Fälle freue ich mich jetzt schon auf den zweiten Teil und wünsche der Autorin viel Erfolg. Dieses Buch verdient es, von möglichst vielen Menschen gelesen und verstanden zu werden.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Ich bedanke mich beim bookhouse Verlag für das Rezensionsexemplar. Das waren sehr vergnügliche Lesestunden 🙂

Amelie Murmann – Wanderer – Sand der Zeit (Wanderer #1)

Veröffentlicht am

Titel: Wanderer – Sand der Zeit
Autorin: Amelie Murmann
Verlag: Impress (gehört zu Carlsen)
Genre: Urban Fantasy
Altersempfehlung: ab 14 Jahren (Angabe des Verlags)
Seiten: 368
Format: ePUB
ISBN:978-3-646-60066-7

Das Buch auf der Verlagshomepage

Ich gebe zu, das war mein allererstes Buch aus dem impress-Programm und entsprechend neugierig war ich, wie es mir gefallen würde. In Buchbloggerkreisen hört man ja alles – von höchstem Lob über die innovativen und ungewöhnlichen Bücher bis hin zu „Näh, das ist das Stiefkind des Verlags“ – aber ich wollte mir selbst ein Bild machen, bevor ich urteile.
Mich jedenfalls hat das Buch verzaubert.
Ja, es geht um Teenager. Ja, deren Hormone drehen teilweise durch und sie sind von widersprüchlichen Gefühlen, Liebeskummer und Herumknutschereien gebeutelt. Aber es ist nicht das Hauptthema, sondern macht den Plot noch ein gutes Stück vielschichtiger.
Entscheidungen, die bei klarem Verstand und sachlichem Nachdenken völlig anders ausfallen, weil die Gefühle dazwischenfunken und alles sehr kompliziert machen. Auch, wie man als völlig emanzipiertes Mädchen sich trotzdem nach einem Partner sehnen darf, ohne automatisch als schwach zu gelten. Lebensentwürfe. Familienbande. Das Buch ist so viel mehr als eine Teenie-Romanze, obwohl die Teenager hier ungefähr 16 Jahre alt sind und sich verlieben.
Es ist ein Buch über Entscheidungen, die echt wehtun. Über die Frage nach dem richtigen und dem bequemen Weg (man erinnere sich an Harry Potter), über die Folge von Handlungen für die Zukunft und die ewige Frage, ob man ein scheinbar festgeschriebenes Schicksal verändern kann und wie das Wissen um die Zukunft sich auf selbige Zukunft auswirken kann.
Und am Ende weiß man gar nicht, ob das jetzt ein Happy End war oder nicht.

Cover:

Hach ja, das Cover.
Die Silhouetten zweier Menschen Rücken an Rücken, vor einem riesigen Stundenglas und das Ganze in warmen Brauntönen.
Das Cover bringt eigentlich ziemlich gezielt auf den Punkt, worum es in dem Buch geht und das gefällt mir bei Covern grundsätzlich immer (nichts ist schlimmer, als ein Cover, das gar nichts mit dem Buch zu tun hat und beim Betrachten bereits falsche Erwartungen weckt, gegen die das Buch dann erstmal irgendwie ankommen muss…).
Wenn man genau hinschaut, sieht der Hintergrund auch noch aus, wie eine grundierte Leinwand – und damit kommt neben der Sanduhr ein weiteres sehr wichtiges Element der Story hinzu – die Bilder, die eine Grundlage dafür bilden, dass diese Geschichte überhaupt erzählt werden kann.
Auch auf dem Handybildschirm macht das Cover eine gute Figur – die Details sind recht gut zu erkennen (auch wenn das mit der Grundierung auf einem 5,7″-Bildschirm nicht ohne Weiteres zu erkennen ist) und die Farbgebung wirkt auch auf einem Bildschirm mit Hintergrundbeleuchtung sehr stimmig.
Gute Arbeit!

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Hier gibt es Einiges zu sagen (vermutlich wird es mindestens eine Fallstudie geben, sobald ich Band 2 gelesen habe) – Internatsgeschichten um eine Zauberschule haben es heutzutage nicht wirkich leicht, da sich so ziemlich jede Zauberschule mit Hogwarts messen muss, was Großartigkeit und Detailtreue angeht – und gleichzeitig auf keinen Fall ein Abklatsch sein darf.
Die „Palaestra Viatorum“ geht zum Glück in eine andere Richtung – auf den ersten Blick eine ganz gewöhnliche Eliteschule für die versnobten Kids der Oberschicht, handelt es sich in Wahrheit um die Ausbildungsstätte der Wanderer, also Menschen, die mit Hilfe von Bildern durch die Welt reisen können, in die Zukunft sehen oder aber in der Lage sind, magische Bilder selbst herzustellen. Darüber hinaus können die Teenager dort allerdings auch ihr ganz normales Abitur machen, es wird also nicht nur magisches Wissen vermittelt und anders als Hogwarts ist die Palaestra eine dreijährige Oberstufe (heißt, die Geschichte spielt in einem G9-Bundesland), für die man sich nach Abschluss der zehnten Klasse bewerben kann und soll, sofern man nicht aufgrund besonderer Begabungen eingeladen wird.
Was ich hier außerdem anmerken möchte, sind die vielen kleinen Anspielungen auf die modere Kultur und das, was Menschem zwischen  18 und 20 heutzutage so gelesen haben – so sieht Emilia einen Jungen durch das Bild einer dicken Frau in pinkem Kleid verschwinden. Wer denkt da nicht an die Fette Dame? Das macht das Buch nicht nur für die jugendliche Zielgruppe so anziehend. Jedes Mal, wenn ich so eine Anspielung entdeckt habe, musste ich einfach unfassbar breit grinsen, weil ich genau wusste, worauf Amelie Murmann da anspielt.
Faszinierend auch die Anleihen aus der griechischen Götterwelt, die gleichzeitig kreativ an die eigene Geschichte angepasst wurden. Hier bin ich sehr gespannt, was im zweiten und letzten Band in diese Richtung noch passiert.
Last but not least – ich habe mit den Figuren mitgefiebert, habe herzlich gelacht und… war beim allerersten Mal, als auf einmal ein bereits gelesener Abschnitt noch einmal kam, genauso verdattert wie die Romanfiguren.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Hier gab es mehrere Dinge, auf die ich geachtet habe. Neben dem Üblichen (ich habe keine Fehler gefunden und das Buch ist einwandfrei gesetzt, es gab also auch keine komischen Formatierungsgeschichten, wie ich sie manchmal in eBooks vorfinde) stellte ich bald fest, dass es mehrere Perspektiventräger gibt und war neugierig, wie sehr sie sich auch sprachlich unterschieden.
Ich hatte keine Probleme, zu erkennen, wer gerade schrieb – auch nach längeren Pausen war mir beim Wiederaufnehmen der Lektüre immer klar, ob gerade Emilia, Kit, Max oder jemand anders die Hauptrolle übernommen hatte.
Auch sonst fand ich die Sprache sehr schön – an manchen Stellen poetisch, manchmal schonungslos klar in Hinblick auf die unschönen Konsequenzen und immer so, dass genau die richtige Stimmung vermittelt wurde. Ich konnte Emilias Verzweiflung greifen, als sie sich verlief und ich fühlte Max‘ Wut auf seinen alten Kumpel Niccolo.
Fein fand ich auch gelegentliche lateinische Einschübe. Latein ist so eine schöne Sprache und wenn sie in einem Buch richtig verwendet wird, kann sie durchaus zur Stimmung beitragen.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Das Problem mit Büchern, die mir gefallen, ist natürlich immer: Wie viel darf ich erzählen über die einzelnen Sachen, die ich gut fand, ohne zu spoilern? Ich habe einige der Dinge, die ich toll fand, mit keinem Wort erwähnt, um niemandem den Lesespaß zu nehmen – aber ich selbst hatte auf jeden Fall welchen.
Die Welt der Wanderer ist spannend und facettenreich, das Abenteuer unglaublich dicht erzählt und die Jugendlichen sind echte, authentische Teenager – sie verlieben sich, sie haben Angst, sie lassen ihre Entscheidungen von ihren Gefühlen beeinflussen und machen auch mal etwas falsch. Dadurch wirken sie sehr, sehr echt und man kann sich gut mit ihnen anfreunden.
Insgesamt ein Roman über Entscheidungen, Zusammenhalt und ja, irgendwo auch ein Stückweit ein Entwicklungsroman über Menschen, die schneller erwachsen werden müssen, als ihnen lieb ist – weil sie Verantwortung tragen müssen.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Die liebe Kennzeichnungspflicht… Ich habe keine Ahnung, ob ich das hier wirklich kennzeichnen muss oder nicht. Streng genommen ist es kein Rezensionsexemplar, weil ich das Buch bei der „Kernstaub“-Geburtstagsparty auf Facebook gewonnen habe. Die Autorin hat fünf Exemplare verlost, wahlweise von Buch 1 oder Buch 2, und da ich die Reihe noch nicht kannte, aber von ihrer Beschreibung absolut verzaubert war, habe ich Band 1 bekommen. Mein Exemplar habe ich allerdings wie bei einem Rezensionsexemplar ganz offiziell über eine Mail von Carlsen mit drei Download-Links für je ein personalisiertes eBook bekommen (ja, da steht mein Name drin 😀 ). Um also auf der sicheren Seite zu sein, gebe ich diese ganze Geschichte jetzt einfach mal im Disclaimer an :). Lieber einmal zu oft die Herkunft eines Buches deklarieren, als einmal zu selten, oder?

Thomas Neumeier – Mondlüstern

Veröffentlicht am

Titel: Mondlüstern
Autor: Thomas Neumeier
Verlag: O’Connell Press
Genre: (okkulter) Thriller
Seiten: 1066 KB entsprechen 274 Seiten
Format: eBook
ASIN: B011DTKDB2
Das Buch auf der Verlagshomepage

Ein sehr spannender Thriller, der das Thema „Okkultismus“ gekonnt mit einem spannenden Kriminalfall verbindet, bei dem einerseits ganz klassisch mit Verdächtigen gesprochen und Verfolgungsjagden inszeniert werden, andererseits jedoch schlicht nichts so ist, wie es scheint.
Am Ende mischen so viele Parteien mit unterschiedlichen Interessen mit, dass die Geschichte schön komplex wird – und als dann eine Art Online-Big-Brother ins Spiel kommt, eskaliert die Situation völlig.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, auch wenn sich an einigen Stellen das Ermittlerpaar im Kreis gedreht hat. Aber das war nicht schlimm. Die zwei sind so herrlich unterschiedlich, dass es Spaß macht, ihre Diskussionen mitzuverfolgen.

Die Freundin des dänischen Polizisten Brandur Christensen wird von unbekannten Wesen brutal ermordet – und er zieht sich vom Dienst zurück. Doch dann erregt ein ähnlicher Fall aus Deutschland sein Interesse und er beginnt, zusammen mit der Esoterikautorin Anja Kahrmann zu ermitteln. Was geschah damals wirklich? Und was hat das mit dem Mord an seiner Freundin zu tun?

Cover:

Hier gebe ich ganz ehrlich zu, dass das Cover der Grund war, aus dem ich das Buch überhaupt angeklickt (und später dann angefragt habe). Mit dem wunderschön und gleichzeitig irgendwie unheimlich hinter die Wolken gesetzten Mond und den riesengroßen Raubtieraugen – die dennoch eine tödliche Intelligenz verraten – hat es mich auf Anhieb neugierig gemacht.
Die Inhaltsangabe war dann schnell gelesen und die Anfrage bald gestellt, ob ich es lesen darf. Aber selbst wenn ich es nicht als Rezensionsexemplar erhalten hätte – allein wegen des Covers wäre dieses Buch auf jeden Fall auf meinem Smartphone gelandet.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Hier wird es etwas schwer, ohne zu spoilern.
Auf jeden Fall hat der Autor eine sehr dichte Geschichte geschrieben, die ich in Hinblick auf einige besondre Punkte erschreckend realistisch fand.
Brandur und Anja wollen einen zwei Jahre alten Fall aufrollen, um herauszufinden, was wirklich geschah, als eine junge Frau brutal ermordet wurde. Diverse Gruppierungen jedoch mögen es gar nicht, wenn in ihren Geheimnissen herumgeschnüffelt wird – und geben das den beiden Ermittlern auch regelmäßig mehr als deutlich zu verstehen.
Ganz nebenbei erfährt man außerdem, dass in bayerischen Dörfern nicht zwingend alle Menschen erzkatholisch sein müssen, so Einiges über keltische Kulte und das Verhalten von Waldtieren.
Mir wäre auch sonst keine Unstimmigkeit aufgefallen, auch nicht bei der Charakterzeichnung (auch wenn ich über beide Menschen gerne mehr erfahren hätte) und das Buch ist in sich geschlossen, könnte jedoch durchaus eine Fortsetzung zulassen – ich würde mich freuen.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Ein lachendes und ein weinendes Auge hier.
Ich mochte die Sprache aus „Mondlüstern“ sehr. Manchmal erinnerte sie mich ein wenig an Jules Verne, war etwas altertümlich angehaucht und… ja, ich habe in den Amazon-Rezensionen gesehen, dass manche Leser diese Sprache schrecklich fanden. Bei mir hat die Sprache einen Nerv getroffen, ich mochte es sehr, dass ein Autor sich mal traut, komplexere Worte zu wählen, lange Sätze zu bauen und das Ganze sprachlich ein wenig anders aufzuziehen, als 80% der Thrillerautoren, die ich bisher gelesen habe.
Hat auch sehr gut zum Fall, zur Atmosphäre und zum Okkultismus in diesem Buch gepasst und mir als Fan von anspruchsvoller Sprache und kuriosen Worten auf jeden Fall gefallen.
Manchmal gerieten dadurch jedoch die Sätze einen Hauch zu verschwurbelt, es fehlte ein Wort oder war falsch geschrieben. Das ist nicht schlimm, aber doch schade.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Fazit:

Ich habe nach dem Lesen noch lange über die Implikationen und ja, die philosophischen Hintergründe hinter dem Konzept dieses Thrillers nachgedacht – das Buch hat also einen Nachhall hinterlassen, der mich die Welt ein Stückweit anders sehen lässt.
Ganz abgesehen davon, dass ich mich glänzend unterhalten gefühlt habe von dem ungleichen Duo Brandur und Anja, von den Polarforschern auf dem U-Boot und dem hohen Miträtselfaktor.
Ein sprachlich schöner, spannender und innovativer Thriller, nach dem ich den Autor auf alle Fälle im Auge behalten werde. Das hat gefallen!
In der Endbewertung runde ich auf 5 FeuerFlocken auf, da der Wermutstropfen mit den fünf oder sechs Rechtschreibfehlern im Prinzip winzig ist und für mich das Gesamtergebnis nicht getrübt hat, man solche Fehler gerade in eBooks außerdem schnell beheben kann, sodass künftige Leser sie sowieso nie zu Gesicht bekommen.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Danke an O’Connell Press für das Rezensionsexemplar! Ich hatte viel Spaß beim Lesen :).

Alice Andres – Punk’s Undead (Punk’s Undead #1)

Veröffentlicht am

Titel: Punk’s Undead
Autorin: Alice Andres
Verlag: O’Connell Press
Genre: Horror
Seiten: 479 KB entsprechen rund 120 Seiten.
Format: eBook
ASIN: B014K61UDA
Das Buch auf der Verlagshomepage

Das Buch hat es echt, echt in sich – und ich bin eigentlich als recht begeisterte King-Leserin Vieles gewohnt.
Dafür, dass es nur 120 Seiten lang ist, ist es nicht nur sehr actiongeladen, es bietet auch einiges an Verwicklungen zwischen den Charakteren und viel Weltenbau – man erfährt Einiges über die Eigenschaften der Nosferatus (wenn auch offensichtlich nicht alles) und dennoch bleibt genug offen, um sich auf die Fortsetzung zu freuen.
Laura ist ein vielschichtigerer Charakter, als man anfangs annimmt und auch Olly ist weitaus mehr, als er zu sein scheint.
Nerdige Anspielungen und viel Musik runden das Ganze ab.
Mein Highlight war eine Diskussion, in der zwei Nosferatus darüber reden, wer alles ein Punk war – der eine führt Falco ins Rennen, der andere Goethe. Ich musste so lachen, weil ich spontan an Falcos „Rock me Amadeus“ denken musste…
Aber nun… die ausführliche Buchbesprechung.

Cover:

Das Cover ist anders als die, die ich sonst vom Verlag gewohnt bin. Mit dem körnigen Schwarzweißfoto eines Punkmädchens und der Schriftart zeigt es sofort, dass dieses Buch hart wird. Auch wenn die Schrift fast verspielt wirkt mit ihrem Effekt der teils leeren Buchstaben, die wie aufgesprayt wirken. Als hätte jemand Schablonen und Negative von Schablonen nebeneinander auf Asphalt gelegt.
Wenn man genau genug hinsieht, erkennt man übrigens in der oberen rechten Ecke die Schatten von Waffen, die sich auf das Punkmädchen richten. Das Detail wäre mir bei der Betrachtung des Covers auf dem Handy gar nicht aufgefallen, finde ich aber jetzt im Nachhinein sehr schön.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Das Buch steigt schnell ein, schafft es aber dennoch, die Atmosphäre gut einzufangen. Das versiffte Gelände irgendwo in der osteuropäischen Pampa, die bunten und kreativ frisierten Punks und mittendrin… Laura. Wie aus einer Werbung für Hello-Kitty-Artikel entsprungen.
Das alles ist sehr lebendig und wird für den Leser ziemlich schnell lebendig – schnell genug, um Laura augenblicklich in Kampfhandlungen zu verwickeln, die einfach nur cool sind…
Ich bin ganz ehrlich, auch wenn ich nicht so aussehe (okay, im Internet ist das ein ziemlich blöder Satz 😀 ), mag ich gut choreografierte Kampfszenen, rasante Verfolgungsjagden und Armbrustschießereien. Jep. Keine Gewehre. Eine Armbrust.
Aber auch abseits der coolen Kampfsequenzen passiert Einiges – im Zwischenmenschlichen ist zwischen den Figuren nichts so einfach, wie es scheint und auch der Weltenbau ist gar nicht so simpel, wie es anfangs vorkommt. Eigentlich wollte ich ja sofort nach dem Lesen eine Fallstudie schreiben, jetzt will ich aber erstmal die Folgebände abwarten, denn es wartet die eine oder andere Überraschung.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Mir hat die Sprache hier sehr gut gefallen. Alice Andres arbeitet sehr zielsicher, ohne Floskeln oder unnötiges Drumherumgerede. Wenn ein Arm abgebissen wird, dann wird ein Arm abgebissen. Punkt.
Dieser schonungslose Stil vermengt sich immer mal mit Lauras anschaulichen Vergleichen, die gerade wenn sie schwärmt, auch durchaus ins Poetische abgleiten können – dabei aber immer authentisch bleiben. Ja, so fühlt man sich als junges Mädchen in einer solchen Situation wohl, so denkt und spricht man.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Ein Vampirroman, der anders ist als das, was ich sonst in der Richtung lese – normalerweise bevorzuge ich Romane aus Sicht der Vampire und habe es nicht so mit Vampirjägern.
Hier war die Story allerdings so spannend und die Kämpfe so faszinierend, dass ich nicht aufhören konnte zu lesen.
Außerdem wird zwar aus einer Sicht geschildert, aber die Vampire haben durchaus Tiefgang, der über „sind zum Töten da“ hinausgeht.

Ich freue mich auf Band 2.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Danke an O’Connell Press und Alice Andres für das Rezensionsexemplar!

Marie Graßhoff – Kernstaub – Über den Staub an Schmetterlingsflügeln (Kernstaub #1)

Veröffentlicht am

Titel: Kernstaub – Über den Staub an Schmetterlingsflügeln
Autorin: Marie Graßhoff
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
Genre: Science Fiction? Fantasy? Science Fantasy? Schwer zu sagen.
Seiten: 822 Seiten entsprechen 1516 KB
Format: Kindle eBook
ASIN: B0178U5IEM
Das Buch auf Amazon – falls ihr keinen Reader habt und nicht auf dem Smartphone lesen wollt, gibt es auch eine Taschenbuchausgabe.

Ich bin Fangirl geworden. Ernsthaft. Ja, der Roman ist ziemlich lang (das Taschenbuch ist 822 Seiten lang) und es handelt sich um ein Independent-Werk, das die Autorin – etwas mehr als einen Monat jünger, als ich – da selbst herausgebracht hat.
Und es ist eins der schönsten und tiefgreifendsten Bücher, die ich je gelesen habe. Vom Ranking würde ich das sofort mit zu meinen Favoriten tun und es völlig gleichwertig neben „Harry Potter“, „ASOIAF“ und Co. in mein gedankliches „Beste Reihen“-Rega stellen.
Hier wird eine Welt aufgebaut, die auf einem komplexen System aus Seelenwanderung, Wiedergeburt und der Macht des Kerns beruht – doch jedes System hat einen Störfaktor. Den Kernstaub. Mara.
Alle sagen Mara, sie müsste sich einfach töten lassen und das Universum könnte ewige Glückseligkeit erlangen – doch stimmt das wirklich?
Die poetische Schreibweise, die es schafft, auch Unsagbares in Worte zu verpacken, drang direkt in mein Herz und die Geschichte an sich ist so ungewöhnlich und gleichzeitig so menschlich, dass ich immer weiterlesen wollte, sobald ich erst in der Story drin war.
An dieser Stelle würde ich gerne eine kleine Anekdote erzählen: „Kernstaub“ war das erste Buch, das ich bei der Autorin als Rezensionsexemplar für diesen Blog angefragt habe. Mich hat die Leseprobe gereizt und die Autorin war so lieb und hat in einem Bloggerforum Leseexemplare angeboten. Damals hatte ich allerdings ein ziemlich verbuggtes Billig-Android und die einzige Version des Buches, die ich zum Laufen bringen konnte, war die PDF-Fassung (mit der ich jedes Mal neu die Stelle suchen musste, an der ich aufgehört habe, weil die App das bei der PDF-Version nicht abgespeichert hat). Dann hat Marie im Dezember 2014 das Buch über Create Space veröffentlicht (davor gab es das Buch soweit ich weiß nur über Marie, es war gar nicht frei erhältlich) und ich habe die Gelegenheit genutzt, um es mir herunterzuladen – der Prolog hat mich zappelig werden lassen, ich wollte mehr, aber… mein blödes Handy musste kaputtgehen und landete in Reperatur. Durch Schusseligkeiten seitens der Post, der Reparaturstelle etc. bekam ich es erst im Februar wieder und im März war es schon wieder kaputt. Dieses Mal mit einer neuen Android-Version, bei der aber die Reader-App dauernd abgestürzt ist, weil das Handy hardwaretechnisch die Leistung nicht verkraftet hat. Args.
Dann hat Marie angekündigt, eine Leserunde auf Lovelybooks zu veranstalten. Mir wurde ein neues Handy geschenkt.
Und ich konnte endlich, 8 Monate nach dem ersten Kontakt mit Marie, das Buch lesen. Dann aber konnte ich einfach nicht aufhören und war innerhalb absurd kurzer Zeit fertig…

Cover:

Scheinbar gibt es auch ein „altes“ Cover, das habe ich allerdings glaube ich gar nicht mehr zu Gesicht bekommen. Ich kenne es jedenfalls nur mit dem „neuen“ Cover – also dem schwarz-orangen Bild von einem zerstörten Planeten und der Silhouette zweier Menschen vor Wolken und Sternen.
Ich mag das Cover unheimlich gern. Es ist eines dieser Cover, die perfekt zur erzählten Geschichte passen. Der zerstört wirkende Planet und das sich ausbreitende Band aus Licht kommen ganz konkret in der Geschichte vor und die zwei Menschen könnten die Protagonistin und ihr Begleiter sein.
Ich schaue es mir eigentlich sehr gerne an und es macht sich optisch auch sehr gut auf einem 5,7-Zoll-Display.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Hier wird eine Welt ausgebreitet, die sehr vielschichtig ist und ich bin mir immer noch sicher, dass wir noch gar nicht all ihre Facetten gesehen haben.
Mara lebt in einer Sphäre – einem abgespalteten Abbild der Welt zwischen dem 14ten und dem 22sten Jahrhundert, das sich immer und immer wiederholen wird – und weiß nicht, dass in der Wirklichkeit inzwischen mehrere Jahrhunderte vergangen sind und die Welt wie Mara sie kennt längst nicht mehr existiert.
Doch nicht nur die Welt ist anders als gedacht – so gut wie jeder Mensch aus Maras näherer Umgebung ist nicht der, der er oder sie auf den ersten Blick zu sein scheint. Am Allerwenigsten aber Mara selbst.
Sie muss sich nicht nur mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass die Welt wie sie sie kennt eigentlich nur eine Illusion ist – sie muss auch lernen zu verstehen, dass sie die einzige Störung im System ist und seit acht Milliarden Jahren gejagt wird. Angeblich müsste sie nur sterben, damit alle Seelen der Welt irgendwann in der Lage sind, absolute Seeligkeit zu erlangen.
Doch was ist eigentlich der Kernstaub?

Ein komplexer Weltenbau, eine komplexe Geschichte und viele Themen, die uns alle angehen. Marie Graßhoff spricht in diesem Roman Umweltverschmutzung, menschliche Verblendung im ewigen Haschen nach „besser, schneller, reicher“, Kriege, Grausamkeit aber auch zeitlose Schönheit an. Es ist lange her, seit ein Roman ein so tiefes Echo in mir hinterlassen hat, dass ich auch Tage nach dem Fertiglesen immer noch gelegentlich daran denke und mit einer schmerzlichen Sehnsucht im Herzen wissen möchte, wie es weitergeht.

Das haben eigentlich nur wenige Buchreihen in diesem Maße bei mir geschafft.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Die Sprache ist Geschmackssache.
Mir persönlich gefällt diese Art Sprache. Voller Metaphern und ungewöhnlicher Sprachbilder, schafft Marie Graßhoff es, sogar Dinge wie die völlige Auflösung des Ichs in einem Schwarm Schmetterlinge oder die Zersplitterung einer Seele in Worte zu kleiden.
Wundervolle, kostbare und mehrdeutige Worte, in die ich mich oft hineinlegen könnte und die mich oft eher an ein Prosagedicht erinnert haben und weniger an eine tatsächliche Geschichte.
Und so manches Wort trifft dabei einfach mitten ins Herz, samt Widerhaken, bleibt stecken und tut weh. So schön geschrieben ist das – für mich.
Da ich aber weiß, dass nicht alle diese Art von Sprache mögen, würde ich euch empfehlen, in eine Leseprobe reinzuschnuppern. Ich jedenfalls war begeistert.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Habe ich schon erwähnt, dass ich mich in dieses Buch verliebt habe und nun sehnsüchtig darauf warte, dass „Weltasche“ erscheint?
Ich glaube, der Reader war noch ganz heiß von meinem schnellen Lesen, da habe ich auch die kleine Zusatzgeschichte zum Roman regelrecht inhaliert.
„Kernstaub“ ist ein sehr philosophisches, aber gleichzeitig durchaus auch actionreiches Buch mit ungewöhnlichem Weltenbau, faszinierenden Romanfiguren und einer Sprache, die unglaublich poetisch ist.
Wer ein ungewöhnliches Buch mit sehr ernsten gesellschaftskritischen Anklängen und einer düsteren Stimmung lesen möchte, für den ist „Kernstaub“ perfekt.

Feuerflocke fünf Sterne Klein
Disclaimer: Ja, ist das nun ein Rezensionsexemplar oder nicht, wenn man den Beginn dieses Blogposts berücksichtigt? Naja, vermutlich nicht wirklich. Aber ich möchte den Disclaimer nutzen, um Marie dafür zu danken, die Leserunde moderiert zu haben. Es war wunderbar, mit dir über das Buch zu diskutieren, Zusatzfragen zu stellen und ganz besonders tief in die Welt von Mara einzutauchen!

Antje Wagner – Unland

Veröffentlicht am

Titel: Unland
Autorin: Antje Wagner
Verlag: Gulliver (gehört zu Beltz & Gelberg)
Genre: Jugendthriller
Altersempfehlung: ab 13 Jahren (Empfehlung des Verlags)
Seiten: 381
Format: Taschenbuch
ISBN: 978-3407745118
Das Buch auf der Verlagshomepage

Ich glaube, das ist – gleich nach „Die Verteidigung der Missionarsstellung“ von Wolf Haas, das ich für schlicht nicht rezensierbar halte und darum immer noch nicht für den Blog rezensiert habe – das am Schwersten rezensierbare Buch, das ich je in den Händen gehabt habe.
Was nicht bedeutet, dass es schlech ist. Ganz im Gegenteil. Es ist eins der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Mich hat schon sehr lange kein Buch so derartig mitgenommen, so stark emotional involviert. Ich habe gelacht, beinahe geweint und mich auf das Heftigste gegruselt.
Es ist einfach nur sehr schwer für mich zu beschreiben. Aber zum Glück habe ich hier so ein wunderbares Raster für Rezensionen, das macht es für mich leichter, ein unglaublich gutes Buch anständig zu besprechen.

Cover:

Das Cover überrascht. Eigentlich ist es ein ganz normales Foto von einem ganz normalen Wald. Eigentlich.
Hätte man es nicht auf die Seite gekippt. Was zur Folge hatte, dass ich erst irgendwo in der Buchmitte es überhaupt gemerkt habe und auch das nur, weil ich das Buch in der Ablage unter einem Glastisch verstaut habe und mir ein Lichtlein aufging, als ich es von schräg oben zufällig ansah, ohne es zu fokusieren.
Und jetzt, da ich es mir nach der Lektüre noch mal ganz intensiv anschaue… Das sind alles die gleichen, skelettartig tot wirkenden Bäume und ein bisschen trockenes Moos unten drunter. Auf die Seite gekippt.
Ohne zu spoilern, passt das unheimlich gut zum Inhalt.
Und da ich beim Cover auch die Stabilität und Verarbeitung mitbewerte: Auch die passt. Gerade weil ich erfahren habe, dass man das Buch auch als Schullektüre im Deutschunterricht liest. So ein Buch muss einen Tag in einem Ranzen überleben können und dieses hier kann das eindeutig.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Der Inhalt ist schnell erzählt. Franka muss aus Berlin ins verschnarchte Waldburgen ziehen – dort erhält sie die Chance, in einer betreuten Jugendwohngemeinschaft zu leben.  Doch als Heimkind in ein Dorf hineinzufinden, wo jeder jeden kennt, ist schwierig – besonders wenn man nicht der Norm entspricht.
Doch neben dem ganz alltäglichen Wahnsinn von Kleinkariertheit, Mobbing und Kindheitstraumata hat Waldburgen ein finsteres Geheimnis.
Wieso sollte die Gemeinde diese komischen schwarzen Ruinen namens Unland umzäunen?
Die Welt ist hier sehr dicht – man bekommt als Leser langsam kleine und kleinste Hinweisfitzelchen gefüttert, aber die Auflösung war doch noch mal ein ganzes Stück heftiger, als ich gedacht hätte.
Hier gibt es zwei mögliche Lesarten, die ich gleichberechtigt nebeneinander stellen würde – die Fantasylesart und die über Gefühlslandschaften im romantischen (als Literaturepoche!) Sinne des Wortes.
Beide Lesarten sind verstörend, beide regen zum Nachdenken an.
Auch die Figuren haben einen Absatz hier verdient. Denn die fand ich auf eine faszinierende Art und Weise sehr echt – man lernt sie über Äußerlichkeiten kennen und bildet sich als Leser fast automatisch Vorurteile – die dann systematisch dekonstruiert werden. Das ist ein Buch zum Mitdenken und Reflektieren, auch auf der Figurenebene.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Da hat sich die Autorin etwas einfallen lassen.
Sprachlich brilliant und wunderbar ausgewogen, mit aktuellen Songtexten, die immer genau von den Dingen handeln, die die Kinder unausgesprochen lassen müssen oder nicht auszusprechen wagen und die ich immer als sehr passend empfand. Wobei ich generell zu denen gehöre, die Songtexte in Büchern mögen.
Dazu spielt sie mit Schriftart und Schriftgröße. Wo es nötig ist, wird da schon mal auf Frakturschrift, immer größere Buchstaben oder krakelige Handschrift zurückgegriffen und das gibt dem Buch eine Authenzität und eine Echtheit, die angesichts des Plots ein unendlich weites Feld an Interpretationen und weiteren Gedanken auftut.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Wie gesagt, die Rezension fällt mir sehr schwer – weil „Unland“ auf eine Art und Weise die Emotionen anspricht, die es schwer macht, nachträglich darüber zu reflexieren. Einfach weil die Worte fehlen.
Hier werden so viele Themen angesprochen. Ausgrenzung, Normalität, Gewalt, Jugendkriminalität, Identität, Sexualität, Selbstfindung… das ganze Spektrum dessen, was Jugendliche, aber auch viele Erwachsene auf jeden Fall herumtreibt und das auf eine Weise, die ich als sehr intensiv empfand.
Bei diesem Buch empfehle ich aber, gerade wenn die Leser sehr jung sind, es mit den Eltern oder mit anderen Jugendlichen zu lesen und sich auszutauschen. Es lohnt sich.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Ich habe das Buch im Rahmen einer Leserunde im Katze-mit-Buch-Forum gelesen und das Buch dafür vom Verlag gestellt bekommen. Vielen Dank für das Buch und für eine spannende, lehrreiche Leserunde mit Antje Wagner, die sich unseren Fragen stellte. So viele Einblicke in die Entstehung des Buches, die Hintergründe der Handlung, ins Schreibhandwerk… Toll! Und danke an alle Mitleserinnen für ihren Input – der mich oft sehr nachdenklich gemacht hat und Perspektiven aufzeigte, die ich von selbst gar nicht wahrgenommen hätte.