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Nora Bendzko – Wolfssucht

Veröffentlicht am
Abbildung mit freundlicher Genehmigung der Autorin

Abbildung mit freundlicher Genehmigung der Autorin

Titel: Wolfssucht
Autorin: Nora Bendzko
Distributor: Amazon Create Space
Genre: Horror, Märchenadaption
Altersempfehlung: 16+ (ob 18+, ist Ansichtssache – ich finde ja, geistig reifen Teenagern kann man es zumuten, aber das ist meine persönliche Meinung)
Seiten: 125
Format: Kindle eBook (Print verfügbar)
Coverdesign by: Emanuel Santer
ASIN: B01FI6RJQI
Das Buch auf Amazon

Seit einigen Jahren interessiere ich mich für Märchenadaptionen und Märchen. So verfolge ich beispielsweise seit geraumer Zeit den Read-Watch von Mari Ness auf tor.com, wo oftmals auch die historischen Hintergründe und Ursprungsgeschichten von Märchen auftauchen.
Im Rahmen meines aufkeimenden Interesses für die Hintergründe hinter den Märchen habe ich auch selbst einen Märchenadventskalender für mein Forum geschrieben (mit zufälligen Märchen und meinen Romanfiguren als Protagonisten) und im Rahmen dieses Kalenders unter anderem – weil wir bei „Wolfssucht“ sind – eine Gay-Romance-Version von „Rotkäppchen“ verfasst :D.
Entsprechend konnte ich nicht widerstehen und musste SOFORT auf „kaufen“ tippen, als ich erfuhr, dass Nora Bendzko eine Märchennovelle veröffentlicht hat. Ich dachte mir: „So, wie du die Autorin kennst, kann das nur etwas schaurig Schönes werden“.
Und ich wurde nicht enttäuscht.
Cover:

Man nehme alle Elemente, die in der Geschichte tatsächlich vorkommen, werfe sie in ein Kaleidoskop und drehe, drehe, drehe.
So kommt mir das Cover vor. Es ist eine Herausforderung.
Sofort fällt die Silhouette des Mannes ins Auge und man fragt sich – ist das beim Kopf eine Frontansicht und er schreit oder ist das eine Lichtspiegelung? Eine Sinnestäuschung? Die Bäume?
Erst auf den zweiten Blick fallen die unzähligen Details auf. Die blutigen Bäume vor einem winterweißen Himmel. Etwas, das das Fell eines Tieres sein könnte. Rote Locken, die sich unter Wasser zu kringeln scheinen. Oder ist das der Stoff, aus dem Rotkäppchens roter Mantel genäht wird?
Und das Eine verblendet mit dem anderen, bis man nicht mehr erkennt, wo was aufhört und anfängt.
Angesichts des Inhalts ein unfassbar prägnantes Cover, das sehr eindringlich erzählt, worum es in der Geschichte gehen wird. Ich liebe ja solche Cover, die im Grunde genommen alles vorwegnehmen – aber gleichzeitig nicht zu viel verraten.

Feuerflocke fünf Sterne Klein
Inhalt:

Ich war positiv überrascht. Die Grundgeschichte vom Rotkäppchen kennt jeder – aber Nora Bendzko erzählt sie anders. Sie bettet die Geschichte in den Kontext des Dreißigjährigen Krieges ein und ist sehr sorgfältig darin, die historische Epoche sensibel zu zeichnen.
Der zweite Punkt, in dem sie großartig ist, ist die psychologische Entwicklung. Alle Charaktere mit all ihren Traumata und den daraus folgenden Verhaltensweisen sind unfassbar gut ausgearbeitet und sehr realistisch dargestellt.
Was eigentlich passiert, ist schwer, ganz kurz zu erzählen, ohne zu spoilern – ich zitiere am Besten den Klappentext:

Irina musste als Kind mit ansehen, wie ihre Schwester Leonore ermordet wurde. Nur weil Skandar, der Sohn des Jägers, sie beschützte, ist Irina noch am Leben.
Selbst als Erwachsene verfolgen sie die Bilder des brutalen Mordes. In ihrem Dorf fühlt sie sich ausgestoßen. Hinter ihrem Rücken nennt man sie verflucht. Allein Skandar will Irina für sich gewinnen. Als er sein Ziel nicht erreicht, schlägt seine Zuneigung in Gewalt um. Irina muss fliehen.
Doch »es« lauert immer noch da draußen. Im finsteren Wald. Leonores Mörder hat Irina nicht vergessen.
Ihre erneute Begegnung setzt blutige Ereignisse in Gang, die das ganze Dorf ins Verderben zu reißen drohen …

Aber es ist unfassbar rasant erzählt und ich konnte mit Irina mitfühlen, auf jeder Ebene der Geschichte.

Feuerflocke fünf Sterne Klein
Sprache:

Ich kann bei diesem Buch Sprache von Symbolen nur ganz schwer trennen, darum beides hier, auch wenn die Symbole größtenteils inhaltlicher, weniger sprachlicher Natur waren.
Die Autorin kann erzählen. Und zwar sowas von.
Packend, verstörend und so, dass ich immer wieder nachgedacht habe und den einen oder anderen Satz auf Symbolgehalt abklopfen musste. Sie verwebt geschickt Farbsymboliken (Blut auf Schnee, das rote Käppchen, der weiße Hirsch als König des Waldes) mit sprachlich dichten Bildern, die noch lange vor Augen bleiben.
Für mich sprachlich genau richtig.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Eine Novelle, die unfassbar dicht und sprachlich schön eine altbekannte Geschichte völlig neu und spannend erzählt. Ich bin vom Schreibstil, der Geschichte an sich und der sorgfältigen Recherche von Nora Bendzko hellauf begeistert und es wird nicht meine einzige Geschichte dieser Jungautorin bleiben.

Wer düstere Novellen mit hohem Symbolgehalt mag und nicht vor der einen oder anderen sehr eindringlichen Szene zurückschreckt, wird hoffentlich genauso viel Freude mit „Wolfssucht“ haben, wie ich.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

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Thomas Neumeier – Mondlüstern

Veröffentlicht am

Titel: Mondlüstern
Autor: Thomas Neumeier
Verlag: O’Connell Press
Genre: (okkulter) Thriller
Seiten: 1066 KB entsprechen 274 Seiten
Format: eBook
ASIN: B011DTKDB2
Das Buch auf der Verlagshomepage

Ein sehr spannender Thriller, der das Thema „Okkultismus“ gekonnt mit einem spannenden Kriminalfall verbindet, bei dem einerseits ganz klassisch mit Verdächtigen gesprochen und Verfolgungsjagden inszeniert werden, andererseits jedoch schlicht nichts so ist, wie es scheint.
Am Ende mischen so viele Parteien mit unterschiedlichen Interessen mit, dass die Geschichte schön komplex wird – und als dann eine Art Online-Big-Brother ins Spiel kommt, eskaliert die Situation völlig.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, auch wenn sich an einigen Stellen das Ermittlerpaar im Kreis gedreht hat. Aber das war nicht schlimm. Die zwei sind so herrlich unterschiedlich, dass es Spaß macht, ihre Diskussionen mitzuverfolgen.

Die Freundin des dänischen Polizisten Brandur Christensen wird von unbekannten Wesen brutal ermordet – und er zieht sich vom Dienst zurück. Doch dann erregt ein ähnlicher Fall aus Deutschland sein Interesse und er beginnt, zusammen mit der Esoterikautorin Anja Kahrmann zu ermitteln. Was geschah damals wirklich? Und was hat das mit dem Mord an seiner Freundin zu tun?

Cover:

Hier gebe ich ganz ehrlich zu, dass das Cover der Grund war, aus dem ich das Buch überhaupt angeklickt (und später dann angefragt habe). Mit dem wunderschön und gleichzeitig irgendwie unheimlich hinter die Wolken gesetzten Mond und den riesengroßen Raubtieraugen – die dennoch eine tödliche Intelligenz verraten – hat es mich auf Anhieb neugierig gemacht.
Die Inhaltsangabe war dann schnell gelesen und die Anfrage bald gestellt, ob ich es lesen darf. Aber selbst wenn ich es nicht als Rezensionsexemplar erhalten hätte – allein wegen des Covers wäre dieses Buch auf jeden Fall auf meinem Smartphone gelandet.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Hier wird es etwas schwer, ohne zu spoilern.
Auf jeden Fall hat der Autor eine sehr dichte Geschichte geschrieben, die ich in Hinblick auf einige besondre Punkte erschreckend realistisch fand.
Brandur und Anja wollen einen zwei Jahre alten Fall aufrollen, um herauszufinden, was wirklich geschah, als eine junge Frau brutal ermordet wurde. Diverse Gruppierungen jedoch mögen es gar nicht, wenn in ihren Geheimnissen herumgeschnüffelt wird – und geben das den beiden Ermittlern auch regelmäßig mehr als deutlich zu verstehen.
Ganz nebenbei erfährt man außerdem, dass in bayerischen Dörfern nicht zwingend alle Menschen erzkatholisch sein müssen, so Einiges über keltische Kulte und das Verhalten von Waldtieren.
Mir wäre auch sonst keine Unstimmigkeit aufgefallen, auch nicht bei der Charakterzeichnung (auch wenn ich über beide Menschen gerne mehr erfahren hätte) und das Buch ist in sich geschlossen, könnte jedoch durchaus eine Fortsetzung zulassen – ich würde mich freuen.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Ein lachendes und ein weinendes Auge hier.
Ich mochte die Sprache aus „Mondlüstern“ sehr. Manchmal erinnerte sie mich ein wenig an Jules Verne, war etwas altertümlich angehaucht und… ja, ich habe in den Amazon-Rezensionen gesehen, dass manche Leser diese Sprache schrecklich fanden. Bei mir hat die Sprache einen Nerv getroffen, ich mochte es sehr, dass ein Autor sich mal traut, komplexere Worte zu wählen, lange Sätze zu bauen und das Ganze sprachlich ein wenig anders aufzuziehen, als 80% der Thrillerautoren, die ich bisher gelesen habe.
Hat auch sehr gut zum Fall, zur Atmosphäre und zum Okkultismus in diesem Buch gepasst und mir als Fan von anspruchsvoller Sprache und kuriosen Worten auf jeden Fall gefallen.
Manchmal gerieten dadurch jedoch die Sätze einen Hauch zu verschwurbelt, es fehlte ein Wort oder war falsch geschrieben. Das ist nicht schlimm, aber doch schade.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Fazit:

Ich habe nach dem Lesen noch lange über die Implikationen und ja, die philosophischen Hintergründe hinter dem Konzept dieses Thrillers nachgedacht – das Buch hat also einen Nachhall hinterlassen, der mich die Welt ein Stückweit anders sehen lässt.
Ganz abgesehen davon, dass ich mich glänzend unterhalten gefühlt habe von dem ungleichen Duo Brandur und Anja, von den Polarforschern auf dem U-Boot und dem hohen Miträtselfaktor.
Ein sprachlich schöner, spannender und innovativer Thriller, nach dem ich den Autor auf alle Fälle im Auge behalten werde. Das hat gefallen!
In der Endbewertung runde ich auf 5 FeuerFlocken auf, da der Wermutstropfen mit den fünf oder sechs Rechtschreibfehlern im Prinzip winzig ist und für mich das Gesamtergebnis nicht getrübt hat, man solche Fehler gerade in eBooks außerdem schnell beheben kann, sodass künftige Leser sie sowieso nie zu Gesicht bekommen.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Danke an O’Connell Press für das Rezensionsexemplar! Ich hatte viel Spaß beim Lesen :).

Sarah Ockler – #skandal

Veröffentlicht am
Quelle: Randomhouse Bloggerportal

Quelle: Randomhouse Bloggerportal

Titel: #skandal
Autorin: Sarah Ockler
Verlag: cbt (gehört zu Random House)
Genre: Jugendbuch
Altersempfehlung: Ab 14 Jahren (Verlagsempfehlung)
Seiten: 416
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-570-16298-9
Das Buch auf der Verlagshomepage

Die Beschreibung liest sich zwar wie eine relativ konventionelle Teenie-Schnulze, aber da ich in letzter Zeit irgendwie einen Narren an Jugendbüchern über und mit Social Networks gefressen habe, konnte ich nach „Marias letzter Tag“ featuring Youtube einfach nicht an „#skandal“ featuring Facebook vorbei. Wenn als Nächstes noch ein Roman über twitternde Jugendliche käme, wäre ich begeistert – da treibe ich mich nun mal am Liebsten herum.
Zum Glück ist Lucy alles andere als so ein typisch girliges Klischeemädchen, das sich am Liebsten die Zehennägel rosa färbt und ungefähr so viel Hirn wie Kastenbrot hat. Im Gegenteil. Lucy ist intelligent, gut in der Schule, eine gepiercte Gesellin mit gefäbrtem Haar, einem riesigen Schäferhund namens „Night of the living Dog“ und hat „im Teamplay Zombies schnetzeln“ als Haupthobby, wenn sie nicht gerade Gothic-Stiefel spazieren führt. Dass eine Liebesgeschichte also auch einem Mädchen passieren kann, das nicht in der rosaroten Zuckerwelt lebt, fand ich herrlich erfrsichend und natürlich konnte ich mich mit ihr besser identifizieren.

Cover:

Auf dem Cover sind tatsächlich Cole und Lucy – und vermutlich authentische Markierdingsdas bei Facebook (ich nutze dieses Tool nie, deswegen habe ich es noch nie in freier Wildbahn gesehen)  – wie sie gerade auf ihrem Kussfoto markiert werden.
Als Cover die Schlüsselszene zu nehmen, mit der alles beginnt, ist nicht unclever.
Ich persönlich mag normalerweise keine Fotocover. Ich mag, um ehrlich zu sein, absolut keine Fotocover, da die bei mir immer irgendwie einen billigen Nachgeschmack hinterlassen. Man nehme ein Foto und tue Schrift drauf, fertig.
Hier fand ich das durch die Markierkreise nicht mal unbedingt so schlimm. Immerhin ist das Buch selbst ein schönes, wertiges Hardcover – auch wenn ich persönlich für die neonpinke Umschlaginnenseite eher wenig Sympathie habe. Ich mag Pink nun mal nicht und schon gar nicht in Neon. Was cbt und die dortigen Buchdesigner können, ist aber definitiv stimmige Gestaltung – Blautöne auf dem Cover (Himmel), Blau-Neonpink-Kontraste durchgängig bei der Buchgestaltung durchgehalten.
Aber mir persönlich hätte doch ein Cover besser gefallen, das zumindest vom Motiv her einen Tick wertiger rüberkommt, als das Foto.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Inhalt:

Eigentlich ist Lucy absolut kein Fan von Abschlussbällen und würde viel lieber daheim sitzen und mit ihrer Gruppe Zombies schnetzeln. Aber da ihre beste Freundin Elli mit Grippe im Bett liegt, muss Lucy in Ellis Kleid und mit Ellis Freund Cole zu Ellis Ball. Ehe sie sichs versieht, landet sie dabei auf der Afterparty und… küsst Cole.
Ehe sie auch nur die geringste Chance hat, die Sache in Ordnung zu bringen, tauchen Bilder davon auf Facebook auf – und eine Woge des Hasses bricht über Lucy herein. Was kann sie tun, um da wieder rauszukommen? Und wem kann sie eigentlich vertrauen?
Einer meiner Hauptkritikpunkte am Inhalt ist Cole. Der Junge  ist ein Bilderbuchschwarm – Schlagzeuger, gutaussehend, ebenfalls mit Hund.  Abgesehen davon erfährt man über ihn allerdings nicht viel. Er ist halt da und will geliebt werden, ist auch immer für Lucy da und hält sie von Fehlern ab. Aber abgesehen davon bleibt er für mich blass. Fast, als wäre er ausschließlich vorhanden, weil nun mal für die Geschichte ein Quotenschwarm gebraucht wird, ist aber ansonsten kaum relevant.
Interessanter ist hier die Rolle einer gewissen lokalen Berühmtheit, die mehr mit Lucy zu tun hat als man denkt und das Rätsel, wer die geheimnisvolle „Miss Behave“ ist, die regelmäßig dazu aufruft, Skandalöses auf ihre Seite zu posten.
Stellenweise fand ich es vorhersehbar, stellenweise zog es sich für mich ein bisschen und ich hatte das Gefühl, dass eigentlich nichts passiert.
Auch wenn das Buch dennoch sehr kurzweilig war, hätte ich mir hier schlicht mehr Tempo und Feuer gewünscht. Es wirkte oft zu sehr auf kleiner Flamme geköchelt.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Sprache:

Was ich an dem Roman wirklich gemocht habe, war wie echt die Jugendlichen und ihre Kommunikation untereinander wirkte. Da werden Facebooknachrichten, SMS und andere Sachen abgedruckt, die sich lesen, als hätten sie wirklich lebende und atmende Teenager aus dem 21sten Jahrhundert geschrieben.
Viele Verweise auf aktuelle Bücher und Serien, echte Nerds, die nicht wie peinliche Sockenpuppen wirkten. Das war sympathisch und hat auch über so manche Länge in der Handlung hinweggetröstet. Auch wenn eigentlich nichts passiert, man kann immer noch die sprachliche Güte der Kommunikation genießen und das habe ich auch.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:
Ein wenig störte mich an einigen Stellen die Vorhersehbarkeit – was aber dadurch wettgemacht wird, dass die Autorin mich auch so manches Mal eiskalt völlig auf dem falschen Fuß erwischt hat.
Aber es ist ein nettes Buch und die Liebesgeschichte rückt nicht so wahnsinnig in den Vordergrund, dass es mich nerven würde – wo sie aber vorkommt, wird sie sehr schön geschildert.
Das Buch ist auf jeden Fall grundsolide und durchaus unterhaltsam, kann aber beispielsweise von der emotionalen Intensität und der Unaufdringlichkeit der Message einfach nicht mit dem weiter oben verlinkten „Marias letzter Tag“ mithalten. Auch wenn das Thema durchaus ernst ist, dringt hier nun mal doch zu sehr der eher amerikanische locker-flockige Roman durch. Mir fehlte etwas Tiefgang, Ansätze wären da durcaus vorhanden (Elli wächst bei zwei weiblichen Elternteilen auf, Promis und Leidbewältigung, Social Media, Verschwörungstheorien etc.), wurden aber oftmals nicht so ausgenutzt, wie es möglich gewesen wäre.
Feuerflocke vier Sterne Klein

Disclaimer: Gelesen im Rahmen einer Leserunde auf „Katze mit Buch“ – danke für mein Exemplar und für den gemeinsamen Lesespaß!

A. K. Benedict – Die Eleganz des Tötens

Veröffentlicht am

Titel: Die Eleganz des Tötens
Autorin: A. K. Benedict
Verlag: Knaur TB
Genre: Thriller (mit Fantasy-Elementen?)
Seiten: 576
Format: Taschenbuch
ISBN: 978-3-426-51320-0
Das Buch auf der Verlagshomepage

Die Idee ist eigentlich ziemlich cool – aber ich bin mir immer noch nicht sicher, ob mir das Buch eigentlich gefallen hat oder nicht. Und das ist mir noch nie bei einem Buch passiert.
Das Konzept der Zeitreisen in diesem Buch ist richtig, richtig cool. Auch, wie es freien Willen, Determinismus und dergleichen auf die Probe stellt. Ein solches Konzept habe ich in der Form noch nirgends vorgefunden und werde es irgendwann für die Weltenschmiede aufarbeiten, auch wenn es ziemlich komplex ist und ich dafür das ganze Buch noch mal durchkämmen muss.
Killigan ist auch eine recht interessante Persönlichkeit und der Killer ein toller Antagonist. Hier scheint auf den ersten Blick eigentlich alles zu stimmen.
Würde daraus eine Serie, würde ich die Fortsetzung vermutlich sogar lesen.
Und dennoch kann ich einfach keine vernünftige Meinung zu diesem Buch abgeben und ich weiß nicht mal so richtig, wieso.

Cover:

Ich gebe ehrlich zu, dass das Cover einer der Gründe war, aus dem ich überhaupt Interesse an dem Buch hatte und es mir als Prämie bei „Was liest du“ gegen meine Punkte eintauschen wollte. Rein optisch hat der Designer hier also nichts falsch gemacht. Die Maske in Verbindung mit dem Titel macht neugierig und hat mich dazu gebracht, das Buch anzuklicken, den Klappentext zu lesen und die Prämie zu bestellen.
Die Ernüchterung folgte dann beim Lesen. Schon vom ersten Aufklappen des Buches hat der Rücken sich sehr hässlich gewellt und obwohl ich – gerade weil mir die miese Qualität der Pappe aufgefallen ist – bei diesem Buch extra vorsichtig war, werden sich die Seitenklappen wohl bald lösen und das Bild rubbelt sich bereits leicht ab. Vom Buchrücken rede ich lieber gar nicht erst.
Das Buch sieht inzwischen aus, als hätte ich es gekaut.
Aus diesem Grund massiver Flockenabzug. Ein „Quality Paperback“ ist das nämlich nicht.

Feuerflocke zwei Sterne Klein

Inhalt:

Stephen Killigan ist neu in Cambridge – er versucht dort, Philosophie zu unterrichten.
Doch ehe er sichs versieht, verstrickt er sich in ein Netz aus Lügen, Widersprüchen und Intrigen. Wer ist das tote Mädchen, über das er stolpert, das jedoch bald darauf spurlos verschwunden ist? Wer steckt hinter dem Tod an der seit einem Jahr vermissten Schönheitskönigin Miranda? Und welche Geheimnisse verbirgt Killigan selbst?
Zeitreisen, eine schrullige Mathematikprofessorin, eine heiße Bibliotheksangestellte und ein völlig durchgeknallter Philosophieprofessor, der sich gerne tote Menschen ansieht. Dazu ein Antagonist, der so charismatisch und gleichzeitig so fies ist, dass es eigentlich Spaß machen sollte.
Die Betonung liegt auf eigentlich. Es ist alles da, was eine gute Geschichte ausmachen sollte. Dennoch hatte ich oft das Gefühl, die Story an sich eiert ziemlich herum.
Mal begleiten wir den Killer, wie er sein undurchsichtiges Netz aus Zeitreisen spinnt und sich dabei in selbstherrlichen und Kommentaren ergeht. Dann wieder Killigan, der ein so sprunghafter Erzähler ist, dass ich manchmal mehrmals lesen musste, um zu verstehen, was diese krude Andeutung jetzt bedeuten soll. Dazu kommt, dass mir Killigan nicht immer völlig rational handelt. Okay, eine Affäre mit dem Schwarm des besten Freundes, wenn es nun mal funkt, sei ihm verziehen, es beruht ja auf Gegenseitigkeit und Lana kann selbst entscheiden, mit wem sie anbändelt. Aber wieso Killigan diesen irren Todesethiker nicht mal anzeigt oder dass es bei der Zeitreise ja nieeemandem auffällt, dass er andere Klamotten trägt oder völlig anders spricht als die Menschen dieser Zeit (in 400 Jahren dürfte sich das gesprochene Englisch massiv verändert haben) und überhaupt…
Und einige andere Elemtente, bei denen ich das Gefühl hatte, dass sie nur drin waren, weil sie halt in einen Thriller mit einem Psychopathen reingehören, die aber sonst überflüssig waren. Es fühlte sich aufgesetzt und deplatziert an.
Drei FeuerFlocken hier, ich mochte immerhin die Zeitreisen an sich und die perfide Verstrickung der Zeitlinien.
Feuerflocke drei Sterne Klein

Sprache:

Die Sprache fand ich eigentlich an sich nicht schlecht. Sie hat mir meistens sehr gut gefallen, aber das, was ich oben angemerkt hab, gilt natürlich hier insbesondere.
Es gibt schlicht keinen Unterschied zwischen den Sprechern aus dem siebzehnten Jahrhundert und den modernen Sprechern. Nicht, dass sie alle sofort krude sprechen müssten, aber wenigstens ein bisschen historisieren wäre schon schön. Gerade wenn die Autorin doch selbst englische Literatur studiert, müsste sie eigentlich wissen, wie unterschiedlich die englische Sprache zu verschiedenen Zeiten war und insbesondere wenn sie Menschen aus anderen Schichten auftreten lässt, kann ein bisschen Zeitkolorit nicht schaden. Das fehlte für mich völlig. Vermutlich diente es dazu, Killigans Verwirrung glaubhafter zu machen, weil er so natürlich nicht sofort kapiert, wo er gelandet ist und vor allem wann – aber auf mich als Historienfan wirkte das unglaubwürdig und konstruiert.
Gerade am Ende wird die Sprache außerdem so verschwurbelt, dass ich schlicht nicht immer erkennen konnte, was gemeint ist. Und ich lese in meiner Freizeit Schriften über Quantenphysik …
Feuerflocke drei Sterne Klein

Fazit:

Nach einer kurzen Lektüre der Rezensionen unter anderem bei Amazon stelle ich fest, dass ich nicht die Einzige bin, die das Buch schwer einordnen kann. Es hat Elemente, die durchaus gelungen sind und reizvoll daherkommen. Gleichzeitig kommt keine echte Spannung, keine echter Nervenkitzel auf. Alles bleibt irgendwie auf einer Ebene, auf der ich als unbeteiligte Zuschauerin eher desinteressiert verfolge, wie sich die einzelnen Storylines mal auseinanderwickeln.
Grundsätzlich hätte Killigan als Philosophiedozent und Zeitreisender aber durchaus Potential zu einem interessanten Thrillerprotagonist.

Kurz habe ich überlegt, bei diesem Buch ohne Bewertung zu bleiben – weil es schwer fällt, es in FeuerFlocken zu fassen. Im Prinzip kann ich es aber auch eigentlich einfach als das deklarieren, als was ich es wahrgenommen habe: Durchwachsenes Mittelmaß.

Feuerflocke drei Sterne Klein

Disclaimer: Das Buch habe ich als Prämie bei „Was liest du?“ angefordert, im Austausch gegen 20.000 Punkte. Ob das als Rezensionsexemplar zählt, weiß ich nicht – eigentlich nicht – aber ich gebe lieber einmal zu oft die Herkunft eines Buches an :).

Stephen Fry – Geschichte machen

Veröffentlicht am

Titel: Geschichte machen
Autor: Stephen Fry
Verlag: Büchergilde Gutenberg (meine Ausgabe)
Genre: Science Fiction
Seiten: 460
Format: Hardcover
ISBN: 9783763247653
Das Buch ist bei Büchergilde Gutenberg nicht mehr erhältlich, meine Ausgabe stammt allerdings auch von 1996. Inzwischen erscheint das Buch beim Aufbau Verlag.

 
Die Hauptthese dieses Buches lautet im Prinzip: Wäre es nicht Hitler gewesen, hätte jemand anders es getan. Geschichte ist nicht nur an Persönlichkeiten gebunden und irgendwann wäre jemand gekommen, der die politischen Wirren in Deutschland ausgenutzt hätte.
Mir gefiel der sehr schwarze Humor, die teilweise sehr kreative Metaphorik, permanente Selbstreflexion des Protagonisten und die zahlreichen Episoden, die in Drehbuchform geschrieben wurden.
Ein sehr unterhaltsames Buch mit einer ernsten Botschaft.

Cover:

Es ist unglaublich hässlich. Und das meine ich völlig ernst. Ich habe keine Ahnung, ob ich das Buch in die Hand genommen hätte, wenn es nicht bei einem Bücherflohmarkt in der 25-Cent-Grabbelkiste gelegen hätte und ich das Gefühl hatte „Hm, Stephen Fry, der Name sagt mir irgendwas, aber ich komme nicht darauf was, mal Buch in die Hand nehmen und anschauen“.
Leider finde ich nirgends das Cover online zum Verlinken und da ich keine Rechte verletzten will, verzichte ich hier auch auf ein Foto des Covers.
Der Schutzumschlag ist … nazibraun, abgebildet ist ein kotbrauner Kinderwagen, in dessen Innerem sich eine sepiafarbene Weltkugel befindet. Wie gesagt, unfassbar hässlich und da ich das Buch gebraucht erworben habe, von den Händen von Vorbesitzern auch schon entsprechend ausgefranst. Bei der Farbwahl bezweifle ich allerdings, ob der Schutzumschlag neu wesentlich schöner ausgesehen hat. Ich vermute mal nicht.
Abgesehen davon ist das Ding aber schön robust und auch nach beinahe einem Jahrzehnt auf dem Buckel ist das Buch OHNE den unglaublich hässlichen Schutzumschlag sehr gut in Schuss. Bei diesem Cover muss ich mir aber zu Recht die Frage stellen, was sich die Verleger anno 1996 dabei gedacht haben…
Zwei FeuerFlocken hierfür, da das Buch immerhin stabil dem Zahn der Zeit trotzt.

Feuerflocke zwei Sterne Klein

Inhalt:

Der Ich-Erzähler Michael Young ist Doktorand in Geschichte und hat eine – mehr oder weniger – wissenschaftliche Arbeit über die Kindheit und Jugend von Hitler und wie sie sich auf sein späteres Verhalten auswirkt, geschrieben.
Diese Arbeit ist ein Teil des Romans – wenn nicht gerade der Ich-Erzähler Michael erzählt, dann erfahren wir per Draufblick, was Hitlers Vater Alois oder Hitlers Mutter tut. Später schauen wir auch Hitler selbst über die Schulter.
Ein Zufall führt ihn zu Professor Zuckermann, sie kommen auf seine Doktorarbeit zu sprechen und… auf Zuckermanns geheimen Traum. Er möchte dafür sorgen, dass Hitler niemals existiert hat – und er hat die Mittel dazu.
Keine klassische Zeitmaschine, muss ich anmerken. Statt dessen eher ein höchst komplexes Gerät, mit dessen Hilfe man mit viel Mühe, Not und unter großer Kräfteaufwendung eine Substanz in die Vergangenheit schicken kann. Die Vergangenheit selbst sieht man als Ansammlung von Bildschirmgewusel, nichtssagend für den Laien.
Leider läuft erstens immer alles anders und zweitens als man denkt.
Als Michael Young in der alternativen Welt auftaucht, stellt er nicht nur fest, dass er als Einziger noch seine Erinnerung an die Vergangenheit – wie sie für ihn stattgefunden hat – hat und… dass in Hitlers nichtexistenzbedingter Abwesenheit Dinge geschehen sind, die die tatsächlichen Ereignisse in den Schatten stellen…
Es gibt nur eine Lösung für dieses Problem.

Es gab hier einige Fallstricke – nicht zuletzt das mit dem Zeitparadox, der Geschichtsschreibung (ich habe, weil das bei alternativer Historie immer eine gute Idee ist, die reale Historie soweit möglich nachgeschaut und verglichen) und das Ganze auch noch spannend und abwechslungsreich zu gestalten.
Der Autor hatte mich hier jederzeit am Haken und ich habe trotz gründlicher Suche keine Fehler in der Zeitreisenargumentation gefunden.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:
Die teilweise herrlich experimentell geschriebenen Kapitel aus der Sicht von Michael im Kontrast zu den Kapiteln aus der Sicht der Menschen aus der Vergangenheit sorgen nicht nur dafür, dass man die einzelnen Teile gut unterscheiden konnte und somit nie den Überblick über das große Ganze verlor. Sie erlaubten es Stephen Fry auch, sein ganzes Repertoire an Erzähltechniken abzufeuern: Skurill, umgangssprachlich, jugendlich kreativ? Check. Maschinengewehrstil? Check. Großer Blick für die klassische Erzählung aus der Er/Sie-Perspektive? Kann er auch. Und Tagebücher. Und Dialoge. Und Briefe.
Manchmal wirkte mir Youngs Ausdrucksweise einen Tick gewollt, aber… das kann durchaus auch am Übersetzer liegen, der zwar vermutlich sehr gute Arbeit geleistet, den Slang eines Londoner Doktoranten aus den 90ern aber nun mal nicht zu 100% ins Deutsche retten kann, weil das gar nicht geht.
Ich runde darum mal von 4,5 FeuerFlocken auf 5 auf.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Ein Buch, das sich unfassbar lustig liest, gleichzeitig aber sehr schwere und wichtige Themen anschneidet – einer dieser Fälle also, in denen Science-Fiction auf intelligente und unterhaltsame Weise nicht nur eine gewisse Portion Humor und Eskapismus bereithält, sondern auch wichtige Weisheiten vermittelt.
Die Person von Hitler wird hierbei in meinen Augen nicht heruntergespielt. Der Mann war und bleibt auch in diesem Roman ein Scheusal. Was der Roman aber klar zeigt: Er war bei Weitem nicht das einzige Scheusal, das auf Erden wandelte und obwohl er Schreckliches getan hat, hätte dieses Schreckliche (vielleicht in Details anders) genauso gut auch irgendein anderer machthungriger Spinner tun können, wenn es keinen Hitler gegeben hätte.
Irgendwann hätte die Weimarer Republik ihren Diktator gehabt und wäre untergegangen. Irgendwann wäre die Welt, wie man sie bis dahin kannte, zusammengebrochen. So oder so.
Und das ist in gewissem Sinne… unfassbar fatalistisch und traurig, einer Epoche zu attestieren, dass sie in jedem Fall erbarmungslos auf eine Katastrophe zugeschlittert ist, die nicht mehr aufgehalten werden konnte.
Das ist auf jeden Fall ein Roman, über den ich immer noch nachdenke und an den ich vor allem als Erstes denke, wenn ich mich in „wenn X nicht wäre“-Gedanken vertiefe.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

(Ihr habt doch nicht wirklich geglaubt, dass ich dem tollen, gesellschaftskritischen und sehr lesenswerten Roman für die Coverkatastrophe einer vergriffenen Auflage Punkte abziehen würde? 😉 )

Alexandra Kui – Marias letzter Tag

Veröffentlicht am

Cover powered by Randomhouse BloggerportalTitel: Marias letzter Tag
Autorin: Alexandra Kui
Verlag: cbt
Genre: Jugendbuch
Altersempfehlung: Ab 14 Jahren (Empfehlung des Verlags)
Seiten: 288
Format: Hardcover
ISBN:978-3-570-16317-7
Das Buch auf der Verlagshomepage

Das Buch ist sehr liebevoll gemacht. Mit verschiedenen Schriftarten für verschiedene Teile des Textes, mit mehreren Schwarzweiß-Fotos, kleinen Play-Zeichen an jedem Kapitelbeginn und eine Art Tagwolke mit unterschiedlichen Schriftgrößen.
Auch sonst ist an dem Buch so Einiges experementiell – dieses Buch darf zur anspruchsvolleren Jugendlektüre gezählt werden, die auch mich gepackt und nicht mehr losgelassen hat, sodass dies eins dieser Bücher wurde, die ich an die absurdesten Orte mit mir mitgeschleppt (und obwohl mir davon schwindelig wurde, sogar auf dem Hometrainer gelesen) habe.
Sehr gekonnt baut die Autorin hier nämlich zwei Parallelwelten auf – die Dorfwelt der Erwachsenen, in der jeder jeden kennt, jedes Jahr die gleichen Feste gefeiert werden und jedes Ereignis die Runde macht – und die Welt der Teenager im Internet, in der man sein Leben nicht mit ein paar hundert, sondern mit tausenden von Menschen teilt und in der Trends sich auf eine Weise hochschaukeln können, wie sich die Offliner es kaum vorstellen können.
Was ich toll fand, war, dass das Netz nicht per se verteufelt oder verurteilt wird. Smartphones und Social Networks sind Teil des Lebens – aber während die Jugendsünden früher kaum Konsequenzen hatten, weil im Idealfall schlicht niemand von ihnen erfuhr, vergisst das Internet nie (und gleichzeitig sofort, wenn man nicht dauernd auf sich aufmerksam macht) und Lou fehlt mit sechzehn der Weitblick für das, was sie losgetreten hat und nicht mehr eingedämmt bekommt.
Sehr realistisch auch, dass Jugend hier nicht mehr das gelobte Land ohne Sorgen ist. Die Probleme der Jugendlichen fühlen sich ernstgenommen und authentisch an.

Hier findet ihr eine Leseprobe!
Cover:

Zunächst einmal: Es ist ein Hardcover und ich liebe Hardcover. Sie sind formschön, sie sind stabil, ja geradezu unverwüstlich. Auch wenn sie dadurch ein bisschen schwerer sind als man es von einem Taschenbuch gewohnt ist.
In Natur sieht es nicht nur genauso gut aus wie auf dem Bild, es ist auch sehr griffig – das Buch selbst ist, nimmt man den Schutzumschlag ab, nämlich genauso rot wie die Schrift. Dafür ist die innere Kartoneinlage wieder grün, genauso wie die Bindung selbst. Wodurch das Buch selbst einfach sehr schön verarbeitet wirkt und ich es gerne in die Hand genommen habe.
In die Coverbewertung fließt für mich ja immer auch die Gesamtgestaltung und Stabilität ein – und das ist bei diesem Buch sehr gut gelöst. Viele Schriften, viele kleine Details, passende Schwarzweiß-Fotos.
Egal wie man zum Inhalt steht – allein aus bibliophiler Sicht ist das Buch ein Gesamtkunstwerk und ich finde es schön, so ein Schätzchen jetzt auch in meiner Sammlung zu haben.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Lou hat Sorgen, Lou hat Ängste, Lou ist so mit sich selbst beschäftigt, dass sie nicht bemerkt, wie mit ihrer Freundin irgendetwas nicht stimmt – bis gemunkelt wird, Maria wäre vor den Zug gesprungen.
Sie beschließt, sich ihren Ängsten zu stellen und darüber YouTube-Videos zu drehen. Doch sie hat nicht damit gerechnet, dass ihre Botschaft völlig anders verstanden wird und ihre Idee außer Kontrolle gerät.

Mir hat der Aufbau hier sehr gut gefallen – Lou ist ein moderner Teenager und entsprechend laufen ihre Gedanken und Erinnerungen weder chronologisch noch sehr zielgerichtet ab. Diese natürliche, sprunghafte Erzählweise ermöglicht es, auf eine ganz andere Art und Weise Spannung aufzubauen – denn man weiß nie, wann das Video, die Rückblende, der Gedankenstrom endet und man erfährt, wie es mit Lou und ihren Videos weitergeht. Das war für mich sehr authentisch gelöst und einer der Gründe, aus denen ich das Buch kaum aus der Hand legen wollte – obwohl ich es musste, bei einer Leserunde muss ja etappenweise etwas kommentiert werden.

Inhalt und Form haben hier ein für mich persönlich sehr rundes Gesamtpaket abgegeben, nicht zuletzt, weil meine eigene Teeniezeit noch nicht so lange her ist und ich mich oft schön einfühlen konnte.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Dieser Roman spielt sehr schön mit Sprache – vom bewussten Einsatz von Songtexten über typografische Unterschiede bei verschiedenen Textsorten, verschiedene Schriftgrößen und mal mehr, mal weniger fragmentarische Sätze wird sehr authentisch nachgezeichnet, wie ein permanent vernetztes Kind unserer Zeit denkt.
Ironischerweise fällt mir jetzt erst, beim Tippen dieser Rezension, mal auf, dass das Buch im Präsens geschrieben ist – eine Wahl, die ich im Vorfeld gar nicht reflektiert habe, die ich aber jetzt im Zusammenhang mit dem Thema als klug gewählt empfinde. YouTube, Videos, das alles ist gefrorene Gegenwart, die sich immer und immer wieder abrufen lässt.
Es verwundert mich, weil mir Präsens normalerweise insofern auffällt, dass ich das Gefühl habe, etwas stimmt nicht oder stört. Das hatte ich bei diesem Buch nicht. Wie gesagt, das Präsens ist mir erst aufgefallen, als ich für diese Rezension noch mal durchgeblättert habe. So schön organisch muss man das erstmal hinbekommen! 😀
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Das Netz ist unerbittlich, vergisst nie und gleichzeitig sofort, will immer mehr und mehr – und irgendwann ist der Contentlieferer entmenschlicht und das Netz bricht wie eine Flutwelle über ihm zusammen. Es sei denn, man passt von Anfang an auf, was man in dieser virtuellen Welt macht – die, anders als es vielen vorkommt, eben keine Parallelwelt ist, sondern ein Teil unseres Lebens. Genauso, wie Angst ein Teil unseres Lebens ist, mit dem man den richtigen Umgang lernen muss.
Das ist die starke Botschaft eines starken Buches.
Mir persönlich hat es gut gefallen, in der Leserunde ist mir aber aufgefallen, dass Leser, die weit weg von Teenagern oder modernen Netzthemen sind, sich weniger gut einfühlen konnten.
Von mir gibt es dennoch eine uneingeschränkte Leseempfehlung – für Jugendliche und internetaffine Jugendbuchleser jeden Alters :).

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Ich las das Buch im Rahmen einer Leserunde auf „Katze mit Buch“ – vielen Dank für diese Möglichkeit und vielen Dank an die Autorin Alexandra Kui für die Begleitung der Leserunde! Es war die zweite Leserunde für mich mit dieser Autorin und es war wieder schön und interessant, sich mit der Autorin selbst auszutauschen *-*

Antje Wagner – Unland

Veröffentlicht am

Titel: Unland
Autorin: Antje Wagner
Verlag: Gulliver (gehört zu Beltz & Gelberg)
Genre: Jugendthriller
Altersempfehlung: ab 13 Jahren (Empfehlung des Verlags)
Seiten: 381
Format: Taschenbuch
ISBN: 978-3407745118
Das Buch auf der Verlagshomepage

Ich glaube, das ist – gleich nach „Die Verteidigung der Missionarsstellung“ von Wolf Haas, das ich für schlicht nicht rezensierbar halte und darum immer noch nicht für den Blog rezensiert habe – das am Schwersten rezensierbare Buch, das ich je in den Händen gehabt habe.
Was nicht bedeutet, dass es schlech ist. Ganz im Gegenteil. Es ist eins der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Mich hat schon sehr lange kein Buch so derartig mitgenommen, so stark emotional involviert. Ich habe gelacht, beinahe geweint und mich auf das Heftigste gegruselt.
Es ist einfach nur sehr schwer für mich zu beschreiben. Aber zum Glück habe ich hier so ein wunderbares Raster für Rezensionen, das macht es für mich leichter, ein unglaublich gutes Buch anständig zu besprechen.

Cover:

Das Cover überrascht. Eigentlich ist es ein ganz normales Foto von einem ganz normalen Wald. Eigentlich.
Hätte man es nicht auf die Seite gekippt. Was zur Folge hatte, dass ich erst irgendwo in der Buchmitte es überhaupt gemerkt habe und auch das nur, weil ich das Buch in der Ablage unter einem Glastisch verstaut habe und mir ein Lichtlein aufging, als ich es von schräg oben zufällig ansah, ohne es zu fokusieren.
Und jetzt, da ich es mir nach der Lektüre noch mal ganz intensiv anschaue… Das sind alles die gleichen, skelettartig tot wirkenden Bäume und ein bisschen trockenes Moos unten drunter. Auf die Seite gekippt.
Ohne zu spoilern, passt das unheimlich gut zum Inhalt.
Und da ich beim Cover auch die Stabilität und Verarbeitung mitbewerte: Auch die passt. Gerade weil ich erfahren habe, dass man das Buch auch als Schullektüre im Deutschunterricht liest. So ein Buch muss einen Tag in einem Ranzen überleben können und dieses hier kann das eindeutig.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Der Inhalt ist schnell erzählt. Franka muss aus Berlin ins verschnarchte Waldburgen ziehen – dort erhält sie die Chance, in einer betreuten Jugendwohngemeinschaft zu leben.  Doch als Heimkind in ein Dorf hineinzufinden, wo jeder jeden kennt, ist schwierig – besonders wenn man nicht der Norm entspricht.
Doch neben dem ganz alltäglichen Wahnsinn von Kleinkariertheit, Mobbing und Kindheitstraumata hat Waldburgen ein finsteres Geheimnis.
Wieso sollte die Gemeinde diese komischen schwarzen Ruinen namens Unland umzäunen?
Die Welt ist hier sehr dicht – man bekommt als Leser langsam kleine und kleinste Hinweisfitzelchen gefüttert, aber die Auflösung war doch noch mal ein ganzes Stück heftiger, als ich gedacht hätte.
Hier gibt es zwei mögliche Lesarten, die ich gleichberechtigt nebeneinander stellen würde – die Fantasylesart und die über Gefühlslandschaften im romantischen (als Literaturepoche!) Sinne des Wortes.
Beide Lesarten sind verstörend, beide regen zum Nachdenken an.
Auch die Figuren haben einen Absatz hier verdient. Denn die fand ich auf eine faszinierende Art und Weise sehr echt – man lernt sie über Äußerlichkeiten kennen und bildet sich als Leser fast automatisch Vorurteile – die dann systematisch dekonstruiert werden. Das ist ein Buch zum Mitdenken und Reflektieren, auch auf der Figurenebene.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Da hat sich die Autorin etwas einfallen lassen.
Sprachlich brilliant und wunderbar ausgewogen, mit aktuellen Songtexten, die immer genau von den Dingen handeln, die die Kinder unausgesprochen lassen müssen oder nicht auszusprechen wagen und die ich immer als sehr passend empfand. Wobei ich generell zu denen gehöre, die Songtexte in Büchern mögen.
Dazu spielt sie mit Schriftart und Schriftgröße. Wo es nötig ist, wird da schon mal auf Frakturschrift, immer größere Buchstaben oder krakelige Handschrift zurückgegriffen und das gibt dem Buch eine Authenzität und eine Echtheit, die angesichts des Plots ein unendlich weites Feld an Interpretationen und weiteren Gedanken auftut.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Wie gesagt, die Rezension fällt mir sehr schwer – weil „Unland“ auf eine Art und Weise die Emotionen anspricht, die es schwer macht, nachträglich darüber zu reflexieren. Einfach weil die Worte fehlen.
Hier werden so viele Themen angesprochen. Ausgrenzung, Normalität, Gewalt, Jugendkriminalität, Identität, Sexualität, Selbstfindung… das ganze Spektrum dessen, was Jugendliche, aber auch viele Erwachsene auf jeden Fall herumtreibt und das auf eine Weise, die ich als sehr intensiv empfand.
Bei diesem Buch empfehle ich aber, gerade wenn die Leser sehr jung sind, es mit den Eltern oder mit anderen Jugendlichen zu lesen und sich auszutauschen. Es lohnt sich.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Ich habe das Buch im Rahmen einer Leserunde im Katze-mit-Buch-Forum gelesen und das Buch dafür vom Verlag gestellt bekommen. Vielen Dank für das Buch und für eine spannende, lehrreiche Leserunde mit Antje Wagner, die sich unseren Fragen stellte. So viele Einblicke in die Entstehung des Buches, die Hintergründe der Handlung, ins Schreibhandwerk… Toll! Und danke an alle Mitleserinnen für ihren Input – der mich oft sehr nachdenklich gemacht hat und Perspektiven aufzeigte, die ich von selbst gar nicht wahrgenommen hätte.