RSS-Feed

Schlagwort-Archive: Dark Fantasy

Dominique Stalder – Der Wanderer: Die schwarzen Klippen [Der Wanderer #1]

Veröffentlicht am

Titel: Der Wanderer: Die schwarzen Klippen
Autor: Dominique Stalder
Verlag: SadWolf Verlag
Genre: Fantasy / Dark Fantasy
Altersempfehlung: härter als der Prolog, eher ab 16
Seiten: 340
Format: eBook
Coverdesign by: Yulia Raschetova
Mit Illustrationen des Autors
ASIN: B01MSLVFWE
Das Buch auf der Verlagshomepage

Die Rezension des Prologbandes findet ihr hier.

In dieser habe ich mich übrigens gefragt, ob es berechtigt ist, den Band als Prolog zu zählen oder ob es genauso gut auch „Band 1“ hätte heißen können – und hier Band 2.

Inzwischen kann ich diese Frage beantworten. Es macht tatsächlich Sinn, den Vorband als Prolog zu sehen. Er bildet in gewissem Sinne einen Kreis – auch wenn der Wanderer nach dem Ende weiter als am Anfang ist. Band 1 dagegen stellt die Weichen für eine lineare Handlung: Von diesem Punkt an geht es nur noch vorwärts.
Dieses Buch habe ich im Zuge einer Blogtour gestellt bekommen. Es ist meine erste Blogtour und bedeutete für mich: Erstmal das Buch extra gründlich lesen, dann ein Thema finden und dann einen nichtspoilernden Sachtext darüber schreiben. Ob es mir gelungen ist, könnt ihr hier beurteilen. Das Gewinnspiel ist zwar schon vorbei, aber wir können uns dort gerne weiter über gegensätzliche Frauen in der Literatur unterhalten.

Im Vergleich zum Prolog geht es in diesem Band nochmals rauer, brutaler und mit NOCH fieseren Dilemmata weiter.

Cover:

Das ist eigentlich fast noch schöner als das zum Prolog. Ich gehöre zu den Leuten, die durchaus Menschen auf Covern mögen – sofern es Menschen sind, die so auch im Buch vorkommen (und nicht irgendwelche generischen Pseudohotties, die mit der Handlung nichts zu tun haben 😀 ).
Und ich gehöre zu denen, die gezeichnete Cover mögen.
Dieses hier ist toll. Es zeigt den Wanderer und es zeigt wichtige Stationen der Handlung – die Dämonen, die verängstigte Maela, den Wanderer und seine Kräfte… und andere kleine Details.
Anders als im Cover zum Prolog habe ich hier auch nichts am Schriftbild auszusetzen. Das hier ist einfach bildschön und stimmt auf das Buch ein.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Der Fluch lässt den Wanderer nicht schlafen. Jede Nacht muss er sich im wahrsten Sinne des Wortes gegen seine Dämonen wehren. Doch die schrecklichsten Monster sind immer noch die in Menschengestalt – wie die schwarzen Reiter, die er dabei erwischt, ein junges Mädchen schänden zu wollen.
Doch Maelas Rettung bringt für ihr Heimatort Uriatha nicht nur Gutes. Und der Wanderer muss sich fragen, ob er den Menschen dort am Ende nicht mehr Schaden zugefügt hat, als die anderen Fraktionen.
Dieses Buch hat es moralisch in sich. Anders als in lupenreiner Fantasy merkt man hier deutlich den Dark-Anteil heraus: Eine moralisch richtige Entscheidung hat nicht immer ausschließlich gute Folgen – oder wird überhaupt von allen als solche wahrgenommen. Sympathische Charaktere handeln auch mal kopflos und die Guten bauen manchmal gerade weil sie gut sind den größten Mist.
Fand ich sehr erfrischend in seinem Realismus und ist eine schöne Erweiterung der „Bad things happen to good people“-Trope.
Es gibt ausweglose Situationen, bei denen ich mich gefragt habe, wie der Autor DAS auflösen will. Wer das Buch gelesen hat, weiß vermutlich, welche Stellen ich genau meine.
Es gibt Spannung. Und es gibt Zweifel. Zweifel, mit dem nicht nur der Protagonist, sondern auch der Leser vergiftet wird.
Ich habe jedenfalls atemlos das ganze Buch verschlungen.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Die Sprache ist schonungsloser, was vielleicht nicht zuletzt daran liegt, dass es hier viel mehr Dialoge gibt als im Prolog.
Der Wanderer ist nicht mehr länger die meiste Zeit alleine und mit seinen Reflexionen beschäftigt, sondern führt recht viele Gespräche. Mit Maela, mit den Menschen in Uriatha und mit einigen eher unangenehmen Zeitgenossen.
Es passiert viel mehr und hier zeigt sich eine Stärke des Autors, die im Prolog gar nicht die Chance hatte, so offen zu Tage zu treten – die Dialoge. Man kann die Charaktere gut allein anhand dessen auseinanderhalten, wer wie spricht und sie sind lebendig geschildert.
Ich hatte die Orte und Menschen immer anschaulich vor Augen.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Man muss den Prolog nicht gelesen haben, um Band 1 zu verstehen – aber ich glaube, wenn man ihn kennt, macht das Buch einfach mehr Spaß.
Man sieht deutlich, wie sich der Autor zwischen den beiden Bändern weiterentwickelt hat. Band 1 löst dabei das Versprechen des Prologs ein. Es wird dunkler, es wird brutaler und es wird geradezu nervenzerfetzend spannend.
Und ich habe nichts auszusetzen 😀

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Vielen Dank an Dominique Stalder und den SadWolf Verlag für das Rezensionsexemplar! Die Blogtour hat Spaß gemacht.

Dominique Stalder – Der Wanderer: Die Schamanin – Prolog einer Saga – Extended Version [Der Wanderer #0]

Veröffentlicht am

Titel: Der Wanderer: Die Schamanin – Prolog einer Saga – Extended Version
Autor: Dominique Stalder
Verlag: SadWolf Verlag
Genre: Fantasy / Dark Fantasy
Altersempfehlung: durchaus auch für Jugendliche ab 14 geeignet, zartbesaitete Jugendliche eher ab 16
Seiten: 340
Format: eBook
Coverdesign by: Yulia Raschetova
Mit Illustrationen von Mariella A. Sprügl
ASIN: B01D5UWBJY
Das Buch auf der Verlagshomepage

Ja. Ich weiß. Schon wieder ein Rezensionsexemplar. Und daher werde ich dieses Jahr (und voraussichtlich auch nächstes Jahr für eine Weile) keins mehr annehmen und habe die entsprechende Seite bereits aktualisiert. Aber ich komme nicht mehr damit hinterher, auch mal das zu rezensieren, was ich privat lese. Aus Zeitgründen. Daher werde ich mir die Zeit nehmen und allen bereits erhaltenen Anfragen zu- oder absagen. Aber danach keine neuen mehr annehmen.

In Bezug auf die „Wanderer“-Reihe kommt noch etwa Nettes auf euch zu ;-). Ihr könnt gespannt sein, was.

Obwohl ich den SadWolf Verlag durchaus auf dem Schirm hatte, ist mir „die Schamanin“ irgendwie entgangen und so war ich dankbar, eine Kooperationsanfrage vom Autor zu erhalten und habe mich erstmal in das Cover verliebt.
Gelesen war es trotz der spärlichen Freizeit sehr schnell und ich bin in eine Welt eingetaucht, die mich zum Nachdenken angeregt hat. Ungewöhnlich ist hier vor allem die Form. Als Autorin höre ich ja an allen Ecken „Man soll nur dann einen Prolog als solchen bezeichnen, wenn man seinen Titel nicht in ‚Kapitel 1‘ ändern könnte, ohne dass der Leser einen Unterschied merkt“. Und auch wenn ich irgendwelchen Schreibtippsartikeln, die Dogmen predigen, immer sehr misstrauisch begegne, ist in den meisten davon zumindest ein Körnchen Wahrheit enthalten.
Nun war ich also sehr gespannt auf den Auftakt einer Reihe – auch wenn ich erst herausfinden kann, ob das Buch auch „Band 1“ hätte sein können, wenn ich den gelesen habe ;-).

Cover:

Wie schon erwähnt – das fand ich auf Anhieb toll.
Ich mag gezeichnete Cover. Ich mag die Farbgebung und den Stil, in dem die Figuren gehalten wurden – die ich sofort als ihre Vorbilder aus der Geschichte identifiziert habe. Mir gefällt die Farbgebung ebenso wie die langgestreckten, schmalen Figuren und das Spiel mit Licht und Schatten. Stehen die Figuren auf einer Lichtung? In einer Höhle? Auf einer Eisscholle mitten im Meer? Egal, wie genau man hinschaut, so richtig erkennt man es nicht und mal tritt die eine, mal die andere Deutung stärker hervor.
Einziger Wermutstropfen: Das Wort „Die Schamanin“ ist leider ohne Vergrößerung nicht gut lesbar.
Ansonsten ein sehr schönes, auch kompositorisch ausgewogenes Cover, die Designerin behalte ich auf alle Fälle im Blick.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Inhalt:

Ein Mann wacht nackt, ohne Erinnerung und ohne Namen an einem Strand auf. In einer Welt, die schon lange in einer ewigen Trübnis versunken ist, denn immerzu liegen Wolken über dem Land und zeigen nur nachts das Licht der Sterne.
Der Mann erinnert sich noch an das Gefühl von Sonnenschein und er spricht die Sprache des Landes, an dessen Strand er gespült wurde. Außerdem hat er ein eher rationales Weltbild, das sich hartnäckig gegen übernatürliche Erklärungen für etwas sträubt – zumindest zu Beginn seiner Reise.
Als Leser stellt man außerdem bald fest, dass er noch einige Dinge beherrscht, die ihm selbst nicht bewusst sind – jedoch sein Leben retten können.
Das ist übrigens etwas, was ich grundsätzlich sehr schwierig finde – wenn der Protagonist weniger weiß, als der Leser, kommt es oft zu frustrierenden Lesemomenten, bei denen man den Charakter einfach nur schütteln möchte. Dominique Stalder balanciert hier also auf Messersschneide, denn es ist leicht, eine solche Situation für anspruchsvolle und mitdenkende Leser zu vergeigen.
Hier kommt die Frustration nicht zuletzt darum nicht auf, weil man sich in den Mann ohne Gedächtnis hineinversetzen kann. Er weiß wirklich nicht, was in ihm steckt und wenn er es herauskitzeln kann, dann anfangs nur unvollständig und stümperhaft.
Eine weitere Stolperfalle ist, die Reise eines Helden zu schildern, der selbst nicht so genau weiß, wo er hingeht. Auch diesen Punkt fand ich gut gelöst. Der Mann hat zwar anfangs kein präzises Ortsziel, aber er hat die ganze Zeit das Wiederfinden seiner Erinnerungen im Sinn – und dafür muss er nun mal wandern.
Im Laufe des Romans wird die Welt, die den Wanderer umgibt, auch immer düsterer. Da wir als Leser immer nur so viel von ihr erfahren, wie der Protagonist, ist hier Denksport angesagt. Die Fragmente, die er von anderen Leuten erfährt, muss man als Leser selbstständig bewerten und zusammensetzen. Mag ich persönlich sehr und bin gespannt, ob sich in den weiteren Bänden auflöst, wo ich die falschen Schlüsse gezogen habe und wo nicht.
Schließlich nimmt die Handlung selbst immer mehr Fahrt auf – und die ganze Zeit bleiben wir dicht an einem Menschen, der voller Hoffnung nach dem kleinsten Strohhalm hascht um etwas wiederzufinden, das er nicht genauer beschreiben kann. Schamanin Drakatia nimmt sich des Wanderers an und bringt ihm bei, seine Kräfte zu gebrauchen. Aber was die einzelnen Personen wirklich motiviert, bleibt im Dunkeln.
Ich bin jedenfalls gespannt darauf, mehr von der Welt zu erfahren – und herauszufinden, wohin es einen Wanderer als Nächstes verschlägt.

Feuerflocke fünf Sterne Klein
Sprache:

Die Sprache empfand ich als stark auf den Punkt und präzise. Es wurde nichts beschönigt, es wurde aber auch keine übertrieben derbe oder pseudomittelalterliche Sprache verwendet. Fand ich schön, klar und authentisch.
Mir sind ab und zu ein paar Wörter aufgefallen, die doppelt im Satz standen. Da ist vermutlich beim Korrektorat oder Satz etwas verrutscht. Wenn es aber so oft passiert, dass es mir auffällt, muss ich da ein Flöckchen abziehen.
Ansonsten: Gut auf den Punkt, klar und immer anschaulich.

Feuerflocke vier Sterne Klein
Fazit:

Ein spannender Auftakt, bei dem der Weg das Ziel ist.
Gerne und mit Spannung gelesen. Eine Geschichte, bei der die Leser die Romanwelt zusammen mit dem Autor entdecken dürfen und in der sie gezwungen sind, sich andauernd ihre eigene Meinung über die Wesen und Ereignisse zu bilden.
Mir hat es Spaß gemacht und ich bin auf Band 1 sehr gespannt.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Disclaimer: Vielen Dank an Dominique Stalder und den SadWolf Verlag für das Rezensionsexemplar!

C. Svartbeck – Königsfalke (Spiegelmagie Band 1)

Veröffentlicht am

Titel: Königsfalke
Autor: C. Svartbeck
Verlag: Amazon Create Space
Genre: Dark Fantasy
Altersempfehlung: 16+ (ob 18+ oder nicht, darüber kann man streiten, aber meiner Meinung nach wurde nichts geschildert, was man einem weit entwickelten Teenager nicht zumuten könnte)
Seiten: 282 Seiten
Format: eBook / Kindle
Coverdesign by: der Autor gestaltete das Cover mit Hilfe von einem Bild des Künstlers breakermaximus und eines Bildes des Künstlers yyang selbst.
ASIN: B01H91CI3Y
Das Buch auf Amazon

Ich weiß noch, wie ich mal wieder ein wenig frustriert über eine Leseprobe aus einem größeren Verlag war, bei der ich das Gefühl hatte, die gleiche Geschichte zum 100000sten Mal präsentiert zu bekommen. Die gleiche Welt, die gleichen Völker … und dann sprang mich das Cover an und machte mich neugierig genug, um mich für das Buch und die Leserunde zu interessieren.
Und die Genrebezeichnung. Bei dunkler Fantastik, die in Richtung Grim&Gritty geht, habe ich mich momentan noch lange nicht sattgelesen und bin immer auf der Suche nach mehr Geschichten.
Der Königsfalke bietet vieles, was mich persönlich reizt. Der Weltenbaunerd in mir jubelt über eine Welt, die nicht an das europäische „Mittelalter“ angelehnt ist (dass 80% aller „Mittelalter“-Romane eigentlich an die frühe Neuzeit angelehnt sind, ist eine andere Baustelle *hust*) und mit einem innovativem Magiesystem aufwartet. Und immer wieder wird das, was man als Leser als Moral wahrnimmt, auf eine harte Probe gestellt – auch das ist etwas, was mir bei Büchern sehr wichtig ist. Wenn ich lese, will ich dabei an meine Grenzen gehen und über Dinge nachdenken müssen, über die ich sonst nie nachgedacht hätte.
Das hätte das Buch auf alle Fälle schon mal geschafft.

Cover:

Mir sprangen sofort die sehr kräftigen Farben ins Auge – die untere Seite des Covers leuchtet dem Leser regelrecht entgegen in feurigem Rot und glänzendem Metall. Hintergrund und Typografie sind dafür eher schlicht gehalten, nichts lenkt vom Hauptmotiv des Covers ab.
Ein – bei genauerem Hinsehen etwas seltsam gepanzerter – Mann mit Lanze und Pferd, über dem die Silhouette eines Falken schwebt.
Man kann ja von der Panzerung des Mannes halten, was man will (ich persönlich finde es taktisch unklug, Kopf und Schultern sehr stark zu bedecken und dann den Torso mit dem empfindlichen Bauchbereich nackt zu lassen – oder soll das ein Muskelpanzer sein?) – die Komposition „Mann mit Pferd“ und „Falke als Silhouette“ ist fr einen Kenner der Story dann doch außerordentlich treffend.
Hierzu kann ich nichts weiter sagen, ohne zu spoilern, denn was der Falke mit dem Krieger zu tun hat, ist essentieller Teil der Story.
Eine Flocke Abzug gibt es aber nicht für die fehlende Panzerung, sondern für irgendwas, das vor der Nase des Pferdes hing, aber nicht gut genug wegradiert wurde. Dieser Pixel fällt mir andauernd ins Auge, wenn ich das Cover anschaue und stört etwas.
Feuerflocke vier Sterne Klein

Inhalt:

Die Lieblingskonkubine von König Kanata bringt einen Sohn zur Welt, der später zum Feldherrn des Landes aufsteigen soll. Einige Zeit später bekommt auch die Hauptfrau des Königs ein Kind. Von da an sind nicht nur die Frauen, sondern auch deren Kinder erbitterte Feinde.
Und in einer Welt, in der ein  Menschenleben wenig zählt, kann schon ein geringerer Feind schnell den Tod bedeuten. Die beiden Prinzen Tolioro und Ioro sind dazu geboren, zwei verschiedene Plätze einzunehmen – als König und Feldherr. Man könnte also meinen, der künftige König wäre froh, einen fähigen Feldherren zu bekommen. Doch Tolioro ist von Kindesbeinen an von Neid so verzerrt, dass das Ganze gar nicht gut gehen kann…
In einem zweiten Handlungsstrang begleiten wir den jungen Zauberlehrling Jokon – doch in Karapak sind Zauberer nicht nur geachtet, sondern auch gefürchtet und eine Ausbildung zum Zauberer geht mit Opfern einher, die ihn an die Grenzen einer Moral führen.
Beide Welten – der karapakische Königshof und die Zauberschule – sind auf ihre Weise brutal und erbarmungslos. Und dadurch sind die Stränge beide auf ihre Weise unglaublich spannend.
Gleichzeitig deutet der Autor an, dass wir noch längst nicht alles von dieser Welt gesehen haben – es gibt unbekannte Länder, fremdartige Völker und eine komplexe Etikette am Hof von Karapak. Da gibt es noch viel zu lernen und zu verstehen.

Die Kunst in einem Reihenauftakt besteht ja unter anderem auch darin, die Figuren alle so zu platzieren, dass es spannend weitergehen kann und trotzdem einen abgeschlossenen Handlungs- und Spannungsbogen zu bilden. Das ist dem Autor in meinen Augen wunderbar gelungen. Ich hatte Spaß, ich habe mitgefiebert und ich blieb sehr neugierig auf Folgebände und gleichzeitig durchaus zufrieden mit dem Ausgang zurück.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Die Sprache ist auf eine kunstvolle Weise schlicht. Klingt nach einem Gemeinplatz, aber damit meine ich eigentlich etwas, was mir als sprachfixierter und conlangliebender Leserin einfach auffällt. Und das ist die weitestgehende Abwesenheit von eben allem Conlang. Die einzige Stelle, an der Sprache sich im Roman auf sich selbst bezieht, ist eine, in der wir erfahren, was die Namen Ioro und Tolioro bedeuten – eine Erklärung, die wiederum in der Perspektive gebrochen wird. Denn sie stammt nicht von Menschen aus Karapak.
Es gibt bei Fantasy immer zwei Möglichkeiten – entweder man nennt die Dinge bei ihren erfundenen Namen oder man findet schlichte, für sich selbst sprechende und gut klingende Begriffe aus der Textsprache dafür. Beides ist legitim und beides ist schwer in seine Geschichte einzubauen.
C. Svartbeck hat sich hier für die zweite Option entschieden – und das Ganze dann atmosphärisch und ästhetisch ansprechend durchgezogen. Es gibt Blasshaare und Blassaugen, es gibt Obsidiandolche und Königsfalken. Es gibt Feldherren, Tempel, Schwertkampf und Spiegel.
Und sonst nichts.
So sehr ich Conlang liebe, es ist auch irgendwie gekonnt, ein Buch in einer selbsterdachten Welt so zu schreiben, dass es bis auf eine – dadurch sehr einprägsame – Stelle einfach völlig ohne auskommt.
Viel wichtiger sind an dieser Stelle Namen – bei den Magiern gilt: Je kürzer, desto besser. Bei allen anderen gilt das Gegenteil. Dadurch sieht man schon sprachlich, dass hier zwei Teile der Gesellschaft einander gegenübergestellt werden, von denen vielleicht die eine als Spiegel der anderen dargestellt werden wird, wer weiß …
Eine sprachlich sehr klare Geschichte.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Wenn mich ein Buch so sehr umwirft, dass ich danach erstmal zwei-drei Tage nichts anderes lesen will, dann ist das Liebe. Oder so ähnlich.
Ich liebe Bücher, die mich zwingen, moralisch an die Grenzen zu gehen. Alles Mögliche zu hinterfragen. Ich liebe Bücher, die dabei auch noch so spannend geschrieben sind, dass ich sie nicht aus der Hand legen kann. Und Bücher, die mit ausgeklügelten Welten meinen Verstand herausfordern.
Mit diesem Reihenauftakt fühlte ich mich sehr gut unterhalten und freue mich schon sehr auf den zweiten Band.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Danke an den Autor für das Rezensionsexemplar und die Leserunde. Wenn man bedenkt, wie viel schiefgelaufen it… Erst hat Lovelybooks mich nicht bei den Mitbewerbern gezählt. Dann hat es meine Mailaddy nicht rausgerückt. Und es war eine kleine Odyssee, bis mich das eBook erreicht hat… Aber allen Widrigkeiten zum Trotz kam es an und ich habe es regelrecht weggeatmet 😀

Sabina S. Schneider – Zerelf (Von den Göttern verlassen #1)

Veröffentlicht am

Titel: Zerelf
Autorin: Sabina S. Schneider
Verlag: BookRix
Genre: Dark Fantasy
Seiten: 3759 KB entsprechen 302 Seiten
Format: Kindle eBook
ASIN: B013JSY3MU
Das Buch auf der Verlagshomepage – wobei BookRix streng genommen eine Selfpublishing-Plattform ist. Ich muss noch anmerken, dass ich das Buch runtergeladen habe, bevor es über BookRix neu eingestellt wurde, meine eigene Ausgabe lief noch über Amazon Create Space und hatte ein anderes Cover. Inzwischen hat die Autorin das Buch jedoch mit neuem Kleid versehen und über eine andere Plattform hochgeladen.

Serena ist ein Mädchen, das fast keine Gefühle kennt. Es muss mühevoll lernen, was es heißt, zu lächeln, sich zu freuen, sich anderen Menschen verbunden zu fühlen. Es ist, als würde ein schwarzes Loch in ihrem Inneren sie daran hindern, ihre Gefühle wirklich zu leben und zu begreifen.
Das hindert sie nicht daran, selbstlose Dinge zu tun, die sie sich selbst nicht erklären kann – und stürzt sie in heillose Verwirrung, als sie nach der blutigen Rettung eines Sklavenmädchens aus ihrer Heimat fliehen muss. Vor allem, da die Kleine das Amulett Zerelf um den Hals trägt, von dem das Schicksal der Welt abhängt…

In dieser Fantasywelt gibt es verwunschene Wälder, ein (nicht so genanntes) Elfenvolk und ein Volk der Zwerge (ebenfalls in diesem Roman völlig anders benannt) und doch weist die Fantasywelt einige überraschende Eigenschaften auf, die ich hier nicht verraten kann, ohne zu spoilern – die mich jedoch tief berührt haben. Dieser kleine Satz, den man beinahe überliest und der das Werk einer jungen Indie-Autorin gleichberechtigt neben einen Roman von Doris Lessing – einer Literaturnobelpreisträgerin – stellt, weil es die gleiche Erkenntnis ist, die mich wirklich betroffen gemacht hat…
Die Erkenntnisse und Folgen sind auf jeden Fall überraschend und färbten meine Art, das Buch zu lesen, sehr stark ein, zwangen mich, beim Lesen nicht bloß unterhalten zu werden, sondern intensiv nachzudenken.

Kleine Anekdote am Rande: Das Buch lud ich mir ursprünglich aus Protest auf mein Smartphone. Die Autorin hat in einem auf Fantasy spezialisierten Forum ihr Buch und ihr Cover vorgestellt – und wurde von einigen Mitgliedern ziemlich angegangen. Aus Protest und Solidarität lud ich das Buch unbesehen herunter. Und habe es nicht bereut.

Cover:

Eine kleine Zwickmühle. Bewerte ich das Cover, mit dem ich es gekauft habe oder das Aktuelle? Es gibt im Internet eigentlich kaum noch ein Abbild des alten Covers, außer vielleicht auf diesem Sammelbild auf dem Autorenblog. Das Arbeiten mit Silhouetten und Schatten ist irgendwie ein Markenzeichen der meisten von Sabina S. Schneider selbstentworfenen Cover und ich mag diesen Stil sehr. Dem ursprünglichen Cover würde ich allerdings nur drei von fünf FeuerFlocken geben.
Hier hat sie noch zu viel von der Geschichte ins Cover zu packen versucht – Zwerg und Elf, ein symbolisches Schachspiel, Blut.
Das aktuelle Cover ist mir dagegen fast zu schlicht. Man sieht pastellfarbenen Wald und viel Licht, die Schrift dagegen ist im Dunkeln. Grafisch durchaus gekonnt gelöst, nur eben nicht so ganz meins. Aber Cover sind sowieso Geschmackssache. Ich weiß, dass die Autorin ihr aktuelles Cover liebt.
Und ich weiß, dass sie eine superkreative Frau ist, die das Kleid ihres Buches noch einige Male wechseln wird :).

Feuerflocke drei Sterne Klein

Inhalt:

Sehr schonungslos, sehr beklemmend.
Serena hat keine nennenswerten Gefühle – und wenn, sind sie schwach und rudimentär ausgebildet, dabei dennoch mächtig genug, um ihr Verhalten zu beeinflussen. Und das ist die Figur, aus deren Sicht wir die Geschichte anfangs zu großen Teilen erleben.
Neben der absolut beklemmenden Prämisse für den Weltenbau (ich habe ganz oben schon angedeutet, was ich damitmeine) ergibt diese Innensicht … eine anfangs sehr schmerzhafte Lektüre. Denn es tut ziemlich weh, zu lesen, wie mit Serena umgegangen wird, wie sie durch ihre Herkunft und Gefühlslosigkeit stigmatisiert wird und… es größtenteils nicht einmal so richtig merkt. Es ist falsch, es ist ungerecht, es ist gemein. Und die Autorin schafft es, dem Leser hier so richtig ins Herz zu stechen damit.
Ich war wütend und traurig, wollte Serena helfen und habe ihr neugieriges Erforschen der eigenen aufkeimenden Gefühle mit Spannung mitverfolgt. Aber neben dem ausführlich geschilderten Alltag in Serenas Geburtsstadt erfahren wir auch viel über andere menschenähnliche Völker, mächtige Wälder, parallele Welten und die Macht der Magie.
Als Rahmen dient hier teilweise eine klassische Questgeschichte, bei der eine Gefährtengruppe das Amulett Zerelf beschützen soll – aber die in diesen Rahmen eingewobene Geschichte ist ziemlich komplex.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Meine Fassung (vor einer halben Ewigkeit heruntergeladen) enthielt noch Fehlerchen, aber ein Update hat die auch zum Verschwinden gebracht.
Abgesehen davon hat Sabina S. Schneider es jedoch geschafft, Dinge in Worte zu fassen, die andere Menschen sich nicht mal vorstellen könnten. Ich ließ mich darauf ein, zu lesen, wie ein Mädchen ohne Emotionen ihre Welt in Worte kleidet, wie fremde Wesen denken und sprechen und wie es im Kopf von völlig unvorstellbaren Wesen aus Parallelwelten zugeht.
Ich lief durch riesige Wälder, besuchte die Elfen und taumelte auf der Suche nach Serena durch eine seltsam verzerrte Paralleldimension.
Was Wortgewalt angeht … war es für mich (ich liebe große Worte, komplexe Beschreibungen und tiefgründige Andeutungen) ein sprachlich sehr rundes Buch.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Fazit:

Ich habe mich in die Welt und die Charaktere dieser Reihe auf den ersten Blick verliebt, sobald ich über die ersten paar % im Buch hinaus war. Es liest sich unglaublich flott, ist spannend und rasant, ohne dabei oberflächlich zu sein und sehr, sehr mutig.
Das ist das, was ich an bewusst verlagsfreien Autoren so schätze – sie wagen sich an Motive und Stoffe, die möglicherweise als nicht massentauglich gelten und darum geringere Chancen haben, verlegt zu werden. „Zerelf“ gehört hier auf jeden Fall zu den Schmuckstücken der Zunft.
Sehr, sehr gern gelesen und neugierig auf mehr.

Feuerflocke vier Sterne Klein