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Kerstin Arbogast – Nacht aus Schatten und Saphiren: Einhorn-Geschichten

Veröffentlicht am

Titel: Nacht aus Schatten und Saphiren: Einhorn-Geschichten
Autorin: Kerstin Arbogast
Verlag: Selbstverlag / Amazon
Genre: Fantasy / Anthologie
Altersempfehlung: 16+
Seiten: 128
Format: eBook
Coverdesign by: Michelle N. Weber
ASIN: B0713TND28
Das Buch auf Amazon

Ja. Ich weiß. Eigentlich wollte ich keine Rezensionsexemplare annehmen. Aber dann gab es da diese Leserunde auf Lovelybooks und das Versprechen, Einhorngeschichten jenseits von Romantasy und den gängigen Klischees zu finden. Und… naja, ich bin derzeit ein wenig auf dem Einhorntrip, ich KONNTE nicht an dieser Leserunde vorbeigehen und habe ein Buch gewonnen.

Hach.

Bisweilen ecke ich damit an, dass ich offen gestehe, dass ich bei Kurzgeschichten die bevorzuge, die mich mit einer gewissen Wehmut, einem gewissen Schmerz und einem Gefühl der Unvollständigkeit zurücklassen. Das sind für mich die allerschönsten Geschichten, die, aus denen ich eben NICHT mit einem guten Gefühl auftauche und die ich dann zuklappen und vergessen habe.
Die Geschichten von Kerstin Arbogast haben ziemlich fiese Stacheln und wenn ich eine ausgelesen hatte, musste ich erstmal eine mehrtägige Pause machen, um mich von den Geschichtenstacheln im Kopf wieder zu befreien und für die nächste Geschichte aufnahmefähig zu sein. Pausen, die sich wirklich gelohnt haben, denn so konnte ich mich auf jede der drei sehr unterschiedlichen Kurzgeschichten voll einlassen. Und das muss man – diese Geschichten sind nicht für ein flüchtiges, unaufmerksames Vorbeilesen gedacht, sie wollen, dass man hineintaucht und verweilt. Sonst entgehen einem wichtige Details, die für Verständnis und Atmosphäre essentiell sind.

Cover:

Klingt vermutlich kitschig, aber das Cover ist unglaublich hübsch mit seinem Blau, seinem Gefunkel, den Schnörkeln und dem ganzen Glitzer. Das weckt direkt den Wunsch, das Buch auch als Taschenbuch zu besitzen und es zu streicheln. Schade, dass Create Space keine Taschenbücher mit Prägung herstellt, das wäre sonst auch haptisch ein Genuss.
Am Besten passt die abgebildete Frau noch zur dritten und letzten Geschichte, auch wenn ich mir die Person dort etwas anders vorgestellt habe. Aber im Grunde genommen könnte man sie auch als Symbolbild sehen.
Ich finde es gut, dass kein Einhorn auf dem Einband ist – die drei Einhörner im Buch sind so verschieden und jedes auf seine Weise faszinierend, dass es schade wäre, nur eins auf dem Cover zuzulassen.

Im Buch selbst finden sich außerdem  noch hübsche Verzierungen und kleine Einhörner mit „Glitzer“. Sehr liebevoll und schön gesetzt.

Feuerflocke fünf Sterne Klein
Inhalt:

Die Anthologie enthält insgesamt drei längere Kurzgeschichten:

  1. Nacht aus Schatten und Saphiren
  2. Das kalte Herz der Sterne
  3. Jagdherz

Einen direkten Favoriten habe ich nicht, aber mir haben alle drei sehr gut gefallen und ich glaube, ich hätte besonders zur ersten und zur letzten gerne noch mehr gelesen. Wobei, zur zweiten auch, da weiß ich nur nicht, wie sinnvoll das wäre (mehr kann ich nicht sagen, ohne zu spoilern).

In „Nacht aus Schatten und Saphiren“ folgen wir der Protagonistin durch das viktorianische London. Die Beschreibungen der Kinder erinnern sofort an „Oliver Twist“, doch etwas ist anders – ein Virus, eine Art Geisterapokalypse hat sich ausgebreitet und das Leben in London nahezu zum Verlöschen gebracht. Doch da gibt es dieses Einhorn in der Geschichte, das ist… besonders.
Ich liebe die Atmosphäre dieser Geschichte – eine Mischung aus Charles Dickens, Lockwood und Co. und eine Prise Harry Potter (weil mich einige Details an das Zusammenspiel von Dementor und Patronus erinnert haben). Eine Atmosphäre der Hoffnung. Und das, was sich hier dem Bösen entgegenstellt, ist einfach nur wunderschön.
Gleichzeitig habe ich bei dieser Geschichte aber auch das Gefühl, dass sie für die folgenden zwei Geschichten falsche Erwartungen herstellt. Mit der jugendlichen Protagonistin und dem Fokus auf Kinder geht sie in eine völlig andere Richtung als die anderen zwei (dazu komme ich gleich) und auch stilistisch gesehen ist das noch die mit Abstand linearste Geschichte.
Hier wird eine wunderschöne Story mit Tiefgang erzählt, aber die Metaphorik ist recht klar und eindeutig. Man weiß, was passiert ist und in Ansätzen auch, wieso.

In „Das kalte Herz der Sterne“ hat Kerstin Arbogast etwas getan, das ich persönlich ziemlich genial finde und noch beim Thema „Sprache“ ausführlicher erwähnen möchte. Die Geschichte ist anfangs nämlich noch etwas kalt und sperrig, aber… das soll so und wieso das so soll, entfaltet sich im Laufe der Geschichte. Genauso, wie das Wieso, Weshalb und Warum.
Hier findet sich neben einer magisch-mystischen Story und einem – trotz Fantasy – in einigen Dingen schmerzhaft realistischem Plot auch ein ungewöhnliches Einhorn. Es hat mir sehr gut gefallen, dass es sich dieses Mal NICHT um ein Pferd handelt, was genau es ist, lasse ich aber offen und als Überraschung 🙂 . Die Geschichte ist schön frostig-winterlich und bot mir zumindest eine geistige Abkühlung angesichts einer Sommerhitze, die das Hirn zum Schmelzen brachte.
Trotz meiner Anfangsschwierigkeiten mit dieser Story lässt sie mich mit genau der Wehmut und Leere zurück, die bei mir am Nachhaltigsten nachwirkt und die ich an Kurzgeschichten sehr liebe.
Nach dem eher naturalistisch geschriebenem Einstieg ist das hier allerdings für manche Leser*innen etwas verwirrend, denn diese Kurzgeschichte will, dass man sich auf sie und ihre Gesetze einlässt. Hier ist sehr viel Metapher, sehr viel Andeutung und sehr viel Interpretationsspielraum. Mein Kopfkino war auf alle Fälle kräftig am Arbeiten.
Aber wer sich darauf einlässt, bekommt eine wunderschöne, klirrend-kalte Liebesgeschichte, die selbst Romantik-Muffel wie mich nicht kaltlässt.

Wo die vorige Geschichte eine sehr gute Synthese von Form und Inhalt eingeht, ist „Jagdherz“ deutlich fragmentarischer und metaphorischer gestaltet. Wie in der ersten Geschichte ist auch hier das Setting wieder historisch, wir sind allerdings in einem barocken Frankreich und begleiten einen Adeligen auf der Jagd, der eine Menge unbewältigte Vergangenheit im Gepäck hat. Mutet die Handlung anfangs noch linear an, ändert sich das spätestens, als der Protagonist eine geheimnisvolle Lichtung findet. Von da an zersplittert die Handlung, wird zu einem bunten Webteppich aus klar erzählten Episoden, Rückblenden und Metaphern, aus Klarheit und Schatten.
Ich bin mir sicher, dass ich nicht alles verstanden habe, was dort passiert und warum, aber das tat – jedenfalls für mich – dem Genuss keinen Abbruch. Auch hier: ICH stehe darauf, wenn ich in einer Kurzgeschichte verwirrt werde und erstmal mit ein paar Fragezeichen und viel Wehmut zurückgelassen werde. Wem es genauso geht, wird „Jagdherz“ lieben. Aber das Ganze ist sehr individuell.
Auch hier spielt ein Einhorn eine zentrale Rolle, aber ich kann nichts davon erzählen, ohne zu spoilern. Auch nicht zum Ende oder zu dem, was ich besonders daran mochte, weil es sonst die Spannung raubt. Die Geschichte ist aber glaube ich mein persönlicher Favorit.

Jede der drei Geschichten ist in sich geschossen, auch wenn ich zu 1 und 3 – wie oben schon erwähnt – zu gerne noch Fortsetzungen lesen würde. Sie teilen sich kein gemeinsames Universum und gehen jeweils von einem anderen Einhorn aus. Dabei ist keine von ihnen kitschig, auch wenn Nummer 2 eine Liebesgeschichte erzählt (und Nummer 3 die Geschichte – unter anderem – von Verlangen).
Die Metapherndichte steigert sich von der ersten zur letzten Geschichte durchgehend und sie unterscheiden sich so deutlich von einander, dass eine Verwechslung ausgeschlossen werden muss.
Mir hat jede einzelne von ihnen sehr gut gefallen und ich habe jetzt den eindrücklichen Wunsch, tiefer in die Fantasywelten von Kerstin Arbogast einzutauchen. Hoffentlich gibt es welche. Mit Einhörnern, die kann sie definitiv.

Sprache:

Die war nicht immer perfekt.
Meist waren es Kleinigkeiten. Gerade bei der zweiten Geschichte, die sehr auf die Einheit von Form und Inhalt ausgelegt war, war der Bogen zu „überkandidelt“ oft hart an der Grenze dazu, überspannt zu werden. Klar, es passt perfekt zur Geschichte, aber manchmal war es mir trotz meiner Liebe zur Geschichte und zur Hochsprache fast etwas zu viel. Oder ein Wort ist dann doch ins falsche Register gehopst und hat nicht zu 100% zum Rest gepasst.
Bei der dritten schien mir manchmal eine Formulierung zu modern für die doch eindeutig historische Verortung der Geschichte.
Wer an dieser Stelle allerdings sich davon abschrecken lässt: Hier schreibt eine Lektorin, die damit Geld verdient, selbst kleinste Formulierungsfehlerchen zu finden und vermutlich über Sachen stolpert, die die meisten Leser*innen gar nicht bemerken. Gerade was die historische Sache angeht, bin ich manchmal geradezu lächerlich penibel und weiß selbst, dass mein Maßstab bisweilen völlig überhöht ist.
Und abgesehen von den kleinen Stolperchen war die Sprache sehr passend – der jeweiligen Geschichte und Erzählstimme gemäß in jeder Geschichte anders und zu 98% auch immer angemessen.
Außerdem flüssig und fehlerfrei. Wem der Inhalt zusagt: Bitte nicht von meinem Gemecker auf hohem Niveau abschrecken lassen.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Fazit:

Kurzgeschichten, die direkt für mich geschrieben wurden. Sie erwecken genau das Gefühl, mit dem ich sehr gerne aus Kurzgeschichten rausgehe. Das einer gewissen Wehmut und Unvollständigkeit. Und mit dem Wunsch, die Fäden der Geschichte im Kopf weiterzuspinnen und ordentlich zu verbinden.
Kerstin Arbogast kann definitiv schreiben und sie kann es ziemlich gut. Ich werde auf alle Fälle ihre Veröffentlichungen mitverfolgen und schauen, ob etwas Ähnliches wie diese wundervollen Einhorngeschichten in Romanform aus ihrer Feder erscheinen werden.
Man muss sich auf die Geschichten aber auch einlassen. Sie sind nicht dafür geeignet, einfach „mal eben“ weggelesen zu werden – es handelt sich um intelligente Literatur, die auch zwischen den Zeilen und nach dem Lesen noch verstanden werden will. Wer aber bereit ist, genau das zu tun, erhält drei wundervolle Kurzgeschichten, die noch lange nach dem Lesen im Kopf nachhallen werden.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Disclaimer: Liebe Kerstin, vielen Dank für das Rezensionsexemplar und die Leserunde! Ich hatte viel Spaß beim Lesen und Diskutieren.

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Dominique Stalder – Der Wanderer: Die Schamanin – Prolog einer Saga – Extended Version [Der Wanderer #0]

Veröffentlicht am

Titel: Der Wanderer: Die Schamanin – Prolog einer Saga – Extended Version
Autor: Dominique Stalder
Verlag: SadWolf Verlag
Genre: Fantasy / Dark Fantasy
Altersempfehlung: durchaus auch für Jugendliche ab 14 geeignet, zartbesaitete Jugendliche eher ab 16
Seiten: 340
Format: eBook
Coverdesign by: Yulia Raschetova
Mit Illustrationen von Mariella A. Sprügl
ASIN: B01D5UWBJY
Das Buch auf der Verlagshomepage

Ja. Ich weiß. Schon wieder ein Rezensionsexemplar. Und daher werde ich dieses Jahr (und voraussichtlich auch nächstes Jahr für eine Weile) keins mehr annehmen und habe die entsprechende Seite bereits aktualisiert. Aber ich komme nicht mehr damit hinterher, auch mal das zu rezensieren, was ich privat lese. Aus Zeitgründen. Daher werde ich mir die Zeit nehmen und allen bereits erhaltenen Anfragen zu- oder absagen. Aber danach keine neuen mehr annehmen.

In Bezug auf die „Wanderer“-Reihe kommt noch etwa Nettes auf euch zu ;-). Ihr könnt gespannt sein, was.

Obwohl ich den SadWolf Verlag durchaus auf dem Schirm hatte, ist mir „die Schamanin“ irgendwie entgangen und so war ich dankbar, eine Kooperationsanfrage vom Autor zu erhalten und habe mich erstmal in das Cover verliebt.
Gelesen war es trotz der spärlichen Freizeit sehr schnell und ich bin in eine Welt eingetaucht, die mich zum Nachdenken angeregt hat. Ungewöhnlich ist hier vor allem die Form. Als Autorin höre ich ja an allen Ecken „Man soll nur dann einen Prolog als solchen bezeichnen, wenn man seinen Titel nicht in ‚Kapitel 1‘ ändern könnte, ohne dass der Leser einen Unterschied merkt“. Und auch wenn ich irgendwelchen Schreibtippsartikeln, die Dogmen predigen, immer sehr misstrauisch begegne, ist in den meisten davon zumindest ein Körnchen Wahrheit enthalten.
Nun war ich also sehr gespannt auf den Auftakt einer Reihe – auch wenn ich erst herausfinden kann, ob das Buch auch „Band 1“ hätte sein können, wenn ich den gelesen habe ;-).

Cover:

Wie schon erwähnt – das fand ich auf Anhieb toll.
Ich mag gezeichnete Cover. Ich mag die Farbgebung und den Stil, in dem die Figuren gehalten wurden – die ich sofort als ihre Vorbilder aus der Geschichte identifiziert habe. Mir gefällt die Farbgebung ebenso wie die langgestreckten, schmalen Figuren und das Spiel mit Licht und Schatten. Stehen die Figuren auf einer Lichtung? In einer Höhle? Auf einer Eisscholle mitten im Meer? Egal, wie genau man hinschaut, so richtig erkennt man es nicht und mal tritt die eine, mal die andere Deutung stärker hervor.
Einziger Wermutstropfen: Das Wort „Die Schamanin“ ist leider ohne Vergrößerung nicht gut lesbar.
Ansonsten ein sehr schönes, auch kompositorisch ausgewogenes Cover, die Designerin behalte ich auf alle Fälle im Blick.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Inhalt:

Ein Mann wacht nackt, ohne Erinnerung und ohne Namen an einem Strand auf. In einer Welt, die schon lange in einer ewigen Trübnis versunken ist, denn immerzu liegen Wolken über dem Land und zeigen nur nachts das Licht der Sterne.
Der Mann erinnert sich noch an das Gefühl von Sonnenschein und er spricht die Sprache des Landes, an dessen Strand er gespült wurde. Außerdem hat er ein eher rationales Weltbild, das sich hartnäckig gegen übernatürliche Erklärungen für etwas sträubt – zumindest zu Beginn seiner Reise.
Als Leser stellt man außerdem bald fest, dass er noch einige Dinge beherrscht, die ihm selbst nicht bewusst sind – jedoch sein Leben retten können.
Das ist übrigens etwas, was ich grundsätzlich sehr schwierig finde – wenn der Protagonist weniger weiß, als der Leser, kommt es oft zu frustrierenden Lesemomenten, bei denen man den Charakter einfach nur schütteln möchte. Dominique Stalder balanciert hier also auf Messersschneide, denn es ist leicht, eine solche Situation für anspruchsvolle und mitdenkende Leser zu vergeigen.
Hier kommt die Frustration nicht zuletzt darum nicht auf, weil man sich in den Mann ohne Gedächtnis hineinversetzen kann. Er weiß wirklich nicht, was in ihm steckt und wenn er es herauskitzeln kann, dann anfangs nur unvollständig und stümperhaft.
Eine weitere Stolperfalle ist, die Reise eines Helden zu schildern, der selbst nicht so genau weiß, wo er hingeht. Auch diesen Punkt fand ich gut gelöst. Der Mann hat zwar anfangs kein präzises Ortsziel, aber er hat die ganze Zeit das Wiederfinden seiner Erinnerungen im Sinn – und dafür muss er nun mal wandern.
Im Laufe des Romans wird die Welt, die den Wanderer umgibt, auch immer düsterer. Da wir als Leser immer nur so viel von ihr erfahren, wie der Protagonist, ist hier Denksport angesagt. Die Fragmente, die er von anderen Leuten erfährt, muss man als Leser selbstständig bewerten und zusammensetzen. Mag ich persönlich sehr und bin gespannt, ob sich in den weiteren Bänden auflöst, wo ich die falschen Schlüsse gezogen habe und wo nicht.
Schließlich nimmt die Handlung selbst immer mehr Fahrt auf – und die ganze Zeit bleiben wir dicht an einem Menschen, der voller Hoffnung nach dem kleinsten Strohhalm hascht um etwas wiederzufinden, das er nicht genauer beschreiben kann. Schamanin Drakatia nimmt sich des Wanderers an und bringt ihm bei, seine Kräfte zu gebrauchen. Aber was die einzelnen Personen wirklich motiviert, bleibt im Dunkeln.
Ich bin jedenfalls gespannt darauf, mehr von der Welt zu erfahren – und herauszufinden, wohin es einen Wanderer als Nächstes verschlägt.

Feuerflocke fünf Sterne Klein
Sprache:

Die Sprache empfand ich als stark auf den Punkt und präzise. Es wurde nichts beschönigt, es wurde aber auch keine übertrieben derbe oder pseudomittelalterliche Sprache verwendet. Fand ich schön, klar und authentisch.
Mir sind ab und zu ein paar Wörter aufgefallen, die doppelt im Satz standen. Da ist vermutlich beim Korrektorat oder Satz etwas verrutscht. Wenn es aber so oft passiert, dass es mir auffällt, muss ich da ein Flöckchen abziehen.
Ansonsten: Gut auf den Punkt, klar und immer anschaulich.

Feuerflocke vier Sterne Klein
Fazit:

Ein spannender Auftakt, bei dem der Weg das Ziel ist.
Gerne und mit Spannung gelesen. Eine Geschichte, bei der die Leser die Romanwelt zusammen mit dem Autor entdecken dürfen und in der sie gezwungen sind, sich andauernd ihre eigene Meinung über die Wesen und Ereignisse zu bilden.
Mir hat es Spaß gemacht und ich bin auf Band 1 sehr gespannt.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Disclaimer: Vielen Dank an Dominique Stalder und den SadWolf Verlag für das Rezensionsexemplar!

Markus Tillmanns – „Basaltblitz – die Geburt eines Helden“ (Basaltblitz #1)

Veröffentlicht am

a basaltblitz Cover von RVST für KDPTitel: Basaltblitz – die Geburt eines Helden
Autor: Markus Tillmanns
Verlag: Amazon Create Space / Selfpublishing
Genre: Fantasy / Urban Fantasy
Altersempfehlung: ab 14
Seiten: 2559 KB entsprechen 110 Seiten
Format: Kindle eBook
Coverdesign by: Indra Renovstyawan
ASIN: B0143GWWIO
Das Buch auf der Homepage des Autors und auf Amazon

Es ist schwer, so ein kurzes Buch zu beschreiben, ohne sofort alles zu verraten, fürchte ich.
Es geht um Superhelden.
Und es ist eine völlig abgedrehte Geschichte.
Allerdings sehr kurz.
Und es ist kein Comic, sondern vom Format her eher der Auftakt zu einem dreibändigen Serial, für einen Roman ist es zu kurz und das Ende zu offen.
Ich mochte die Idee, ich fand weite Teile des Buches entweder spannend oder ziemlich witzig und hatte auf alle Fälle Spaß beim Lesen.

Cover:

Das Einzige, woran ich etwas auszusetzen hätte, wäre die Lesbarkeit der Schrift bei „Fantasy-Roman von Markus Tillmanns“ , weil es natürlich in weiß auf hellblauem Grund nicht perfekt zu lesen ist. Aber das ist Meckern auf fast schon übertrieben hohem Niveau.
Abgesehen davon ist das ein hochprofessionell gezeichnetes Cover, das zumindest für mich auch sofort den Flair eines Comiccovers hatte. Ein Superheld mit allem was dazugehört – Cape, wallende Haare, Superkräfte und unbeteiligter Blick – und eine tolle Hochhauskulisse. Auch die Farben sind schön aufeinander abgestimmt. Das Buch wäre definitiv ein Coverkauf geworden, wenn ich es im Buchladen gesehen hätte.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Nick ist ein ganz normaler Junge – eher klein und schmächtig für sein Alter, wird er von seinen Klassenkameraden teilweise brutal gedemütigt und gemobbt. Da hilft nur die Flucht in die fernen Welten der Helden aus seinen Lieblingscomics. DIE hätten bestimmt keine Probleme mit unliebsamen Mitschülern!
Doch dann kommt der geheimnisvolle Neue in die Klasse und bringt einen Kometen mit – den Nick prompt verspeist. Nur um am Morgen darauf als Superheld aufzuwachen.
Das ergibt alles nicht wirklich einen Sinn? Muss es auch nicht. Langsam kristallisiert sich heraus, wieso es zu Nicks Umwandlung zum Superhelden kommt und es gibt eine charmante Erklärung dafür, wieso eigentlich niemand einen Superhelden erkennt, auch wenn der gar nicht maskiert ist. Und natürlich gibt es einen übermächtigen Gegner UND eine ganz besonders lästige Schwachstelle.
Hier hätte ich mir gewünscht, dass das Buch ein wenig länger gewesen wäre und man als Leser zumindest einige Erklärungen bereits in Band 1 erhalten hätte. Die Handlung bewegt sich so rasant fort, dass teilweise gar kein Raum für genauere Überlegungen bleibt. Wieso kriegt er ausgerechnet DIE Schwäche, die er gekriegt hat? Wo kommt dieser seltsame Komet her? Was ist da eigentlich los?
Bei Kurzromanen und Serials habe ich kein Problem mit extrem offenen Enden – das Konzept ist aus Fernsehserien ja hinreichend bekannt – aber ich hätte mir trotzdem im Mittelfeld ein paar zusätzliche Ruhepole und die eine oder andere Erklärung gewünscht. So ging es für meinen Geschmack einen Tick zu hastig durch die Handlung und besonders im hinteren Drittel hatte ich andauernd viele Fragezeichen im Gesicht.

Feuerflocke drei Sterne Klein

Sprache:

Sprachlich ist das Buch sehr souverän. Ich habe kein einziges Mal gestockt, mich in meiner Immersion gestört gefühlt oder ein „So würde das doch kein Mensch sagen“ im Kopf gehabt.
Dank der flüssigen Schreibe und dem sehr lockeren Stil fühlte ich mich auf alle Fälle die ganze Zeit über bestens unterhalten. Vielleicht war darum das Buch so schnell vorbei?

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Wer ein rasantes, kurzes Buch für Zwischendurch sucht, das gleichzeitig unterhaltsam und gut geschrieben ist, für den ist „Basaltblitz“ das Richtige.
Für mich persönlich war es der Kürze fast zu viel und ich hätte mir oft eine Verschnaufpause oder zumindest etwas weniger dicht aneinandergepackte Handlung gewünscht, aber wer eine stark komprimierte Folge einer Superheldenserie in Buchformat zu schätzen weiß, den wird das nicht stören.
Tolles Cover, eine souveräne Sprachbeherrschung und eine neugierig machende Geschichte mit Luft nach oben für die Folgebände – in denen dann hoffentlich all das aufgelöst wird, was die Fragezeichen über meinem Kopf in Band 1 verursacht hat.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Disclaimer: Danke an Markus Tillmanns für das Rezensionsexemplar!

Platti Lorenz – Dieses Hutmenschenkomplott (Tyrrin Hexenkater #1)

Veröffentlicht am
Dieses Hutmenschenkomplott. Tyrrin Hexenkater Band 1 - Platti Lorenz

Danke an die Autorin für die Bereitstellung des Coverfotos!

Titel: Dieses Hutmenschenkomplott
Autorin: Platti Lorenz
Illustratorin: Mie Dettmann
Verlag: neobooks Self-Publishing
Genre: Fantasy, Humor
Altersempfehlung: Alleine: Ab 8 oder 9, hätte ich jetzt gesagt. Mit Eltern, die vorlesen und das Kind begleiten, auch früher.
Seiten: 135 Seiten entsprechen 1077 KB
Format: ePUB (direkt auf neobooks) und mobi (Amazon)
Coverdesign by: Mie Dettmann
ISBN: 978-3-7380-4028-9
Das Buch auf der Homepage von „neobooks“

Bei diesem Buch handelt es sich im Prinzip um das eBook zum Blog – ursprünglich erschien diese Geschichte also als Blogroman und auch die Fortsetzung erscheint nach einem festen Zeitplan Kapitel für Kapitel auf dem Blog.
Der Gedanke dahinter ist nicht zuletzt, dass viele keine Motivation, Lust und Zeit haben, um sich am Bildschirm eine komplette (längere) Geschichte am Stück durchzulesen, wenn sie nicht gerade von Kapitel eins an dabei waren. Aber in einem Stück ist das Ganze doch deutlich angenehmer. Da würde ich zustimmen. Egal wie gut die Geschichte ist. Am PC-Bildschirm zu lesen, ist irgendwie anstrengend und man wird von 500 Sachen abgelenkt. Da ist ein eBook toller.
Hier möchte ich auch anmerken, wieso für mich „Ein Hutmenschenkomplott“ eine tolle Vorlesegeschichte mit „parental guidance“ ist (mir fällt kein deutsches Wort ein). Es ist ein Buch, das auch für Kinder gut bis sehr gut geeignet ist und… das ist toll. Vielleicht bewege ich mich in den falschen Kreisen, da ich mit 25 einfach nicht die Zielgruppe für Kinderbücher und Vorlesegeschichten bin. Aber ich habe das Gefühl, dass der elektronische Markt für Kinderliteratur nicht sonderlich groß ist. Für illustrierte Kinderliteratur sowieso. Und da begrüße ich es, dass es in diesem Bereich gute Independent-Autoren gibt, die hier eine Nische ausfüllen.
Ein siebenjähriges Kind hat in der Regel kein Smartphone oder Tablet, um mal eben selbst ein eBook zu lesen. Logisch. Aber Medienkompetenz und dass wir unsere Kinder so aufwachsen lassen, dass es EGAL ist, ob ein Buch gedruckt und blätterbar oder elektronisch vorhanden ist – Buch ist Buch – das ist wichtig.
Ich schweife ab. Was ich eigentlich sagen wollte: Das Buch ist gut zum Vorlesen geeignet, weil ich mir vorstellen könnte, dass ein Kind Fragen stellen könnte. Bei all seiner Leichtigkeit gibt es hier durchaus philosophische Momente, die zum Interpretieren und Diskutieren einladen. Und dann sollte ein Diskussionspartner anwesend sein :).

Cover:

Wir sehen – siehe oben – den grauen Hexenkater mit den grünen Äuglein in seinem Körbchen.
Für mich persönlich ist das Bild an sich zwar ein sehr hübsches Kunstwerk, für ein Cover aber zu unruhig. Wir haben mehrere Texturen (der geflochtene Korb, der Holzboden, das süße Eulenkissen, das karierte Kissen), dazu eine handschriftlich wirkende Schrift bei der Autorenangabe und eine geriffelte Strukturschrift im Titel.
Dadurch wirkt besonders der untere Bereich sehr unruhig, erst im obersten Coverbereich ist eine klare Struktur zu erkennen. Hier wäre etwas weniger mehr gewesen – eine einfarbige Schrift, nur ein buntes Kissen oder Tyrrin nicht in seinem geflochtenen Körbchen, sondern beispielsweise auf der einfarbigen Bettdecke von Karel.
Die Zeichnung an sich finde ich sehr süß. Ich finde nur, wie gesagt, dass sie als Cover zusammen mit der Schrift nicht perfekt ist. Aber das Katerchen und die Eulendecke… Die Eulendecke! So herzig!

Feuerflocke drei Sterne Klein

Inhalt:

Tyrrin ist ein ganz besonderes kleines Katerchen. Nicht nur mit einer ungewöhnlichen Neugier gesegnet, sondern auch mit der Gabe, die Sprache der Menschen zu verstehen.
Dass ein solches Verständnis nicht nur passiv genutzt wird, dürfte dem geneigten Leser bald klar sein. Tyrrin fängt also an, zu quasseln. Da sprechende Katzen allerdings auch in der Welt dieses Romans nicht gerade an der Tagesordnung sind, führt das zu allerhand ulkigen und humorvoll umschriebenen Situationen.
Trotzdem kommt auch die Spannung nicht zu kurz, denn nicht alle Lebewesen sind Katzen wohlgesonnen…
Ich fand die Geschichte auf der einen Seite einfach superherzig und habe beim Lesen so manches „Mensch, wie NIEDLICH!“ ausgestoßen. Einfach weil es wirklich niedlich ist. Es gab aber auch Stellen, an denen ich tierisch nervös war, ob Tyrrin es nun aus der ganzen Sache herausschafft oder nicht.
Was ich hier außerdem erwähnen muss, sind die Illustrationen. Die waren oft einfach herrlich treffend und passten wunderbar zum Inhalt, ohne etwas „vorwegzunehmen“ oder dem Leser die eigene Phantasie abspenstig zu machen. Ja, ich fand die Geschichte toll und werde mir auch Teil 2 anschauen, sobald es in Buchform erschienen ist.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Hier wird sehr, sehr viel mit Sprache gespielt, sie spielt eine zentrale Rolle.
Katzen verstehen den Klang von „Old Lady“, aber nur Tyrrin versteht auch, was sie da für Geschichten erzählt.
Tyrrin lernt, sich richtig auszudrücken und bei Geschichten genau hinzuhören, um deren Kern zu verstehen.
Ich mochte, wie die Geschichten erzählt wurden und wie die Katzensicht auf die Welt ausgedrückt wurde.
Die „Old Lady“ ist gar nicht alt und Tyrrins sprachliche Fähigkeiten machen ihn zum perfekten Logopäden – oder auch nicht.
Einziges Manko waren zwei oder drei Verwechslungen von wahr/war. Aber ansonsten las sich der Text leicht und flüssig. Schön!

Feuerflocke vier Sterne Klein

Fazit:

Ich habe die Lektüre genossen. Es hat Spaß gemacht, ich war bestens unterhalten und die Bilder sind wunderniedlich. Hätte ich Kinder oder Geschwister im passenden Alter, ich hätte das Ganze sofort auf einem Tablet vorgelesen, damit besagtes theoretisch angenommenes Kind auch ja mit reinschauen und die Zeichnungen bewundern kann.
Es fällt leicht, sich mit Tyrrin zu identifizieren und bei seinen Abenteuern mitzufiebern. Es gibt Spannung und was zum Schmunzeln.
Insgesamt ein fast perfektes Gesamtpaket, bei dem ich mich schon sehr auf den Folgeband freue.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Disclaimer: Liebe Platti Lorenz, vielen Dank für das Rezensionsexemplar! Ich habe Tyrrin ins Herz geschlossen und hätte ihn sonst nie kennengelernt. Das wäre schade gewesen!

Pauline Gedge – Der Fremde Pharao (Lords of the Two Lands #1)

Veröffentlicht am

Titel: Der Fremde Pharao
Autorin: Pauline Gedge
Verlag: Rowohlt / Wunderlich (nicht mehr über den Verlag erhältlich)
Genre: Historischer Roman
Seiten: 455
Format: Hardcover
ISBN: 9783499230332
Das Buch gebraucht auf Amazon – ich habe versucht, herauszufinden, ob die deutsche Ausgabe noch irgendwo vertrieben wird, sieht aber nicht danach aus.

Seqenenre hat es satt. Er ist immer ein treuer Untertan und fleißiger Fürst gewesen. Alles war gut, er lebte mit seiner großen Familie in einem verschlafenen Nest und war zufrieden. Doch die Briefe des Pharaos, immer neue Frechheiten und Gängeleien ohne Grund stören ihn. Erst Recht, da der Pharao aus einer Linie aus Thronräubern stammt, während der ägyptische Thron eigentlich seiner Familie zusteht.
Kann er die Kränkungen verkraften?

Um ehrlich zu sein merkt man dem Buch den Reihenauftakt an. Mindestens in der ersten Hälfte passiert nur wenig und das was passiert, hat – anfangs – noch keine Konsequenzen. Dafür wird man sehr schön und ausführlich ins ägyptische Familienleben in einem Fürstenhaus eingeführt und das hat mir einerseits sehr gut gefallen, andererseits habe ich mich natürlich irgendwann gefragt, wo das hinführt.
Dann wird das Buch zusehends depressiver und negativer…

Cover:

Meine Ausgabe kommt in der Hinsicht toll daher. Hardcover mit einem – zugegeben, von der langen Zeit ein wenig mitgenommenem – Schutzumschlag, der es designtechnisch in sich hat. Goldprägereien, ein wundervolles ägyptisches Wandbild… Es sieht kostbar und edel aus, passend zur Epoche, die dargestellt wird.
Und wie gesagt, Schutzumschlag, Cover und Buch sind dafür, dass sie ungefähr 14 Jahre lang gelesen wurden, sehr gut gealtert.
Zur Erklärung: Das Buch gehört zu den Beutestücken eines meiner vielen Bücherhauls beim Bücherflohmarkt der BuWis an der Uni.
Feuerflocke fünf Sterne Klein
Inhalt:

Sequenenre ist wirklich ein treuer Untertan – oder eher einer von der Sorte „Ich tu nichts Wichtiges und lasse die Regierung in Ruhe, also soll mich auch die Regierung in Ruhe lassen“. Er geht gerne in die verlassene Palastruine direkt neben seinem Haus, um dort auf dem Dach zu sitzen und einfach nur eine Runde nachzudenken. Er liebt seine Frau und seine Kinder. Tani, die Jüngste, fühlt sich zu einem Nachbarfürsten hingezogen – sobald sie alt genug ist, wird geheiratet. Zwei seiner anderen Kinder – Geschwister – erwarten ein Kind.
Alles könnte wunderbar sein, wenn… ja wenn die seltsamen Briefe des Pharaos nicht wären, voller Argwohn und Unterstellung, die scheinbar völlig grundlos die Familie zu seltsamen Auflagen zwingen und sie grundlos zu schikanieren scheinen.
Doch der Pharao hat durchaus seinen Grund, misstrauisch gegen Sequenenres Familie zu sein. Schließlich hat er dieser Familie den Thron von Ägypten streitig gemacht.
Und so schürt er mit seinem Verhalten das Feuer, das zu genau dem Aufstand führt, den der Pharao eigentlich fürchtet.
Wie oben schon erwähnt, baut sich die Handlung sehr langsam und gemächlich auf, während die Autorin sich unendlich viel Zeit für Details nimmt. Wie beispielsweise, als Sequenenre einen Brief diktiert und dabei seinem Schreiber sagt, er solle die Floskeln mal alle schön selbst einfügen, er sagt die nicht alle vor. Oder wie das Familienleben abläuft. Lauter Kleinigkeiten, die das alte Ägypten lebendig machen können.
Hier stellt sich, bei aller wissenschaftlichen Neugier, dann irgendwann doch ein leichtes „Ja, und wohin geht die Geschichte jetzt“ ein. Denn sehr lange passiert nicht wirklich was.
Bis dann die Bedrohungen und Katastrophen einander regelrecht jagen.
Ich mag durchaus Figurenspannung, Aufbau und alles und eigentlich war es auch gut ausbalanciert, nur an einer Stelle hatte ich dieses richtungslose Gefühl.

Feuerflocke vier Sterne Klein

 

Sprache:

Sprachlich ist das Buch sehr schön. Es ist nah an der Standardsprache, kommt also ohne historisierende Floskeln oder pseudogeschwurbelte Sätze aus.
Die Sprache orientiert sich also stark am Inhalt – es wird ein schlichtes, schnörkelloses Leben im ländlichen Ägypten beschrieben, voll von – trügerischer – Idylle. Das hilft gut dabei, sich in den ganzen ägyptischen Namen zurechtzufinden. Denn auch wenn einige Namen – wie Tani – recht unverwechselbar sind, gibt es wiederum andere, bei denen ich nicht ohne weiteres ohne Kontext wüsste, ob das jetzt ein Mann oder eine Frau ist.
Da die Sätze aber immer klar strukturiert sind und man immer den nötigen Bezug der Personen zueinander hat, fällt das nicht ins Gewicht.
Feuerflocke fünf Sterne Klein
Fazit:

Ein Buch, das sprachlich schön und historisch zwar nicht immer zu 100% korrekt, aber sehr nahe am Belegten einen spannende Zeit in der ägyptischen Geschichte illustriert.
Das Grauen kommt auf leisen Sohlen – fast schon auf zu leisen, sogar für meinen Geschmack – und es bleibt spannend, was nach diesem Reihenauftakt passieren wird.
Die Bände 2 und 3 werden auf alle Fälle irgendwann noch nachgekauft.
Einer der von mir so geschätzten historischen Romane ohne überwiegenden Romanze-Anteil.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Sabina S. Schneider – Zerelf (Von den Göttern verlassen #1)

Veröffentlicht am

Titel: Zerelf
Autorin: Sabina S. Schneider
Verlag: BookRix
Genre: Dark Fantasy
Seiten: 3759 KB entsprechen 302 Seiten
Format: Kindle eBook
ASIN: B013JSY3MU
Das Buch auf der Verlagshomepage – wobei BookRix streng genommen eine Selfpublishing-Plattform ist. Ich muss noch anmerken, dass ich das Buch runtergeladen habe, bevor es über BookRix neu eingestellt wurde, meine eigene Ausgabe lief noch über Amazon Create Space und hatte ein anderes Cover. Inzwischen hat die Autorin das Buch jedoch mit neuem Kleid versehen und über eine andere Plattform hochgeladen.

Serena ist ein Mädchen, das fast keine Gefühle kennt. Es muss mühevoll lernen, was es heißt, zu lächeln, sich zu freuen, sich anderen Menschen verbunden zu fühlen. Es ist, als würde ein schwarzes Loch in ihrem Inneren sie daran hindern, ihre Gefühle wirklich zu leben und zu begreifen.
Das hindert sie nicht daran, selbstlose Dinge zu tun, die sie sich selbst nicht erklären kann – und stürzt sie in heillose Verwirrung, als sie nach der blutigen Rettung eines Sklavenmädchens aus ihrer Heimat fliehen muss. Vor allem, da die Kleine das Amulett Zerelf um den Hals trägt, von dem das Schicksal der Welt abhängt…

In dieser Fantasywelt gibt es verwunschene Wälder, ein (nicht so genanntes) Elfenvolk und ein Volk der Zwerge (ebenfalls in diesem Roman völlig anders benannt) und doch weist die Fantasywelt einige überraschende Eigenschaften auf, die ich hier nicht verraten kann, ohne zu spoilern – die mich jedoch tief berührt haben. Dieser kleine Satz, den man beinahe überliest und der das Werk einer jungen Indie-Autorin gleichberechtigt neben einen Roman von Doris Lessing – einer Literaturnobelpreisträgerin – stellt, weil es die gleiche Erkenntnis ist, die mich wirklich betroffen gemacht hat…
Die Erkenntnisse und Folgen sind auf jeden Fall überraschend und färbten meine Art, das Buch zu lesen, sehr stark ein, zwangen mich, beim Lesen nicht bloß unterhalten zu werden, sondern intensiv nachzudenken.

Kleine Anekdote am Rande: Das Buch lud ich mir ursprünglich aus Protest auf mein Smartphone. Die Autorin hat in einem auf Fantasy spezialisierten Forum ihr Buch und ihr Cover vorgestellt – und wurde von einigen Mitgliedern ziemlich angegangen. Aus Protest und Solidarität lud ich das Buch unbesehen herunter. Und habe es nicht bereut.

Cover:

Eine kleine Zwickmühle. Bewerte ich das Cover, mit dem ich es gekauft habe oder das Aktuelle? Es gibt im Internet eigentlich kaum noch ein Abbild des alten Covers, außer vielleicht auf diesem Sammelbild auf dem Autorenblog. Das Arbeiten mit Silhouetten und Schatten ist irgendwie ein Markenzeichen der meisten von Sabina S. Schneider selbstentworfenen Cover und ich mag diesen Stil sehr. Dem ursprünglichen Cover würde ich allerdings nur drei von fünf FeuerFlocken geben.
Hier hat sie noch zu viel von der Geschichte ins Cover zu packen versucht – Zwerg und Elf, ein symbolisches Schachspiel, Blut.
Das aktuelle Cover ist mir dagegen fast zu schlicht. Man sieht pastellfarbenen Wald und viel Licht, die Schrift dagegen ist im Dunkeln. Grafisch durchaus gekonnt gelöst, nur eben nicht so ganz meins. Aber Cover sind sowieso Geschmackssache. Ich weiß, dass die Autorin ihr aktuelles Cover liebt.
Und ich weiß, dass sie eine superkreative Frau ist, die das Kleid ihres Buches noch einige Male wechseln wird :).

Feuerflocke drei Sterne Klein

Inhalt:

Sehr schonungslos, sehr beklemmend.
Serena hat keine nennenswerten Gefühle – und wenn, sind sie schwach und rudimentär ausgebildet, dabei dennoch mächtig genug, um ihr Verhalten zu beeinflussen. Und das ist die Figur, aus deren Sicht wir die Geschichte anfangs zu großen Teilen erleben.
Neben der absolut beklemmenden Prämisse für den Weltenbau (ich habe ganz oben schon angedeutet, was ich damitmeine) ergibt diese Innensicht … eine anfangs sehr schmerzhafte Lektüre. Denn es tut ziemlich weh, zu lesen, wie mit Serena umgegangen wird, wie sie durch ihre Herkunft und Gefühlslosigkeit stigmatisiert wird und… es größtenteils nicht einmal so richtig merkt. Es ist falsch, es ist ungerecht, es ist gemein. Und die Autorin schafft es, dem Leser hier so richtig ins Herz zu stechen damit.
Ich war wütend und traurig, wollte Serena helfen und habe ihr neugieriges Erforschen der eigenen aufkeimenden Gefühle mit Spannung mitverfolgt. Aber neben dem ausführlich geschilderten Alltag in Serenas Geburtsstadt erfahren wir auch viel über andere menschenähnliche Völker, mächtige Wälder, parallele Welten und die Macht der Magie.
Als Rahmen dient hier teilweise eine klassische Questgeschichte, bei der eine Gefährtengruppe das Amulett Zerelf beschützen soll – aber die in diesen Rahmen eingewobene Geschichte ist ziemlich komplex.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Meine Fassung (vor einer halben Ewigkeit heruntergeladen) enthielt noch Fehlerchen, aber ein Update hat die auch zum Verschwinden gebracht.
Abgesehen davon hat Sabina S. Schneider es jedoch geschafft, Dinge in Worte zu fassen, die andere Menschen sich nicht mal vorstellen könnten. Ich ließ mich darauf ein, zu lesen, wie ein Mädchen ohne Emotionen ihre Welt in Worte kleidet, wie fremde Wesen denken und sprechen und wie es im Kopf von völlig unvorstellbaren Wesen aus Parallelwelten zugeht.
Ich lief durch riesige Wälder, besuchte die Elfen und taumelte auf der Suche nach Serena durch eine seltsam verzerrte Paralleldimension.
Was Wortgewalt angeht … war es für mich (ich liebe große Worte, komplexe Beschreibungen und tiefgründige Andeutungen) ein sprachlich sehr rundes Buch.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Fazit:

Ich habe mich in die Welt und die Charaktere dieser Reihe auf den ersten Blick verliebt, sobald ich über die ersten paar % im Buch hinaus war. Es liest sich unglaublich flott, ist spannend und rasant, ohne dabei oberflächlich zu sein und sehr, sehr mutig.
Das ist das, was ich an bewusst verlagsfreien Autoren so schätze – sie wagen sich an Motive und Stoffe, die möglicherweise als nicht massentauglich gelten und darum geringere Chancen haben, verlegt zu werden. „Zerelf“ gehört hier auf jeden Fall zu den Schmuckstücken der Zunft.
Sehr, sehr gern gelesen und neugierig auf mehr.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Mörderische Nachbarschaft – 30 rasante Kurzkrimis von Ronny Rindler

Veröffentlicht am

Titel: Mörderische Nachbarschaft – 30 rasante Kurzkrimis von Ronny Rindler
Autor: Ronny Rindler
Verlag: Books on Demand via HML-MEDIA-EDITION
Genre: Anthologie, Kurzkrimisammlung
Seiten: 212
Format: Taschenbuch
ISBN: 978-3734784989
Die Homepage zum Buch konnte ich euch nicht vorenthalten, die ist göttlich. Ernsthaft. Anschauen lohnt sich!

Von den 30 Krimis haben mir eigentlich 26 sehr gut gefallen, ein paar waren nicht ganz mein Geschmack.
Da ich das Buch aber im Rahmen einer Leserunde gelesen habe, ist mir dann aufgefallen, dass einige meiner liebsten Krimis für andere Leserundenteilnehmer „gar nicht“ gingen und einer, den ich blöd fand, bei jemand anders der Favorit war. Insofern… Geschmäcker sind verschieden und mit 30 Krimis den Geschmack aller Leser zu treffen ist sowieso unmöglich.
Diese hier sind aber auf alle Fälle schon mal so gut gemacht, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, möglichst viele Treffer zu landen. Ronny hat einen teilweise ziemlich makabren Humor und wer die Orte kennt, hat das Gefühl, dass er sie nicht einfach ergoogelt hat – das Lesen fühlt sich sehr ortskundig an.
Dabei sind einige der Fälle beim Mitdenken ziemlich knifflig und einige sind metaphorisch schön rund gestaltet. Ich hatte auf alle Fälle bei den meisten Krimis Spaß beim Lesen (und bei den paar, die ich nicht so besonders fand… naja, die einzelnen Krimis sind kurz!) und das als Nichtkennerin des Genres – ein Krimi verirrt sich eher selten auf meine Leseliste.

Cover:

Gestaltungstechnisch ist das Buch ein kleiner Hingucker. Ernsthaft. Ich habe erst gesehen, wie toll es ist, als ich das Buch direkt live in der Hand hatte, digital sind die vielen Details nämlich nicht ohne Weiteres zu erkennen.
Auf der Vorderseite erkennt man eine ziemlich bildhafte Szene – da liegt ein Toter mitten im Flor und eine wasserstoffblonde, füllige Frau hat das ganze Blut eifrig weggewischt, worüber sich ein Ermittler im Trenchcoat nur an den Kopf fassen kann.
Dazu gibt es auch den passenden Krimi und das macht diese Illustration noch passender und göttlicher. Ich musste so lachen…
Auf der Rückseite befindet sich dann noch ein weiterer bunter Figurenhaufen – und hier muss ich sagen, dass es einfach Spaß macht, beim Krimilesen die Chaoten vom Buchrücken tatsächlich wiederzufinden.
Von der Verarbeitung her sieht das Buch übrigens auch nicht schlecht aus – nach einmal Lesen sieht es fast aus wie neu (nur der vordere Buchdeckel liegt nicht mehr ganz flach da, wenn man das Buch auf die Seite legt), obwohl es „nur“ ein Taschenbuch ist. Da es über „Books on Demand“ gedruckt wird, habe ich um ehrlich zu sein nicht damit gerechnet, dass es von der Verarbeitung her so gut wird, wurde aber positiv überrascht.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Wie kommentiert man eine Kurzgeschichtensammlung aus 30 Kurzkrimis auf… Inhalt?
Was ich auf alle Fälle sagen muss: Die Meisten machten beim Lesen einfach einen großen Spaß, weil es sich überwiegend um lustige Kurzkrimis handelte. Und einen Mord so zu verpacken, dass ich schmunzeln oder gar heftig lachen muss, ist auch eine Kunst für sich. Hier beweist der Autor einen grandiosen schwarzen Humor und einen sehr genauen Blick für die menschlichen Abgründe – denn die Motive sind facettenreich und manchmal habe ich mich gefragt, wie abstrus die Gründe sein können, jemanden zu ermorden – und doch waren sie eigentlich immer glaubhaft.
Die Krimis spielen alle an verschiedenen Orten und ich habe sofort gemerkt, dass mir die sympathischer sind, die an mir bekannten Orten gespielt haben – ich glaube, das ist dann wirklich dieser „Ich bin dort Insider“-Effekt. Es ist also auf alle Fälle von Vorteil, wenn man in Deutschland ein wenig herumgekommen ist.
Ein Flöckchen Abzug gibt es allerdings von mir, weil mir eben doch nicht alle Krimis gefallen haben. Einige waren aus diversesten Gründen absolut nicht mein Fall, auch wenn sie handwerklich und sprachlich gut ausgeführt waren.
Feuerflocke vier Sterne Klein

Sprache:

Ein paar Fehlerchen (drei oder vier?) sind dem Lektorat auf über 200 Seiten durchgerutscht, aber das finde ich jetzt nicht weiter schlimm und um ehrlich zu sein habe ich nur einen davon entdeckt. Den Rest hat die Leserundentruppe auf Lovelybooks bemerkt, während ich einfach beim Lesen drübergehuscht bin. Da bin ich mal grundehrlich :D.
Ansonsten spielt der Autor aber sehr gut mit der Sprache. Einige Krimis fielen für mich besonders positiv dadurch auf, dass sie metaphorisc, sprachlich und thematisch sogar wie aus einem Guss schienen. Und eigentlich empfand ich auch keinen Witz als daneben. Sprache kann er.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Insgesamt hatte ich viel Freude an den Kurzkrimis und sie lasen sich auch sehr flott weg.
Hier kann ich auf alle Fälle eine Leseempfehlung aussprechen, auch wenn mir – wie gesagt – persönlich nicht alle Krimis zugesagt haben. Hier schlägt aber der persönliche Geschmack zu – einige Mitleser fanden meine Lieblingskrimis furchtbar. Und ich fand einen ganz schrecklich, den ein Leser als den Besten angab.

Disclaimer: Danke an Ronny Rindler für das Rezensionsexemplar und die tolle Leserunde auf Lovelybooks!