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Schlagwort-Archive: 2 Feuerflocken

A. K. Benedict – Die Eleganz des Tötens

Veröffentlicht am

Titel: Die Eleganz des Tötens
Autorin: A. K. Benedict
Verlag: Knaur TB
Genre: Thriller (mit Fantasy-Elementen?)
Seiten: 576
Format: Taschenbuch
ISBN: 978-3-426-51320-0
Das Buch auf der Verlagshomepage

Die Idee ist eigentlich ziemlich cool – aber ich bin mir immer noch nicht sicher, ob mir das Buch eigentlich gefallen hat oder nicht. Und das ist mir noch nie bei einem Buch passiert.
Das Konzept der Zeitreisen in diesem Buch ist richtig, richtig cool. Auch, wie es freien Willen, Determinismus und dergleichen auf die Probe stellt. Ein solches Konzept habe ich in der Form noch nirgends vorgefunden und werde es irgendwann für die Weltenschmiede aufarbeiten, auch wenn es ziemlich komplex ist und ich dafür das ganze Buch noch mal durchkämmen muss.
Killigan ist auch eine recht interessante Persönlichkeit und der Killer ein toller Antagonist. Hier scheint auf den ersten Blick eigentlich alles zu stimmen.
Würde daraus eine Serie, würde ich die Fortsetzung vermutlich sogar lesen.
Und dennoch kann ich einfach keine vernünftige Meinung zu diesem Buch abgeben und ich weiß nicht mal so richtig, wieso.

Cover:

Ich gebe ehrlich zu, dass das Cover einer der Gründe war, aus dem ich überhaupt Interesse an dem Buch hatte und es mir als Prämie bei „Was liest du“ gegen meine Punkte eintauschen wollte. Rein optisch hat der Designer hier also nichts falsch gemacht. Die Maske in Verbindung mit dem Titel macht neugierig und hat mich dazu gebracht, das Buch anzuklicken, den Klappentext zu lesen und die Prämie zu bestellen.
Die Ernüchterung folgte dann beim Lesen. Schon vom ersten Aufklappen des Buches hat der Rücken sich sehr hässlich gewellt und obwohl ich – gerade weil mir die miese Qualität der Pappe aufgefallen ist – bei diesem Buch extra vorsichtig war, werden sich die Seitenklappen wohl bald lösen und das Bild rubbelt sich bereits leicht ab. Vom Buchrücken rede ich lieber gar nicht erst.
Das Buch sieht inzwischen aus, als hätte ich es gekaut.
Aus diesem Grund massiver Flockenabzug. Ein „Quality Paperback“ ist das nämlich nicht.

Feuerflocke zwei Sterne Klein

Inhalt:

Stephen Killigan ist neu in Cambridge – er versucht dort, Philosophie zu unterrichten.
Doch ehe er sichs versieht, verstrickt er sich in ein Netz aus Lügen, Widersprüchen und Intrigen. Wer ist das tote Mädchen, über das er stolpert, das jedoch bald darauf spurlos verschwunden ist? Wer steckt hinter dem Tod an der seit einem Jahr vermissten Schönheitskönigin Miranda? Und welche Geheimnisse verbirgt Killigan selbst?
Zeitreisen, eine schrullige Mathematikprofessorin, eine heiße Bibliotheksangestellte und ein völlig durchgeknallter Philosophieprofessor, der sich gerne tote Menschen ansieht. Dazu ein Antagonist, der so charismatisch und gleichzeitig so fies ist, dass es eigentlich Spaß machen sollte.
Die Betonung liegt auf eigentlich. Es ist alles da, was eine gute Geschichte ausmachen sollte. Dennoch hatte ich oft das Gefühl, die Story an sich eiert ziemlich herum.
Mal begleiten wir den Killer, wie er sein undurchsichtiges Netz aus Zeitreisen spinnt und sich dabei in selbstherrlichen und Kommentaren ergeht. Dann wieder Killigan, der ein so sprunghafter Erzähler ist, dass ich manchmal mehrmals lesen musste, um zu verstehen, was diese krude Andeutung jetzt bedeuten soll. Dazu kommt, dass mir Killigan nicht immer völlig rational handelt. Okay, eine Affäre mit dem Schwarm des besten Freundes, wenn es nun mal funkt, sei ihm verziehen, es beruht ja auf Gegenseitigkeit und Lana kann selbst entscheiden, mit wem sie anbändelt. Aber wieso Killigan diesen irren Todesethiker nicht mal anzeigt oder dass es bei der Zeitreise ja nieeemandem auffällt, dass er andere Klamotten trägt oder völlig anders spricht als die Menschen dieser Zeit (in 400 Jahren dürfte sich das gesprochene Englisch massiv verändert haben) und überhaupt…
Und einige andere Elemtente, bei denen ich das Gefühl hatte, dass sie nur drin waren, weil sie halt in einen Thriller mit einem Psychopathen reingehören, die aber sonst überflüssig waren. Es fühlte sich aufgesetzt und deplatziert an.
Drei FeuerFlocken hier, ich mochte immerhin die Zeitreisen an sich und die perfide Verstrickung der Zeitlinien.
Feuerflocke drei Sterne Klein

Sprache:

Die Sprache fand ich eigentlich an sich nicht schlecht. Sie hat mir meistens sehr gut gefallen, aber das, was ich oben angemerkt hab, gilt natürlich hier insbesondere.
Es gibt schlicht keinen Unterschied zwischen den Sprechern aus dem siebzehnten Jahrhundert und den modernen Sprechern. Nicht, dass sie alle sofort krude sprechen müssten, aber wenigstens ein bisschen historisieren wäre schon schön. Gerade wenn die Autorin doch selbst englische Literatur studiert, müsste sie eigentlich wissen, wie unterschiedlich die englische Sprache zu verschiedenen Zeiten war und insbesondere wenn sie Menschen aus anderen Schichten auftreten lässt, kann ein bisschen Zeitkolorit nicht schaden. Das fehlte für mich völlig. Vermutlich diente es dazu, Killigans Verwirrung glaubhafter zu machen, weil er so natürlich nicht sofort kapiert, wo er gelandet ist und vor allem wann – aber auf mich als Historienfan wirkte das unglaubwürdig und konstruiert.
Gerade am Ende wird die Sprache außerdem so verschwurbelt, dass ich schlicht nicht immer erkennen konnte, was gemeint ist. Und ich lese in meiner Freizeit Schriften über Quantenphysik …
Feuerflocke drei Sterne Klein

Fazit:

Nach einer kurzen Lektüre der Rezensionen unter anderem bei Amazon stelle ich fest, dass ich nicht die Einzige bin, die das Buch schwer einordnen kann. Es hat Elemente, die durchaus gelungen sind und reizvoll daherkommen. Gleichzeitig kommt keine echte Spannung, keine echter Nervenkitzel auf. Alles bleibt irgendwie auf einer Ebene, auf der ich als unbeteiligte Zuschauerin eher desinteressiert verfolge, wie sich die einzelnen Storylines mal auseinanderwickeln.
Grundsätzlich hätte Killigan als Philosophiedozent und Zeitreisender aber durchaus Potential zu einem interessanten Thrillerprotagonist.

Kurz habe ich überlegt, bei diesem Buch ohne Bewertung zu bleiben – weil es schwer fällt, es in FeuerFlocken zu fassen. Im Prinzip kann ich es aber auch eigentlich einfach als das deklarieren, als was ich es wahrgenommen habe: Durchwachsenes Mittelmaß.

Feuerflocke drei Sterne Klein

Disclaimer: Das Buch habe ich als Prämie bei „Was liest du?“ angefordert, im Austausch gegen 20.000 Punkte. Ob das als Rezensionsexemplar zählt, weiß ich nicht – eigentlich nicht – aber ich gebe lieber einmal zu oft die Herkunft eines Buches an :).

Rod Rees – Der Widerstand – Demi-Monde: Welt außer Kontrolle 2

Veröffentlicht am

Coverquelle: Randomhouse BloggerportalTitel: Der Widerstand – Demi-Monde: Welt außer Kontrolle 2
Autor: Rod Rees
Verlag: Goldmann
Genre: Science Fantasy
Altersempfehlung: 16+ (Empfehlung von mir persönlich)
Seiten: 608
Format: Taschenbuch
ISBN: 978-3-442-47568-1
Das Buch auf der Verlagshomepage

Zum Buch kam ich zufällig – mehr oder weniger. Ich habe mich beim Randomhouse Bloggerportal registriert, weil ich Bücher liebe, man nie genug Bücher haben kann und ich den Gedanken attraktiv fand, die eine oder andere Rezension hier auf dem Blog optisch ein bisschen aufzupeppen. Ich wusste allerdings nicht wirklich, was ich anfordern sollte, um das Portal mal zu testen und habe mich tagelang ziellos durch die verfügbaren Titel geklickt. Hängen geblieben bin ich bei „Per Anhalter durch die Galaxis“ und dem ersten Teil der Demi-Monde-Reihe.
Den besitze ich bereits seit seiner Weile, habe ihn auch gelesen und rezensiert – aber irgendwie völlig vergessen, mich darum zu kümmern, den Folgeband in meinen Besitz zu bringen.
Also habe ich es angefordert, ca. zwei, drei Wochen später in meinem Briefkasten vorgefunden und… hier kommt die erste durch das Bloggerportal optisch verschönerte Rezension, wie bereits am Coverbild zu erkennen.

Hier findet ihr eine Leseprobe!

Cover:

Das finde ich sehr schön und passend gemacht – auf dem Cover von Band 1 sieht man Ella, wie sie langsam in die Rookeries reinrennt, den englischsprachigen Sektor der Demi-Monde, der am oberen Bildrand eingeblendet wird. Passend dazu rennt sie dieses Mal auf das französischsprachige „Quartier Chaud“ zu, wo in diesem Band ein Großteil der Handlung abläuft. Paris ist dabei leicht an der Stadtsilhouette zu erkennen – wer also mit der Serie vertraut ist, weiß ungefähr, wo man sich lokal nun zu verorten hat.
Und natürlich ist das Cover bzw. das Buch an sich, ähnlich wie bei Band 1, einfach unverwüstlich.
Außerdem gibt es mehrere Karten – eine Karte der gesamten Demi-Monde auf der vorderen Umschlagseide, eine Detailkarte des Quartier Chaud auf der hinteren Umschlagseite.
Hier also meinerseits keine Abzüge.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Was eigentlich in Band 2 passiert: Aaliz Heydrich ist in der Realität, während Norma immer noch in der Demi-Monde festsitzt. Gleichzeitig brennt es in Paris, denn dort ist der Anschluss an das ForthRight geplant – wogegen die freiheitsliebenden, promiskuitiven Bewohner des Quartier Chaud ein Problem haben. Schnell formiert sich Widerstand. Zur gleichen Zeit entdecken Archäologen eine Säule mit geheimnisvollen Zeichen und eine Prophezeiung bedeutet überhaupt nicht das, was sie zu bedeuten scheint.

Die Erwartungen nach einem wirklich, wirklich großartigen Band 1 sind hoch – und dass es ein Jahr gedauert hat, bis ich mir endlich Band 2 besorgt habe, spielt auch eine gewisse Rolle… Okay, ich habe ein gutes Gedächtnis und konnte eigentlich sehr schnell wieder in die Geschichte rein. Aber trotzdem. Man öffnet das Buch und man erwartet irgendwie wieder diesen Zauber und… er kommt nicht. Oder nicht sofort und dann auch nicht so, wie bei Teil 1. Aber der Reihe nach.

Spielte Band 1 noch größtenteils in den Rookeries und in Rodina (die zum FourthRight fusionierten), begibt man sich in Band 2 in eine andere Gegend der Demi-Monde – ein Großteil der Handlung spielt im französischsprachigen Quartier Chaud mit den Bezirken Paris, Rom, Barcelona und dem unabhängigen Venedig. Einzelne Szenen spielen im Coven (genauer gesagt in Rangun).
Die Schauplätze sind auch hier wieder sehr lebendig und eindrucksvoll charakterisiert und da man die wichtigsten Begriffe und Wortspiele schon mal kennt, ist man weder erschlagen davon, noch muss man an jeder Ecke darüber lachen. Wobei, UnFunnies für UnFunDaMentalisten ist jedes Mal einen Lacher wert, das gebe ich zu.

Tja. Und kaum hat man den Leser so weit, dass die gängigsten Begriffe bekannt sind, verstreut man ein paar neue (sodass das Buch am Ende zwei Glossare hat, weil eins nicht mehr ausreicht und man zwischen „Demi-Monde“-Neologismen und „Reale-Welt“-Neologismen trennen muss), damit man ja nicht aufhören darf zu denken…
Fand ich persönlich nicht schlecht und der Seitenhieb, der in den „Reale Welt“-Abschnitten auf unsere Gesellschaft, die Tendenz zu Überwachung, Übernormung, Schönheitsidealen, absurder Digitalisierung ausgeteilt wird, war gut gezielt, herrlich absurd und angesichts dessen, worauf sich die Gesellschaft zubewegt, bitter nötig. Außerdem wird hier – nachdem ich den ganzen Band 1 über mehr oder weniger davon ausging, dass bis auf die Erfindung von ABBA dem Supercomputer die Geschichte ungefähr so verlief, wie unsere auch – mal klargemacht, dass die Geschichte sich vor dem Hintergrund einer anderen Historizität abspielte:
In den USA haben die Evangelikalen die Macht an sich gerissen, der Brite gilt als Todfeind. Der Vater von Norma ist der erste US-Präsident, der mal eben kein fundamentalistischer Evangelist ist, doch das passt einer Gruppe Vampire, die die Weltherrschaft an sich reißen wollen, nicht. Weshalb Aaliz Heydrich überhaupt erst die reale Welt infiltrieren musste.
Und außerdem gibt es einen plausiblen Grund für Ellas seltsame Visionen aus Band 1…

Nachdem Rod Rees schon in Band 1 zahlreiche historische Persönlichkeiten, Strömungen und andere Dinge eingebaut hat, schüttet er jetzt noch einige Dinge mehr in den Cocktail. So treten jetzt auch Nostradamus der „Hellseher“, Kondratjew der Wirtschaftsmathematiker, der Marquis de Sade und Giacomo Casanova als Figuren auf. Und als würden nicht bereits genug Ideologien und Religionen durch den Kakao gezogen, kommt hier auch noch eine Verquickung der Mythen von Lilith, der Sintflut, Loki (im Buch Loci oder LoQi) hinzu. Und in der Demi-Monde ist „Wahrsagen“ eine seriöse Wissenschaft – was angesichts dessen, dass die Demi-Monde eine Mischung aus Sims-Spiel und Matrix ist, mir ziemlich logisch erscheint.
Allerdings kann ich verstehen, wenn einige Leser hier kapitulieren und das Buch gegen die Wand werfen. Ich habe Geschichte Leistungskurs gemacht, spreche vier Sprachen und habe eine Philologie UND die Philosophie studiert. Dennoch musste ich an einigen Stellen an diesem Buch Google/Wikipedia bemühen, um zu verstehen, auf wen oder was da gerade angespielt wird. Wer sich nie für Fremdsprachen, Philosophie, Mythologie und Geschichte interessiert hat, ist aber bei Band 2 noch ein gutes Stück aufgeschmissener als bei Band 1 und das wird den Durchschnittsleser völlig überfordern. Es war hart an der Grenze dazu, mich zu überfordern und machte das Lesen zwischen den Zeilen an einigen Stellen einfach furchtbar anstrengend.
Auch kann man Band 1 noch irgendwie als Jugendbuch durchgehen lassen, Band 2 jedoch nicht mehr. Es wird härter, es wird brutaler und… es wird übersexualisiert. Ja, wir sind hier im Quartier Chaud, die Religion ist der ImPuritanismus (bei dem die Erleuchtung im Höhepunkt liegt, der darum Ziel der Andacht ist) und manches kann ich noch als Colorit oder als halbwegs logische Erklärung im Rahmen des Weltenbaus gelten lassen, aber einige Sexszenen und Nackedeis waren schlicht nicht dringend nötig für die Story.

Außerdem tut Rod Rees etwas, was einerseits extrem genial sein könnte, andererseits sehr riskant ist und ihm in diesem Buch einfach nicht so gelungen ist, wie es sein sollte. Ich kann leider nicht verraten was, ohne viel zu stark zu spoilern – aber es ist in höchstem Maße problematisch.

Auch wirken mir einige Details einfach nicht mehr logisch zu Ende gedacht – es gibt eine Stelle, an der Heydrich von Fleischlieferungen ins „FourthRight“ spricht, aber zum UnFunDamentalismus gehört eigentlich eine „Leben&Mehr“ genannte Spezialdiät, die eine vegetarische Ernährung für alle UnFunDamentalisten vorsieht. Was also will Heydrich mit dem Fleisch, wenn weder er noch seine Leute es eigentlich essen dürften?

An anderen Stellen wirkte die Handlung leider stark unausbalanciert. Mir hätte eine gleichmäßigere Verteilung der Erzählstränge in der Realwelt innerhalb der Geschichte nämlich besser gefallen – von denen gab es zu wenige und dadurch wirkten sie teilweise sehr hastig erzählt. Dabei hätten sie auf alle Fälle Potential, denn die Entwicklung der Realwelt in dieser Romanwelt ist spannend und stellt den Leser vor viele Fragen. Um der Verständlichkeit willen hätte da auf alle Fälle mehr passieren müssen.
Dafür wurden andere Stellen stark in die Länge gezogen, obwohl sie durch vorhergehende Ereignisse eigentlich recht vorhersehbar waren – der Leser sollte hier mit abstrußen Ereignissen abgelenkt werden, aber das hat der Handlung nicht gut getan. Ich wusste ja, was passieren wird. Es war also an dieser Stelle nicht spannend.
Feuerflocke zwei Sterne Klein

Sprache:

Der Schreibstil ist wieder flüssig und eloquent, lebt von den cleveren Wortspielen und Begrifferätseln.
Hier gibt es eigentlich wenig auszusetzen – von den „Edda“-Versen vielleicht abgesehen, die ich schlicht und ergreifend nicht gut lesbar lesbar fand, da sie nicht als Text im Buch selbst auftauchten, sondern als Grafiken bzw. Bildtafeln im Buch eingebunden waren. Die Schriftart für die Grafik ist dabei so ungeschickt gewählt, dass ich statt „Loci“ erst andauernd „Lod“ gelesen habe, bis mir irgendwann aufging, dass „Lod“ schlicht und ergreifend keinen Sinn ergibt, wenn es sich bei dem Text doch um „Locis Gesang“ handelt.
Ansonsten… herrlich kreativer Umgang mit Worten wie ImPuritanismus, HimPerialismus etc. und „Polly“ für eine Art Allround-Youtube passte für mich sehr gut, weil es die Assoziation mit Polly Pocket weckte und bei der Datensammlerwut in der fiktiven USA ja tatsächlich jedes Leben auf ein taschenbuchgroßes Datenträgerle passen dürfte…
Feuerflocke vier Sterne Klein

Fazit:

Ich will nicht sagen, dass ich völlig enttäuscht war. Das Buch hat auf jeden Fall lange und nachhaltige Diskussionen mit meinem Blogpartner fruehstuecksflocke hervorgerufen und dominierte das eine oder andere Telefongespräch. Und ich fühlte mich auf alle Fälle schon gut unterhalten, jedenfalls in weiten Teilen, so ist es ja nicht. Und ich werde auf alle Fälle die Romanreihe an sich weiterlesen – Band 3 & 4 wurden nie ins Deutsche übersetzt und erschienen bei einem anderen Verlag, wer weiß, was da gelaufen ist, aber Englisch ist ja kein Problem für mich – aber für mich kommt Band 2 aus sehr vielen Gründen nicht an Band 1 heran.

Dazu zählt nicht nur der geheimnisvolle Kniff, den ich euch nicht verraten kann ohne zu spoilern, sondern auch die schlichte Überfrachtung der Handlung, die sich einschleichenden Längen und die teilweise ins Absurde abgleitende Sexualisierung.

Ich bleibe bei 2 Flocken – sprachlich brilliant und unverwüstlich, aber die Story ist nun mal so, wie sie ist.

Feuerflocke zwei Sterne Klein

Disclaimer: Danke an das Randomhouse Blogportal für mein Leseexemplar!

Barb & J.C. Hendee – Dhampir ~ Halbblut (The Noble Dead Saga 1, Teil 1)

Veröffentlicht am

Titel: Dhampir – Halbblut
Autoren: Barb Hendee und J. C. Hendee
Verlag: Egmont-Lyx
Genre: Fantasy
Seiten: 432
Format: Taschenbuch, kartoniert
ISBN: 978-3-8025-8405-3
Das Buch auf der Verlagshomepage

Erstmal zur seltsamen Nummerierung:

Es ist kompliziert. Es gibt tatsächlich insgesamt drei Reihen „The Noble Dead Saga“. Die erste umfasst sechs Bücher, die zweite drei (von denen das letzte nach wie vor nicht auf Deutsch erschienen ist, soweit ich weiß), die dritte besteht im Moment aus zwei Bänden, die beide ebenfalls momentan nur auf Englisch verfügbar sind.
„Dhampir“ ist also der Reihenauftakt zur ersten Reihe, also zu der mit sechs Bänden.

Mit dem Buch wurde ich nie wirklich warm und wenn der Epilog nicht wäre… würde ich diese Reihe vermutlich nicht mehr weiterverfolgen. So will ich aber natürlich wissen, wie diese Geschichte jetzt ausgeht.
Dabei hätte die Geschichte durchaus Potential gehabt – Magiere und Leesil sind Vampirjäger. Naja, eigentlich tun sie nur so. Sie ziehen verängstigten Dorfbewohnern das Geld aus der Tasche, indem Magiere ihnen vormacht, den als Vampir verkleideten Leesil zu meucheln. Irgendwann haben sie auf diesen Quatsch keine Lust und wollen gemeinsam eine Kneipe aufmachen. Doch dann stellt sich heraus, dass es die Vampire doch gibt…
So weit, so Klappentext und auch der Grund, aus dem ich das Buch bei einem Bücherflohmarkt an der Uni überhaupt mitgenommen habe. Das Ganze klingt nach einer herrlich witzigen Geschichte, vieleicht nach einer Parodie und auf eine solche habe ich mich auch gefreut – allerdings etwas völlig Anderes bekommen.

 Cover:

Das Cover gefällt mir eigentlich sehr gut – die Frau auf dem Bild entspricht recht genau dem Bild, das ich von Magiere habe. Sie löst sich zum unteren Ende des Covers hin in Fledermäuse auf und wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass der Hintergrund Risse bildet.
Hier kann ich nichts Schlechtes sagen. Höchstens, dass ich auf die Weise natürlich sofort wusste, dass Magiere in irgendeiner Weise nicht ganz menschlich sein konnte – aber das ist ja schon aus dem Titel klar.
Positiv ist auch, dass das Buch – gebraucht gekauft – recht stabil ist und nicht beim Lesen auseinanderfällt. Ich sehe also keinen Grund, Punkte beim Cover abzuziehen.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:
Zunächst mal das Gute:
Es ist der erste Roman, den ich gelesen habe, der sich mit dem Konzept des Dhampirs beschäftigt – dem Kind einer sterblichen Frau und eines vampirischen Mannes (selten auch umgekehrt) – insofern war es mal was Anderes als das, was ich sonst zu lesen pflegte und ich empfand das Konzept von Vampiren und Dhampiren an sich als sehr spannend und schön ausgearbeitet. Dazu gibt es auf jeden Fall noch einen Artikel auf der Weltenschmiede, sobald ich die Reihe weitergelesen habe. Man will ja keine Weltenbauschlüsse aus nur einem Band einer größeren Saga schließen.
Und ganz ehrlich? Leesil ist mir sympathisch. Magieres Sidekick, Halbelf und Besitzer des geheimnisvollen Hundes Chap, ist er die rundeste und spannendste Figur im ganzen Buch. Die Abgründe, die er im Laufe des Buches auslotet, seine Vergangenheit, seine Tapferkeit und sein Schmerz machten das Buch an den Stellen, in denen überwiegend aus seiner Sicht berichtet wurde, lesenswert. Wäre der ganze Roman (oder ein größerer Teil davon) aus seiner Sicht erzählt worden, hätte ich größere Freude an der Geschichte.
Anders als Magiere selbst, merkt er von Anfang an: Da stimmt was nicht. Die verheimlicht was.

Und nun die Kritik…
Teils lag es schlicht und ergreifend an der Art des gewählten Erzählers – ein allwissender, auktorialer Erzähler erzählt aus gefühlt jeder einzelnen verfügbaren Perspektive, die auch noch fast jeden Absatz wechselt, eine Geschichte.
Das Problem ist: Dadurch weiß der Leser von Anfang an mehr als die Protagonistin Magiere und ich weiß nicht, wie es euch geht – aber mir gehen Bücher mit Protagonistinnen, die einfach nichts schnallen, während der Leser sämtliche Rätsel längst gelöst hat, unfassbar auf den Keks. Und Magiere steht eigentlich bis fast zum Schluss völlig auf dem Schlauch.
Ich weiß nicht, wie oft ich sie am Liebsten durchgeschüttelt oder kräftig geohrfeigt hätte, weil sie einfach nur unfassbar blöd handelt oder es nicht fertig bringt, die einfachsten Schlüsse zu ziehen.
Ich meine, das Buch heißt „Dhampir“, woraus man schließt, dass jemand im Buch einer ist. Irgendwo auf den ersten Seiten heißt es, dass manche Dorfbewohner munkelten, Magieres Vater wäre irgendwie unnatürlich. Das ist kein Wink mit dem Zaunspfahl, sondern da wird der Zaun samt Schrebergarten rausgerissen und mit morgensternhafter Brutalität auf den Kopf des Lesers geknallt. Selbst wenn man als Leser nicht ohnehin mit dem Thema vertraut ist, ist spätestens an dieser Stelle für jeden halbwegs intelligenten Leser der Groschen gefallen.
Nur für Magiere nicht.
Selbst als es offensichtlich ist, was es mit der Stadt und mit ihr selbst auf sich hat, bemerkt sie einfach nichts und wenn sie doch mal was bemerkt, tut sie es als verachtenswerten Aberglauben ab. Auch sonst ist sie verschlossen, verbohrt und oft schlicht und ergreifend blind, obwohl die Tatsachen ihr regelrecht ins Gesicht springen. Ich meine, selbst wer kein Fantasyleser ist oder sich mit Vampiren auskennt, wird erkennen, dass Parko, der Typ, der sie zu Beginn des Buches im Wald stalkt, nicht gerade natürlichen Ursprungs ist. Aber natürlich verschwiegt sie Leesil, dass ihr seine Unnatürlichkeit aufgefallen ist, weil sie das Vampirische in sich selbst verdrängen muss.
Und so hat Leesil, der im Gegensatz zu ihr Hirn im Kopf hat und keine Grütze, einfach keine Chance, ihr die offensichtliche Wahrheit vor den Latz zu knallen.
Wobei auch sonst die Tatsache, dass man permanent weiß, was die Antagonisten so treiben und wo sie sind, einfach keinen Raum für eigene Vermutungen, Rätsel, Fantasiegebilde lassen. Man weiß als Leser immer alles und das ist auf die Dauer langweilig.

Zur Romanwelt kann ich an dieser Stelle noch nicht so viel sagen – mir scheint hier mehr oder weniger eine Art fiktives Osteuropa um 1900 herum als Haupthandlungsort zu dienen, zumindest klingen die meisten Ortsnamen so. Allerdings gibt es auch Andeutungen auf orientalisch anmutende Länder und auf eine erlöschende Elfenkultur. Da ist auf jeden Fall noch Raum für mehr.
Feuerflocke zwei Sterne Klein

Sprache:

Druckfehler gab es keine – aber die Sprache ist vergleichsweise simpel gehalten. Womit ich nicht meine, dass es keine Schachtelsätze gegeben hätte – die gab es durchaus. Aber wann immer man etwas mit sehr schlichten Worten und einem Schachtelsatz statt mit wenigen treffenden, aber etwas komplizierteren Begriffen ausdrücken konnte, hat man dies getan.
Schön fand ich hier die Begriffe, die explizit für den Roman rund um Vampirismus geprägt wurden. Der Begriff „Edle Tote“ klingt ziemlich schön und auch sonst mochte ich den Sprachgebrauch der Vampire. Neben der recht simplen Sprache im Roman selbst waren diese Stellen angenehm poetisch.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Fazit:

Ich werde mir die restlichen Bände aus der Bibliothek ausleihen und lesen, da ich doch zu gern wüsste, wie das Buch endet. Der Epilog hat es tatsächlich geschafft, eine Romanhandlung aufzuwerten, die ich ansonsten als zäh wie Kaugummi und unfassbar vorhersehbar empfunden habe.
Auch wenn mir sehr Vieles nicht gefallen hat, gibt es doch einige gute Seiten auch an diesem Roman. Darum gibt es abschließend nicht eine (wenn ich nur den Inhalt bewertet hätte), sondern zwei FeuerFlocken und die Hoffnung, dass die Folgebände besser werden.

Feuerflocke zwei Sterne Klein