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Archiv der Kategorie: Novelle

Nora Bendzko – Wolfssucht

Veröffentlicht am
Abbildung mit freundlicher Genehmigung der Autorin

Abbildung mit freundlicher Genehmigung der Autorin

Titel: Wolfssucht
Autorin: Nora Bendzko
Distributor: Amazon Create Space
Genre: Horror, Märchenadaption
Altersempfehlung: 16+ (ob 18+, ist Ansichtssache – ich finde ja, geistig reifen Teenagern kann man es zumuten, aber das ist meine persönliche Meinung)
Seiten: 125
Format: Kindle eBook (Print verfügbar)
Coverdesign by: Emanuel Santer
ASIN: B01FI6RJQI
Das Buch auf Amazon

Seit einigen Jahren interessiere ich mich für Märchenadaptionen und Märchen. So verfolge ich beispielsweise seit geraumer Zeit den Read-Watch von Mari Ness auf tor.com, wo oftmals auch die historischen Hintergründe und Ursprungsgeschichten von Märchen auftauchen.
Im Rahmen meines aufkeimenden Interesses für die Hintergründe hinter den Märchen habe ich auch selbst einen Märchenadventskalender für mein Forum geschrieben (mit zufälligen Märchen und meinen Romanfiguren als Protagonisten) und im Rahmen dieses Kalenders unter anderem – weil wir bei „Wolfssucht“ sind – eine Gay-Romance-Version von „Rotkäppchen“ verfasst :D.
Entsprechend konnte ich nicht widerstehen und musste SOFORT auf „kaufen“ tippen, als ich erfuhr, dass Nora Bendzko eine Märchennovelle veröffentlicht hat. Ich dachte mir: „So, wie du die Autorin kennst, kann das nur etwas schaurig Schönes werden“.
Und ich wurde nicht enttäuscht.
Cover:

Man nehme alle Elemente, die in der Geschichte tatsächlich vorkommen, werfe sie in ein Kaleidoskop und drehe, drehe, drehe.
So kommt mir das Cover vor. Es ist eine Herausforderung.
Sofort fällt die Silhouette des Mannes ins Auge und man fragt sich – ist das beim Kopf eine Frontansicht und er schreit oder ist das eine Lichtspiegelung? Eine Sinnestäuschung? Die Bäume?
Erst auf den zweiten Blick fallen die unzähligen Details auf. Die blutigen Bäume vor einem winterweißen Himmel. Etwas, das das Fell eines Tieres sein könnte. Rote Locken, die sich unter Wasser zu kringeln scheinen. Oder ist das der Stoff, aus dem Rotkäppchens roter Mantel genäht wird?
Und das Eine verblendet mit dem anderen, bis man nicht mehr erkennt, wo was aufhört und anfängt.
Angesichts des Inhalts ein unfassbar prägnantes Cover, das sehr eindringlich erzählt, worum es in der Geschichte gehen wird. Ich liebe ja solche Cover, die im Grunde genommen alles vorwegnehmen – aber gleichzeitig nicht zu viel verraten.

Feuerflocke fünf Sterne Klein
Inhalt:

Ich war positiv überrascht. Die Grundgeschichte vom Rotkäppchen kennt jeder – aber Nora Bendzko erzählt sie anders. Sie bettet die Geschichte in den Kontext des Dreißigjährigen Krieges ein und ist sehr sorgfältig darin, die historische Epoche sensibel zu zeichnen.
Der zweite Punkt, in dem sie großartig ist, ist die psychologische Entwicklung. Alle Charaktere mit all ihren Traumata und den daraus folgenden Verhaltensweisen sind unfassbar gut ausgearbeitet und sehr realistisch dargestellt.
Was eigentlich passiert, ist schwer, ganz kurz zu erzählen, ohne zu spoilern – ich zitiere am Besten den Klappentext:

Irina musste als Kind mit ansehen, wie ihre Schwester Leonore ermordet wurde. Nur weil Skandar, der Sohn des Jägers, sie beschützte, ist Irina noch am Leben.
Selbst als Erwachsene verfolgen sie die Bilder des brutalen Mordes. In ihrem Dorf fühlt sie sich ausgestoßen. Hinter ihrem Rücken nennt man sie verflucht. Allein Skandar will Irina für sich gewinnen. Als er sein Ziel nicht erreicht, schlägt seine Zuneigung in Gewalt um. Irina muss fliehen.
Doch »es« lauert immer noch da draußen. Im finsteren Wald. Leonores Mörder hat Irina nicht vergessen.
Ihre erneute Begegnung setzt blutige Ereignisse in Gang, die das ganze Dorf ins Verderben zu reißen drohen …

Aber es ist unfassbar rasant erzählt und ich konnte mit Irina mitfühlen, auf jeder Ebene der Geschichte.

Feuerflocke fünf Sterne Klein
Sprache:

Ich kann bei diesem Buch Sprache von Symbolen nur ganz schwer trennen, darum beides hier, auch wenn die Symbole größtenteils inhaltlicher, weniger sprachlicher Natur waren.
Die Autorin kann erzählen. Und zwar sowas von.
Packend, verstörend und so, dass ich immer wieder nachgedacht habe und den einen oder anderen Satz auf Symbolgehalt abklopfen musste. Sie verwebt geschickt Farbsymboliken (Blut auf Schnee, das rote Käppchen, der weiße Hirsch als König des Waldes) mit sprachlich dichten Bildern, die noch lange vor Augen bleiben.
Für mich sprachlich genau richtig.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Eine Novelle, die unfassbar dicht und sprachlich schön eine altbekannte Geschichte völlig neu und spannend erzählt. Ich bin vom Schreibstil, der Geschichte an sich und der sorgfältigen Recherche von Nora Bendzko hellauf begeistert und es wird nicht meine einzige Geschichte dieser Jungautorin bleiben.

Wer düstere Novellen mit hohem Symbolgehalt mag und nicht vor der einen oder anderen sehr eindringlichen Szene zurückschreckt, wird hoffentlich genauso viel Freude mit „Wolfssucht“ haben, wie ich.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Stefanie Bender – der Todesritus

Veröffentlicht am

Titel: Der Todesritus
Autorin: Stefanie Bender
Verlag: O’Connell Press
Genre: Historical Fantasy / Novelle
Seiten: 448 kb entsprechen 74 Seiten
Format: eBook
ASIN: B00XQAQTEW
Das Buch auf der Verlagshomepage – und zusätzliche Informationen zu Buch und Autorin.

Auch hier wieder eine Novelle mit meisterhafter, gleichzeitig dichter und poetischer Sprache und einer sehr, sehr hohen Spannungskurve.
Jonathans Entwicklung und die Zeit nach dem Ende von „Das Todesmal“ werden in wenigen Sätzen und Andeutungen angerissen, ehe man sich auch schon mitten im Geschehen wiederfindet. Und das ist unglaublich spannend.
Hier verläuft die Spannung auf zwei Ebenen – nicht nur die Handlung hat mich mitgerissen, auch Jonathans Entwicklung und die Veränderungen in seinem Verhalten gehen beim Lesen echt, echt nahe.
Kaum war das eBook geladen, schon war es gelesen, da ich es nicht aus der Hand legen wollte.

Cover:

Creepy. Ein Ziegenschädel mit roten, pupillenlosen Augen, die aussehen, als wären sie mal mit Blut gefüllt gewesen, man sieht noch die leeren Adern… Und ansonsten nur harmonische monochrome und weiche Farbübergänge im Hintergrund zur roten Schrift für den Titel.
Das Cover ist für mich wieder ein Hingucker und sah auch auf der Reader-App sehr gut aus. Wie es sich auf einem Schwarz-Weiß-Bildschirm machen würde (die meisten Lesegeräte) kann ich nicht beurteilen, da ich keinen klassischen eReader zur Verfügung habe – aber da würde es vermutlich auch gut aussehen.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Band 1 hatte es bereits in sich – Band 2 geht noch mal eine Stufe rauf, was den Gewaltanteil angeht. Diese Novelle ist deutlich härter, was nicht zuletzt damit zusammenhängt, dass sie zehn Jahre nach Band 1 spielt und Jonathan als erwachsener Mensch auch andere Sorgen und Nöte hat, als früher.
Auch Probleme mit der Liebe beiben dabei nicht aus, werden aber auf eine bereichernce Weise in die Handlung eingebaut und führen letztendlich zu einem Moment, bei dem ich erstmal mit offenem Mund auf mein Handy gestarrt habe und mich fragte, ob das gerade wirklich passiert ist.
Und das muss ein Buch im positiven Sinne erstmal schaffen.
Mir gefiel die historische Atmosphäre, die Figurenzeichnung (samt Spannung auf Figurenebene) und die Handlungsspannung sehr, sehr gut!
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Hier gibt es nichts auszusetzen.
Stefanie Bender schafft es, einer nervenzerfetzend spannenden Novelle mit einer poetischen Sprache zusätzliche Tiefe zu verleihen. Hier passt jede Metapher, sitzt jedes einzelne Wort, sodass ich mitten in einer furchtbaren Hitzewelle mit Jonathan im kalten Wald war und Gänsehaut hatte.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Eine Novelle, die mich atem- und sprachlos zurückgelassen hat, weil ich vor Spannung beim Lesen die Luft angehalten habe. Ich konnte einfach nicht aufhören zu lesen und als ich fertig war, hallten die letzten Worte des Buches noch eine Weile in mir nach und ich hatte dieses angenehme Gefühl, das nur ein gutes Buch auslösen kann.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Ich danke O’Connell Press für mein Rezensionsexemplar! Es ist immer eine Freude, ein Buch aus diesem tollen Verlag geschenkt zu bekommen.

Stefanie Bender – das Todesmal (#1)

Veröffentlicht am

Titel: Das Todesmal
Autorin: Stefanie Bender
Verlag: O’Connel Press
Genre: Historical Fantasy, Novelle
Seiten: 68
Format: ePUB
ISBN: 978-3945227053
Das Buch auf der Verlagshomepage

Die Autorin entführt die Leser in ein kleines und beschauliches Dorf, das ein düsteres Geheimnis hütet. Denn nicht alles ist so idyllisch, wie es scheint. Die wenigen ruhigen Momente und Gefühlsbeschreibungen empfand ich als authentisch und einfühlsam, die Figuren plausibel.
An einer Stelle wusste ich im Voraus, was kommt – die Frage ist aber, ob das am Buch liegt oder daran, dass mir Kleinigkeiten und Hinweise einfach aufzufallen pflegen und man mich daher nicht so gut täuschen kann. Außerdem war es nur die eine Stelle, ansonsten war ich meist immer wieder von den tollen Wendungen überrascht und habe kräftig mitgerätselt.
Die historische Novelle hatte ich im wahrsten Sinne des Wortes in einem Happs durch und hoffe, dass es eine Fortsetzung geben wird.

Cover:

Ein Gesicht, das aussieht, als wäre es mal eine Porzellanpuppe gewesen. Doch das Porzellan ist ausgetrocknet und ist nun von tiefen Rissen durchzogen, aus den toten Augen quillt Blut und rinnt über die zerstörten Wangen.
Persönlich mag ich solche Cover und sie passen auch gut zu den Kindermorden, um die es im Roman hauptsächlich geht. Eine gute Mischung aus altbewährtem und neugierig machenden Elementen – tote Puppen werden ja gerne auch in Horrorfilmen eingesetzt, weil sie ziemlich creepy wirken…
Somit weiß der Leser: Es ist gruselig, es ist blutig, da steht auch noch historischer Krimi drauf? Cool…

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Kinder sterben – sie alle haben diese seltsamen Flecken in ihren Augen…
Bald heißt es, eine Hexe steckt dahinter und die Dorfbewohner haben einen recht konkreten Verdacht, wer sie ist. Doch für Jonathan ist die Sache schon etwas schwieriger…
Jonathan ist ein sehr sympathischer Protagonist – er wirkt auf mich authentisch und ich glaube ihm sofort das Grauen, als er die Mädchenleiche findet. Genauso toll fand ich, wie er seine Erlebnisse schildert und eine gewisse Ohnmacht gegen die Eltern, die ihm nicht glauben wollen. Andererseits glaube ich auch durchaus, dass Eltern einem verträumten Kind nicht alles glauben, was es sagt. Das kenne ich aus eigener Erfahrung.
Klasse der Spruch von seiner Mutter, dass er alles verstehen wird, wenn er ein Mann ist – nicht wie sein Vater, sondern wie er selbst <3. Das war für mich eins der Highlights – auch wenn die Autorin noch öfter mit wundervollen Formulierungen glänzte.
Auch zu Julius, dem zweiten Protagonisten und Jonathans Vater, konnte ich bald eine emotionale Beziehung aufbauen und mitfühlen – eigentlich gibt es kaum ein größeres Grauen, als das, was er erleben musste…
Obwohl ich da recht penibel bin, habe ich keine Ahistorizismen, Ungereimtheiten oder Logiklücken entdeckt – eine tolle Novelle!

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Ich habe keine Tippfehler oder Korrektoratspatzer entdeckt – und das will was heißen ^^.
Sprachlich war es schlicht wunderschön. Oft musste ich kurz eine Pause machen und mich erstmal ein wenig in dem tollen Satz verlieren, den die Autorin eingeflochten hat. Wunderschön.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Wer nach ener spannenden Kurznovelle sucht und keine Angst vor etwas gruseliger Literatur hat, der ist hier genau richtig. Trotz der Kürze ist die Novelle voller Würze und ich hatte meine helle Freude beim Lesen, war begeistert, bestürzt, erstaunt… Eindeutige Leseempfehlung!

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Ich habe dieses Buch als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten, mit der Bitte um eine Amazon-Rezension. Dass ich nun auch einen Artikel auf diesem Blog darüber schreibe, geschieht von mir aus, ist zusätzlich und ich hoffe, die Autorin freut sich wie eine Schneekönigin!