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Archiv der Kategorie: Kurz nachgedacht

Buchgeplauder über Leserunden

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Oft findet ihr in meinen Rezensionen den Disclaimer „Ich habe das Buch im Rahmen einer Leserunde auf xy gelesen“. Mir ist aber aufgefallen, dass längst nicht alle Lesebegeisterten von dieser Möglichkeit wissen, der Leseleidenschaft zusammen mit netten Gleichgesinnten zu frönen. Darum hier eine kleine Einführung in die Welt der Leserunden!

Was und wie?

Eine Leserunde ist im Grunde genommen eine Art digitaler Buchclub – nutzt allerdings die Vorteile der digitalen Welt insofern, dass nicht alle Leser das Buch im gleichen Tempo gelesen haben müssen, um mitreden zu können.
Dabei spielt es keine Rolle, ob die Bücher verlost werden oder jeder Teilnehmer sein eigenes Exemplar kaufen muss. Der Leserundenleiter legt ein Datum fest, ab dem alle Teilnehmer mit dem Lesen beginnen sollten und ein Datum, an dem die Leserunde idealerweise zu Ende sein sollte – die meisten Leserunden, an denen ich teilnahm, gehen zwei bis drei Wochen.
Außerdem legt der Leserundenleiter Threads oder Ordner in bestimmten Abschnitten an, beispielsweise „Abschnitt 1: Anfang bis Seite 100“. In diesem Ordner darf dann wirklich nur kommentiert werden, was auf den Seiten 1 bis 100 passiert ist – Spoiler auf die Ereignisse ab Seite 101 sind verboten, man kann aber natürlich Vermutungen anstellen, wie es weitergehen könnte. Über den Inhalt der im Abschnitt enthaltenen Seiten kann man sich dagegen völlig frei austauschen, innerhalb dieser Schnittmenge sind Spoiler erlaubt.
Am Ende einer Leserunde stehen die Rezensionen.
Jeder Teilnehmer hat eine ausführliche Möglichkeit gehabt, das Buch zu lesen und die eigenen Leseerfahrungen durch den digitalen Austausch mit anderen Lesern zu erweitern und zu reflektieren – die Rezension am Ende ist sozusagen das Sahnehäubchen.

Wo?

Theoretisch kann jeder begeisterte Leser zu einer Leserunde aufrufen und sie beispielsweise via Facebookgruppe o.ä. organisieren. Ich selbst habe bisher an keiner privaten Leserunde teilgenommen. Entweder habe ich zu spät davon erfahren oder es war kein Buch, das mich reizte oder das ich gerade zur Hand hätte.
Darum kann ich hier nur von meiner Erfahrung auf drei Leserundenportalen berichten.

Am Bekanntesten ist natürlich „Lovelybooks“ – die deutsche Leser-, Rezensions- und Autorenplattform sieht sich gleichsam als deutschsprachiges Pendant zu Goodreads.
Wenn ich ehrlich bin, steht sie Goodreads in Hinblick auf Smartphonefreundlichkeit, Bedienbarkeit und Übersichtlichkeit ziemlich nach und ich wäre nicht dort, wenn nicht einer meiner Lieblingsverlage und etliche meiner heißgeliebten Independentautoren die jeweiligen Leserunden nicht ausschließlich auf dieser Plattform hosten würde.
Auf Lovelybooks laufen die Leserunden in der Regel mit einer Verlosung: Der Verlag lässt eine bestimmte Anzahl an Exemplaren (eBooks, Hardcover, Taschenbücher, teilweise auch einige Exemplare vom einen, einige vom anderen) verlosen, auf die man sich bewerben muss. Dabei können die Vorgaben unterschiedlich sein. Manche Verlage wollen einfach, dass man ein „Ich will mitlesen“ und vielleicht noch das gewünschte Format angibt. Andere Autoren wollen zusätzlich eine kleine, kreative Frage beantwortet haben.
Ein praktisches Feature ist hierbei die Möglichkeit, einer Leserunde zu „folgen“ – man klickt dazu auf dieses rote Plus:

Lovelybooks Follow

Screenshot: Evanesca Feuerblut Normalerweise sieht man dort, wo die weißen Quadrate sind, die Avatare der Follower einer Leserunde im Miniformat

Auf diese Weise bekommt man täglich eine Zusammenfassung aller am Vortag geschriebenen Kommentare – Vorsicht: Hier könnte es zu Spoilern kommen. In der Leserunde selbst gibt es zwar die Möglichkeit, Beiträge einzuklappen, um Spoiler zu verhindern (gerade wenn man nämlich „alle Beiträge“ anschaut und nicht in die einzelnen Abschnitte reinklickt, ist die Gefahr sonst zu groß), in der Mail kriegt man den Text jedoch in voller Pracht.
Also vorsicht mit diesem Feature! Auch wenn ich Lovelybooks an sich also nicht allzu sehr mag, da es technisch noch arg holpert: Als Leserundenplattform bringt Lovelybooks einige mächtige Werkzeuge, die dafür sorgen, dass die Leserunde reibungslos abläuft und großen Spaß macht.
Es wird erwartet, dass man am Ende der Leserunde eine Rezension auf Lovelybooks selbst hinterlässt. Wer zusätzlich bei anderen Plattformen, Amazon oder auf dem eigenen Blog rezensiert, erfreut natürlich zusätzlich das Autorenherz!
Ein Buchblog ist KEINE Voraussetzung, um an Leserunden teilnehmen zu können. Viele Leserunden werden von Autoren und/oder Verlegern begleitet.
Nachtrag vom 22.06.2015: Inzwischen hat Lovelybooks ein Update veröffentlicht, mit dem Leserunden in Zukunft noch komfortabler abgehalten werden können. Unter anderem wird nun grafisch stärker hervorgehoben, ob der Bewerbungszeitraum für eine Leserunde noch läuft und die glücklichen Gewinner eines Freiexemplars erhalten eine Benachrichtigung per E-Mail. Noch habe ich keine Leserunden unter den neuen Bedingungen mitgemacht, aber das bleibt bestimmt nicht aus.

Weniger bekannt und technisch ungefähr auf einer Wellenlänge mit Lovelybooks ist das soziale Rezensionsnetzwerk der Mayerschen Buchhandlung: „Was liest du?“. Der große Nachteil ist hier, dass hier nie mehr als drei Leserunden gleichzeitig stattfinden. Laufzeit sind drei Wochen.
Um die Bücher zugeschickt zu bekommen und bei der Verlosung der Bücher durch „Was liest du?“ berücksichtigt zu werden, muss man im Profil die Postanschrift hinterlegen.
Finde ich persönlich nicht schlimm – wie sollen die Bücher sonst bei mir ankommen? – aber Einige hält es doch davon ab, teilzunehmen. Wer ein Buch bereits gekauft hat, darf natürlich auch so mitmachen.
Auch hier kann man sich benachrichtigen lassen, wenn etwas Neues geschrieben wurde, indem man selbst beim Posten anwählt, dass man benachrichtigt werden möchte.

Screenshot von mir ^^.

Screenshot von mir ^^.

Bei jedem neuen Kommentar erhaltet ihr eine Mailbenachrichtigung. Auch hier solltet ihr aufpassen, dass ihr euch nicht spoilern lasst. Anders als bei Lovelybooks könnt ihr hier nicht einstellen, dass ihr z.B. nur einmal am Tag die Zusammenfassung der Kommentare haben wollt. Zumindest habe ich diese Einstellung auch nach langem Wühlen nicht gefunden.
Was an „Was liest du“ sehr schön und besonders ist, ist die freundliche, herzliche und eng zusammengewachsene Community und dass immer mindestens 20 Bücher verlost werden, sodass die Chancen recht gut sind. Da jedoch gleichzeitig immer nur zwei bis drei Titel gelesen werden, ist hier die Auswahl nicht so groß wie bei Lovelybooks. Außerdem werden natürlich nur Bücher berücksichtigt, die ihr in einer Mayerschen käuflich erwerben könnt – Independent-Autoren, Kleinverlage u.ä. fallen damit größtenteils unter den Tisch, auch wenn es durchaus einige Independet-Titel bei „Was liest du?“ gibt.
Am Ende der Leserunde sollte man eine Rezension auf der Plattform hinterlassen. Ein Buchblog ist keine Pflicht.
Die Plattform ist noch relativ neu, Änderungen sind jederzeit möglich.

Mein persönlicher Favorit ist allerdings das „Katze mit Buch„-Forum. Entdeckt habe ich dieses Forenschätzchen völlig zufällig, über die Facebookseite von „Blogger schenken Lesefreude“ 2013, als ich auf der Suche nach einem Bücher- und Rezensionsforum war. Die Community ist eher klein, aber sehr familiär und fein. Dort habe ich das Konzept „Leserunde“ auch das erste Mal kennengelernt, mein erstes Leserundenbuch war Martin Baldscheidts „Die besseren Wälder“.
Das Forum wird bei http://xobor.de gehostet – der Anbieter meines Vertrauens, sodass ich mit der Forenstruktur, der Technik hinter den Postings und den Eigenheiten der Software bestens vertraut war und mir das Einlernen (anders als bei „Was liest du?“ und „Lovelybooks“) ersparen konnte. Ich wusste ja, wie so ein Forum funktioniert.
Theoretisch hätte man auch hier die Möglichkeit, die Threads mit den Leserundenbeiträgen zu abonieren und sich so eine Mail schicken zu lassen, wann immer es Neues gibt – und zwar jeweils nur für den Thread, in dem man schon mitgeschrieben hat, was die Spoilergefahr massiv eindämmt.
Das ist aber nicht nötig. Durch einen Klick auf „Letzte Beiträge“ kann ich jederzeit sehen, ob es neue Beiträge im Unterforum der jeweiligen Leserunde gibt und kann zielgerichtet anklicken, was ich lesen möchte. Womit das Forum um viele Welten übersichtlicher ist als die anderen zwei Leserundenportale, bei denen ich meine Leserunde oft erstmal mühevoll wieder raussuchen darf.
Ähnlich wie auf Lovelybooks ist hier der Anteil der Leserunden mit Autorenbegleitung recht hoch, eigentlich postet bei fast jedem deutschsprachigen Buch der Autor selbst mit (oder beantwortet zumindest per E-Mail an ihn geschickte Intervewfragen)und das macht die Leserunden im Forum zu etwas Besonderem – schließlich kann man Fragen stellen und viel über die Entstehung eines Romans lernen.
Gelegentlich finden auch Leserunden zu Kochbüchern statt, wo die Mitglieder sich dann  über die nachgekochten Rezepte austauschen.

Muss man zwingend Buchblogger sein, um teilnehmen zu dürfen?

Nein. Ein Buchblog ist keine Voraussetzung. Natürlich wird man feststellen, dass sehr viele Leserundenteilnehmer selbst Buchblogger sind – aber es ist kein Muss.
Ich selbst habe bei Leserunden seit 2013 mitgemacht – die FeuerFlocke zusammen mit fruehstuecksflocke jedoch erst im Herbst 2014 eröffnet.
Da auf allen drei Plattformen die Bücher ausgelost werden, schaut auch niemand vorher, ob ihr einen Buchblog habt – das wird eure Verlosungschancen also weder beeinträchtigen noch erhöhen.

Und die, die kein Buch gewonnen haben?

Nicht immer gewinne ich meine Leserundenbücher. Einmal fanden Leserunden zu ein- und demselben Buch fast gleichzeitig auf „Katze mit Buch“ UND auf „Was liest du?“ statt – und ich habe mein Exemplar bei der „Katze“ gewonnen. Natürlich war ich trotzdem auch auf WLD willkommen und habe freudig mit den dortigen Teilnehmern diskutiert.
Manchmal erhalte ich Bücher als Rezensionsexemplar von Verlagen – muss aber erstmal meine anderen Rezensionsexemplare „abarbeiten“ und zufällig findet bald darauf eine Leserunde zu diesem Buch statt. Auch da geselle ich mich oft dazu, denn ich bin ein Social Reader und für mich bereichert das Austauschen über ein Buch die eigene Leseerfahrung ungemein. Um niemandem die Chance im Lostopf wegzunehmen, schreibe ich dann dazu dass ich das Buch schon habe.
Und natürlich gab es auch schon das Timing, dass ich mir ein Buch kurz vorher selbst gekauft habe, aber bisher nicht zum Lesen kam. Auch da passt eine Leserunde natürlich perfekt.

Außerdem habe ich mich hier zwar auf Plattformen konzentriert, bei denen man ein Buch gewinnen kann, es gibt jedoch auch durchaus Leserunden, bei denen man sich das Buch selbst kaufen muss – beispielsweise bei privaten Leserunden im „Was liest du?“-Forum und auf Facebook.

Habt ihr selbst schon an einer Leserunde teilgenommen? Wenn ja: An welcher? Wo?
Wenn nein: Wäre das etwas für euch? Wieso oder wieso nicht?

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[Buchgedanken] Wenn Werbung für ein Buch so richtig unsympathisch ist

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Neulich habe ich eine Fantasy-Anthologie beendet, in der unterschiedlichste und teils international bekannte Autoren ihre eigenen Geschichten rund um die Geschöpfe von Tolkien veröffentlicht haben. Da durften Zauberer, Hobbits, Elben und Drachen nicht fehlen. Und… last but not least… auch keine Zwerge.

Gerade bei den Zwergenbeiträgen war jedoch ein Eintrag dabei, der bei mir einen sehr negativen Beigeschmack hinterlassen hat. „Zwergenzorn“ heißt der Beitrag von Markus Heitz und… ist nichts Anderes als der Prolog des ersten Bandes seiner Zwergenreihe.
Das allein wäre halb so wild – es gibt noch mindestens einen weiteren Beitrag, der einen Ausschnitt aus einem größeren Werk darstellt und da hat es mich nicht gestört – aber etwas Anderes hat mich maßlos aufgeregt.
Und das war der klein und kursiv gedruckte Nachsatz „Möchten Sie mehr über das tapfere Volk der Zwerge lesen? „Zwergenzorn“ ist der Auftakt zu Markus Heitz‘ großem Epos Die Zwerge (06/9372), das ebenfalls im Heyne Verlag erschienen ist.“
Und das nicht etwa in einem dieser kleinen Promoheftchen, die man in Buchhandlungen gratis mitnehmen kann, um in ein Buch reinzuschmöckern. Da wäre sowas völlig normal – wozu sonst sind diese Hefte denn da?
Es war ein Beitrag in einer Anthologie, die in deutschen Buchläden für 14,99 € über den Ladentisch geht.

So ziemlich alle Menschen, die ich kenne, hassen die Trailer zu Beginn einer DVD (die man teilweise noch nicht mal richtig überspringen oder vorspulen kann). Ich nehme an, wenn man irgendwo im vorderen Drittel eines Films auf einmal einen zusätzlichen Kurzfilm einblenden würde – wen das interessiert, der solle sich bitte die ganze DVD dazu kaufen – wäre der Aufschrei und die Debatten groß. Ich kann die „Und darum streamen immer mehr Menschen und die ganze Filmwelt stirbt“-Schreie schon hören.

Wieso darf ein großer deutscher Verlag sowas dann in einem Buch machen?

Es geht mir nicht in den Kopf.

Klar, Autoren sollen Werbung machen für ihre Bücher. Aber wenn man wie ich viel auf Facebook und anderen Plattformen unterwegs ist und beobachtet, wie Kleine und Große so werben, entwickelt man schnell ein Gefühl dafür, was man lieber lassen sollte.
Und alle Werbeformen, von denen man die Finger lassen sollte, sind die, bei denen den Lesern aufdringlich vermittelt wird, dass es sich um Werbung handelt – und auch noch Dublicate Content darstellt. Wer „Zwergenzorn“ noch für eine eigenständige Geschichte hält und dann Band 1 der Zwergenreihe aufschlägt, wird unangenehm überrascht, denn exakt der gleiche Text kommt ihm als Prolog wieder unter die Augen.
Das steht aber noch nicht mal im kursiven Begleittext des Verlags dabei – Auftakt ist eben nicht Prolog und kann durchaus als „zusätzlicher Exklusivcontent für diese Anthologie aus der Zwergenwelt von Markus Heitz“ durchgehen. Und wenn ich ehrlich bin, hätte ich das völlig in Ordnung gefunden. Der Schreibstil hat mich überzeugt, ich war neugierig auf das Buch dahinter geworden und habe tatsächlich mit dem Gedanken gespielt, es mir irgendwie zu besorgen. Eben bis jemand, der ebenfalls in die Anthologie reingelesen hat, „Zwergenzorn“ als Prolog des ersten Zwergenbands outete.
In dem Moment war bei mir die Luft raus, ich war stinksauer und fühlte mich veralbert.
Und obwohl mich der Schreibstil wirklich, wirklich gereizt hätte, habe ich mir die Finger verbrannt und werde so schnell kein so beworbenes Buch in die Hand nehmen.

Ob Markus Heitz überhaupt weiß, dass sein Verlag sich diese Werbegeschichte herausgenommen hat? Auf seiner Homepage steht der Prolog nämlich vollständig als Leseprobe online *klick* und er hat die Anthologie nicht in der Liste seiner außerdem noch in Anthologien veröffentlichter oder zum Download freigegebener Geschichten mitverzeichnet.
Andererseits ist mein Exemplar der Anthologie, das ich übrigens gewonnen habe, nicht nur prominent mit „Mit Markus Heitz, George R. R. Martin, Neil Gaiman u.a.“ beschriftet, sondern tatsächlich von ihm signiert.

Keine Ahnung, wer jetzt schuld daran ist, dass mitten in einer Anthologie einfach ein Stück offiziell vom Verlag autorisierter Werbung erscheint. Aber diese Werbeform gefällt mir kein bisschen. Egal, auf wessen Mist dieser Unsinn gewachsen ist!