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Archiv der Kategorie: Film

[Film-Rezension] Fantastic Four

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„Fantastic Four“, die Neuverfilmung von Marvels Comic-Serie „Die fantastischen Vier“ rund um Reed Richards, Ben Grimm, Susan und Johnny Storm, gilt bereits jetzt als großer Flop. Laut Wikipedia betrug das Einspielergebnis am ersten Kino-Wochenende nur 60 Millionen US-Dollar, was für einen Film mit einem Budget von gut 200 Millionen so gesehen schon recht schwach ist.

So gesehen haben die Kinogänger dem Film eigentlich keine Chance gegeben, was auch nicht verwundert. Der Vorwurf, Marvel wolle mit dem Remake nur Geld machen, lag schon lange in der Luft, und ist zugegeben schwer zu entkräften: Fantastic Four ist das Remake (falls man es so nennen kann) des gleichnamigen Films aus dem Jahre 2005.

Was ist aber eigentlich am Film selbst dran? Ich war gestern im Kino und habe mich noch darüber gewundert, dass der Film so selten gezeigt wird – sprich, ich wusste nix von dem Flop, bis ich an der Kinokasse von meiner Begleitung darauf aufmerksam gemacht wurde.

Das nachfolgende Review ist dadurch vielleicht etwas unvoreingenommener als andere, aber es enthält gleichzeitig auch eine Menge Spoiler. Wirklich, wirklich viele Spoiler. Wer also den Film noch sehen will, ohne von mir zum Rennauto degradiert worden zu sein, liest es besser nicht.

Handlung?

Fantastic Four erzählt die Geschichte der Fantastischen Vier neu. Die erste Szene beginnt mit den 10jährigen Ausgaben von Reed und Ben, die gemeinsam die Schulbank drücken. Gott sei Dank ist an genau dem Schultag, den wir zu sehen kriegen, gerade Career Day. So kann uns Reed auch gleich ein Referat darüber halten, dass er einmal Teleporter bauen will und zu Hause in der Garage schon an einem solchen Biomaterie Transportshuttle bastelt. Gleich neben seinem fliegenden Auto, an dem er aber aufgehört hat zu arbeiten. Der Lehrer rügt ihn („Richtige Berufe, Reed! Halt morgen noch mal ein Referat über einen richtigen Beruf!“), die Szene endet. Nachts sehen wir Ben auf einem Schrottplatz (der anscheinend seiner Familie gehört) einem Geräusch nachgehen: Es ist Reed, der einen Trafo stiehlt. Sie kommen ins Gespräch, Reed erzählt vom Teleporter, die Kids probieren den Prototypen gemeinsam aus.

7 Jahre später sind sie mitdemselben Projekt auf einer Wissenschaftsmesse in einer Turnhalle. Franklin Storm von der Baxter-Foundation entdeckt die beiden und heuert Reed für sein Projekt an: Er baut nämlich auch einen Teleporter in eine andere Dimension. Ben wird zurück auf den Schrottplatz geschickt.

In der Folge baut Reed gemeinsam mit Victor von Doom, Susan Storm und deren zwangsverpflichtetem Bruder Johnny (dazu gleich mehr) an einem Teleporter. Der Teleporter wird irgendwann nach viel hin und her fertig, dreiviertel des Filmes sind vorbei, man plant einen Ausflug in die andere Dimension, alles geht schief, die üblichen Verdächtigen erhalten alle ihre Kräfte. Der Film klammert die ganze „Wah, ich bin das Ding, Reed hat mich entstellt!“- und „Heiliger Kuhmist, mein Körper ist aus Gummi!“-Sache aus und überspringt ein Jahr. Ein zweiter Teleporter wird gebaut, Von Doom plant kurz die Welt zu vernichten, wird in einem sehr kurzen Endkampf besiegt. Ende der Geschichte, die eigentlich noch nicht begonnen hat.

Tempo des Films

Der. Film. kommt. einfach. nicht. in. die. Gänge. Wozu dieses lange Aufrollen von Kindheit an? Alle wissen, dass Reed wohl mal Wissenschaftler wird. Wozu die unmotivierte (und ausgelutschte!) Career-Day-Szene? Ist ja nicht so, als hätten wir noch nie in einem Film gesehen, dass der Career Day neben den Cheerleaders und Footballspielern die dritte elementare Säule des amerikanischen Bildungssystems ist.

Welcher Supervisor bei einem geheimen Teleporterprojekt klappert alle Wissenschaftswettbewerbe in Turnhallen ab, um Nachwuchs zu rekrutieren? Und das auch noch persönlich? Wie heißt es im Film so schön? „Die Sensation war all die Jahre versteckt hinter dem Vulkan aus Pappmaché und einer Kartoffeluhr!“ Das sah man natürlich kommen und hat die Teenie-Experimente alle angeguckt.

Bis dann dieser Teleporter gebaut ist, vergeht der ganze Film. Schließlich ist er fertig, die NASA soll in die andere Dimension reisen, aber die Teenies rund um Reed und Victor wollen lieber die ersten sein. Schnell wird Ben vom Schrottplatz geholt, damit er auch mitfliegen kann. Victor geht in der anderen Welt verloren, der Rest kehrt zurück. So weit, so Film.
Man freut sich, dass die Vorgeschichte endlich vorbei ist. Endlich Superkräfte und so.
Aber irgendwie scheint es Regisseur Josh Trank an dieser Stelle bewusst geworden zu sein, dass er von den lächerlichen 100 Minuten seines Films* bereits fast alles verbraten hat, denn er überspringt dann ein Jahr. Alle haben sich an ihre Kräfte gewöhnt, sind in Area 57 eingekerkert (nur Reed nicht, der ist geflohen – man gönnt sich 5 Minuten, um ihn schnell wieder einzufangen, nachdem das im Jahr davor nie geklappt hat), der neue Teleporter ist fertig. Man fliegt erneut in die andere Dimension, trifft den inzwischen durchgedrehten Victor. Der will die Welt vernichten, man kämpft kurz gegen ihn, findet alle Erlebnisse „fantastisch“ und nennt sich daraufhin „Fantastic Four“. Hussa.

Darstellung der Charaktere

Nicht genug mit dem bekloppten Tempo, die Umsetzung der Comic-Helden lässt auch zu wünschen übrig.

So wird etwa aus Ben Grimm, der in der Comic-Vorlage immerhin einen Ingenieurs-Titel hat, auf dem College war, für die NASA arbeitete und Testpilot beim Militär wurde, ein Teenie, der sein Dasein auf dem Schrottplatz fristet und nur, weil Reed ihn dabei haben will, mit in die andere Dimension fliegt. Sonst wäre er nämlich außen vor.

Reed Richards ist ein verqueres Genie, so weit, so gut. Er trägt die übliche Brille eines Nerds, benimmt sich genauso unbeholfen gegenüber Mädels und würde gut in The Big Bang Theory passen.

Victor von Doom ist etwas selbstbewusster als Reed und ein richtiger Rabauke. Die Baxter Foundation will ihn aus dem Programm ausschließen, denn Victor hat doch tatsächlich den Server-Raum angezündet und sollte daher im Gefängnis sitzen. So ein Schlingel!

Susan Storm ist die Adoptivtochter von Franklin Storm, dem Projektleiter. Sie ist tatsächlich die einzig Vernünftige im ganzen Film und als solche ganz gut getroffen.
Wäre da nicht, dass ihr Adoptivtochter schwarz ist und dessen leiblicher Sohn, Johnny, damit ihr Stiefbruder ist. Johnny Storm ist also schwarz. Das ist an sich nicht schlimm, ich bin für Adaptionen durchaus offen, dass aber dadurch Susan und Johnny nicht leiblich verwandt sind, stört mich schon ein wenig. Man hätte auch gleich die ganze Familie schwarz machen können, anstatt bei Susan am hergebrachten Bild der blonden Damsel in Distress, die sie in den Comics so oft war, festzuhalten.
Gleichzeitig ist der Charakter des schwarzen Johnnys recht problematisch. Der schraubt in seiner Freizeit nämlich an seinem Auto und fährt illegale Straßenrennen. Damit wird der so mutige Hautfarbenwechsel zu einer Ansammlung reinster Klischees. Man möchte mit dem Kopf auf den Tisch hauen, gäbe es im Kino denn einen.
Johnny baut dann auch flugs einen Autounfall, Vati Franklin muss ihn raushauen und nimmt ihm sein Auto weg. Das müsse er sich jetzt erst wieder verdienen, und da er so ein guter Autoschrauber sei, könne er die Kosten bei Franklins supergeheimen Teleporterprojekt abarbeiten, denn dafür ist er jetzt ja eindeutig genauso qualifiziert wie die Supergenies Reed und Victor.
(Nur Ben Grimm, der handelt mit Schrott, den kann man da nicht brauchen.)

Fazit

Genug des Rants, zurück zur Sachlichkeit: Einerseits war die Zeit für ein Remake von Fantastic Four wohl einfach noch nicht reif. Natürlich will man bei Marvel die fantastischen Vier nun in das gemeinsame Film-Universum einreihen. Aber muss man dafür den Film neustarten? Die Schauspieler von damals (2005) sind vielleicht nicht mehr dabei, aber hätte das wirklich gestört? Beim Hulk wechselte der Schauspieler nach jedem Film und dass Dr. Banner im ersten Avengers-Film plötzlich wieder anders aussieht, wurde nicht thematisiert. Man hätte es bei den Fantastic Four genauso machen können: Die Geschichte der vorhergehenden zwei Filme stehen lassen (sie unterscheidet sich eh kaum vom Neuen – statt in eine andere Dimension flog man damals ins All, mehr nicht) und einfach neue Schauspieler aufstellen. Anhand der Kostüme hätte man sie schon erkannt.

So dürfen sich Fans innerhalb von nur 10 Jahren schon wieder die Entstehungsgeschichte geben, anstatt neue Abenteuer zu genießen.

Andererseits ist die Ausführung des Films einfach nur dilettantisch. Er fängt ewig nicht an, kriegt keine wirklich ausgeklügelten Bilder seiner Charaktere hin, arbeitet mit mehr Klischees als gut für ihn ist und neigt zu unnötiger Brutalität. Als Victor von Doom zurückkehrt, geht er durch Area 57 und lässt den Kopf jeder Person explodieren, die ihm begegnet. Wir erleben dadurch mehrere Minuten lang Köpfeexplodieren und geschmacklose Blutflecken an den Wänden. Wozu, weiß niemand. Denn aufgehalten wird Victor hier nicht. Man könnte meinen, Regisseur Trank hätte einfach auch mal ein bisschen sinnlosen Splatter machen wollen.

Ich ende jetzt hier, ehe ich mich noch einmal aufrege.

1 von 5 Flocken – und die auch nur, weil wir hier nicht weniger vergeben.

Feuerflocke ein Stern Klein

 

* Vergleichbare Filme sind deutlich länger. So hat Marvel’s The Avengers eine Länge von 142 Minuten und Iron Man 3 131 Minuten. Thor dauert – bei weit mehr Handlung – immerhin 114 Minuten und um einen Konkurrenz-Film noch zu nennen: DC Comics hat es bei The Dark Knight Rises sogar auf 164 Minuten geschafft.

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[Film-Rezension] Hercules

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Wenn Hollywood einen antiken Mythos aufgreift und einen Blockbuster daraus macht, kann man sich sicher sein, dass ein völlig verqueres Actionspektakel dabei herauskommt, welches mit dem ursprünglichen Mythos außer dem Namen des titelgebenden Helden rein gar nichts mehr zu tun hat. So sicher, wie eine jede Nymphe von Zeus bestiegen wird, die bei drei nicht zu einem Baum wurde.

Anders versprach es der Trailer von Hercules, der in nur wenigen Sekunden gleich mehrere Heldentaten des Halbgottes zeigt: Der Kampf mit dem Nemëischen Löwen, Jagd auf den Erymanthischen Eber, die Hydra, garniert mit einem Hercules (gespielt von Dwayne The Rock Johnson), der tatsächlich Löwenfell und Keule trägt.
Eine Hercules-Verfilmung, die sich auf die Grundzüge des Mythos besinnt? Die die 12 Heldentaten in den Vordergrund stellt und Hercules endlich das Schwert wegnimmt?
Wenn das nicht Grund genug für fruehstuecksflocke ist, ins Kino zu gehen.

Beim Hercules, hab ich mich aber geirrt!

Besagte Heldentaten nehmen etwa die ersten 15 Sekunden des Films ein – erzählt von keinem geringeren als Iolaus (Reece Ritchie), Neffe des Herakles (sowohl im Film, als auch im Mythos), der gehörig in der Patsche sitzt, weil ein paar Piraten ihn auf besonders kreative Weise pfählen wollen. Die Strategie des ärmsten ist es, die Piraten mit den Geschichten hinzuhalten, bis Hercules wirklich kommt, um ihn zu retten. Der kommt dann auch wirklich, aber nicht allein – im Schlepptau hat er ein buntes Sammelsurium griechischer Helden: Der Seher Amphiaraus (Ian McShane), der wilde Tydeus (Aksel Hennie), der Messerwerfende Autolycus (Rufus Sewell) und last but not least die „Amazone“ Atalanta (Ingrid Bolsø Berdal). Gemeinsam werden die Piraten niedergemetzelt und anschließend in einer Kneipe gezecht, das Geld gezählt und Zukunftspläne geschmiedet, die Möglichkeiten einer Altersresidenz weit, weit weg erörtert und schließlich der nächste Auftrag angenommen.

Wer sich etwas mit griechischer Mythologie auskennt, hat bereits hier einiges an Glauben an den Film verloren: In Hermes-Sohn und Meisterdieb Autolycus erwartet man keinen Krieger, und der Seher Amphiaraos, der u.a. die Alkmene zeugte (und damit Hercules‘ Großvater ist), passt nicht wirklich zu einer Söldnertruppe. Immerhin handelt es sich bei Tydeus wirklich um einen Krieger, und auch seine im Film aufgegriffene Verbindung zu Theben und dort passierter Greueltaten passt, ist Tydeus doch einer der Sieben gegen Theben.
Weniger stimmig ist, dass Amphiaraus eigentlich nicht unbeteiligt an Tydeus Tod war und den guten gehasst hat…
Die Darstellung der Atalanta als Amazone hingegen kann man gerade so noch durchgehen lassen, wenngleich ihre bauch- und beinfreie Lederrüstung mit tiefem Ausschnitt wenig Schutz bieten dürfte…
Der Film erklärt den Zusammenhang der Truppe mit Hercules so: Alle diese Helden waren irgendwie bei dessen Heldentaten dabei, wurden von ihm gerettet oder kamen sonst irgendwie in seine Schuld und schlossen sich ihm an.

Der neue Auftrag führt die Söldnertruppe nach Thrakien, wo König Cotys sich von Rhesus bedroht sieht. Der führt nämlich Krieg gegen ihn und alles, was Cotys hat, sind ein paar Bauern. Hercules soll aus ihnen Krieger machen und sie in die Schlacht führen – was früher geschieht, als ihm lieb ist. Das Heer gerät in einen Hinterhalt, und man erfährt, dass Hercules keineswegs ein Halbgott ist, sondern vor allem von der Legende seiner Abkunft, seiner Unverwundbarkeit und seiner zwölf Arbeiten zehrt, um dem Feind Angst einzuflößen. So wird der anfängliche Zweikampf zwischen Hercules und einem Feind zur wahren Showeinlage zelebriert und der Film beginnt erneut, interessant zu werden – bis Amphiaraus in einem Streitwagen durch die Gegnerhorden fährt, einen Knopf drückt, links und rechts Klingen ausklappt und sich so seinen Weg bahnt und ich vor Lachen beinahe am Popcorn erstickt wäre…

Später greift der Film erneut den Hercules-Mythos kurz auf, thematisiert Megara und die toten Kinder (die Hercules laut Mythos getötet hat), bringt den Cerberus ins Spiel, der Hercules im Traum verfolgt – löst aber auch diese Traumvision sehr gekünstelt auf.

Wer eine ernstzunehmende Adaption des Hercules-Mythos erwartet, wie ihn der Trailer verspricht, wird bei Hercules bitter enttäuscht sein. Wer hingegen auf trashige, grundlos actiongeladene Spektakel mit coolen Sprüchen steht, für den ist Hercules sicher ein solides Stück seichter Unterhaltung.

Dwayne Johnson ist mit seinen Muskelbergen und der hünenhaften Gestalt wohl die beste Besetzung für den Halbgott und sieht mit Keule, Löwenfell und Bart durchaus wie ein wilder Berserker aus. Ingrid Bolsø Berdal steckt als Atalanta vielleicht in einer etwas zu freizügigen Rüstung, wird im Film aber Widererwarten alles andere als attraktiv dargestellt und kommt so der Atalanta des Mythos, einer jungfräulichen, wilden Jägerin, recht nahe.
Wirklich getragen wird der Film aber wohl von der herrlich sarkastischen Rolle des Amphiaraus, der auch als Erzähler fungiert und mit Visionen, Vorausdeutungen und Sprüchen wie „Zumindest ich werde heute nicht sterben – bei dir bin ich mir da nicht so sicher…“ vor dem Kampf dem Zuschauer regelmäßig ein Grinsen ins Gesicht zaubert.

Gäbe es keinen Amphiaraus, wären die 10 € für das Kinoticket jedenfalls zu viel.

Feuerflocke drei Sterne Klein

3 von 5 möglichen Feuerflocken