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Archiv der Kategorie: Comic/Manga

Flash – DC’s neue Superheldenserie

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Lange wurde bereits gemurmelt und gerüchteküchelt, gestern war es nun soweit: Flash, die neue Superheldenserie von DC, feierte auf Pro7 ihre Fernsehpremiere mit einer Doppelfolge.
Im Zentrum der neuen Serie steht der gleichnamige Superheld Flash, in alten deutschen Comic-Ausgaben gern noch als „Der rote Blitz“ bezeichnet, und sein Kampf gegen das Verbrechen in Central City.
Aber der Reihe nach.

Kurz zum Inhalt

Barry Allen ist Forensiker beim Central City Police Department. Sein Schicksal ist vergleichsweise tragisch, verlor er doch noch im Kindesalter seine Eltern: Als er nachts aufwachte, sah er seine Mutter in einem wilden Wirrwarr aus roten und gelben Blitzen gefangen. Sekunden später findet Klein-Barry sich auf der Straße wieder, rennt panisch nach Hause, und findet dort nur noch Polizei vor. Seine Mutter ist tot, sein Vater wird des Mordes angeklagt, verurteilt und eingesperrt.
Detective Joe West, ein Freund der Familie, hat Mitleid mit Klein-Barry, nimmt ihn bei sich auf und zieht ihn gemeinsam mit seiner eigenen Tochter Iris auf.

Viele Jahre später, Barry ist inzwischen groß und ein meisterhafter, wenn auch notorisch unpünktlicher Forensiker mit einem kleinen Physikhobby, geht in STAR Labs der neue Teilchenbeschleuniger ans Netz – und wie wir das aus den vielen Schwarzmalereien rund um den Beschleuniger am CERN kennen, kann sowas nicht gut gehen. STAR Labs explodiert, ein plötzlicher Gewittersturm entwickelt sich, und ein Blitz schlägt genau in Barrys Labor ein. Barry fällt ins Koma, wacht neun Monate später wieder auf, und stellt fest: Dank des Blitzes hat er nun einen Sixpack und ist der schnellste Mann der Welt.
Nach anfänglichen Disputen mit Dr. Harrison Wells, dem ursprünglichen Betreiber von STAR Labs, entscheidet sich Barry für die Superheldenkarriere – nicht, ohne sich diesen Entschluss bei einem spontanen 3-Minuten-Abstecher nach Starling City von Oliver Queen alias Green Arrow persönlich absegnen zu lassen – auch, weil Wells irgendwann eingesteht, dass durch den Gewittersturm noch hunderte Typen mit seltsamen Kräften wie Barry da draußen sein könnten. Und die sind sicher nicht alle so feine Kerle wie Barry…

Comic-Treue…

Comic-Fans dürfte sicherlich an der Serie begeistern, dass viele Elemente der klassischen Comic-Serie übernommen wurden. Auch der Barry Allen aus den Flash-Comics war Forensiker bei der Polizei, auch die Comics hatten den Running Gag, dass Barry immer zu spät kommt. Auch die Geschichte mit dem Blitzeinschlag ins Polizeilabor ist aus den Comics, wenngleich dort kein Teilchenbeschleuniger verrückt spielt, sondern Barry einfach Pech hat.

Iris West ist in den Comics Barrys Freundin, später seine Frau. In der Serie hingegen ist sie seine Stiefschwester, wobei schon in der ersten Folge klar wird, dass Barry gerne mehr hätte.

… und Serienumsetzung

Auf den ersten Blick war es das aber auch schon mit der Comic-Treue. Detective Joe West ist eine Serien-Erfindung, ebenso die vielen Blitz-Freaks, die in Central City nun ihr Unwesen treiben.
Mehr noch: Wer die Fernsehserien rund um die DC-Helden der jüngsten Zeit verfolgt, fühlt sich schnell an Smallville erinnert. Dort stürzte mit einem Meteoritenschauer aus Überbleibseln des Planeten Krypton nicht nur Klein-Superman auf die Erde, sondern auch ein riesiger Haufen gruslig-grün leuchtendes Meteoritengestein, das jeden, der damit in Kontakt kommt, gleich mit allen möglichen und unmöglichen Superkräften ausstattet.
Schon in Smallville wirkte dies etwas plump, und dasselbe Erklärungsmuster in Flash erneut zu bemühen, macht das Konzept nicht besser.
Und als wäre das nicht bereits Parallele genug, so ist Barrys Love Interest Iris die Tochter eines Polizisten – genauso wie auch Laurel Lance, Arrows Love Interest. Und von Iris Job als Journalistin , die dadurch immer am Schauplatz von Verbrechen rumlungert, hin zu Laurels Job als Anwältin, die darum immer mit Verbrechen zu tun hat, ist es auch nicht so weit.
(Und man könnte jetzt noch anmerken, dass auch die berühmte Lois Lane Journalistin ist…)

Auch die Motivation für das Heldendasein fehlt bei Barry Allen. Bruce Wayne ist traumatisiert durch den Tod seiner Eltern, Clark Kent schlittert in die Superheldennummer irgendwie rein (irgendwer muss die ganzen Spinner ja aufhalten), Oliver Queen hat seine Liste – und Barry Allen? Der scheint irgendwie halt auch mal Held sein zu wollen. Schließlich kann er echt, echt schnell laufen und überraschenderweise kommt er mit diesem Umstand auch problemlos klar (soll ja schon Helden gegeben haben, die dann ewig mit ihrem Schicksal gehadert haben…), sodass er sich sofort ein Kostüm angelt, einen Bösewicht sieht, ihn stoppt, seinem Stiefvater das Leben rettet, und sich Rat bei Oliver Queen einholt. Letzterer meint angesichts des sofort wieder davondüsenden Barrys dann nur noch anerkennend: „Cool!“

Mr. Arrow muss es ja wissen.

Eine (!) Folge später steht Barry dann seinem zweiten Superschurken gegenüber, verliert den Kampf und will alles hinwerfen. Denn er ist schlecht organisiert, unerfahren, und das kann ja nur in die Hose gehen.
Grad angesichts dessen, dass die Serie im selben Serien-Universum wie Arrow spielt, fragt man sich als Zuseher spätestens hier, wieso Arrow eigentlich nicht ein wenig mehr von seiner Expertise einbringt. Sein einziger Tipp ist nämlich: „Trag ne Maske, Junge!“, und kein Wort von Kampftechniken, Grundlagen der Verbrechensbekämpfung etc.
Stattdessen legt Barry einfach los, flugs unterstützt vom Team rund um Dr. Wells, das auch einfach mal macht. Der Bösewicht kann das Wetter kontrollieren? Ja dann schauen wir halt mal den Live-Wetterbericht an, vielleicht fällt uns wo was seltsames auf!
Ein Vorgehen, wie im Bilderbuch, das zu einfach wirkt – besonders, weil es so blauäugig ist, dennoch klappt und man sich einfach fragt, ob die Figuren hier nicht ein wenig über ihre Tätigkeit reflektieren hätten sollen….

Das Problem, wenn man superschnell ist…

Vielerorts wurde auf Blogs bereits vor Erscheinen der Serie diskutiert, dass das gesamte Flash-Konzept eigentlich nur floppen kann. Weil wenn einer superschnell ist und die ganze Stadt in der Zeit durchläuft, in der andere nicht einmal blinzeln können, wie soll da ein Superschurke überhaupt eine Chance haben?
In Trailern war oft die Szene zu sehen, in der Flash rund um einen vom Bösewicht beschworenen Tornado rennt, um ihn auszubremsen. Wieso hat der ach so schnelle Flash den Bösewicht nicht einfach umgehauen, bevor der seinen Tornado losgelassen hat?
Eine Frage, die mich durchaus auch beschäftigt hat, und zu meiner Überraschung wurde sie gut gelöst.
Einerseits hat der frischgebackene Superheld Barry seine Kräfte noch nicht unter Kontrolle und weiß noch nicht genau, was er alles drauf hat.
Andererseits weiß er auch nicht, was der Gegner alles drauf hat. Und wer greift schon voreilig an, um dann gleich eine geklebt zu kriegen?

Zudem muss man durchaus kreativ sein, um gegen seltsame Gegner vorzugehen, denn Barry kann nur schnell laufen. Er ist weder unverwundbar, noch besonders stark, hat keinen Hitzeblick und keine High-Tech-Waffen. Was tun gegen einen Tornado? Oder was gegen einen Schurken, der mal eben so 300 Klone von sich erstellt? Das sind zu viele, um sie einfach alle umzuhauen. Denn wenn einer der 300 Barry erwischt, dann war es das.

Und als wäre das alles noch nicht gut genug, so hat Barrys schnelles Rennen auch Auswirkungen auf seinen Energiehaushalt. Wer schneller rennt, braucht auch mehr Kraft. Verausgabt Barry sich zu sehr, droht ihm Unterzuckerung und dann war’s das.

Einfach nur rumrennen ist also nicht – Köpfchen ist gefragt.

Ich muss sagen, so banal diese Lösung auch erscheint, sie macht Sinn. Und sie balanciert Barrys Kräfte in ein ordentliches Maß, sodass Kämpfe gegen Schurken doch wieder spannend werden.
Das haben die Macher echt gut gelöst.

Meinung

Flash wirkt als Serie zwar auf den ersten Blick solide, doch im Vergleich mit anderen Superheldenserien bleibt ein sehr oberflächlicher Eindruck, gepaart mit vielen Déjà-vus. Ein wenig Comic-Treue tut hier gut, und auch Innovationen sind gut und wichtig, aber ich hätte mir hier doch ein bisschen mehr Mut zu Neuem gewünscht. Wenn man schon Charaktere ändert oder neue Charaktere kreiert, dann doch bitte wirklich grundlegend neu und kein Aufkochen von Elementen alter Serien.

Die Verzahnung der Serie mit Arrow ist ein wichtiger und längst überfälliger Schritt (Marvel dreht schließlich schon seit Jahren Kinofilme, die ein gemeinsames Helden-Universum schaffen!), aber auch das sieht unecht aus. Der spontane Ausflug nach Starling City wirkt aufgesetzt, eine wirkliche Handlungsrelevanz lässt sich nicht erkennen – man sieht nur mal gleich zu Beginn, dass Arrow potentiell mitmischen könnte, aber zu mehr als der Möglichkeit reicht es nicht.

Wenigstens hat die Serie das Problem mit den Superkräften gelöst, möchte man sagen. Vorschusslorbeeren sind für Flash meinerseits keine drin, ich möchte der Serie aber auch noch nicht jedwedes Potential absprechen. Vielleicht waren dies auch nur die ersten tapsig-tollpatschigen Schritte und wir dürfen uns demnächst an ausgereifteren Episoden erfreuen.

Wollen wir’s hoffen. Möge Flash kein billiges Arrow-Spin-Off werden.

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Kaori Yuki – Neji

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Titel: Neji
Zeichnungen & Text: Kaori Yuki
Originaltitel: 螺子 , gesprochen „Neji“, bedeutet „Schraube“
Verlag: Carlsen
Genre: Science Fiction
Altersempfehlung: ab 14
Seiten: 208
Format: Taschenbuch
ISBN: 978-3-646-70124-1 (die ISBN bezieht sich auf die unten verlinkte E-Book-Ausgabe, da der Manga in Druckform nur noch gebraucht zu bekommen ist)
Der Manga auf der Verlagshomepage

Die Welt im Jahre 2033 – ein exotischer Ort. Während es völlig normal ist, dass Roboter unter den Menschen weilen und man zwischen Planeten hin- und herreisen kann, gibt es auch Unbekanntes. Woher haben die Menschen, die aus dem Kryoschlaf erwachen, auf einmal diese merkwürdigen Psi-Kräfte? Und was, wenn diese in die falschen Hände geraten?
Wieso besitzen Roboter einen Mechanismus, der sie in Monster verwandelt?
Wer hat diese seltsamen Drogen in Umlauf gebracht, denen immer mehr Menschen zum Opfer fallen?
„Neji“ erzählt in drei lose zusammenhängenden Kurzgeschichten, wie unsere Welt auf keinen Fall werden darf.
Dabei entstanden die ersten zwei 1992, die dritte Geschichte entstand etwa 10 Jahre später.

Cover:

Zugegeben, ein bisschen trashig ist das Cover schon, vor allem mit modernen Mangacovern verglichen. Ein monochromer junger Mann – Neji – der in martialischer Pose auf blutrotem Grund mit der Waffe auf den Leser zielt.
Wenn ich nicht genau wüsste, dass der Manga zehn Jahre alt ist und somit ein trashiges Actionmotiv nicht automatisch auch eine seichte Rambostory bedeutet, hätte ich wohl nicht zu „Neji“ gegriffen. Ich bin aber auch nicht ganz die Zielgruppe, die vermutlich eher männlich ist und solche Bilder cool fand – vor zehn Jahren.
Aber ich würde nicht sagen, es gefällt mir nicht. Nur trashig ist es halt.

Feuerflocke drei Sterne Klein

Inhalt:

Akt 1 erzählt die Geschichte von Neji und Snow White – wie sie sich kennenlernen, viele Jahre später wiederfinden und einem skrupellosen Plan auf die Schliche kommen.
Akt 2 setzt die Geschichte fort – Neji ist für G.E.R.A. zu einer echten Gefahr geworden und diese setzen Cross – einen weiteren Jungen mit gewaltigen Kräften – auf ihn an. Doch auch Cross ist nicht ganz freiwillig bei G.E.R.A. und als er die Wahrheit erfährt, wird alles anders.
Akt 3 wurde zehn Jahre später gezeichnet und erzählt eine von den ersten Teilen losgelöste Geschichte. Neji und Cross leben inzwischen zusammen und befinden sich gerade in einer Bar, als ein Mädchenroboter durchs Dach kommt und alles zerlegt. Als ein Kommando die Bar stürmt und das Mädchen vernichten will, greifen die Beiden ein – denn der Roboter flehte um sein Leben…

Ich glaube, mir ist nur ein einziger Lokigfehler aufgefallen – wieso friert G.E.R.A. jahrelang nicht nur die Leute ein, bei denen sie wissen, dass sie interessante Kräfte haben – sondern auch die Leute, die sie am Ende zu welchem Zweck auch immer sezieren wollen? Ich meine, klar – das war nötig, damit die Handlung in Akt 1 in Gang kommt und Screw sein Mädchen wiedersieht. Und da es ursprünglich eine Kurzgeschichte war, konnte Kaori Yuki sich auch nicht seitenlang darüber auslassen und es entstand dadurch auch die nötige Portion Drama – aber ein wenig unlogisch war es doch.

Abgesehen davon jedoch eine sehr schlüssige Welt und interessante Geschichten.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Zeichenstil:

Der Zeichenstil gefällt mir insgesamt ganz gut, auch wenn in den ersten zwei Akten (die zehn Jahre vor Akt drei entstanden) die Kompositionen teilweise noch etwas chaotisch sind und gerade für ungeübte Mangaleser darum nicht immer leicht durchschaubar.
Wenn mehrere Personen im Bild waren und etwas explodiert ist, musste ich die Panels doch etliche Male betrachten, ehe ich ganz genau wusste, was nun wem passiert ist.
Im dritten Akt hatte ich damit jedoch keinerlei Probleme.
Die Figuren waren gut zu unterscheiden und hatten alle ihre Eigenheiten, sodass ich nicht dauernd nachschauen musste, wer wer ist.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Sprache:

An der Sprache habe ich persönlich nichts auszusetzen.
Sie war gut ausbalanciert, keine zu schnulzige Ausdrucksweise oder übertriebener Pathos – alles wunderschön, klar und wortgewaltig.
In meiner Ausgabe gab es auch keine Druckfehler.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Aufbau:

Der Manga ist in drei Akte unterschiedlicher Länge geteilt, die jeweils auch separat lesbare Kurzgeschichten ergeben.
Die deutsche Ausgabe bei Carlsen hat die japanische Leserichtung und es sind jeweils mehr als vier Panels auf jeder Seite.

Fazit:

Mir hat die futuristische Story sehr gut gefallen – auch wenn man aus jedem der drei „Akte“ des Mangas vermutlich einen eigenen Manga machen könnte vom Umfang und den angerissenen ethischen Themen her. Ursprünglich handelte es sich um drei grob zusammenhängende Kurzgeschichten.
In Akt 1 hätte ich gerne mehr über die Vergangenheit von Screw/Neji und Snow White erfahren und auch mehr über die Menschen, die sie entführen ließen. Ich hätte gern gewusst, wie Screw wirklich zu G.E.R.A. gekommen ist und wieso sie Snow White vierzig Jahre lang eingefroren hielten, wenn sie mit ihr eigentlich nichts vorhatten. Da weiß ich nicht, ob das ein Logikfehler war oder einfach den Raum einer Kurzgeschichte gesprengt hätte – vielleicht weiß jemand was dazu?
Akt 2 fand ich schön, der hat sehr Vieles aus Akt 1 noch mal aufgeklärt – dabei aber widerum Andeutungen hinterlassen, bei denen ich gern nachgehakt hätte. Ich sage nur „Luther und Sonia“, falls jemand den Manga schon kennt. Wie gesagt, auch aus der Story hätte man einen eigenen Manga machen können, so mussten einige Teile der Geschichte etwas zu schnell und zu hektisch abgehandelt werden.
Akt 3 erzählt letztendlich eine relativ unabhängige Geschichte, die ein bisschen an „I, Robot“ erinnert, in Teilen aber noch darüber hinausgeht. Die Androiden dort sind nicht einfach Putzkolonnen, sondern sollen explizit Gefühle entwickeln – und das aus einem ziemlich perfiden Grund.
Insgesamt staune ich immer wieder über den Einfallsreichtum der vielen Mangaka da draußen – weil sie Geschichten zeichnen, die Vielen in Europa im Traum nicht einfallen würden und somit zusätzliche Perspektiven auf alte Motive und Geschichten ermöglichen.

Feuerflocke vier Sterne Klein