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Archiv des Autors: Evanesca Feuerblut

Nora Bendzko: Bärenbrut (Galgenmärchen #3)

Veröffentlicht am

Coverabbildung mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

Titel: Bärenbrut
Autorin: Nora Bendzko
Verlag: Selbstverlag
Genre: Märchenadaption / Kurzgeschichte
Altersempfehlung: 16+
Seiten: ca. 60 (NA)
Format: eBook only
Coverdesign by: Emanuel Santer
ASIN: B0742L5CKM
Das Buch auf Amazon

„Bärenbrut“ ist das Prequel zum DPP-nominierten, allerersten von Nora Bendzko verfassten Galgenmärchen „Wolfssucht“ und aufgrund der Länge als längere Kurzgeschichte einzustufen. Und nachdem die bisherigen Adaptionen sich mit sehr bekannten Märchen beschäftigten (Rotkäppchen und Rumpelstilzchen), ist „Bärenbrut“ die Adaption des Märchens „Bärenhäuter“ und das kannte ich vorher überhaupt nicht.
Entsprechend unbedarft und ohne Vorwissen bin ich an die Lektüre herangetreten und habe mir erst nachträglich das Originalmärchen zu Gemüte geführt. Ob das die richtige Vorgehensweise ist oder es besser umgekehrt wäre… wer weiß 😀 .

Cover:

Die Cover der Galgenmärchen sind irgendwie immer wieder überirdisch schön, so auch dieses hier. Obwohl vollkommen andere Farben und Motive als in „Wolfssucht“ verwendet wurden, sieht man, dass sie zusammengehören. Irgendwie.
Statt rötlicher Locken gibt es hier eine Art Schleier oder Spinngewebe am unteren Rand und das sieht einfach nur toll aus. Dazu der riesenhafte Bär als verschwommene Silhouette inmitten eines unwirklich anmutenden Waldes und die Menschengestalt.
Und wenn man es gelesen hat, passt das so, so gut auf die Geschichte, dass es fast schon unheimlich ist. Und dazu … habe ich schon erwähnt, wie ästhetisch ich das Cover finde? Jedes Cover von Emanuel Santer ist schöner als das vorherige.

Inhalt:

Es ist… interessant. Im Gegensatz zu den anderen Märchen aus der Reihe kommen hier explizit christliche Motive durch – wie im Original spielt auch hier eine gewisse Gestalt eine Rolle, die in der christlichen Folklore eine große, antagonistische Rolle spielt.
Dadurch rückt das Thema Christentum und Kirche ganz subtil in den Vordergrund. Einerseits gibt es diesen sehr ambivalenten Widersacher, auf der anderen Seite gibt es jedoch auch einen Pater in dieser Geschichte, der ziemlich viel Dreck am Stecken hat und alles andere als eine positive Identifikationsfigur ist. Ähnlich wie es schon in „Wolfssucht“ sehr ambivalent war, durch die Vermischung zwischen christlichen und heidnischen Riten und durch das ambivalente Verhalten der Menschen.

Für eine inhaltliche Zusammenfassung zitiere ich auch hier wieder den Klappentext, ich kriege es nie auch nur annähernd so gut hin wie Nora:

Nie wird Thorben den Anblick seines toten Vaters vergessen: zerfleischt von einem Bären. —

Nachdem er den Schrecken des Krieges nur knapp entronnen ist, baut er sich als Jäger ein neues Leben auf. Er heiratet, bekommt einen Sohn. Doch die Menschen in seinem Dorf sind ihm gegenüber misstrauisch. Ein Fluch soll auf seiner Familie lasten. Als seine lang verschollene Mutter wieder auftaucht und ihr der Tod ihres Mannes beigebracht werden muss, brodeln die Gerüchte von damals wieder. Thorbens Vater sei nicht von einem Bären getötet worden, heißt es. Ein Mensch in Bärenhaut habe die Bluttat begangen … ein Gestaltwandler. Was ihn auch getötet hat, es lauert noch immer im Dorf – und Thorben muss sich ihm stellen. Wenn nicht für seinen Vater, dann um sich und seine Liebsten zu schützen.

Generell kann ich diese Geschichte nur schwer losgelöst von den anderen lesen – ja, sie funktioniert auch vollkommen eigenständig. Das will ich damit nicht sagen. Man kann sie wunderbar lesen, ohne die anderen Galgenmärchen zu kennen. Aber kennt man sie, drängen sich all die intertextuellen Gedanken zwangsläufig auf. Wir haben hier nämlich eine Welt, von der ich postulieren kann:
– Dreißigjähriger Krieg
– Es gibt in dieser Welt reale Geister (die Alene aus „Kindsräuber“ sehen kann)
– Es gibt in dieser Welt Sam Morgenstern 😉
Und damit wird mit jeder Geschichte das Gesamtpaket reicher – weil sie Aspekte der jeweils anderen Geschichten in ein neues Licht setzt.
In sich ist die Geschichte wunderbar logisch – selbst einige Stellen, die ich als etwas merkwürdig empfand (und wo ich konkret an der Stelle einzelne Handlungen einer Figur nicht nachvollziehen konnte), haben sich im Nachhinein als schlüssig aufgelöst.
Nora Bendzko spielt gekonnt mit bekannten Motiven und gängigen Mythen und baut daraus auch hier wieder eine Geschichte von geradezu schmerzlicher Konsequenz.

Sprache:

Hier kommt etwas, für das Nora kein bisschen was kann und woran viel mehr mein alberner Freund schuld ist, aber … die erste Szene ist so unglaublich dramatisch, unglaublich tragisch und dann sagt Thorben „Herr Vater“. Und ich musste lachen. Weil für mich diese Anrede ausschließlich in ironischer Form funktioniert. Auch wenn sie in diesem historischen Setting völlig legitim ist.
Ich gebe dafür keine Abzüge, weil die Autorin wie gesagt nichts dafür kann, dass bei mir diese Formulierung automatisch einen kleinen Lachanfall ausgelöst hat, aber dadurch musste ich das Buch erst einmal weglegen und mich ein wenig sammeln 😀 .
Generell mag ich sehr, wie hier mit Sprache gespielt wird. Das fängt bei den Namen an – ich würde euch empfehlen, NACH der Lektüre des Buches die Namen Thorben und Elfriede mal bei Google einzugeben und „Namensbedeutung“ dazuzuschreiben, dann wisst ihr, was ich meine. Aber bitte nicht vorher.
Und auch hier findet sich die Konstruktion, die ich überall sonst als Fehler monieren würde und die nur bei historischen Stoffen wie den „Galgenmärchen“ – oder gerade da – wunderbar passen. „Wie wenn“ und „als wenn“ illustrieren wunderbar, wie die Menschen in früheren Zeiten gesprochen und gedacht haben.
Fand ich alles sehr stimmig.

Fazit:

Ich gebe zu, ich war anfangs ziemlich skeptisch. Eine „Kurzgeschichte“ mit sechzig Seiten ist ja durchaus ordentlich und vom Ausgangsmärchen habe ich noch nie etwas gehört. Und dann der Lachflash, als ich direkt am Anfang „Herr Vater“ gelesen habe und die ganze Dramastimmung für mich erstmal ruiniert war.
Aber dann las ich weiter und staunte mal wieder über das tolle Konstrukt, das Nora Bendzko auf die Beine gestellt hat. Eine wunderbar symboldichte Geschichte, die trotz der geringen Länge wunderbar funktioniert und einen Sog entwickelt, dem ich mich nicht entziehen konnte.
Das Dorfleben ist gut und spannend geschildert und ich habe immer wieder genickt, wenn etwas besonders authentisch beschrieben war.
Insgesamt eine tolle Märchenadaption, die sich gut in die bestehende Welt einfügt und mich neugierig darauf macht, wie es mit den Galgenmärchen weitergeht.

Disclaimer: Ich bedanke mich bei der Autorin für das Rezensionsexemplar!

Kerstin Arbogast – Nacht aus Schatten und Saphiren: Einhorn-Geschichten

Veröffentlicht am

Titel: Nacht aus Schatten und Saphiren: Einhorn-Geschichten
Autorin: Kerstin Arbogast
Verlag: Selbstverlag / Amazon
Genre: Fantasy / Anthologie
Altersempfehlung: 16+
Seiten: 128
Format: eBook
Coverdesign by: Michelle N. Weber
ASIN: B0713TND28
Das Buch auf Amazon

Ja. Ich weiß. Eigentlich wollte ich keine Rezensionsexemplare annehmen. Aber dann gab es da diese Leserunde auf Lovelybooks und das Versprechen, Einhorngeschichten jenseits von Romantasy und den gängigen Klischees zu finden. Und… naja, ich bin derzeit ein wenig auf dem Einhorntrip, ich KONNTE nicht an dieser Leserunde vorbeigehen und habe ein Buch gewonnen.

Hach.

Bisweilen ecke ich damit an, dass ich offen gestehe, dass ich bei Kurzgeschichten die bevorzuge, die mich mit einer gewissen Wehmut, einem gewissen Schmerz und einem Gefühl der Unvollständigkeit zurücklassen. Das sind für mich die allerschönsten Geschichten, die, aus denen ich eben NICHT mit einem guten Gefühl auftauche und die ich dann zuklappen und vergessen habe.
Die Geschichten von Kerstin Arbogast haben ziemlich fiese Stacheln und wenn ich eine ausgelesen hatte, musste ich erstmal eine mehrtägige Pause machen, um mich von den Geschichtenstacheln im Kopf wieder zu befreien und für die nächste Geschichte aufnahmefähig zu sein. Pausen, die sich wirklich gelohnt haben, denn so konnte ich mich auf jede der drei sehr unterschiedlichen Kurzgeschichten voll einlassen. Und das muss man – diese Geschichten sind nicht für ein flüchtiges, unaufmerksames Vorbeilesen gedacht, sie wollen, dass man hineintaucht und verweilt. Sonst entgehen einem wichtige Details, die für Verständnis und Atmosphäre essentiell sind.

Cover:

Klingt vermutlich kitschig, aber das Cover ist unglaublich hübsch mit seinem Blau, seinem Gefunkel, den Schnörkeln und dem ganzen Glitzer. Das weckt direkt den Wunsch, das Buch auch als Taschenbuch zu besitzen und es zu streicheln. Schade, dass Create Space keine Taschenbücher mit Prägung herstellt, das wäre sonst auch haptisch ein Genuss.
Am Besten passt die abgebildete Frau noch zur dritten und letzten Geschichte, auch wenn ich mir die Person dort etwas anders vorgestellt habe. Aber im Grunde genommen könnte man sie auch als Symbolbild sehen.
Ich finde es gut, dass kein Einhorn auf dem Einband ist – die drei Einhörner im Buch sind so verschieden und jedes auf seine Weise faszinierend, dass es schade wäre, nur eins auf dem Cover zuzulassen.

Im Buch selbst finden sich außerdem  noch hübsche Verzierungen und kleine Einhörner mit „Glitzer“. Sehr liebevoll und schön gesetzt.

Feuerflocke fünf Sterne Klein
Inhalt:

Die Anthologie enthält insgesamt drei längere Kurzgeschichten:

  1. Nacht aus Schatten und Saphiren
  2. Das kalte Herz der Sterne
  3. Jagdherz

Einen direkten Favoriten habe ich nicht, aber mir haben alle drei sehr gut gefallen und ich glaube, ich hätte besonders zur ersten und zur letzten gerne noch mehr gelesen. Wobei, zur zweiten auch, da weiß ich nur nicht, wie sinnvoll das wäre (mehr kann ich nicht sagen, ohne zu spoilern).

In „Nacht aus Schatten und Saphiren“ folgen wir der Protagonistin durch das viktorianische London. Die Beschreibungen der Kinder erinnern sofort an „Oliver Twist“, doch etwas ist anders – ein Virus, eine Art Geisterapokalypse hat sich ausgebreitet und das Leben in London nahezu zum Verlöschen gebracht. Doch da gibt es dieses Einhorn in der Geschichte, das ist… besonders.
Ich liebe die Atmosphäre dieser Geschichte – eine Mischung aus Charles Dickens, Lockwood und Co. und eine Prise Harry Potter (weil mich einige Details an das Zusammenspiel von Dementor und Patronus erinnert haben). Eine Atmosphäre der Hoffnung. Und das, was sich hier dem Bösen entgegenstellt, ist einfach nur wunderschön.
Gleichzeitig habe ich bei dieser Geschichte aber auch das Gefühl, dass sie für die folgenden zwei Geschichten falsche Erwartungen herstellt. Mit der jugendlichen Protagonistin und dem Fokus auf Kinder geht sie in eine völlig andere Richtung als die anderen zwei (dazu komme ich gleich) und auch stilistisch gesehen ist das noch die mit Abstand linearste Geschichte.
Hier wird eine wunderschöne Story mit Tiefgang erzählt, aber die Metaphorik ist recht klar und eindeutig. Man weiß, was passiert ist und in Ansätzen auch, wieso.

In „Das kalte Herz der Sterne“ hat Kerstin Arbogast etwas getan, das ich persönlich ziemlich genial finde und noch beim Thema „Sprache“ ausführlicher erwähnen möchte. Die Geschichte ist anfangs nämlich noch etwas kalt und sperrig, aber… das soll so und wieso das so soll, entfaltet sich im Laufe der Geschichte. Genauso, wie das Wieso, Weshalb und Warum.
Hier findet sich neben einer magisch-mystischen Story und einem – trotz Fantasy – in einigen Dingen schmerzhaft realistischem Plot auch ein ungewöhnliches Einhorn. Es hat mir sehr gut gefallen, dass es sich dieses Mal NICHT um ein Pferd handelt, was genau es ist, lasse ich aber offen und als Überraschung 🙂 . Die Geschichte ist schön frostig-winterlich und bot mir zumindest eine geistige Abkühlung angesichts einer Sommerhitze, die das Hirn zum Schmelzen brachte.
Trotz meiner Anfangsschwierigkeiten mit dieser Story lässt sie mich mit genau der Wehmut und Leere zurück, die bei mir am Nachhaltigsten nachwirkt und die ich an Kurzgeschichten sehr liebe.
Nach dem eher naturalistisch geschriebenem Einstieg ist das hier allerdings für manche Leser*innen etwas verwirrend, denn diese Kurzgeschichte will, dass man sich auf sie und ihre Gesetze einlässt. Hier ist sehr viel Metapher, sehr viel Andeutung und sehr viel Interpretationsspielraum. Mein Kopfkino war auf alle Fälle kräftig am Arbeiten.
Aber wer sich darauf einlässt, bekommt eine wunderschöne, klirrend-kalte Liebesgeschichte, die selbst Romantik-Muffel wie mich nicht kaltlässt.

Wo die vorige Geschichte eine sehr gute Synthese von Form und Inhalt eingeht, ist „Jagdherz“ deutlich fragmentarischer und metaphorischer gestaltet. Wie in der ersten Geschichte ist auch hier das Setting wieder historisch, wir sind allerdings in einem barocken Frankreich und begleiten einen Adeligen auf der Jagd, der eine Menge unbewältigte Vergangenheit im Gepäck hat. Mutet die Handlung anfangs noch linear an, ändert sich das spätestens, als der Protagonist eine geheimnisvolle Lichtung findet. Von da an zersplittert die Handlung, wird zu einem bunten Webteppich aus klar erzählten Episoden, Rückblenden und Metaphern, aus Klarheit und Schatten.
Ich bin mir sicher, dass ich nicht alles verstanden habe, was dort passiert und warum, aber das tat – jedenfalls für mich – dem Genuss keinen Abbruch. Auch hier: ICH stehe darauf, wenn ich in einer Kurzgeschichte verwirrt werde und erstmal mit ein paar Fragezeichen und viel Wehmut zurückgelassen werde. Wem es genauso geht, wird „Jagdherz“ lieben. Aber das Ganze ist sehr individuell.
Auch hier spielt ein Einhorn eine zentrale Rolle, aber ich kann nichts davon erzählen, ohne zu spoilern. Auch nicht zum Ende oder zu dem, was ich besonders daran mochte, weil es sonst die Spannung raubt. Die Geschichte ist aber glaube ich mein persönlicher Favorit.

Jede der drei Geschichten ist in sich geschossen, auch wenn ich zu 1 und 3 – wie oben schon erwähnt – zu gerne noch Fortsetzungen lesen würde. Sie teilen sich kein gemeinsames Universum und gehen jeweils von einem anderen Einhorn aus. Dabei ist keine von ihnen kitschig, auch wenn Nummer 2 eine Liebesgeschichte erzählt (und Nummer 3 die Geschichte – unter anderem – von Verlangen).
Die Metapherndichte steigert sich von der ersten zur letzten Geschichte durchgehend und sie unterscheiden sich so deutlich von einander, dass eine Verwechslung ausgeschlossen werden muss.
Mir hat jede einzelne von ihnen sehr gut gefallen und ich habe jetzt den eindrücklichen Wunsch, tiefer in die Fantasywelten von Kerstin Arbogast einzutauchen. Hoffentlich gibt es welche. Mit Einhörnern, die kann sie definitiv.

Sprache:

Die war nicht immer perfekt.
Meist waren es Kleinigkeiten. Gerade bei der zweiten Geschichte, die sehr auf die Einheit von Form und Inhalt ausgelegt war, war der Bogen zu „überkandidelt“ oft hart an der Grenze dazu, überspannt zu werden. Klar, es passt perfekt zur Geschichte, aber manchmal war es mir trotz meiner Liebe zur Geschichte und zur Hochsprache fast etwas zu viel. Oder ein Wort ist dann doch ins falsche Register gehopst und hat nicht zu 100% zum Rest gepasst.
Bei der dritten schien mir manchmal eine Formulierung zu modern für die doch eindeutig historische Verortung der Geschichte.
Wer an dieser Stelle allerdings sich davon abschrecken lässt: Hier schreibt eine Lektorin, die damit Geld verdient, selbst kleinste Formulierungsfehlerchen zu finden und vermutlich über Sachen stolpert, die die meisten Leser*innen gar nicht bemerken. Gerade was die historische Sache angeht, bin ich manchmal geradezu lächerlich penibel und weiß selbst, dass mein Maßstab bisweilen völlig überhöht ist.
Und abgesehen von den kleinen Stolperchen war die Sprache sehr passend – der jeweiligen Geschichte und Erzählstimme gemäß in jeder Geschichte anders und zu 98% auch immer angemessen.
Außerdem flüssig und fehlerfrei. Wem der Inhalt zusagt: Bitte nicht von meinem Gemecker auf hohem Niveau abschrecken lassen.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Fazit:

Kurzgeschichten, die direkt für mich geschrieben wurden. Sie erwecken genau das Gefühl, mit dem ich sehr gerne aus Kurzgeschichten rausgehe. Das einer gewissen Wehmut und Unvollständigkeit. Und mit dem Wunsch, die Fäden der Geschichte im Kopf weiterzuspinnen und ordentlich zu verbinden.
Kerstin Arbogast kann definitiv schreiben und sie kann es ziemlich gut. Ich werde auf alle Fälle ihre Veröffentlichungen mitverfolgen und schauen, ob etwas Ähnliches wie diese wundervollen Einhorngeschichten in Romanform aus ihrer Feder erscheinen werden.
Man muss sich auf die Geschichten aber auch einlassen. Sie sind nicht dafür geeignet, einfach „mal eben“ weggelesen zu werden – es handelt sich um intelligente Literatur, die auch zwischen den Zeilen und nach dem Lesen noch verstanden werden will. Wer aber bereit ist, genau das zu tun, erhält drei wundervolle Kurzgeschichten, die noch lange nach dem Lesen im Kopf nachhallen werden.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Disclaimer: Liebe Kerstin, vielen Dank für das Rezensionsexemplar und die Leserunde! Ich hatte viel Spaß beim Lesen und Diskutieren.

C. M. Hafen – Drachenfrieden (Das Drachenvolk von Leotrim #3)

Veröffentlicht am
Leotrim Band 3

Coverabbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

Titel: Drachenfrieden
Autorin: C. M. Hafen
Verlag: O’Connell Press
Genre: Fantasy
Altersempfehlung: In Elternbegleitung kann das Buch auch von Kindern ab 8/9 Jahren gelesen werden (persönliche Einschätzung)
Seiten: 214 Seiten
Format: eBook
Coverdesign by:  Bild von Asmus Koefoed, Gestaltung O’Connell Press
ISBN: 978-3945227626
ASIN: B071RCP5RL
Das Buch auf der Verlagshomepage

Ich wurde gefragt, ob ich Vorableserin für dieses Buch sein darf und… da fragt man mich noch?! Natürlich wollte ich <3.

Diese Reihe ist für mich etwas Besonderes. Ich lese eigentlich viel lieber Fantasy mit erwachsenen Protagonist*innen. Und überhaupt und sowieso. Aber trotzdem haben sich Silván, Ambro und Norwin von Anfang an in mein Herz geschlichen und sich dort festgekrallt. Wenn ich also nach meinem Lieblingsbuch über Drachen gefragt werde, dann heißt es von meiner Seite seit Band 1: „Die Trilogie vom Drachenvolk von Leotrim“.

Es tut weh, dass die Reihe damit zu Ende ist. So sehr, dass ich mehrere Tage lang kein anderes Buch lesen konnte, sobald das hier fertig war. Ich wollte der Geschichte noch etwas Exklusivraum in meinem Kopf geben, zumindest so lange, bis die Rezension getippt ist. Und dann vielleicht noch einen Tag oder zwei.

Die Anforderungen an einen Teil drei, an alle anderen ranzukommen, sind dann auch noch immer besonders hoch und gerade wenn man so ein Fangirl ist wie ich, liegt die Latte dann umso höher.

Aber hach, es war schön, ein letztes Mal nach Leotrim zu kommen. So richtig schön. Ich habe gelacht, ich habe geweint und ich habe imaginären Leuten die Haare gestreichelt und gesagt, dass alles gut wird.

Cover:

Ich finde die Cover bei dieser Trilogie ja unglaublich edel. Schlicht, einprägsam und einfach schön. Dieses Mal ist der Drache pink und das Drachenauge rot, der Rest ist wie immer aufgeteilt – Drachenauge im mittleren Drittel und oben und unten ein schlichtes Schwarz.
Hoffentlich gibt es von dieser Buchreihe irgendwann einen Hardcoverschuber, ich kann mir vorstellen, dass er unfassbar edel daherkommen würde, allein durch die Schönheit der Drachenschuppen.
Den würde ich sofort kaufen.

Inhalt:

Ambro folgt dem Ruf der „Mutter aller Wasser“ – zusammen mit Norwin macht er sich auf eine Reise, bei der er nicht nur mehr über Leotrim erfährt, sondern einige folgenschwere Erkenntnisse über sich selbst findet.
Aber auch Dakota und die scheinbar allwissende Chronistin müssen noch eine Menge Dinge über Leotrim – und sich selbst – herausfinden.
Carolin Hafen scheut nicht vor wirklich großen und schmerzhaften Themen zurück. Themen, die gleichzeitig so sensibel verpackt sind, dass ich nach wie vor eine Leseempfehlung für Kinder aussprechen kann (wenn auch unbedingt bei Jüngeren mit Eltern zusammen). Einiges davon sind Dinge, die können jede Familie treffen. Und dann stellt sich die Frage, wie man mit einem Kind über so ein Thema sprechen soll. Das ist eine der Stellen, an denen ich beim Lesen bitterlich geweint habe. Und es war gleichzeitig so wunderschön und so umsichtig geschrieben…
Andere Dinge sind metaphorisch und stärker verschlüsselt. Und gerade dadurch sehr weise. Menschen fürchten Veränderungen. Und zu viele Veränderungen auf einmal können unabsehbare Folgen haben. Zum Guten wie zum Schlechten.
Einige Fragen bleiben ungeklärt – aber irgendwie geht es mir da wie Ambro. Ich weiß gar nicht, ob ich die Antworten auf diese Fragen noch direkt aus dem Buch von der Autorin wirklich brauche – oder ob ich den Gedanken einfach noch ein bisschen Zeit geben soll, damit die Erkenntnis von selbst in mir heranreift.
Das war eine Stelle, die sich mir wie mit Widerhaken eingebrannt hat. Ambro würde inzwischen viele Fragen nicht mehr stellen – aber sein Vater würde ihm alle beantworten.
Und wo trifft man sich in diesem Fall? Das weiß so genau dann niemand…
Ich bin immer noch ganz verzaubert.


Sprache:

In einer Romanreihe, in der die Bedeutung von Sprache, von Geschichten, von Büchern und Träumen so hoch ist, muss auch die Sprache besonders sein. Und mir fallen so viele Kleinigkeiten auf, auf sprachlicher Ebene. Ich mag immer noch die Bedeutung von „Mowarisch“, die sich vermutlich nur für Menschen erschließt, die irgendwie mal mit einer slawischen Sprache zu tun hatten, in der „Mowa“ das Wort für Sprache ist. Und die leise Bedeutung, die in der Wahl genau DIESES Wortes mitschwingt.
Oder der Name Watchyn.
Oder… Es sind so viele Kleinigkeiten. So viele sprachliche, liebevolle Details. Bei den Namen, wo sie mir aufgefallen sind. Bei einigen anderen Dingen. Ich sage nur „Nerina“, wer das Buch kennt, weiß dann, was ich meine, ohne dass ich hier spoilern muss.
Und natürlich dieser feinfühlige Einsatz von Sprache, auch an schwierigen Stellen.
Fand ich auch dieses Mal wieder unglaublich schön.


Fazit:

Wie oben schon erwähnt – ein Buch, das mich tagelang nicht loslassen kann und bei dem ich einzelne Episoden und Passagen immer noch im Kopf herumdrehe und wende. Eins dieser Herzensbücher mit Widerhaken, die auch Monate später noch nachhallen werden, dessen bin ich mir sicher. Für mich gehört die Leotrim-Reihe mit zu den weisesten, schönsten und berührendsten Buchreihen, die ich je gelesen habe und ich bin froh, sie kennengelernt zu haben.

Das Buch ist für alle Menschen, die wissen, wie wichtig und machtvoll Worte sind – oder die sich daran erinnern wollen. Für alle, die in die Magie von Geschichten eintauchen wollen. Und für alle, die wissen, dass es im Leben eines Menschen mehr Übergangszeiten gibt als die vom Jugendlichen zum Erwachsenen.

Wunderschön und ein echtes Sehnsuchtsbuch, auch nachdem das letzte Wort gelesen ist.


Disclaimer: Danke an Autorin und Verlag für das Vorab-Rezensionsexemplar. Ihr habt damit einen Fan der Reihe sehr glücklich gemacht ❤

Dominique Stalder – Der Wanderer: Die schwarzen Klippen [Der Wanderer #1]

Veröffentlicht am

Titel: Der Wanderer: Die schwarzen Klippen
Autor: Dominique Stalder
Verlag: SadWolf Verlag
Genre: Fantasy / Dark Fantasy
Altersempfehlung: härter als der Prolog, eher ab 16
Seiten: 340
Format: eBook
Coverdesign by: Yulia Raschetova
Mit Illustrationen des Autors
ASIN: B01MSLVFWE
Das Buch auf der Verlagshomepage

Die Rezension des Prologbandes findet ihr hier.

In dieser habe ich mich übrigens gefragt, ob es berechtigt ist, den Band als Prolog zu zählen oder ob es genauso gut auch „Band 1“ hätte heißen können – und hier Band 2.

Inzwischen kann ich diese Frage beantworten. Es macht tatsächlich Sinn, den Vorband als Prolog zu sehen. Er bildet in gewissem Sinne einen Kreis – auch wenn der Wanderer nach dem Ende weiter als am Anfang ist. Band 1 dagegen stellt die Weichen für eine lineare Handlung: Von diesem Punkt an geht es nur noch vorwärts.
Dieses Buch habe ich im Zuge einer Blogtour gestellt bekommen. Es ist meine erste Blogtour und bedeutete für mich: Erstmal das Buch extra gründlich lesen, dann ein Thema finden und dann einen nichtspoilernden Sachtext darüber schreiben. Ob es mir gelungen ist, könnt ihr hier beurteilen. Das Gewinnspiel ist zwar schon vorbei, aber wir können uns dort gerne weiter über gegensätzliche Frauen in der Literatur unterhalten.

Im Vergleich zum Prolog geht es in diesem Band nochmals rauer, brutaler und mit NOCH fieseren Dilemmata weiter.

Cover:

Das ist eigentlich fast noch schöner als das zum Prolog. Ich gehöre zu den Leuten, die durchaus Menschen auf Covern mögen – sofern es Menschen sind, die so auch im Buch vorkommen (und nicht irgendwelche generischen Pseudohotties, die mit der Handlung nichts zu tun haben 😀 ).
Und ich gehöre zu denen, die gezeichnete Cover mögen.
Dieses hier ist toll. Es zeigt den Wanderer und es zeigt wichtige Stationen der Handlung – die Dämonen, die verängstigte Maela, den Wanderer und seine Kräfte… und andere kleine Details.
Anders als im Cover zum Prolog habe ich hier auch nichts am Schriftbild auszusetzen. Das hier ist einfach bildschön und stimmt auf das Buch ein.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Der Fluch lässt den Wanderer nicht schlafen. Jede Nacht muss er sich im wahrsten Sinne des Wortes gegen seine Dämonen wehren. Doch die schrecklichsten Monster sind immer noch die in Menschengestalt – wie die schwarzen Reiter, die er dabei erwischt, ein junges Mädchen schänden zu wollen.
Doch Maelas Rettung bringt für ihr Heimatort Uriatha nicht nur Gutes. Und der Wanderer muss sich fragen, ob er den Menschen dort am Ende nicht mehr Schaden zugefügt hat, als die anderen Fraktionen.
Dieses Buch hat es moralisch in sich. Anders als in lupenreiner Fantasy merkt man hier deutlich den Dark-Anteil heraus: Eine moralisch richtige Entscheidung hat nicht immer ausschließlich gute Folgen – oder wird überhaupt von allen als solche wahrgenommen. Sympathische Charaktere handeln auch mal kopflos und die Guten bauen manchmal gerade weil sie gut sind den größten Mist.
Fand ich sehr erfrischend in seinem Realismus und ist eine schöne Erweiterung der „Bad things happen to good people“-Trope.
Es gibt ausweglose Situationen, bei denen ich mich gefragt habe, wie der Autor DAS auflösen will. Wer das Buch gelesen hat, weiß vermutlich, welche Stellen ich genau meine.
Es gibt Spannung. Und es gibt Zweifel. Zweifel, mit dem nicht nur der Protagonist, sondern auch der Leser vergiftet wird.
Ich habe jedenfalls atemlos das ganze Buch verschlungen.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Die Sprache ist schonungsloser, was vielleicht nicht zuletzt daran liegt, dass es hier viel mehr Dialoge gibt als im Prolog.
Der Wanderer ist nicht mehr länger die meiste Zeit alleine und mit seinen Reflexionen beschäftigt, sondern führt recht viele Gespräche. Mit Maela, mit den Menschen in Uriatha und mit einigen eher unangenehmen Zeitgenossen.
Es passiert viel mehr und hier zeigt sich eine Stärke des Autors, die im Prolog gar nicht die Chance hatte, so offen zu Tage zu treten – die Dialoge. Man kann die Charaktere gut allein anhand dessen auseinanderhalten, wer wie spricht und sie sind lebendig geschildert.
Ich hatte die Orte und Menschen immer anschaulich vor Augen.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Man muss den Prolog nicht gelesen haben, um Band 1 zu verstehen – aber ich glaube, wenn man ihn kennt, macht das Buch einfach mehr Spaß.
Man sieht deutlich, wie sich der Autor zwischen den beiden Bändern weiterentwickelt hat. Band 1 löst dabei das Versprechen des Prologs ein. Es wird dunkler, es wird brutaler und es wird geradezu nervenzerfetzend spannend.
Und ich habe nichts auszusetzen 😀

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Vielen Dank an Dominique Stalder und den SadWolf Verlag für das Rezensionsexemplar! Die Blogtour hat Spaß gemacht.

Blogtour zu Dominique Stalders „Wanderer 1: Die Schwarzen Klippen“

Veröffentlicht am

blogtour-schwarze-klippen

Herzlich Willkommen zur zweiten Station der Blogtour! Falls ihr Station eins noch nicht kennt – hier geht es zum Interview mit dem AutorMorgen geht es mit dem Fluch weiter.
Mein Thema habe ich mir selbst ausgesucht, weil mich diese zwei Frauenfiguren fasziniert haben.
Was aber hat es nun mit Myrael und Maela auf sich?

Wer sind diese zwei Frauen?

Myrael begegnete uns im Prologband der Reihe – sie ist die Magd der Schamanin Drakatia und lebt mit ihr zusammen im Moor. Als Kind wurde sie aus ihrer Heimat vertrieben und ist Drakatia dafür dankbar, sie aufgenommen zu haben.
Allerdings ist sie nicht glücklich, denn ihre Sehergabe verleiht ihr so manchen ungewollten Eingriff in die Zukunft.
Maela begegnet uns dagegen im Wald beim Dorf Uriatha – der Wanderer rettet sie vor der Schändung durch vier schwarze Reiter und bringt sie zu ihrer Familie zurück. Sie ist noch ein Kind und wohnt zu Hause.

Aussehen

Myrael und Maela sehen sich auffallend ähnlich – als der Wanderer Maela zum ersten Mal erblickt, glaubt er, Myrael vor sich zu sehen. Bis ihm auffällt, dass Maela wesentlich jünger ist.
Die auffallendste optische Ähnlichkeit zwischen den Beiden ist ihre Augenfarbe – beide haben Augen, die als golden beschrieben werden.

Verhalten

Hier bilden Myrael und Maela vollkommene Gegensätze.
Bedingt durch ihre zuweilen peinigenden Visionen und die Erfahrungen aus ihrer Kindheit ist Myrael scheu und verletzlich. Gerade wenn sie eine Vision hat und mit einer traurigen Erkenntnis klarkommen muss, ist sie sehr verwundbar, braucht Schutz und Trost. Sie ergreift selten die Initiative, eher reagiert sie auf die Dinge, die sie vorfindet. Dabei gerät sie oft in die Defensive.
Maela ist durch ihre Kindheit in Uriatha und den permanenten Kampf gegen die Anfeindungen der Dorfbewohner hart geworden. Mutig – und bisweilen tollkühn – stellt sie sich jedem in den Weg, der ihr oder ihren Freunden mit Ungerechtigkeit begegnet.Nicht immer tut sie dabei das Richtige, aber sie ist in manchen Situationen als junges Mädchen tapferer als der Wanderer.
Trotzdem würde ich nicht behaupten, dass Myrael ausschließlich schwach und Maela vollkommen stark ist. Bedingt durch ihre Vergangenheit und die Ereignisse, die sie jeweils geprägt haben, haben beide Frauen auf unterschiedliche Weisen gelernt, mit ihrer jeweiligen Situation umzugehen. Und eine Begabung wie die von Myrael würde auch den stärksten Charakter schwächer machen. Denn oft ist es eine Bürde, zu sehen, was die Zukunft bringt.

Zusammenfassung

Bei Myrael und Maela handelt es sich um komplementäre Frauen – sie stellen zwei Seiten einer Medaille dar und würden sich wunderbar ergänzen.
Wie die beiden Frauen allerdings zusammenhängen, muss der Leser selbst erschließen.

Gewinnspiel

Es gibt – wie bei einer Blogtour üblich – Preise vom Autor zu gewinnen. Jeden Tag verlost Dominique Stalder in der Facebookveranstaltung zur Blogtour ein kleines Paket aus Lesezeichen und Illustration. Außerdem gibt es am Ende ein Windlicht im Design des Buches zu gewinnen, samt LED und einer Printausgabe des „Wanderers“.
Um auf meinem Blog ein Los mitzunehmen, wünsche ich mir von euch eine Antwort auf folgende Frage:
Welche komplementären Frauenpaare kennt ihr aus der Literatur? Wo treten Frauen auf, die jeweils die gegensätzliche Seite des gleichen Prinzips verkörpern?
Mir würde ja spontan mindestens ein Paar aus der Literatur einfallen, aber ich bin gespannt, welche Frauenfiguren ihr vorstellen möchtet.

Viel Erfolg!

Dominique Stalder – Der Wanderer: Die Schamanin – Prolog einer Saga – Extended Version [Der Wanderer #0]

Veröffentlicht am

Titel: Der Wanderer: Die Schamanin – Prolog einer Saga – Extended Version
Autor: Dominique Stalder
Verlag: SadWolf Verlag
Genre: Fantasy / Dark Fantasy
Altersempfehlung: durchaus auch für Jugendliche ab 14 geeignet, zartbesaitete Jugendliche eher ab 16
Seiten: 340
Format: eBook
Coverdesign by: Yulia Raschetova
Mit Illustrationen von Mariella A. Sprügl
ASIN: B01D5UWBJY
Das Buch auf der Verlagshomepage

Ja. Ich weiß. Schon wieder ein Rezensionsexemplar. Und daher werde ich dieses Jahr (und voraussichtlich auch nächstes Jahr für eine Weile) keins mehr annehmen und habe die entsprechende Seite bereits aktualisiert. Aber ich komme nicht mehr damit hinterher, auch mal das zu rezensieren, was ich privat lese. Aus Zeitgründen. Daher werde ich mir die Zeit nehmen und allen bereits erhaltenen Anfragen zu- oder absagen. Aber danach keine neuen mehr annehmen.

In Bezug auf die „Wanderer“-Reihe kommt noch etwa Nettes auf euch zu ;-). Ihr könnt gespannt sein, was.

Obwohl ich den SadWolf Verlag durchaus auf dem Schirm hatte, ist mir „die Schamanin“ irgendwie entgangen und so war ich dankbar, eine Kooperationsanfrage vom Autor zu erhalten und habe mich erstmal in das Cover verliebt.
Gelesen war es trotz der spärlichen Freizeit sehr schnell und ich bin in eine Welt eingetaucht, die mich zum Nachdenken angeregt hat. Ungewöhnlich ist hier vor allem die Form. Als Autorin höre ich ja an allen Ecken „Man soll nur dann einen Prolog als solchen bezeichnen, wenn man seinen Titel nicht in ‚Kapitel 1‘ ändern könnte, ohne dass der Leser einen Unterschied merkt“. Und auch wenn ich irgendwelchen Schreibtippsartikeln, die Dogmen predigen, immer sehr misstrauisch begegne, ist in den meisten davon zumindest ein Körnchen Wahrheit enthalten.
Nun war ich also sehr gespannt auf den Auftakt einer Reihe – auch wenn ich erst herausfinden kann, ob das Buch auch „Band 1“ hätte sein können, wenn ich den gelesen habe ;-).

Cover:

Wie schon erwähnt – das fand ich auf Anhieb toll.
Ich mag gezeichnete Cover. Ich mag die Farbgebung und den Stil, in dem die Figuren gehalten wurden – die ich sofort als ihre Vorbilder aus der Geschichte identifiziert habe. Mir gefällt die Farbgebung ebenso wie die langgestreckten, schmalen Figuren und das Spiel mit Licht und Schatten. Stehen die Figuren auf einer Lichtung? In einer Höhle? Auf einer Eisscholle mitten im Meer? Egal, wie genau man hinschaut, so richtig erkennt man es nicht und mal tritt die eine, mal die andere Deutung stärker hervor.
Einziger Wermutstropfen: Das Wort „Die Schamanin“ ist leider ohne Vergrößerung nicht gut lesbar.
Ansonsten ein sehr schönes, auch kompositorisch ausgewogenes Cover, die Designerin behalte ich auf alle Fälle im Blick.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Inhalt:

Ein Mann wacht nackt, ohne Erinnerung und ohne Namen an einem Strand auf. In einer Welt, die schon lange in einer ewigen Trübnis versunken ist, denn immerzu liegen Wolken über dem Land und zeigen nur nachts das Licht der Sterne.
Der Mann erinnert sich noch an das Gefühl von Sonnenschein und er spricht die Sprache des Landes, an dessen Strand er gespült wurde. Außerdem hat er ein eher rationales Weltbild, das sich hartnäckig gegen übernatürliche Erklärungen für etwas sträubt – zumindest zu Beginn seiner Reise.
Als Leser stellt man außerdem bald fest, dass er noch einige Dinge beherrscht, die ihm selbst nicht bewusst sind – jedoch sein Leben retten können.
Das ist übrigens etwas, was ich grundsätzlich sehr schwierig finde – wenn der Protagonist weniger weiß, als der Leser, kommt es oft zu frustrierenden Lesemomenten, bei denen man den Charakter einfach nur schütteln möchte. Dominique Stalder balanciert hier also auf Messersschneide, denn es ist leicht, eine solche Situation für anspruchsvolle und mitdenkende Leser zu vergeigen.
Hier kommt die Frustration nicht zuletzt darum nicht auf, weil man sich in den Mann ohne Gedächtnis hineinversetzen kann. Er weiß wirklich nicht, was in ihm steckt und wenn er es herauskitzeln kann, dann anfangs nur unvollständig und stümperhaft.
Eine weitere Stolperfalle ist, die Reise eines Helden zu schildern, der selbst nicht so genau weiß, wo er hingeht. Auch diesen Punkt fand ich gut gelöst. Der Mann hat zwar anfangs kein präzises Ortsziel, aber er hat die ganze Zeit das Wiederfinden seiner Erinnerungen im Sinn – und dafür muss er nun mal wandern.
Im Laufe des Romans wird die Welt, die den Wanderer umgibt, auch immer düsterer. Da wir als Leser immer nur so viel von ihr erfahren, wie der Protagonist, ist hier Denksport angesagt. Die Fragmente, die er von anderen Leuten erfährt, muss man als Leser selbstständig bewerten und zusammensetzen. Mag ich persönlich sehr und bin gespannt, ob sich in den weiteren Bänden auflöst, wo ich die falschen Schlüsse gezogen habe und wo nicht.
Schließlich nimmt die Handlung selbst immer mehr Fahrt auf – und die ganze Zeit bleiben wir dicht an einem Menschen, der voller Hoffnung nach dem kleinsten Strohhalm hascht um etwas wiederzufinden, das er nicht genauer beschreiben kann. Schamanin Drakatia nimmt sich des Wanderers an und bringt ihm bei, seine Kräfte zu gebrauchen. Aber was die einzelnen Personen wirklich motiviert, bleibt im Dunkeln.
Ich bin jedenfalls gespannt darauf, mehr von der Welt zu erfahren – und herauszufinden, wohin es einen Wanderer als Nächstes verschlägt.

Feuerflocke fünf Sterne Klein
Sprache:

Die Sprache empfand ich als stark auf den Punkt und präzise. Es wurde nichts beschönigt, es wurde aber auch keine übertrieben derbe oder pseudomittelalterliche Sprache verwendet. Fand ich schön, klar und authentisch.
Mir sind ab und zu ein paar Wörter aufgefallen, die doppelt im Satz standen. Da ist vermutlich beim Korrektorat oder Satz etwas verrutscht. Wenn es aber so oft passiert, dass es mir auffällt, muss ich da ein Flöckchen abziehen.
Ansonsten: Gut auf den Punkt, klar und immer anschaulich.

Feuerflocke vier Sterne Klein
Fazit:

Ein spannender Auftakt, bei dem der Weg das Ziel ist.
Gerne und mit Spannung gelesen. Eine Geschichte, bei der die Leser die Romanwelt zusammen mit dem Autor entdecken dürfen und in der sie gezwungen sind, sich andauernd ihre eigene Meinung über die Wesen und Ereignisse zu bilden.
Mir hat es Spaß gemacht und ich bin auf Band 1 sehr gespannt.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Disclaimer: Vielen Dank an Dominique Stalder und den SadWolf Verlag für das Rezensionsexemplar!

Alice Andres – Punks Return (Punk’s Undead #2)

Veröffentlicht am

Titel: Punks Return
Autorin: Alice Andres
Verlag: O’Connell Press
Genre: Horror
Seiten: 1874 KB entsprechen rund 140 Seiten.
Format: eBook
ASIN: B01MCSZI7Z
Das Buch auf der Verlagshomepage

Link zu Band 1: *klick*

Nachdem Buch 1 gefühlt mitten im schönsten Cliffhanger endete, habe ich mich sehr gefreut, als mich die Autorin fragte, ob ich auch für Band 2 wieder ein Leseexemplar haben möchte. Natürlich wollte ich – schließlich will man wissen, wie sich der Cliffhanger aus Band 1 auflöst und wie das Ganze dann weitergeht ;-).
Anders als der recht actionlastige Reihenauftakt geht es hier etwas ruhiger weiter – in meinen Augen eine gute Mischung. Die meisten Autoren machen den Fehler, nach einem actionreichen Auftakt NOCH mehr geballte Action in den Mittelteil zu klatschen und das Ganze damit irgendwann in dragonballartige Höhen zu peitschen (nicht falsch verstehen – ich mag Dragonball – aber dort ist das Konzept irgendwie trashig-charmant, woanders meist eher nicht…). Nicht so hier. Statt in die Breite, geht die Handlung erstmal in die Tiefe und das ist gut so.

Achtung: Dies ist die Rezension zu einem zweiten Band. Spoiler zu Band 1 lassen sich nur bedingt bis gar nicht vermeiden. Wer „Punk’s Undead“ nicht gelesen hat, der klicke auf den obigen Link zu Band 1.

Cover:

Das finde ich im Nachhinein sogar noch besser als das Cover von Band 1. Mit den grüngoldenen Augen und der Nahaufnahme habe ich das Gefühl, direkt einem der Nosferatus in die gelben, stark geschminkten Augen zu starren. Auch die Schrift ist jetzt kontrastreicher und dunkler, die Schriftart bleibt gleich. Nur das „Die Vampir-Punk-Reihe“ in der obersten Ecke ist nicht perfekt lesbar, aber das ist Meckern auf hohem Niveau bei einem Cover, das ich – sobald es auf Facebook gezeigt wurde – sofort angehimmelt habe.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Ich gebe ehrlich zu, im ersten Moment war ich verwirrt. Wer Teil 1 kennt und weiß, wie das endet, kann mich vermutlich verstehen. Wir begleiten Laura, die versucht, ein normales Leben zu führen – was nicht gerade dadurch erleichtert wird, dass ihre Sinne ungefähr so scharf sind wie die eines Vampirs und ihre Essgewohnheiten ein wenig roher sind als gewöhnlich. Dass Olli dann ausgerechnet als Bewältigungsart „Wir ignorieren jetzt einfach alles, was zwischen Anfang und Ende von Band 1 passiert ist“ gewählt hat, ist für Laura NICHT hilfreich und da kann ich Lauras Frustration und deren Folgen sehr gut nachvollziehen.
Wir erhalten hier einen weiteren Einblick in die Vergangenheit von Olli und Valentin, es gibt immer noch genug Action – auch wenn, wie oben bereits erwähnt, die Handlung an sich ruhiger ist – und wir erfahren mehr über die Nosferatus.
Dabei wird Valentin als Charakter immer interessanter und vielschichtiger. Auch scheut sich die Autorin wie schon in Band 1 nicht, Leuten etwas anzutun. Auch wichtige Figuren sind nicht sicher und das baut natürlich zusätzliche Spannung auf.
Dennoch bleiben bei all dem genug Fragen übrig, um die Leser auf den nächsten Band hibbeln zu lassen. Ich will jedenfalls jetzt SOFORT wissen, wie sich die ganzen Rätsel auflösen, aber da werden wir uns wohl eine Weile gedulden müssen…
Bei all der Spannung bleibt aber auch das Tiefgründige nicht auf der Stelle – in einem neuen Gewand stellt hier Alice Andres die Frage danach, was uns zu Menschen macht. Ist es das Gewissen? Und ist ein gewissensloses Leben wirklich automatisch glücklicher? Da werden die essentiellen Fragen der Gesellschaft mal eben ganz nebenher in einem unterhaltsamen Kleid erläutert – so, wie ich es mag, ohne erhobenen Zeigefinger und dennoch nachdenklich.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Hat Spaß gemacht. Hat wirklich, wirklich großen Spaß gemacht und ist oft auch sehr selbstironisch unterwegs.
Ich glaube, ich habe selten so viel gelacht, wie bei dem Dialog zwischen Laura und Valentin, bei dem Valentin das Wort „Alpha-Kevin“ in den Mund nimmt und sich dafür von Laura eine hämische Bemerkung anhören darf ;-).
Die vielen versteckten Anspielungen auf Populärkultur und Geekiges ließen den Roman manches Mal zu einem lustigen Wimmelbildbuch werden, bei dem jede gefundene Anspielung einen Bonuspunkt bringt.
Laura ist durch die Erlebnisse in Kroatien erwachsener geworden – und das merkt man auch der Erzählsprache an. Keine quirligen Schwärmereien mehr, keine Ausflüge ins Naivpoetische. Eine Sprache, die genau auf Laura und ihre neue Situation abgestimmt ist.
Und dazwischen, sehr charmant, ein paar Zeilen Münchener Dialekt.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Ein zweiter Band, der sich nicht hinter Band 1 zu verstecken braucht.
Ich hatte viel Spaß beim Lesen und habe mich gefreut, dass es nach dem rasanten Anfang jetzt mehr in die Tiefe geht und hintergründiger wird. Nun freue ich mich auf das Warten, auf Band 3 und darauf, tiefer in diese Welt eintauchen zu können.
Für mich gab es die perfekte Mischung aus gelösten und neuen Fragen, die perfekte (relative) Ruhe vor und nach dem Sturm und eine virtuos erzählte Geschichte abseits von Glitzervampiren.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Danke an O’Connell Press und Alice Andres für das Rezensionsexemplar!