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[Film-Rezension] Fantastic Four

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„Fantastic Four“, die Neuverfilmung von Marvels Comic-Serie „Die fantastischen Vier“ rund um Reed Richards, Ben Grimm, Susan und Johnny Storm, gilt bereits jetzt als großer Flop. Laut Wikipedia betrug das Einspielergebnis am ersten Kino-Wochenende nur 60 Millionen US-Dollar, was für einen Film mit einem Budget von gut 200 Millionen so gesehen schon recht schwach ist.

So gesehen haben die Kinogänger dem Film eigentlich keine Chance gegeben, was auch nicht verwundert. Der Vorwurf, Marvel wolle mit dem Remake nur Geld machen, lag schon lange in der Luft, und ist zugegeben schwer zu entkräften: Fantastic Four ist das Remake (falls man es so nennen kann) des gleichnamigen Films aus dem Jahre 2005.

Was ist aber eigentlich am Film selbst dran? Ich war gestern im Kino und habe mich noch darüber gewundert, dass der Film so selten gezeigt wird – sprich, ich wusste nix von dem Flop, bis ich an der Kinokasse von meiner Begleitung darauf aufmerksam gemacht wurde.

Das nachfolgende Review ist dadurch vielleicht etwas unvoreingenommener als andere, aber es enthält gleichzeitig auch eine Menge Spoiler. Wirklich, wirklich viele Spoiler. Wer also den Film noch sehen will, ohne von mir zum Rennauto degradiert worden zu sein, liest es besser nicht.

Handlung?

Fantastic Four erzählt die Geschichte der Fantastischen Vier neu. Die erste Szene beginnt mit den 10jährigen Ausgaben von Reed und Ben, die gemeinsam die Schulbank drücken. Gott sei Dank ist an genau dem Schultag, den wir zu sehen kriegen, gerade Career Day. So kann uns Reed auch gleich ein Referat darüber halten, dass er einmal Teleporter bauen will und zu Hause in der Garage schon an einem solchen Biomaterie Transportshuttle bastelt. Gleich neben seinem fliegenden Auto, an dem er aber aufgehört hat zu arbeiten. Der Lehrer rügt ihn („Richtige Berufe, Reed! Halt morgen noch mal ein Referat über einen richtigen Beruf!“), die Szene endet. Nachts sehen wir Ben auf einem Schrottplatz (der anscheinend seiner Familie gehört) einem Geräusch nachgehen: Es ist Reed, der einen Trafo stiehlt. Sie kommen ins Gespräch, Reed erzählt vom Teleporter, die Kids probieren den Prototypen gemeinsam aus.

7 Jahre später sind sie mitdemselben Projekt auf einer Wissenschaftsmesse in einer Turnhalle. Franklin Storm von der Baxter-Foundation entdeckt die beiden und heuert Reed für sein Projekt an: Er baut nämlich auch einen Teleporter in eine andere Dimension. Ben wird zurück auf den Schrottplatz geschickt.

In der Folge baut Reed gemeinsam mit Victor von Doom, Susan Storm und deren zwangsverpflichtetem Bruder Johnny (dazu gleich mehr) an einem Teleporter. Der Teleporter wird irgendwann nach viel hin und her fertig, dreiviertel des Filmes sind vorbei, man plant einen Ausflug in die andere Dimension, alles geht schief, die üblichen Verdächtigen erhalten alle ihre Kräfte. Der Film klammert die ganze „Wah, ich bin das Ding, Reed hat mich entstellt!“- und „Heiliger Kuhmist, mein Körper ist aus Gummi!“-Sache aus und überspringt ein Jahr. Ein zweiter Teleporter wird gebaut, Von Doom plant kurz die Welt zu vernichten, wird in einem sehr kurzen Endkampf besiegt. Ende der Geschichte, die eigentlich noch nicht begonnen hat.

Tempo des Films

Der. Film. kommt. einfach. nicht. in. die. Gänge. Wozu dieses lange Aufrollen von Kindheit an? Alle wissen, dass Reed wohl mal Wissenschaftler wird. Wozu die unmotivierte (und ausgelutschte!) Career-Day-Szene? Ist ja nicht so, als hätten wir noch nie in einem Film gesehen, dass der Career Day neben den Cheerleaders und Footballspielern die dritte elementare Säule des amerikanischen Bildungssystems ist.

Welcher Supervisor bei einem geheimen Teleporterprojekt klappert alle Wissenschaftswettbewerbe in Turnhallen ab, um Nachwuchs zu rekrutieren? Und das auch noch persönlich? Wie heißt es im Film so schön? „Die Sensation war all die Jahre versteckt hinter dem Vulkan aus Pappmaché und einer Kartoffeluhr!“ Das sah man natürlich kommen und hat die Teenie-Experimente alle angeguckt.

Bis dann dieser Teleporter gebaut ist, vergeht der ganze Film. Schließlich ist er fertig, die NASA soll in die andere Dimension reisen, aber die Teenies rund um Reed und Victor wollen lieber die ersten sein. Schnell wird Ben vom Schrottplatz geholt, damit er auch mitfliegen kann. Victor geht in der anderen Welt verloren, der Rest kehrt zurück. So weit, so Film.
Man freut sich, dass die Vorgeschichte endlich vorbei ist. Endlich Superkräfte und so.
Aber irgendwie scheint es Regisseur Josh Trank an dieser Stelle bewusst geworden zu sein, dass er von den lächerlichen 100 Minuten seines Films* bereits fast alles verbraten hat, denn er überspringt dann ein Jahr. Alle haben sich an ihre Kräfte gewöhnt, sind in Area 57 eingekerkert (nur Reed nicht, der ist geflohen – man gönnt sich 5 Minuten, um ihn schnell wieder einzufangen, nachdem das im Jahr davor nie geklappt hat), der neue Teleporter ist fertig. Man fliegt erneut in die andere Dimension, trifft den inzwischen durchgedrehten Victor. Der will die Welt vernichten, man kämpft kurz gegen ihn, findet alle Erlebnisse „fantastisch“ und nennt sich daraufhin „Fantastic Four“. Hussa.

Darstellung der Charaktere

Nicht genug mit dem bekloppten Tempo, die Umsetzung der Comic-Helden lässt auch zu wünschen übrig.

So wird etwa aus Ben Grimm, der in der Comic-Vorlage immerhin einen Ingenieurs-Titel hat, auf dem College war, für die NASA arbeitete und Testpilot beim Militär wurde, ein Teenie, der sein Dasein auf dem Schrottplatz fristet und nur, weil Reed ihn dabei haben will, mit in die andere Dimension fliegt. Sonst wäre er nämlich außen vor.

Reed Richards ist ein verqueres Genie, so weit, so gut. Er trägt die übliche Brille eines Nerds, benimmt sich genauso unbeholfen gegenüber Mädels und würde gut in The Big Bang Theory passen.

Victor von Doom ist etwas selbstbewusster als Reed und ein richtiger Rabauke. Die Baxter Foundation will ihn aus dem Programm ausschließen, denn Victor hat doch tatsächlich den Server-Raum angezündet und sollte daher im Gefängnis sitzen. So ein Schlingel!

Susan Storm ist die Adoptivtochter von Franklin Storm, dem Projektleiter. Sie ist tatsächlich die einzig Vernünftige im ganzen Film und als solche ganz gut getroffen.
Wäre da nicht, dass ihr Adoptivtochter schwarz ist und dessen leiblicher Sohn, Johnny, damit ihr Stiefbruder ist. Johnny Storm ist also schwarz. Das ist an sich nicht schlimm, ich bin für Adaptionen durchaus offen, dass aber dadurch Susan und Johnny nicht leiblich verwandt sind, stört mich schon ein wenig. Man hätte auch gleich die ganze Familie schwarz machen können, anstatt bei Susan am hergebrachten Bild der blonden Damsel in Distress, die sie in den Comics so oft war, festzuhalten.
Gleichzeitig ist der Charakter des schwarzen Johnnys recht problematisch. Der schraubt in seiner Freizeit nämlich an seinem Auto und fährt illegale Straßenrennen. Damit wird der so mutige Hautfarbenwechsel zu einer Ansammlung reinster Klischees. Man möchte mit dem Kopf auf den Tisch hauen, gäbe es im Kino denn einen.
Johnny baut dann auch flugs einen Autounfall, Vati Franklin muss ihn raushauen und nimmt ihm sein Auto weg. Das müsse er sich jetzt erst wieder verdienen, und da er so ein guter Autoschrauber sei, könne er die Kosten bei Franklins supergeheimen Teleporterprojekt abarbeiten, denn dafür ist er jetzt ja eindeutig genauso qualifiziert wie die Supergenies Reed und Victor.
(Nur Ben Grimm, der handelt mit Schrott, den kann man da nicht brauchen.)

Fazit

Genug des Rants, zurück zur Sachlichkeit: Einerseits war die Zeit für ein Remake von Fantastic Four wohl einfach noch nicht reif. Natürlich will man bei Marvel die fantastischen Vier nun in das gemeinsame Film-Universum einreihen. Aber muss man dafür den Film neustarten? Die Schauspieler von damals (2005) sind vielleicht nicht mehr dabei, aber hätte das wirklich gestört? Beim Hulk wechselte der Schauspieler nach jedem Film und dass Dr. Banner im ersten Avengers-Film plötzlich wieder anders aussieht, wurde nicht thematisiert. Man hätte es bei den Fantastic Four genauso machen können: Die Geschichte der vorhergehenden zwei Filme stehen lassen (sie unterscheidet sich eh kaum vom Neuen – statt in eine andere Dimension flog man damals ins All, mehr nicht) und einfach neue Schauspieler aufstellen. Anhand der Kostüme hätte man sie schon erkannt.

So dürfen sich Fans innerhalb von nur 10 Jahren schon wieder die Entstehungsgeschichte geben, anstatt neue Abenteuer zu genießen.

Andererseits ist die Ausführung des Films einfach nur dilettantisch. Er fängt ewig nicht an, kriegt keine wirklich ausgeklügelten Bilder seiner Charaktere hin, arbeitet mit mehr Klischees als gut für ihn ist und neigt zu unnötiger Brutalität. Als Victor von Doom zurückkehrt, geht er durch Area 57 und lässt den Kopf jeder Person explodieren, die ihm begegnet. Wir erleben dadurch mehrere Minuten lang Köpfeexplodieren und geschmacklose Blutflecken an den Wänden. Wozu, weiß niemand. Denn aufgehalten wird Victor hier nicht. Man könnte meinen, Regisseur Trank hätte einfach auch mal ein bisschen sinnlosen Splatter machen wollen.

Ich ende jetzt hier, ehe ich mich noch einmal aufrege.

1 von 5 Flocken – und die auch nur, weil wir hier nicht weniger vergeben.

Feuerflocke ein Stern Klein

 

* Vergleichbare Filme sind deutlich länger. So hat Marvel’s The Avengers eine Länge von 142 Minuten und Iron Man 3 131 Minuten. Thor dauert – bei weit mehr Handlung – immerhin 114 Minuten und um einen Konkurrenz-Film noch zu nennen: DC Comics hat es bei The Dark Knight Rises sogar auf 164 Minuten geschafft.

Flash – DC’s neue Superheldenserie

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Lange wurde bereits gemurmelt und gerüchteküchelt, gestern war es nun soweit: Flash, die neue Superheldenserie von DC, feierte auf Pro7 ihre Fernsehpremiere mit einer Doppelfolge.
Im Zentrum der neuen Serie steht der gleichnamige Superheld Flash, in alten deutschen Comic-Ausgaben gern noch als „Der rote Blitz“ bezeichnet, und sein Kampf gegen das Verbrechen in Central City.
Aber der Reihe nach.

Kurz zum Inhalt

Barry Allen ist Forensiker beim Central City Police Department. Sein Schicksal ist vergleichsweise tragisch, verlor er doch noch im Kindesalter seine Eltern: Als er nachts aufwachte, sah er seine Mutter in einem wilden Wirrwarr aus roten und gelben Blitzen gefangen. Sekunden später findet Klein-Barry sich auf der Straße wieder, rennt panisch nach Hause, und findet dort nur noch Polizei vor. Seine Mutter ist tot, sein Vater wird des Mordes angeklagt, verurteilt und eingesperrt.
Detective Joe West, ein Freund der Familie, hat Mitleid mit Klein-Barry, nimmt ihn bei sich auf und zieht ihn gemeinsam mit seiner eigenen Tochter Iris auf.

Viele Jahre später, Barry ist inzwischen groß und ein meisterhafter, wenn auch notorisch unpünktlicher Forensiker mit einem kleinen Physikhobby, geht in STAR Labs der neue Teilchenbeschleuniger ans Netz – und wie wir das aus den vielen Schwarzmalereien rund um den Beschleuniger am CERN kennen, kann sowas nicht gut gehen. STAR Labs explodiert, ein plötzlicher Gewittersturm entwickelt sich, und ein Blitz schlägt genau in Barrys Labor ein. Barry fällt ins Koma, wacht neun Monate später wieder auf, und stellt fest: Dank des Blitzes hat er nun einen Sixpack und ist der schnellste Mann der Welt.
Nach anfänglichen Disputen mit Dr. Harrison Wells, dem ursprünglichen Betreiber von STAR Labs, entscheidet sich Barry für die Superheldenkarriere – nicht, ohne sich diesen Entschluss bei einem spontanen 3-Minuten-Abstecher nach Starling City von Oliver Queen alias Green Arrow persönlich absegnen zu lassen – auch, weil Wells irgendwann eingesteht, dass durch den Gewittersturm noch hunderte Typen mit seltsamen Kräften wie Barry da draußen sein könnten. Und die sind sicher nicht alle so feine Kerle wie Barry…

Comic-Treue…

Comic-Fans dürfte sicherlich an der Serie begeistern, dass viele Elemente der klassischen Comic-Serie übernommen wurden. Auch der Barry Allen aus den Flash-Comics war Forensiker bei der Polizei, auch die Comics hatten den Running Gag, dass Barry immer zu spät kommt. Auch die Geschichte mit dem Blitzeinschlag ins Polizeilabor ist aus den Comics, wenngleich dort kein Teilchenbeschleuniger verrückt spielt, sondern Barry einfach Pech hat.

Iris West ist in den Comics Barrys Freundin, später seine Frau. In der Serie hingegen ist sie seine Stiefschwester, wobei schon in der ersten Folge klar wird, dass Barry gerne mehr hätte.

… und Serienumsetzung

Auf den ersten Blick war es das aber auch schon mit der Comic-Treue. Detective Joe West ist eine Serien-Erfindung, ebenso die vielen Blitz-Freaks, die in Central City nun ihr Unwesen treiben.
Mehr noch: Wer die Fernsehserien rund um die DC-Helden der jüngsten Zeit verfolgt, fühlt sich schnell an Smallville erinnert. Dort stürzte mit einem Meteoritenschauer aus Überbleibseln des Planeten Krypton nicht nur Klein-Superman auf die Erde, sondern auch ein riesiger Haufen gruslig-grün leuchtendes Meteoritengestein, das jeden, der damit in Kontakt kommt, gleich mit allen möglichen und unmöglichen Superkräften ausstattet.
Schon in Smallville wirkte dies etwas plump, und dasselbe Erklärungsmuster in Flash erneut zu bemühen, macht das Konzept nicht besser.
Und als wäre das nicht bereits Parallele genug, so ist Barrys Love Interest Iris die Tochter eines Polizisten – genauso wie auch Laurel Lance, Arrows Love Interest. Und von Iris Job als Journalistin , die dadurch immer am Schauplatz von Verbrechen rumlungert, hin zu Laurels Job als Anwältin, die darum immer mit Verbrechen zu tun hat, ist es auch nicht so weit.
(Und man könnte jetzt noch anmerken, dass auch die berühmte Lois Lane Journalistin ist…)

Auch die Motivation für das Heldendasein fehlt bei Barry Allen. Bruce Wayne ist traumatisiert durch den Tod seiner Eltern, Clark Kent schlittert in die Superheldennummer irgendwie rein (irgendwer muss die ganzen Spinner ja aufhalten), Oliver Queen hat seine Liste – und Barry Allen? Der scheint irgendwie halt auch mal Held sein zu wollen. Schließlich kann er echt, echt schnell laufen und überraschenderweise kommt er mit diesem Umstand auch problemlos klar (soll ja schon Helden gegeben haben, die dann ewig mit ihrem Schicksal gehadert haben…), sodass er sich sofort ein Kostüm angelt, einen Bösewicht sieht, ihn stoppt, seinem Stiefvater das Leben rettet, und sich Rat bei Oliver Queen einholt. Letzterer meint angesichts des sofort wieder davondüsenden Barrys dann nur noch anerkennend: „Cool!“

Mr. Arrow muss es ja wissen.

Eine (!) Folge später steht Barry dann seinem zweiten Superschurken gegenüber, verliert den Kampf und will alles hinwerfen. Denn er ist schlecht organisiert, unerfahren, und das kann ja nur in die Hose gehen.
Grad angesichts dessen, dass die Serie im selben Serien-Universum wie Arrow spielt, fragt man sich als Zuseher spätestens hier, wieso Arrow eigentlich nicht ein wenig mehr von seiner Expertise einbringt. Sein einziger Tipp ist nämlich: „Trag ne Maske, Junge!“, und kein Wort von Kampftechniken, Grundlagen der Verbrechensbekämpfung etc.
Stattdessen legt Barry einfach los, flugs unterstützt vom Team rund um Dr. Wells, das auch einfach mal macht. Der Bösewicht kann das Wetter kontrollieren? Ja dann schauen wir halt mal den Live-Wetterbericht an, vielleicht fällt uns wo was seltsames auf!
Ein Vorgehen, wie im Bilderbuch, das zu einfach wirkt – besonders, weil es so blauäugig ist, dennoch klappt und man sich einfach fragt, ob die Figuren hier nicht ein wenig über ihre Tätigkeit reflektieren hätten sollen….

Das Problem, wenn man superschnell ist…

Vielerorts wurde auf Blogs bereits vor Erscheinen der Serie diskutiert, dass das gesamte Flash-Konzept eigentlich nur floppen kann. Weil wenn einer superschnell ist und die ganze Stadt in der Zeit durchläuft, in der andere nicht einmal blinzeln können, wie soll da ein Superschurke überhaupt eine Chance haben?
In Trailern war oft die Szene zu sehen, in der Flash rund um einen vom Bösewicht beschworenen Tornado rennt, um ihn auszubremsen. Wieso hat der ach so schnelle Flash den Bösewicht nicht einfach umgehauen, bevor der seinen Tornado losgelassen hat?
Eine Frage, die mich durchaus auch beschäftigt hat, und zu meiner Überraschung wurde sie gut gelöst.
Einerseits hat der frischgebackene Superheld Barry seine Kräfte noch nicht unter Kontrolle und weiß noch nicht genau, was er alles drauf hat.
Andererseits weiß er auch nicht, was der Gegner alles drauf hat. Und wer greift schon voreilig an, um dann gleich eine geklebt zu kriegen?

Zudem muss man durchaus kreativ sein, um gegen seltsame Gegner vorzugehen, denn Barry kann nur schnell laufen. Er ist weder unverwundbar, noch besonders stark, hat keinen Hitzeblick und keine High-Tech-Waffen. Was tun gegen einen Tornado? Oder was gegen einen Schurken, der mal eben so 300 Klone von sich erstellt? Das sind zu viele, um sie einfach alle umzuhauen. Denn wenn einer der 300 Barry erwischt, dann war es das.

Und als wäre das alles noch nicht gut genug, so hat Barrys schnelles Rennen auch Auswirkungen auf seinen Energiehaushalt. Wer schneller rennt, braucht auch mehr Kraft. Verausgabt Barry sich zu sehr, droht ihm Unterzuckerung und dann war’s das.

Einfach nur rumrennen ist also nicht – Köpfchen ist gefragt.

Ich muss sagen, so banal diese Lösung auch erscheint, sie macht Sinn. Und sie balanciert Barrys Kräfte in ein ordentliches Maß, sodass Kämpfe gegen Schurken doch wieder spannend werden.
Das haben die Macher echt gut gelöst.

Meinung

Flash wirkt als Serie zwar auf den ersten Blick solide, doch im Vergleich mit anderen Superheldenserien bleibt ein sehr oberflächlicher Eindruck, gepaart mit vielen Déjà-vus. Ein wenig Comic-Treue tut hier gut, und auch Innovationen sind gut und wichtig, aber ich hätte mir hier doch ein bisschen mehr Mut zu Neuem gewünscht. Wenn man schon Charaktere ändert oder neue Charaktere kreiert, dann doch bitte wirklich grundlegend neu und kein Aufkochen von Elementen alter Serien.

Die Verzahnung der Serie mit Arrow ist ein wichtiger und längst überfälliger Schritt (Marvel dreht schließlich schon seit Jahren Kinofilme, die ein gemeinsames Helden-Universum schaffen!), aber auch das sieht unecht aus. Der spontane Ausflug nach Starling City wirkt aufgesetzt, eine wirkliche Handlungsrelevanz lässt sich nicht erkennen – man sieht nur mal gleich zu Beginn, dass Arrow potentiell mitmischen könnte, aber zu mehr als der Möglichkeit reicht es nicht.

Wenigstens hat die Serie das Problem mit den Superkräften gelöst, möchte man sagen. Vorschusslorbeeren sind für Flash meinerseits keine drin, ich möchte der Serie aber auch noch nicht jedwedes Potential absprechen. Vielleicht waren dies auch nur die ersten tapsig-tollpatschigen Schritte und wir dürfen uns demnächst an ausgereifteren Episoden erfreuen.

Wollen wir’s hoffen. Möge Flash kein billiges Arrow-Spin-Off werden.

Visual Novel: Stillwater Creek by Haru-Kesu Games

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Titel: Stillwater Creek
Entwickler: Haru-Kesu Games
Genre: Visual Novel
Sprache: Englisch
Plattformen: Windows, Mac OS X, Linux
Engine: Ren’Py
Preis: Freeware
Link: Eintrag in der Ren’Py Games List

Inhalt

Paul Jackmann lebt in Glasgow, Schottland und verdient sich seinen Lebensunterhalt als Lehrer an einer örtlichen Schule. Seit sechs Jahren ist er mit seiner Freundin Jennifer liiert und endlich ist der große Tag gekommen: Paul hat einen Ring gekauft. Bei einem Picknick im Freien will er um Jennifers Hand anhalten. Doch während das Stelldichein seinen Lauf nimmt, scheint Jennifer mit ihren Gedanken an einem völlig anderen Ort zu sein – und als Paul ihr einen Antrag macht, wird klar, wieso: Jennifer trifft sich seit ein paar Wochen mit jemand anderem.

Paul ist am Boden zerstört und bricht mit Jennifer. Just am selben Tag erhält er einen Brief: Seine Bewerbung an der Stillwater Creek Privatschule in Kanada, die er mehr aus Jux, denn aus Ernst verschickt hat, wurde angenommen.
Ohne Jennifer hält ihn nichts mehr – und Paul geht nach Kanada, um seine Vergangenheit hinter sich zu lassen. Neue Liebe erwartet ihn dort – und alte lässt ihn nicht ruhen…

Visual Novel?

Es ist schwer zu definieren, was ein Visual Novel wirklich ist, wenn man – wie ich – völlig neu in diesem Genre ist. Stillwater Creek ist das erste und einzige, das ich je „gespielt“ habe, wenn man hierbei von Spielen überhaupt sprechen kann…

Die kürzeste Definition, die ich gefunden habe, stammt von der Ren’Py-Website:

Visual novels are computer-based stories that are told through words, images, sounds, and music. Many visual novels also present the player with menu choices that allow the player to control how the story is told.

Im Prinzip ist ein Visual Novel eine Art selbstlaufendes Spiel, das eine Geschichte durch Kombination von Bild und Text erzählt, teils unterlegt mit Musik. Als Spieler/Leser hat man, bis auf wenige zu treffende Entscheidungen, keinen Einfluss auf den Verlauf der Geschichte. Wie das ganze dann aussehen kann, zeigt folgender Screenshot:

Screenshot aus Stillwater Creek - Game by Haru-Kesu Games, Screen by fruehstuecksflocke

Screenshot aus Stillwater Creek – Game by Haru-Kesu Games, Screen by fruehstuecksflocke

Zu Stillwater Creek

Wie schon im Inhalt durchschimmert, ist Stillwater Creek wohl am ehesten in der „Romanzen“-Kategorie einzuordnen. Man ist zunächst mit Paul Jackmanns Schulalltag, seinem Unterricht und den Problemen der Schüler und Schülerinnen konfrontiert, mit denen Paul teils aneinandergerät oder die er teils von selbst auf ihre Probleme anspricht.
Ziemlich bald wird aber klar, dass sich in Pauls Dunstkreis auch einige weibliche Wesen bewegen, an denen er zunehmends Interesse zeigt – und die auch Interesse an ihm zeigen.
Hierbei zeigen dann die Entscheidungen, die man als Spieler/Leser bisher getroffen hat, auch ihre Auswirkungen: Je nach Handlungsverlauf kommt man mit der einen oder mit der anderen Dame zusammen, wodurch der Wiederspielwert durchaus gegeben ist.

Ich habe Stillwater Creek jetzt nur einmal gespielt, bin mir aber ziemlich sicher, es irgendwann zu wiederholen, um den Rest der möglichen Story auch zu Gesicht zu kriegen. Man will ja nichts verpassen.

Grafik

Der Grafikstil des Spiels scheint mir an Mangas/Animes angelehnt zu sein (ich bin da wahrlich kein Experte…).
Was aber lobend hervorgehoben werden muss, ist, dass die Grafiken der einzelnen Figuren passend zum Text variieren – so ist etwa die Dame aus obigem Screenshot mal erfreut und lächelt glücklich, schaut streng, zeigt ein Tränchen auf der Wange etc. Immer abhängig von der Stimmung, die der Charakter gerade empfindet. Selbiges gilt auch für die anderen Charaktere.
Die Hintergründe sind nicht wirklich spektakulär, aber durchaus in angenehmen, ruhigen und gemütlichen Farben gehalten. Nichts, was einen von der Handlung ablenken würde – aber eben auch leider nichts, wo es irgendwelche Details zu entdecken gäbe.

Bewertung

Da es das erste Visual Novel ist, dass ich je gespielt habe, fehlt mir wirklich jeglicher Ansatzpunkt für eine Bewertung. Deshalb werde ich hier auch darauf verzichten.
Für mich war das Spielen/Lesen von Stillwater Creek aber eine sehr schöne Erfahrung und wirklich mal etwas anderes 🙂

An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass Entwickler Haru-Kesu Games aktuell an einer Fortsetzung arbeitet.

Bernhard Aichner – Totenfrau

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Titel: Totenfrau
Autorin: Bernhard Aichner
Verlag: btb
Genre: Thriller
Seiten: 444
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-442-75442-7

Kurz zum Inhalt:

Blums Mann. Wie er da liegt. Regungslos auf dem harten Asphalt. Sein Motorrad neben ihn, mit dem er aus der Ausfahrt fuhr. Wie ihm keiner mehr helfen kann. Nicht seine Frau. Nicht der Sanitäter. Nicht die Polizei.
Wie er einfach nur da liegt. Wie der Wagen langsam am Horizont verschwindet. Blum blickt ihm nach. Eine Bestatterin, die ihren Mann bestatten muss.
Fahrerflucht. Tränen auf ihren Wangen. Der Gedanke an Rache in ihrem Kopf.

Meinung

Aichner-Fans werden es schon erkannt haben: Obiges ist weder ein Klappentext, noch eine Inhaltsangabe, sondern ein sehr schlechter Versuch, Aichners Schreibstil nachzuahmen. Eine gar nicht so einfache Sache, die durchaus einiger Übung bedarf.
Denn Aichners Stil ist sagenhaft einmalig. Er verwendet selten volle Sätze, lässt „Wie“-Sätze einfach im Raum stehen, ohne sich darum zu scheren, dass da von rechts und linkswegen auch der Rest des Satzgefüges noch dazu müsste. Er macht Aufzählungen, betreibt manchmal ein reinstes Stakkato-Feuerwerk und lässt seine Geschichte dadurch enorm an Fahrt gewinnen.
Aber er nimmt sich auch Zeit für liebevolle Beschreibungen, für langsames Dahinplätschern, für glückliche und traurige Rückblenden, für Gefühle und mechanische Abläufe – nur um im nächsten Moment, wenn es nötig ist, wieder voll aufzudrehen und die Handlung Schlag auf Schlag voranzutreiben.
Stilistisch gesehen wirklich ausgefeilt, dagegen kann man nichts sagen.
Und ein Stil, der dem Inhalt nur angemessen ist.

Totenfrau ist ein Thriller ohne Gleichen. Blum ist Bestatterin in Innsbruck, der großen Stadt im heiligen Land Tirol. Ihr Mann ist Polizist, er war an einer heißen Sache dran und wie es bei Polizisten mit heißer Spur üblich ist, hat er niemandem auch nur ein Sterbenswörtchen erzählt – bis er in einem Unfall mit Fahrerflucht stirbt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Eine Dumpfbacke, wer es nicht tut – und Blums Freund und Helfer, der Rest von der Polizei, ist nicht gerade zu den Schelmen zu zählen…
Blum beginnt auf eigene Faust zu ermitteln, stößt bald auf Unaussprechliches – und beginnt mit einem Rachefeldzug quer durch Österreich.

Max Broll mit Brüsten?

Im Großen und Ganzen ist Totenfrau ein sehr solider Thriller, der spannend beginnt, spannend geschrieben ist, nichts an Brutalität fehlen lässt und sich auch für die intimen, gefühlvollen Momente die richtige Zeit nimmt. Ein Meisterwerk von einem Thriller, gäbe es da nicht diese winzige Kleinigkeit.
Es stellt sich beim Lesen schon sehr früh ein Déjà-vu ein, wenn man auch Aichners Max-Broll-Krimis kennt. Max Broll ist Totengräber, seine Tante Tilda Polizistin. Auch das Umfeld von Max leidet an der unglücklichen Eigenschaft, in dunkle Machenschaften verstrickt zu werden und auch Max nimmt die Sache gern in seine eigenen Hände. Auch die Broll-Krimis sind in Aichners unverwechselbarem Stil geschrieben. Auch die Broll-Krimis sind unglaublich spannend.
Und gerade an diese wird man schon zu Beginn von Totenfrau blöderweise stark erinnert und ich persönlich konnte mich lange des Eindrucks nicht erwehren, dass ich es mit einem Max-Broll-Aufguss zu tun habe, der die Hauptperson mal schnell zu einem Mädel macht und sonst alles gleich lässt, weil sich das ja eh so gut verkauft. Natürlich sind Bestatter und Totengräber zwei Paar Schuhe, aber so groß wie z.B. bei Arzt und Telefonistin ist der Unterschied auch wieder nicht.
Irgendwann hat mich dann beim Lesen der Sog der Spannung vollständig eingefangen und es war mir egal. Aber bis es soweit war, war es doch etwas zäh.

Ich würde Totenfrau allen Thriller-Fans ausdrücklich empfehlen und den Thriller auch Aichner-Fans ans Herz legen, kriegt man schließlich genau das, was man erwartet: Das Geschäft rund um den Tod, den Rachefeldzug, den Schreibstil. Und ein Gefühl des Heimkommens – ob positiv oder negativ, mag von Leser zu Leser variieren.

Dennoch eine Feuerflocke Abzug.

Feuerflocke vier Sterne Klein

George R. R. Martin – Das Lied von Eis und Feuer 1&2

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Titel: Das Lied von Eis und Feuer – Die Herren von Winterfell / Das Lied von Eis und Feuer – Das Erbe von Winterfell (Original: A Game of Thrones)
Autor: George Raymond Richard Martin
Verlag: blanvalet
Genre: Fantasy
Seiten: 570 / 542
Format: Paperback mit Klappe
ISBN: 978-3-442-26774-3 / 978-3-442-26781-1

Kurz zum Inhalt:

Eddard „Ned“ Stark freut sich seines Lebens als Regent des nördlichen Reiches Winterfell, einem der sieben Königsländer von Westeros. Er widmet sich dem Regieren, der Erziehung seiner Kinder, der Liebe zu seiner Frau und seine größten Sorgen sind Deserteure der Nachtwache, eine unterbesetzte Wachmannschaft an der Grenzmauer im Norden und dass sein zweitjüngster Sohn gerne auf Zinnen herumklettert. Ein ruhiges und beschauliches Leben.
Aber dann besucht ihn plötzlich König Robert Baratheon persönlich und der ganze königliche Hofstaat nistet sich in Winterfell ein. Der Grund für Roberts Besuch: Seine rechte Hand Jon Arryn ist verstorben, und Ned soll sein Nachfolger werden. Ned folgt diesem Ruf nach, und schlagartig findet er sich in einem Gespinst aus Intrigen wider, das selbst in der realen Politik seinesgleichen sucht.

Meinung

Obiger Abriss umfasst nur das Geschehen auf den ersten 100 Seiten des Buches (Daumen mal Pi geschätzt), und noch etwas mehr zu erzählen würde den Rahmen der Rezension, wie auch des Möglichen sprengen.
Das Lied von Eis und Feuer enthält mehr Figuren, als ein Leser sich merken kann, und eine überdurchschnittlich hohe Zahl an Protagonisten, die ausnahmslos alle ihr eigenes Süppchen kochen – hinzu kommen dann noch die Süppchen, die all die Nebenfiguren kochen… und man mag es kaum glauben, aber in diesem Buch ist jeder ein Suppenkasper, will sagen: Jede Figur scheint gegen irgendjemanden etwas auszuhecken.
Das macht das Gespinst der Intrigen sehr schnell undurchschaubar und das Buch gleichzeitig unglaublich spannend. Denn es ist alles andere als klar, wer hier der Held ist. Die Figur mit den ehrlichsten Absichten? Der Ritter, der am meisten auf Ehre hält? Der Adelige, der am geschicktesten alles und jeden betrügt? Oder doch das kleine Mädchen, das nur den Schwertkampf lernen will?
Im Laufe der Handlung kommt es, wie es kommen muss – irgendwann kommt eine Figur im Laufe ihres Komplotts ein Stück voran, natürlich auf Kosten eines anderen. So rollen schon mal Köpfe, gerade liebgewonnene Figuren erleiden einen Schicksalsschlag nach dem anderen und am Ende ist wohl nur eines klar: Martin hat keine Skrupel, eine Figur über die Klinge springen zu lassen.

Aber genau da wird es spannend. Sobald man sich dessen bewusst wird, plätschert die Handlung nicht mehr dahin. Man gewinnt irgendwann eine Figur lieb, schlägt sich auf deren Seite – sei es, weil sie sympathisch ist, sei es, weil man ihre Sache für die gerechtere hält, sei es, weil hier die meiste Komik passiert … aber das heißt noch lange nicht, dass diese Figur das „Spiel der Throne“ auch gewinnen wird.
Jeder Kampf wird so zu einem echten Kampf. Niemand weiß, wie die Sache enden wird und welche Figuren Martin sterben lässt und welche nicht. Ein Protagonist und sein Leser können sich einer Sache noch so sicher sein, zwei Seiten später ist wieder alles anders. Man fiebert automatisch mit, denn die übliche Sicherheit „Er ist der Protagonist, er kann nicht sterben. Das Gute gewinnt immer.“ gilt hier mangels eines eindeutigen Protagonisten einfach nicht.

Dadurch kann man das Buch kaum weglegen – und würde am liebsten alle Bände auf einmal lesen…

Eine gewaltige Serie – und ein Ausgabenchaos

Wer Das Lied von Eis und Feuer rezensiert, muss natürlich anmerken, dass Martin selbst die Serie noch gar nicht fertiggeschrieben hat, obwohl der erste Band bereits 1996 erschien. Auf Englisch sind bisher fünf Bände erschienen, zwei weitere geplant. Auf Deutsch stehen wir hingegen schon bei zehn Bänden.
Der Leser mag hier zurecht stutzen: Ist Martin nicht Amerikaner? Schreibt er doch auf Deutsch? Wie zum Geier geht das?
Die Antwort ist einfach: Beim Verlag hatte jemand die schlaue Idee, einen englischen Band immer zu halbieren. Für jeden Englischen dürfen wir uns zwei Deutsche kaufen.
Man munkelt ja immer, dass die Verlage es verschlafen hätten, sich neue Vertriebswege zu erschließen, als das Internet kam – blanvalet hat hiermit wohl die Lösung gefunden, jedes Buch einfach doppelt zu verkaufen.
Die finanzielle Belastung ist auch gar nicht ohne: Ein Band kostet in Deutschland 15 €. In Österreich dank anderer Mehrwertsteuer sogar 15,50 €. (Taschenbuchpreise, wohlgemerkt! Vom Hardcover wollen wir gar nicht erst reden…)
Witzigerweise kostet der erste englische Band als Taschenbuch auf Amazon derzeit nur 6 € – und für 22,95 € erhält man sogar einen schmucken Schuber mit allen fünf Bänden auf einmal.
Auf Deutsch hingegen… lassen wir das.
Manch einer mag sich fragen, wieso der fruehstuecksflocke das Buch dennoch auf Deutsch gelesen hat. Die Antwort ist einfach: Erstens wollte er schon immer mal die Serie lesen, und er hat sich vorher nicht über diese Preispolitik informiert.
Zweitens unterhält er sich wahnsinnig gerne mit anderen über die Bücher, die er gerade liest – und nur wenige seiner direkten Bekannten würden sich von ihm ein englischsprachiges Buch leihen.
Dafür darf er nun eben das zigfache zahlen… selber Schuld. Außerdem muss er ja den Verlust ausgleichen, den er dem Verlag bereitet, weil er es wagt, Bücher zu verleihen.

Kommen wir zur Wertung

Ich vergebe 5 von 5 Feuerflocken für das Lied von Eis und Feuer – Band 1&2, weil ich seit Jahren kein so spannendes Buch mehr in der Hand hatte, dessen fiktive Welt außerdem noch mit einem wahnsinnigen Detailgrad besicht und mein Weltenbastler-Herz höher schlagen lässt.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Für die Preise des Fantasyabenteuers hingegen gibt es kein einziges Flöckchen… nur den Rat: Liebe Leute, spart euch die Zillionen und lest es auf Englisch.

[Film-Rezension] Hercules

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Wenn Hollywood einen antiken Mythos aufgreift und einen Blockbuster daraus macht, kann man sich sicher sein, dass ein völlig verqueres Actionspektakel dabei herauskommt, welches mit dem ursprünglichen Mythos außer dem Namen des titelgebenden Helden rein gar nichts mehr zu tun hat. So sicher, wie eine jede Nymphe von Zeus bestiegen wird, die bei drei nicht zu einem Baum wurde.

Anders versprach es der Trailer von Hercules, der in nur wenigen Sekunden gleich mehrere Heldentaten des Halbgottes zeigt: Der Kampf mit dem Nemëischen Löwen, Jagd auf den Erymanthischen Eber, die Hydra, garniert mit einem Hercules (gespielt von Dwayne The Rock Johnson), der tatsächlich Löwenfell und Keule trägt.
Eine Hercules-Verfilmung, die sich auf die Grundzüge des Mythos besinnt? Die die 12 Heldentaten in den Vordergrund stellt und Hercules endlich das Schwert wegnimmt?
Wenn das nicht Grund genug für fruehstuecksflocke ist, ins Kino zu gehen.

Beim Hercules, hab ich mich aber geirrt!

Besagte Heldentaten nehmen etwa die ersten 15 Sekunden des Films ein – erzählt von keinem geringeren als Iolaus (Reece Ritchie), Neffe des Herakles (sowohl im Film, als auch im Mythos), der gehörig in der Patsche sitzt, weil ein paar Piraten ihn auf besonders kreative Weise pfählen wollen. Die Strategie des ärmsten ist es, die Piraten mit den Geschichten hinzuhalten, bis Hercules wirklich kommt, um ihn zu retten. Der kommt dann auch wirklich, aber nicht allein – im Schlepptau hat er ein buntes Sammelsurium griechischer Helden: Der Seher Amphiaraus (Ian McShane), der wilde Tydeus (Aksel Hennie), der Messerwerfende Autolycus (Rufus Sewell) und last but not least die „Amazone“ Atalanta (Ingrid Bolsø Berdal). Gemeinsam werden die Piraten niedergemetzelt und anschließend in einer Kneipe gezecht, das Geld gezählt und Zukunftspläne geschmiedet, die Möglichkeiten einer Altersresidenz weit, weit weg erörtert und schließlich der nächste Auftrag angenommen.

Wer sich etwas mit griechischer Mythologie auskennt, hat bereits hier einiges an Glauben an den Film verloren: In Hermes-Sohn und Meisterdieb Autolycus erwartet man keinen Krieger, und der Seher Amphiaraos, der u.a. die Alkmene zeugte (und damit Hercules‘ Großvater ist), passt nicht wirklich zu einer Söldnertruppe. Immerhin handelt es sich bei Tydeus wirklich um einen Krieger, und auch seine im Film aufgegriffene Verbindung zu Theben und dort passierter Greueltaten passt, ist Tydeus doch einer der Sieben gegen Theben.
Weniger stimmig ist, dass Amphiaraus eigentlich nicht unbeteiligt an Tydeus Tod war und den guten gehasst hat…
Die Darstellung der Atalanta als Amazone hingegen kann man gerade so noch durchgehen lassen, wenngleich ihre bauch- und beinfreie Lederrüstung mit tiefem Ausschnitt wenig Schutz bieten dürfte…
Der Film erklärt den Zusammenhang der Truppe mit Hercules so: Alle diese Helden waren irgendwie bei dessen Heldentaten dabei, wurden von ihm gerettet oder kamen sonst irgendwie in seine Schuld und schlossen sich ihm an.

Der neue Auftrag führt die Söldnertruppe nach Thrakien, wo König Cotys sich von Rhesus bedroht sieht. Der führt nämlich Krieg gegen ihn und alles, was Cotys hat, sind ein paar Bauern. Hercules soll aus ihnen Krieger machen und sie in die Schlacht führen – was früher geschieht, als ihm lieb ist. Das Heer gerät in einen Hinterhalt, und man erfährt, dass Hercules keineswegs ein Halbgott ist, sondern vor allem von der Legende seiner Abkunft, seiner Unverwundbarkeit und seiner zwölf Arbeiten zehrt, um dem Feind Angst einzuflößen. So wird der anfängliche Zweikampf zwischen Hercules und einem Feind zur wahren Showeinlage zelebriert und der Film beginnt erneut, interessant zu werden – bis Amphiaraus in einem Streitwagen durch die Gegnerhorden fährt, einen Knopf drückt, links und rechts Klingen ausklappt und sich so seinen Weg bahnt und ich vor Lachen beinahe am Popcorn erstickt wäre…

Später greift der Film erneut den Hercules-Mythos kurz auf, thematisiert Megara und die toten Kinder (die Hercules laut Mythos getötet hat), bringt den Cerberus ins Spiel, der Hercules im Traum verfolgt – löst aber auch diese Traumvision sehr gekünstelt auf.

Wer eine ernstzunehmende Adaption des Hercules-Mythos erwartet, wie ihn der Trailer verspricht, wird bei Hercules bitter enttäuscht sein. Wer hingegen auf trashige, grundlos actiongeladene Spektakel mit coolen Sprüchen steht, für den ist Hercules sicher ein solides Stück seichter Unterhaltung.

Dwayne Johnson ist mit seinen Muskelbergen und der hünenhaften Gestalt wohl die beste Besetzung für den Halbgott und sieht mit Keule, Löwenfell und Bart durchaus wie ein wilder Berserker aus. Ingrid Bolsø Berdal steckt als Atalanta vielleicht in einer etwas zu freizügigen Rüstung, wird im Film aber Widererwarten alles andere als attraktiv dargestellt und kommt so der Atalanta des Mythos, einer jungfräulichen, wilden Jägerin, recht nahe.
Wirklich getragen wird der Film aber wohl von der herrlich sarkastischen Rolle des Amphiaraus, der auch als Erzähler fungiert und mit Visionen, Vorausdeutungen und Sprüchen wie „Zumindest ich werde heute nicht sterben – bei dir bin ich mir da nicht so sicher…“ vor dem Kampf dem Zuschauer regelmäßig ein Grinsen ins Gesicht zaubert.

Gäbe es keinen Amphiaraus, wären die 10 € für das Kinoticket jedenfalls zu viel.

Feuerflocke drei Sterne Klein

3 von 5 möglichen Feuerflocken