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Amelie Murmann – Wanderer – Sand der Zeit (Wanderer #1)

Veröffentlicht am

Titel: Wanderer – Sand der Zeit
Autorin: Amelie Murmann
Verlag: Impress (gehört zu Carlsen)
Genre: Urban Fantasy
Altersempfehlung: ab 14 Jahren (Angabe des Verlags)
Seiten: 368
Format: ePUB
ISBN:978-3-646-60066-7

Das Buch auf der Verlagshomepage

Ich gebe zu, das war mein allererstes Buch aus dem impress-Programm und entsprechend neugierig war ich, wie es mir gefallen würde. In Buchbloggerkreisen hört man ja alles – von höchstem Lob über die innovativen und ungewöhnlichen Bücher bis hin zu „Näh, das ist das Stiefkind des Verlags“ – aber ich wollte mir selbst ein Bild machen, bevor ich urteile.
Mich jedenfalls hat das Buch verzaubert.
Ja, es geht um Teenager. Ja, deren Hormone drehen teilweise durch und sie sind von widersprüchlichen Gefühlen, Liebeskummer und Herumknutschereien gebeutelt. Aber es ist nicht das Hauptthema, sondern macht den Plot noch ein gutes Stück vielschichtiger.
Entscheidungen, die bei klarem Verstand und sachlichem Nachdenken völlig anders ausfallen, weil die Gefühle dazwischenfunken und alles sehr kompliziert machen. Auch, wie man als völlig emanzipiertes Mädchen sich trotzdem nach einem Partner sehnen darf, ohne automatisch als schwach zu gelten. Lebensentwürfe. Familienbande. Das Buch ist so viel mehr als eine Teenie-Romanze, obwohl die Teenager hier ungefähr 16 Jahre alt sind und sich verlieben.
Es ist ein Buch über Entscheidungen, die echt wehtun. Über die Frage nach dem richtigen und dem bequemen Weg (man erinnere sich an Harry Potter), über die Folge von Handlungen für die Zukunft und die ewige Frage, ob man ein scheinbar festgeschriebenes Schicksal verändern kann und wie das Wissen um die Zukunft sich auf selbige Zukunft auswirken kann.
Und am Ende weiß man gar nicht, ob das jetzt ein Happy End war oder nicht.

Cover:

Hach ja, das Cover.
Die Silhouetten zweier Menschen Rücken an Rücken, vor einem riesigen Stundenglas und das Ganze in warmen Brauntönen.
Das Cover bringt eigentlich ziemlich gezielt auf den Punkt, worum es in dem Buch geht und das gefällt mir bei Covern grundsätzlich immer (nichts ist schlimmer, als ein Cover, das gar nichts mit dem Buch zu tun hat und beim Betrachten bereits falsche Erwartungen weckt, gegen die das Buch dann erstmal irgendwie ankommen muss…).
Wenn man genau hinschaut, sieht der Hintergrund auch noch aus, wie eine grundierte Leinwand – und damit kommt neben der Sanduhr ein weiteres sehr wichtiges Element der Story hinzu – die Bilder, die eine Grundlage dafür bilden, dass diese Geschichte überhaupt erzählt werden kann.
Auch auf dem Handybildschirm macht das Cover eine gute Figur – die Details sind recht gut zu erkennen (auch wenn das mit der Grundierung auf einem 5,7″-Bildschirm nicht ohne Weiteres zu erkennen ist) und die Farbgebung wirkt auch auf einem Bildschirm mit Hintergrundbeleuchtung sehr stimmig.
Gute Arbeit!

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Hier gibt es Einiges zu sagen (vermutlich wird es mindestens eine Fallstudie geben, sobald ich Band 2 gelesen habe) – Internatsgeschichten um eine Zauberschule haben es heutzutage nicht wirkich leicht, da sich so ziemlich jede Zauberschule mit Hogwarts messen muss, was Großartigkeit und Detailtreue angeht – und gleichzeitig auf keinen Fall ein Abklatsch sein darf.
Die „Palaestra Viatorum“ geht zum Glück in eine andere Richtung – auf den ersten Blick eine ganz gewöhnliche Eliteschule für die versnobten Kids der Oberschicht, handelt es sich in Wahrheit um die Ausbildungsstätte der Wanderer, also Menschen, die mit Hilfe von Bildern durch die Welt reisen können, in die Zukunft sehen oder aber in der Lage sind, magische Bilder selbst herzustellen. Darüber hinaus können die Teenager dort allerdings auch ihr ganz normales Abitur machen, es wird also nicht nur magisches Wissen vermittelt und anders als Hogwarts ist die Palaestra eine dreijährige Oberstufe (heißt, die Geschichte spielt in einem G9-Bundesland), für die man sich nach Abschluss der zehnten Klasse bewerben kann und soll, sofern man nicht aufgrund besonderer Begabungen eingeladen wird.
Was ich hier außerdem anmerken möchte, sind die vielen kleinen Anspielungen auf die modere Kultur und das, was Menschem zwischen  18 und 20 heutzutage so gelesen haben – so sieht Emilia einen Jungen durch das Bild einer dicken Frau in pinkem Kleid verschwinden. Wer denkt da nicht an die Fette Dame? Das macht das Buch nicht nur für die jugendliche Zielgruppe so anziehend. Jedes Mal, wenn ich so eine Anspielung entdeckt habe, musste ich einfach unfassbar breit grinsen, weil ich genau wusste, worauf Amelie Murmann da anspielt.
Faszinierend auch die Anleihen aus der griechischen Götterwelt, die gleichzeitig kreativ an die eigene Geschichte angepasst wurden. Hier bin ich sehr gespannt, was im zweiten und letzten Band in diese Richtung noch passiert.
Last but not least – ich habe mit den Figuren mitgefiebert, habe herzlich gelacht und… war beim allerersten Mal, als auf einmal ein bereits gelesener Abschnitt noch einmal kam, genauso verdattert wie die Romanfiguren.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Hier gab es mehrere Dinge, auf die ich geachtet habe. Neben dem Üblichen (ich habe keine Fehler gefunden und das Buch ist einwandfrei gesetzt, es gab also auch keine komischen Formatierungsgeschichten, wie ich sie manchmal in eBooks vorfinde) stellte ich bald fest, dass es mehrere Perspektiventräger gibt und war neugierig, wie sehr sie sich auch sprachlich unterschieden.
Ich hatte keine Probleme, zu erkennen, wer gerade schrieb – auch nach längeren Pausen war mir beim Wiederaufnehmen der Lektüre immer klar, ob gerade Emilia, Kit, Max oder jemand anders die Hauptrolle übernommen hatte.
Auch sonst fand ich die Sprache sehr schön – an manchen Stellen poetisch, manchmal schonungslos klar in Hinblick auf die unschönen Konsequenzen und immer so, dass genau die richtige Stimmung vermittelt wurde. Ich konnte Emilias Verzweiflung greifen, als sie sich verlief und ich fühlte Max‘ Wut auf seinen alten Kumpel Niccolo.
Fein fand ich auch gelegentliche lateinische Einschübe. Latein ist so eine schöne Sprache und wenn sie in einem Buch richtig verwendet wird, kann sie durchaus zur Stimmung beitragen.
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Das Problem mit Büchern, die mir gefallen, ist natürlich immer: Wie viel darf ich erzählen über die einzelnen Sachen, die ich gut fand, ohne zu spoilern? Ich habe einige der Dinge, die ich toll fand, mit keinem Wort erwähnt, um niemandem den Lesespaß zu nehmen – aber ich selbst hatte auf jeden Fall welchen.
Die Welt der Wanderer ist spannend und facettenreich, das Abenteuer unglaublich dicht erzählt und die Jugendlichen sind echte, authentische Teenager – sie verlieben sich, sie haben Angst, sie lassen ihre Entscheidungen von ihren Gefühlen beeinflussen und machen auch mal etwas falsch. Dadurch wirken sie sehr, sehr echt und man kann sich gut mit ihnen anfreunden.
Insgesamt ein Roman über Entscheidungen, Zusammenhalt und ja, irgendwo auch ein Stückweit ein Entwicklungsroman über Menschen, die schneller erwachsen werden müssen, als ihnen lieb ist – weil sie Verantwortung tragen müssen.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Die liebe Kennzeichnungspflicht… Ich habe keine Ahnung, ob ich das hier wirklich kennzeichnen muss oder nicht. Streng genommen ist es kein Rezensionsexemplar, weil ich das Buch bei der „Kernstaub“-Geburtstagsparty auf Facebook gewonnen habe. Die Autorin hat fünf Exemplare verlost, wahlweise von Buch 1 oder Buch 2, und da ich die Reihe noch nicht kannte, aber von ihrer Beschreibung absolut verzaubert war, habe ich Band 1 bekommen. Mein Exemplar habe ich allerdings wie bei einem Rezensionsexemplar ganz offiziell über eine Mail von Carlsen mit drei Download-Links für je ein personalisiertes eBook bekommen (ja, da steht mein Name drin 😀 ). Um also auf der sicheren Seite zu sein, gebe ich diese ganze Geschichte jetzt einfach mal im Disclaimer an :). Lieber einmal zu oft die Herkunft eines Buches deklarieren, als einmal zu selten, oder?

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Über Evanesca Feuerblut

Lektorin, Alphaleserin, Forumsadministratorin, Entdeckerin, Trilogie-in-X-Bänden-Autorin, Chara-Dichterin, Neologistin, Polyglotin... und ein Fan kurioser Worte.

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  1. Ich war nicht ganz so begeistert, mir war das Ganze zu gehetzt. Die Handlung hätte mehr Zeit gebraucht statt nur 5 Tage, dann wären auch die Liebesgeschichten plausibler gewesen. So wirkt alles etwas überstürzt und in der raschen Entwicklung sehr der Storyentwicklung geschuldet. Zudem fand ich, dass es etwas arg viel Parallelen zur Edelstein-Trilogie gab. Alles in allem nicht schlecht, aber eben der Erstling einer noch jungen Autorin, die noch ordentlich Entwicklungspotenzial hat.

    LG, Julia

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    Antwort
    • Okay, die Edelstein-Trilogie habe ich nie gelesen (mich schreckte der Untertitel „Liebe geht durch alle Zeiten“ bereits ab, ich meine, wenn das Wort „Liebe“ schon im Titel steht… Nein, nicht meins, ich flüchte! :O ), daher weiß ich nicht, ob und inwiefern „Wanderer“ dadurch beeinflusst wurde.
      Wobei es immer auch Geschmackssache ist. Irgendwie habe ich in letzter Zeit eine schräge Mischung aus „Die Handlung geht nur wenige Tage“ und „Die Handlung spannt sich über eine sehr lange Zeit“ bei meiner Lektüre und nach dem sehr langsamen Buch vorher mochte ich, dass es hier teilweise sehr rasant zur Sache geht.
      (Und wenn ich mir die Sechzehnjährigen+- in meinem Umfeld so ansehe, einige davon jedenfalls, ist die schnelle und sofortige Liebesgeschichte durchaus glaubhaft, solange man dann nicht von dem Fehlschluss ausgeht, die Kids müssten bis in alle Ewigkeiten zusammenbleiben. Und Extremsituationen fördern extreme Gefühle bzw, dass man beim Anbruch einer neuen Bedrohung auf einmal „Mehr aus dem Leben rausholen“ möchte.)
      Hattest du eine Rezi dazu? Ich würde gern nachlesen, was du geschrieben hast :). Finde es nämlich immer erstaunlich, wie unterschiedlich Menschen Bücher wahrnehmen. Bin ja starke Anhängerin des „Jeder Leser konstruiert sich ein eigenes Buch beim Lesen“ (Narrativistik lässt grüßen), sodass Gefallen&Nicht-Gefallen immer von 500 Faktoren abhängen, die teilweise extrem individuell sein können.

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      • Klar, eine rasante Liebesgeschichte bei 16-Jährigen ist schon vorstellbar, aber eine hätte völlig gereicht. Gleich im Doppelpack strapaziert es die Wahrscheinlichkeit doch etwas arg.

        Und die Parallelen zur Edelstein-Trilogie fand ich sehr heftig, das kann aber auch daran liegen, dass ich diese kurz zuvor beendet hatte. Du hast aber nicht viel verpasst, hier hast du bis auf die Zeitreisen die wesentlichen Elemente ohne derart viel Kinderei und Schwärmerei 😉 Ich habe die Trilogie wie die meisten Hype-Bücher vor mir her geschoben und hätte rückblickend auch gut drauf verzichten können.

        Meine Wanderer-Rezi: http://juliasbuchblog.blogspot.de/2014/08/amelie-murmann-wanderer.html

        Immerhin habe ich jetzt wieder Lust bekommen, mich an den zweiten Wanderer-Teil zu machen…

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      • Jetzt, wo du es sagst, stimmt, gleich ZWEI Teenagerpärchen ist ein sehr plötzliches Hochkochen der Gefühle ^^.

        Kurioserweise muss ich deine Rezi sogar gelesen haben und beim Lesen kam sie mir auch bekannt vor, aber ich konnte mich an nichts mehr erinnern :O.

        Ich bin erleichtert, dass ich mit der Edelstein-Trilogie nicht viel verpasst habe. Eine andere Bloggerin mag die recht gerne, aber ich konnte mit der Beschreibung einfach nicht warm werden.

        Wobei ich es an sich nicht mal verkehrt finde, wenn es viele Bücher zu einem Thema gibt – aber ja, man sollte sie nicht gerade nacheinander lesen. Aus zwei Gründen – erstens, weil dann die Parallelen sehr augenscheinlich heraustreten (die können sogar völlig zufällig sein – oder unbewusst), zum Anderen, weil eins der Bücher dabei immer den Kürzeren zieht.
        (Weswegen ich außer bei Reihen nie zwei Sachen aus dem exakt gleichen Genre hintereinander lese – oft habe ich an sich tolle Bücher abgewertet, weil sie gegen das kürzlich vorher Gelesene zum gleichen Thema nicht ankamen. Zwei Jahre später neu gelesen und auf einmal begeistert xD ).

        Sag bescheid, wenn du Band 2 gelesen hast 🙂

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