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[Buchgedanken] Wenn Werbung für ein Buch so richtig unsympathisch ist

Veröffentlicht am

Neulich habe ich eine Fantasy-Anthologie beendet, in der unterschiedlichste und teils international bekannte Autoren ihre eigenen Geschichten rund um die Geschöpfe von Tolkien veröffentlicht haben. Da durften Zauberer, Hobbits, Elben und Drachen nicht fehlen. Und… last but not least… auch keine Zwerge.

Gerade bei den Zwergenbeiträgen war jedoch ein Eintrag dabei, der bei mir einen sehr negativen Beigeschmack hinterlassen hat. „Zwergenzorn“ heißt der Beitrag von Markus Heitz und… ist nichts Anderes als der Prolog des ersten Bandes seiner Zwergenreihe.
Das allein wäre halb so wild – es gibt noch mindestens einen weiteren Beitrag, der einen Ausschnitt aus einem größeren Werk darstellt und da hat es mich nicht gestört – aber etwas Anderes hat mich maßlos aufgeregt.
Und das war der klein und kursiv gedruckte Nachsatz „Möchten Sie mehr über das tapfere Volk der Zwerge lesen? „Zwergenzorn“ ist der Auftakt zu Markus Heitz‘ großem Epos Die Zwerge (06/9372), das ebenfalls im Heyne Verlag erschienen ist.“
Und das nicht etwa in einem dieser kleinen Promoheftchen, die man in Buchhandlungen gratis mitnehmen kann, um in ein Buch reinzuschmöckern. Da wäre sowas völlig normal – wozu sonst sind diese Hefte denn da?
Es war ein Beitrag in einer Anthologie, die in deutschen Buchläden für 14,99 € über den Ladentisch geht.

So ziemlich alle Menschen, die ich kenne, hassen die Trailer zu Beginn einer DVD (die man teilweise noch nicht mal richtig überspringen oder vorspulen kann). Ich nehme an, wenn man irgendwo im vorderen Drittel eines Films auf einmal einen zusätzlichen Kurzfilm einblenden würde – wen das interessiert, der solle sich bitte die ganze DVD dazu kaufen – wäre der Aufschrei und die Debatten groß. Ich kann die „Und darum streamen immer mehr Menschen und die ganze Filmwelt stirbt“-Schreie schon hören.

Wieso darf ein großer deutscher Verlag sowas dann in einem Buch machen?

Es geht mir nicht in den Kopf.

Klar, Autoren sollen Werbung machen für ihre Bücher. Aber wenn man wie ich viel auf Facebook und anderen Plattformen unterwegs ist und beobachtet, wie Kleine und Große so werben, entwickelt man schnell ein Gefühl dafür, was man lieber lassen sollte.
Und alle Werbeformen, von denen man die Finger lassen sollte, sind die, bei denen den Lesern aufdringlich vermittelt wird, dass es sich um Werbung handelt – und auch noch Dublicate Content darstellt. Wer „Zwergenzorn“ noch für eine eigenständige Geschichte hält und dann Band 1 der Zwergenreihe aufschlägt, wird unangenehm überrascht, denn exakt der gleiche Text kommt ihm als Prolog wieder unter die Augen.
Das steht aber noch nicht mal im kursiven Begleittext des Verlags dabei – Auftakt ist eben nicht Prolog und kann durchaus als „zusätzlicher Exklusivcontent für diese Anthologie aus der Zwergenwelt von Markus Heitz“ durchgehen. Und wenn ich ehrlich bin, hätte ich das völlig in Ordnung gefunden. Der Schreibstil hat mich überzeugt, ich war neugierig auf das Buch dahinter geworden und habe tatsächlich mit dem Gedanken gespielt, es mir irgendwie zu besorgen. Eben bis jemand, der ebenfalls in die Anthologie reingelesen hat, „Zwergenzorn“ als Prolog des ersten Zwergenbands outete.
In dem Moment war bei mir die Luft raus, ich war stinksauer und fühlte mich veralbert.
Und obwohl mich der Schreibstil wirklich, wirklich gereizt hätte, habe ich mir die Finger verbrannt und werde so schnell kein so beworbenes Buch in die Hand nehmen.

Ob Markus Heitz überhaupt weiß, dass sein Verlag sich diese Werbegeschichte herausgenommen hat? Auf seiner Homepage steht der Prolog nämlich vollständig als Leseprobe online *klick* und er hat die Anthologie nicht in der Liste seiner außerdem noch in Anthologien veröffentlichter oder zum Download freigegebener Geschichten mitverzeichnet.
Andererseits ist mein Exemplar der Anthologie, das ich übrigens gewonnen habe, nicht nur prominent mit „Mit Markus Heitz, George R. R. Martin, Neil Gaiman u.a.“ beschriftet, sondern tatsächlich von ihm signiert.

Keine Ahnung, wer jetzt schuld daran ist, dass mitten in einer Anthologie einfach ein Stück offiziell vom Verlag autorisierter Werbung erscheint. Aber diese Werbeform gefällt mir kein bisschen. Egal, auf wessen Mist dieser Unsinn gewachsen ist!

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Über Evanesca Feuerblut

Lektorin, Alphaleserin, Forumsadministratorin, Entdeckerin, Trilogie-in-X-Bänden-Autorin, Chara-Dichterin, Neologistin, Polyglotin... und ein Fan kurioser Worte.

»

  1. Oh, ich ahne, woher du das Buch hast. 😮
    Das ist wirklich schade und ärgerlich, vor allem weil „Die Zwerge“ echt toll sind. Vielleicht überlegst du es dir noch einmal, wenn dein Unmut etwas verraucht ist. Es würde sich lohnen. 🙂

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  2. Hallo!

    Ich verstehe den Unmut, weil Sie eine andere Erwartung an das Werk hatten, das übrigens aus dem Jahr 2003 stammt. Damals erschienen die ZWERGE noch bei Heyne.
    Wie das damals ablief, weiß ich gar nicht mehr.
    Heute würde man eher mit einer eigenen Kurzgeschichte arbeiten und dann auf das Gesamtwerk hinweisen.

    Nebenbei: Eine Anthologie definiert sich als „eine Sammlung ausgewählter Texte oder Textauszüge in Buchform“. Gelogen war es also vom Verlag nicht.
    Aber dennoch bin ich der Leidtragende – sehr schade, dass die ZWERGE aufgrund des Ärgers an Ihnen vorbeigehen werden.

    beste Grüße
    Markus Heitz

    Gefällt 2 Personen

    Antwort
    • Guten Abend!

      Da merkt man wieder, wie viel sich in 12 Jahren in der Verlagslandschaft ändert – ich schreibe ja selbst und viele Verlage verlangen inzwischen bei Anthologieausschreibungen, dass man im Falle einer Veröffentlichung für mehrere Jahre die Geschichte nicht noch irgendwo anders einreicht oder als Teil eines Romans selbst veröffentlicht.
      Ich gebe zu, dass ich eine solche Vorgehensweise darum auch vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen nicht erwartet habe, insbesondere nicht von einem deutschlandweit renommierten Großverlag.
      Und falls tatsächlich noch irgendwo auf diese Weise Werbung gemacht wird, kann dieser kritische Blogpost vielleicht helfen, etwas daran zu ändern. Kritik ist schließlich nie Selbstzweck.

      Gelogen war es seitens des Verlags nicht – aber gerade wenn ein Autorenname auf dem Buchcover prangt, hätte ich vom Verlag erwartet, eine exklusive Geschichte anzufordern.
      Wenn ich ehrlich bin, tut es mir sehr leid, dass es in diesem Falle Sie getroffen hat bzw. Ihre Romanreihe auf diese Weise beworben wurde.
      Die Leseprobe hatte mich. Wenn es sich um eine extra verfasste Geschichte gehandelt hätte, würde ich darauf brennen, die Buchreihe zu lesen.
      Und ich bin mir jetzt schon sicher, dass ich irgendwann aufhören werde zu schmollen und der Reihe trotz (in meinen Augen) etwas unglücklicher Werbemethode den einen oder anderen Leseabend widmen werde.
      Aber vorerst bin ich einfach vom Vorgehen der Verleger enttäuscht.

      Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben, auf die Kritik eines kleinen Blogs zu antworten und viel Erfolg mit Band 5 der Zwergenreihe!

      Evanesca Feuerblut

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  3. Wie heisst die Anthologie? Die Namen haben mich gerade angesprochen =)
    Ansonsten bin ich deiner Meinung, dass diese Art Werbung nervt.. aber immerhin hat sich Herr Heitz selbst dazu geäussert…

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    • Es handelte sich um „Tolkiens Geschöpfe“ – in der Anthologie sind Geschichten von Hobbits, Zwergen, Elfen, Drachen und anderen Wesen enthalten, die auch in Mittelerde eine Rolle spielen.

      Und ich finde es toll, dass er sich geäußert hat :).

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      Antwort
  4. Ich verstehe gut, dass du dich darüber geärgert hast. In diesem Fall hätte ich auch eine neue Geschichte erwartet. Aber so wie ich den Verlagsbetrieb kenne, liegt die Verantwortung dafür beim Verlag. Normalerweise wird ein Autor bei sowas nur informiert, nicht mehr um Erlaubnis gefragt, denn das Copyright geht mit Veröffentlichung eines Buches ja an den Verlag über.
    Und da Piper inzwischen Heynes Fantasy-Sparte übernommen hat, bringt es auch nichts, deswegen die „Zwerge“ zu boykottieren, du würdest dich nur um ein gutes Buch bringen…

    LG, Julia

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    • Um ehrlich zu sein habe ch mir das sogar gedacht, dass man den Autor höchstens flüchtig informiert hat – möglicherweise aber nicht mal das o.O . Das hat mich dann aber doppelt aufgeregt *g*, weil ich stinkwütend wäre, wenn mir sowas passiert wäre. Ich kenne ja inzwischen ein wenig beide (Leser- und Autorenseite) Perspektiven und… „not amused“ ist sehr vereinfacht ausgedrückt für das, was ich empfunden hätte, wenn mein Verlag einfach ungefragt ein Stück meiner Geschichte in einer Anthologie als selbstständige Geschichte verkaufen würde und ich das durch Zufall irgendwann (am Ende noch Jahre später?) erfahren hätte.

      Die Zwerge boykottieren will ich nicht – da wurde ich glaube ich falsch verstanden – im Moment könnte ich das Buch aber nicht vorbehaltslos genießen, eben weil mir dieser Fall untergekommen ist. Ich hätte immer dieses „Jaaaaa, das kenne ich ja schon, da hat der Verlag ja diese tolle Nummer hingelegt“-Gefühl und das würde mir das Leseerlebnis erheblich trüben :/.
      Darum lasse ich jetzt doch emotional Gras über die Sache wachsen, ehe die Neugier überwiegt und ich mir die Reihe vornehme.
      Im Moment könnte ich es aber einfach nicht vorbehaltslos lesen und das ist auch für die Arbeit, die dahinter steckt, einfach schade :/ und empfände ich als sehr unfair.

      LG,
      Evanesca

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