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[Film-Rezension] Hercules

Veröffentlicht am

Wenn Hollywood einen antiken Mythos aufgreift und einen Blockbuster daraus macht, kann man sich sicher sein, dass ein völlig verqueres Actionspektakel dabei herauskommt, welches mit dem ursprünglichen Mythos außer dem Namen des titelgebenden Helden rein gar nichts mehr zu tun hat. So sicher, wie eine jede Nymphe von Zeus bestiegen wird, die bei drei nicht zu einem Baum wurde.

Anders versprach es der Trailer von Hercules, der in nur wenigen Sekunden gleich mehrere Heldentaten des Halbgottes zeigt: Der Kampf mit dem Nemëischen Löwen, Jagd auf den Erymanthischen Eber, die Hydra, garniert mit einem Hercules (gespielt von Dwayne The Rock Johnson), der tatsächlich Löwenfell und Keule trägt.
Eine Hercules-Verfilmung, die sich auf die Grundzüge des Mythos besinnt? Die die 12 Heldentaten in den Vordergrund stellt und Hercules endlich das Schwert wegnimmt?
Wenn das nicht Grund genug für fruehstuecksflocke ist, ins Kino zu gehen.

Beim Hercules, hab ich mich aber geirrt!

Besagte Heldentaten nehmen etwa die ersten 15 Sekunden des Films ein – erzählt von keinem geringeren als Iolaus (Reece Ritchie), Neffe des Herakles (sowohl im Film, als auch im Mythos), der gehörig in der Patsche sitzt, weil ein paar Piraten ihn auf besonders kreative Weise pfählen wollen. Die Strategie des ärmsten ist es, die Piraten mit den Geschichten hinzuhalten, bis Hercules wirklich kommt, um ihn zu retten. Der kommt dann auch wirklich, aber nicht allein – im Schlepptau hat er ein buntes Sammelsurium griechischer Helden: Der Seher Amphiaraus (Ian McShane), der wilde Tydeus (Aksel Hennie), der Messerwerfende Autolycus (Rufus Sewell) und last but not least die „Amazone“ Atalanta (Ingrid Bolsø Berdal). Gemeinsam werden die Piraten niedergemetzelt und anschließend in einer Kneipe gezecht, das Geld gezählt und Zukunftspläne geschmiedet, die Möglichkeiten einer Altersresidenz weit, weit weg erörtert und schließlich der nächste Auftrag angenommen.

Wer sich etwas mit griechischer Mythologie auskennt, hat bereits hier einiges an Glauben an den Film verloren: In Hermes-Sohn und Meisterdieb Autolycus erwartet man keinen Krieger, und der Seher Amphiaraos, der u.a. die Alkmene zeugte (und damit Hercules‘ Großvater ist), passt nicht wirklich zu einer Söldnertruppe. Immerhin handelt es sich bei Tydeus wirklich um einen Krieger, und auch seine im Film aufgegriffene Verbindung zu Theben und dort passierter Greueltaten passt, ist Tydeus doch einer der Sieben gegen Theben.
Weniger stimmig ist, dass Amphiaraus eigentlich nicht unbeteiligt an Tydeus Tod war und den guten gehasst hat…
Die Darstellung der Atalanta als Amazone hingegen kann man gerade so noch durchgehen lassen, wenngleich ihre bauch- und beinfreie Lederrüstung mit tiefem Ausschnitt wenig Schutz bieten dürfte…
Der Film erklärt den Zusammenhang der Truppe mit Hercules so: Alle diese Helden waren irgendwie bei dessen Heldentaten dabei, wurden von ihm gerettet oder kamen sonst irgendwie in seine Schuld und schlossen sich ihm an.

Der neue Auftrag führt die Söldnertruppe nach Thrakien, wo König Cotys sich von Rhesus bedroht sieht. Der führt nämlich Krieg gegen ihn und alles, was Cotys hat, sind ein paar Bauern. Hercules soll aus ihnen Krieger machen und sie in die Schlacht führen – was früher geschieht, als ihm lieb ist. Das Heer gerät in einen Hinterhalt, und man erfährt, dass Hercules keineswegs ein Halbgott ist, sondern vor allem von der Legende seiner Abkunft, seiner Unverwundbarkeit und seiner zwölf Arbeiten zehrt, um dem Feind Angst einzuflößen. So wird der anfängliche Zweikampf zwischen Hercules und einem Feind zur wahren Showeinlage zelebriert und der Film beginnt erneut, interessant zu werden – bis Amphiaraus in einem Streitwagen durch die Gegnerhorden fährt, einen Knopf drückt, links und rechts Klingen ausklappt und sich so seinen Weg bahnt und ich vor Lachen beinahe am Popcorn erstickt wäre…

Später greift der Film erneut den Hercules-Mythos kurz auf, thematisiert Megara und die toten Kinder (die Hercules laut Mythos getötet hat), bringt den Cerberus ins Spiel, der Hercules im Traum verfolgt – löst aber auch diese Traumvision sehr gekünstelt auf.

Wer eine ernstzunehmende Adaption des Hercules-Mythos erwartet, wie ihn der Trailer verspricht, wird bei Hercules bitter enttäuscht sein. Wer hingegen auf trashige, grundlos actiongeladene Spektakel mit coolen Sprüchen steht, für den ist Hercules sicher ein solides Stück seichter Unterhaltung.

Dwayne Johnson ist mit seinen Muskelbergen und der hünenhaften Gestalt wohl die beste Besetzung für den Halbgott und sieht mit Keule, Löwenfell und Bart durchaus wie ein wilder Berserker aus. Ingrid Bolsø Berdal steckt als Atalanta vielleicht in einer etwas zu freizügigen Rüstung, wird im Film aber Widererwarten alles andere als attraktiv dargestellt und kommt so der Atalanta des Mythos, einer jungfräulichen, wilden Jägerin, recht nahe.
Wirklich getragen wird der Film aber wohl von der herrlich sarkastischen Rolle des Amphiaraus, der auch als Erzähler fungiert und mit Visionen, Vorausdeutungen und Sprüchen wie „Zumindest ich werde heute nicht sterben – bei dir bin ich mir da nicht so sicher…“ vor dem Kampf dem Zuschauer regelmäßig ein Grinsen ins Gesicht zaubert.

Gäbe es keinen Amphiaraus, wären die 10 € für das Kinoticket jedenfalls zu viel.

Feuerflocke drei Sterne Klein

3 von 5 möglichen Feuerflocken

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Über fruehstuecksflocke

Tätig als Studiosus, Autor, Blogger, Leser; außerdem Zusatzqualifikationen: Zitatesammler, Schwammaufsauger von jeglicher Nichtigkeit und leidenschaftlicher Verlierer beim Schachspiel.

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  1. Ich sage ganz ehrlich, dass meine Erwartungen ungefähr bei Null lagen, da ich aus bitterer Erfahrung weiß, wie Antikenfilme teilweise gemacht werden.
    Bei diesem Film hatte ich aus irgendeinem Grund ab der Mitte im Kopf, dass das irgendwie eine Comicverfilmung sein muss – wobei ich keine Ahnung habe, woran ich das festgemacht habe. Mit dem Wissen im Hinterkof, dass es nicht auf dem Mythos, sondern auf einem Comic basiert (der widerum lose auf dem Mythos basiert) fand ich es nicht so schlecht und die Idee, quasi die Mythenherkunft zu beleuchten, ganz nett.
    Aber ja, spätestens als ausgeklappte Klingen am Streitwagen und am Speer ins Spiel kamen… war es dann ein wenig zu viel.
    Aber eins muss man dem Film lassen: Die Besetzung hat gestimmt, zumindest was Hercules angeht. Der sah so herrlich barbarisch aus mit dem Löwenfell über dem Rücken und den Muskelbergen. So stellt man sich den Helden irgendwie vor 🙂

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  2. Pingback: In eigener Sache: FeuerFlocke | Weltenschmiede

  3. Schade, der Trailer sah wirklich vielversprechend aus! Aber es ist schon so, bei Hollywoods Antikenbearbeitung war eigentlich abzusehen, dass „Hercules“ wohl in erster Linie humoristischen Wert haben dürfte…

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    • Wenn man den Film als eine alternative Neuinterpretation des Mythos ansieht, hat er durchaus etwas an Charme – der Trailer ist nur sehr irreführend.
      Der Hercules des Films ist ein Söldner, der geschickt einige seiner spektakuläreren Aufträge in mythische Gestalt kleidet, um sich mit dem Ruf des Heroen und Halbgotts die Arbeit zu erleichtern.
      Passend dazu agieren auch die Gegenspieler im Film – so täuscht der Feind etwa vor, Zentauren in seinem Heer zu haben, dabei sind es nur Reiter, die sich besonders geschickt gegen die Sonne gestellt haben. Es ist ein Spiel rund um Sein und Schein, das durchaus seinen Reiz hat.
      Hätte man den Film auch als solche Neuinterpretation angepriesen, wäre die Grundhaltung beim Kinobesuch eine ganz andere gewesen – aber bei dem Trailer geht das natürlich nicht, da erwartet man etwas mehr Mythentreue.

      Sehenswert ist der Film alle Mal, aber nicht zu völlig überzogenen Kinoeintrittspreisen.

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