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Dominique Stalder – Der Wanderer: Die schwarzen Klippen [Der Wanderer #1]

Veröffentlicht am

Titel: Der Wanderer: Die schwarzen Klippen
Autor: Dominique Stalder
Verlag: SadWolf Verlag
Genre: Fantasy / Dark Fantasy
Altersempfehlung: härter als der Prolog, eher ab 16
Seiten: 340
Format: eBook
Coverdesign by: Yulia Raschetova
Mit Illustrationen des Autors
ASIN: B01MSLVFWE
Das Buch auf der Verlagshomepage

Die Rezension des Prologbandes findet ihr hier.

In dieser habe ich mich übrigens gefragt, ob es berechtigt ist, den Band als Prolog zu zählen oder ob es genauso gut auch „Band 1“ hätte heißen können – und hier Band 2.

Inzwischen kann ich diese Frage beantworten. Es macht tatsächlich Sinn, den Vorband als Prolog zu sehen. Er bildet in gewissem Sinne einen Kreis – auch wenn der Wanderer nach dem Ende weiter als am Anfang ist. Band 1 dagegen stellt die Weichen für eine lineare Handlung: Von diesem Punkt an geht es nur noch vorwärts.
Dieses Buch habe ich im Zuge einer Blogtour gestellt bekommen. Es ist meine erste Blogtour und bedeutete für mich: Erstmal das Buch extra gründlich lesen, dann ein Thema finden und dann einen nichtspoilernden Sachtext darüber schreiben. Ob es mir gelungen ist, könnt ihr hier beurteilen. Das Gewinnspiel ist zwar schon vorbei, aber wir können uns dort gerne weiter über gegensätzliche Frauen in der Literatur unterhalten.

Im Vergleich zum Prolog geht es in diesem Band nochmals rauer, brutaler und mit NOCH fieseren Dilemmata weiter.

Cover:

Das ist eigentlich fast noch schöner als das zum Prolog. Ich gehöre zu den Leuten, die durchaus Menschen auf Covern mögen – sofern es Menschen sind, die so auch im Buch vorkommen (und nicht irgendwelche generischen Pseudohotties, die mit der Handlung nichts zu tun haben😀 ).
Und ich gehöre zu denen, die gezeichnete Cover mögen.
Dieses hier ist toll. Es zeigt den Wanderer und es zeigt wichtige Stationen der Handlung – die Dämonen, die verängstigte Maela, den Wanderer und seine Kräfte… und andere kleine Details.
Anders als im Cover zum Prolog habe ich hier auch nichts am Schriftbild auszusetzen. Das hier ist einfach bildschön und stimmt auf das Buch ein.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Der Fluch lässt den Wanderer nicht schlafen. Jede Nacht muss er sich im wahrsten Sinne des Wortes gegen seine Dämonen wehren. Doch die schrecklichsten Monster sind immer noch die in Menschengestalt – wie die schwarzen Reiter, die er dabei erwischt, ein junges Mädchen schänden zu wollen.
Doch Maelas Rettung bringt für ihr Heimatort Uriatha nicht nur Gutes. Und der Wanderer muss sich fragen, ob er den Menschen dort am Ende nicht mehr Schaden zugefügt hat, als die anderen Fraktionen.
Dieses Buch hat es moralisch in sich. Anders als in lupenreiner Fantasy merkt man hier deutlich den Dark-Anteil heraus: Eine moralisch richtige Entscheidung hat nicht immer ausschließlich gute Folgen – oder wird überhaupt von allen als solche wahrgenommen. Sympathische Charaktere handeln auch mal kopflos und die Guten bauen manchmal gerade weil sie gut sind den größten Mist.
Fand ich sehr erfrischend in seinem Realismus und ist eine schöne Erweiterung der „Bad things happen to good people“-Trope.
Es gibt ausweglose Situationen, bei denen ich mich gefragt habe, wie der Autor DAS auflösen will. Wer das Buch gelesen hat, weiß vermutlich, welche Stellen ich genau meine.
Es gibt Spannung. Und es gibt Zweifel. Zweifel, mit dem nicht nur der Protagonist, sondern auch der Leser vergiftet wird.
Ich habe jedenfalls atemlos das ganze Buch verschlungen.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Die Sprache ist schonungsloser, was vielleicht nicht zuletzt daran liegt, dass es hier viel mehr Dialoge gibt als im Prolog.
Der Wanderer ist nicht mehr länger die meiste Zeit alleine und mit seinen Reflexionen beschäftigt, sondern führt recht viele Gespräche. Mit Maela, mit den Menschen in Uriatha und mit einigen eher unangenehmen Zeitgenossen.
Es passiert viel mehr und hier zeigt sich eine Stärke des Autors, die im Prolog gar nicht die Chance hatte, so offen zu Tage zu treten – die Dialoge. Man kann die Charaktere gut allein anhand dessen auseinanderhalten, wer wie spricht und sie sind lebendig geschildert.
Ich hatte die Orte und Menschen immer anschaulich vor Augen.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Man muss den Prolog nicht gelesen haben, um Band 1 zu verstehen – aber ich glaube, wenn man ihn kennt, macht das Buch einfach mehr Spaß.
Man sieht deutlich, wie sich der Autor zwischen den beiden Bändern weiterentwickelt hat. Band 1 löst dabei das Versprechen des Prologs ein. Es wird dunkler, es wird brutaler und es wird geradezu nervenzerfetzend spannend.
Und ich habe nichts auszusetzen😀

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Vielen Dank an Dominique Stalder und den SadWolf Verlag für das Rezensionsexemplar! Die Blogtour hat Spaß gemacht.

Blogtour zu Dominique Stalders „Wanderer 1: Die Schwarzen Klippen“

Veröffentlicht am

blogtour-schwarze-klippen

Herzlich Willkommen zur zweiten Station der Blogtour! Falls ihr Station eins noch nicht kennt – hier geht es zum Interview mit dem AutorMorgen geht es mit dem Fluch weiter.
Mein Thema habe ich mir selbst ausgesucht, weil mich diese zwei Frauenfiguren fasziniert haben.
Was aber hat es nun mit Myrael und Maela auf sich?

Wer sind diese zwei Frauen?

Myrael begegnete uns im Prologband der Reihe – sie ist die Magd der Schamanin Drakatia und lebt mit ihr zusammen im Moor. Als Kind wurde sie aus ihrer Heimat vertrieben und ist Drakatia dafür dankbar, sie aufgenommen zu haben.
Allerdings ist sie nicht glücklich, denn ihre Sehergabe verleiht ihr so manchen ungewollten Eingriff in die Zukunft.
Maela begegnet uns dagegen im Wald beim Dorf Uriatha – der Wanderer rettet sie vor der Schändung durch vier schwarze Reiter und bringt sie zu ihrer Familie zurück. Sie ist noch ein Kind und wohnt zu Hause.

Aussehen

Myrael und Maela sehen sich auffallend ähnlich – als der Wanderer Maela zum ersten Mal erblickt, glaubt er, Myrael vor sich zu sehen. Bis ihm auffällt, dass Maela wesentlich jünger ist.
Die auffallendste optische Ähnlichkeit zwischen den Beiden ist ihre Augenfarbe – beide haben Augen, die als golden beschrieben werden.

Verhalten

Hier bilden Myrael und Maela vollkommene Gegensätze.
Bedingt durch ihre zuweilen peinigenden Visionen und die Erfahrungen aus ihrer Kindheit ist Myrael scheu und verletzlich. Gerade wenn sie eine Vision hat und mit einer traurigen Erkenntnis klarkommen muss, ist sie sehr verwundbar, braucht Schutz und Trost. Sie ergreift selten die Initiative, eher reagiert sie auf die Dinge, die sie vorfindet. Dabei gerät sie oft in die Defensive.
Maela ist durch ihre Kindheit in Uriatha und den permanenten Kampf gegen die Anfeindungen der Dorfbewohner hart geworden. Mutig – und bisweilen tollkühn – stellt sie sich jedem in den Weg, der ihr oder ihren Freunden mit Ungerechtigkeit begegnet.Nicht immer tut sie dabei das Richtige, aber sie ist in manchen Situationen als junges Mädchen tapferer als der Wanderer.
Trotzdem würde ich nicht behaupten, dass Myrael ausschließlich schwach und Maela vollkommen stark ist. Bedingt durch ihre Vergangenheit und die Ereignisse, die sie jeweils geprägt haben, haben beide Frauen auf unterschiedliche Weisen gelernt, mit ihrer jeweiligen Situation umzugehen. Und eine Begabung wie die von Myrael würde auch den stärksten Charakter schwächer machen. Denn oft ist es eine Bürde, zu sehen, was die Zukunft bringt.

Zusammenfassung

Bei Myrael und Maela handelt es sich um komplementäre Frauen – sie stellen zwei Seiten einer Medaille dar und würden sich wunderbar ergänzen.
Wie die beiden Frauen allerdings zusammenhängen, muss der Leser selbst erschließen.

Gewinnspiel

Es gibt – wie bei einer Blogtour üblich – Preise vom Autor zu gewinnen. Jeden Tag verlost Dominique Stalder in der Facebookveranstaltung zur Blogtour ein kleines Paket aus Lesezeichen und Illustration. Außerdem gibt es am Ende ein Windlicht im Design des Buches zu gewinnen, samt LED und einer Printausgabe des „Wanderers“.
Um auf meinem Blog ein Los mitzunehmen, wünsche ich mir von euch eine Antwort auf folgende Frage:
Welche komplementären Frauenpaare kennt ihr aus der Literatur? Wo treten Frauen auf, die jeweils die gegensätzliche Seite des gleichen Prinzips verkörpern?
Mir würde ja spontan mindestens ein Paar aus der Literatur einfallen, aber ich bin gespannt, welche Frauenfiguren ihr vorstellen möchtet.

Viel Erfolg!

Dominique Stalder – Der Wanderer: Die Schamanin – Prolog einer Saga – Extended Version [Der Wanderer #0]

Veröffentlicht am

Titel: Der Wanderer: Die Schamanin – Prolog einer Saga – Extended Version
Autor: Dominique Stalder
Verlag: SadWolf Verlag
Genre: Fantasy / Dark Fantasy
Altersempfehlung: durchaus auch für Jugendliche ab 14 geeignet, zartbesaitete Jugendliche eher ab 16
Seiten: 340
Format: eBook
Coverdesign by: Yulia Raschetova
Mit Illustrationen von Mariella A. Sprügl
ASIN: B01D5UWBJY
Das Buch auf der Verlagshomepage

Ja. Ich weiß. Schon wieder ein Rezensionsexemplar. Und daher werde ich dieses Jahr (und voraussichtlich auch nächstes Jahr für eine Weile) keins mehr annehmen und habe die entsprechende Seite bereits aktualisiert. Aber ich komme nicht mehr damit hinterher, auch mal das zu rezensieren, was ich privat lese. Aus Zeitgründen. Daher werde ich mir die Zeit nehmen und allen bereits erhaltenen Anfragen zu- oder absagen. Aber danach keine neuen mehr annehmen.

In Bezug auf die „Wanderer“-Reihe kommt noch etwa Nettes auf euch zu😉. Ihr könnt gespannt sein, was.

Obwohl ich den SadWolf Verlag durchaus auf dem Schirm hatte, ist mir „die Schamanin“ irgendwie entgangen und so war ich dankbar, eine Kooperationsanfrage vom Autor zu erhalten und habe mich erstmal in das Cover verliebt.
Gelesen war es trotz der spärlichen Freizeit sehr schnell und ich bin in eine Welt eingetaucht, die mich zum Nachdenken angeregt hat. Ungewöhnlich ist hier vor allem die Form. Als Autorin höre ich ja an allen Ecken „Man soll nur dann einen Prolog als solchen bezeichnen, wenn man seinen Titel nicht in ‚Kapitel 1‘ ändern könnte, ohne dass der Leser einen Unterschied merkt“. Und auch wenn ich irgendwelchen Schreibtippsartikeln, die Dogmen predigen, immer sehr misstrauisch begegne, ist in den meisten davon zumindest ein Körnchen Wahrheit enthalten.
Nun war ich also sehr gespannt auf den Auftakt einer Reihe – auch wenn ich erst herausfinden kann, ob das Buch auch „Band 1“ hätte sein können, wenn ich den gelesen habe😉.

Cover:

Wie schon erwähnt – das fand ich auf Anhieb toll.
Ich mag gezeichnete Cover. Ich mag die Farbgebung und den Stil, in dem die Figuren gehalten wurden – die ich sofort als ihre Vorbilder aus der Geschichte identifiziert habe. Mir gefällt die Farbgebung ebenso wie die langgestreckten, schmalen Figuren und das Spiel mit Licht und Schatten. Stehen die Figuren auf einer Lichtung? In einer Höhle? Auf einer Eisscholle mitten im Meer? Egal, wie genau man hinschaut, so richtig erkennt man es nicht und mal tritt die eine, mal die andere Deutung stärker hervor.
Einziger Wermutstropfen: Das Wort „Die Schamanin“ ist leider ohne Vergrößerung nicht gut lesbar.
Ansonsten ein sehr schönes, auch kompositorisch ausgewogenes Cover, die Designerin behalte ich auf alle Fälle im Blick.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Inhalt:

Ein Mann wacht nackt, ohne Erinnerung und ohne Namen an einem Strand auf. In einer Welt, die schon lange in einer ewigen Trübnis versunken ist, denn immerzu liegen Wolken über dem Land und zeigen nur nachts das Licht der Sterne.
Der Mann erinnert sich noch an das Gefühl von Sonnenschein und er spricht die Sprache des Landes, an dessen Strand er gespült wurde. Außerdem hat er ein eher rationales Weltbild, das sich hartnäckig gegen übernatürliche Erklärungen für etwas sträubt – zumindest zu Beginn seiner Reise.
Als Leser stellt man außerdem bald fest, dass er noch einige Dinge beherrscht, die ihm selbst nicht bewusst sind – jedoch sein Leben retten können.
Das ist übrigens etwas, was ich grundsätzlich sehr schwierig finde – wenn der Protagonist weniger weiß, als der Leser, kommt es oft zu frustrierenden Lesemomenten, bei denen man den Charakter einfach nur schütteln möchte. Dominique Stalder balanciert hier also auf Messersschneide, denn es ist leicht, eine solche Situation für anspruchsvolle und mitdenkende Leser zu vergeigen.
Hier kommt die Frustration nicht zuletzt darum nicht auf, weil man sich in den Mann ohne Gedächtnis hineinversetzen kann. Er weiß wirklich nicht, was in ihm steckt und wenn er es herauskitzeln kann, dann anfangs nur unvollständig und stümperhaft.
Eine weitere Stolperfalle ist, die Reise eines Helden zu schildern, der selbst nicht so genau weiß, wo er hingeht. Auch diesen Punkt fand ich gut gelöst. Der Mann hat zwar anfangs kein präzises Ortsziel, aber er hat die ganze Zeit das Wiederfinden seiner Erinnerungen im Sinn – und dafür muss er nun mal wandern.
Im Laufe des Romans wird die Welt, die den Wanderer umgibt, auch immer düsterer. Da wir als Leser immer nur so viel von ihr erfahren, wie der Protagonist, ist hier Denksport angesagt. Die Fragmente, die er von anderen Leuten erfährt, muss man als Leser selbstständig bewerten und zusammensetzen. Mag ich persönlich sehr und bin gespannt, ob sich in den weiteren Bänden auflöst, wo ich die falschen Schlüsse gezogen habe und wo nicht.
Schließlich nimmt die Handlung selbst immer mehr Fahrt auf – und die ganze Zeit bleiben wir dicht an einem Menschen, der voller Hoffnung nach dem kleinsten Strohhalm hascht um etwas wiederzufinden, das er nicht genauer beschreiben kann. Schamanin Drakatia nimmt sich des Wanderers an und bringt ihm bei, seine Kräfte zu gebrauchen. Aber was die einzelnen Personen wirklich motiviert, bleibt im Dunkeln.
Ich bin jedenfalls gespannt darauf, mehr von der Welt zu erfahren – und herauszufinden, wohin es einen Wanderer als Nächstes verschlägt.

Feuerflocke fünf Sterne Klein
Sprache:

Die Sprache empfand ich als stark auf den Punkt und präzise. Es wurde nichts beschönigt, es wurde aber auch keine übertrieben derbe oder pseudomittelalterliche Sprache verwendet. Fand ich schön, klar und authentisch.
Mir sind ab und zu ein paar Wörter aufgefallen, die doppelt im Satz standen. Da ist vermutlich beim Korrektorat oder Satz etwas verrutscht. Wenn es aber so oft passiert, dass es mir auffällt, muss ich da ein Flöckchen abziehen.
Ansonsten: Gut auf den Punkt, klar und immer anschaulich.

Feuerflocke vier Sterne Klein
Fazit:

Ein spannender Auftakt, bei dem der Weg das Ziel ist.
Gerne und mit Spannung gelesen. Eine Geschichte, bei der die Leser die Romanwelt zusammen mit dem Autor entdecken dürfen und in der sie gezwungen sind, sich andauernd ihre eigene Meinung über die Wesen und Ereignisse zu bilden.
Mir hat es Spaß gemacht und ich bin auf Band 1 sehr gespannt.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Disclaimer: Vielen Dank an Dominique Stalder und den SadWolf Verlag für das Rezensionsexemplar!

Alice Andres – Punks Return (Punk’s Undead #2)

Veröffentlicht am

Titel: Punks Return
Autorin: Alice Andres
Verlag: O’Connell Press
Genre: Horror
Seiten: 1874 KB entsprechen rund 140 Seiten.
Format: eBook
ASIN: B01MCSZI7Z
Das Buch auf der Verlagshomepage

Link zu Band 1: *klick*

Nachdem Buch 1 gefühlt mitten im schönsten Cliffhanger endete, habe ich mich sehr gefreut, als mich die Autorin fragte, ob ich auch für Band 2 wieder ein Leseexemplar haben möchte. Natürlich wollte ich – schließlich will man wissen, wie sich der Cliffhanger aus Band 1 auflöst und wie das Ganze dann weitergeht😉.
Anders als der recht actionlastige Reihenauftakt geht es hier etwas ruhiger weiter – in meinen Augen eine gute Mischung. Die meisten Autoren machen den Fehler, nach einem actionreichen Auftakt NOCH mehr geballte Action in den Mittelteil zu klatschen und das Ganze damit irgendwann in dragonballartige Höhen zu peitschen (nicht falsch verstehen – ich mag Dragonball – aber dort ist das Konzept irgendwie trashig-charmant, woanders meist eher nicht…). Nicht so hier. Statt in die Breite, geht die Handlung erstmal in die Tiefe und das ist gut so.

Achtung: Dies ist die Rezension zu einem zweiten Band. Spoiler zu Band 1 lassen sich nur bedingt bis gar nicht vermeiden. Wer „Punk’s Undead“ nicht gelesen hat, der klicke auf den obigen Link zu Band 1.

Cover:

Das finde ich im Nachhinein sogar noch besser als das Cover von Band 1. Mit den grüngoldenen Augen und der Nahaufnahme habe ich das Gefühl, direkt einem der Nosferatus in die gelben, stark geschminkten Augen zu starren. Auch die Schrift ist jetzt kontrastreicher und dunkler, die Schriftart bleibt gleich. Nur das „Die Vampir-Punk-Reihe“ in der obersten Ecke ist nicht perfekt lesbar, aber das ist Meckern auf hohem Niveau bei einem Cover, das ich – sobald es auf Facebook gezeigt wurde – sofort angehimmelt habe.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Ich gebe ehrlich zu, im ersten Moment war ich verwirrt. Wer Teil 1 kennt und weiß, wie das endet, kann mich vermutlich verstehen. Wir begleiten Laura, die versucht, ein normales Leben zu führen – was nicht gerade dadurch erleichtert wird, dass ihre Sinne ungefähr so scharf sind wie die eines Vampirs und ihre Essgewohnheiten ein wenig roher sind als gewöhnlich. Dass Olli dann ausgerechnet als Bewältigungsart „Wir ignorieren jetzt einfach alles, was zwischen Anfang und Ende von Band 1 passiert ist“ gewählt hat, ist für Laura NICHT hilfreich und da kann ich Lauras Frustration und deren Folgen sehr gut nachvollziehen.
Wir erhalten hier einen weiteren Einblick in die Vergangenheit von Olli und Valentin, es gibt immer noch genug Action – auch wenn, wie oben bereits erwähnt, die Handlung an sich ruhiger ist – und wir erfahren mehr über die Nosferatus.
Dabei wird Valentin als Charakter immer interessanter und vielschichtiger. Auch scheut sich die Autorin wie schon in Band 1 nicht, Leuten etwas anzutun. Auch wichtige Figuren sind nicht sicher und das baut natürlich zusätzliche Spannung auf.
Dennoch bleiben bei all dem genug Fragen übrig, um die Leser auf den nächsten Band hibbeln zu lassen. Ich will jedenfalls jetzt SOFORT wissen, wie sich die ganzen Rätsel auflösen, aber da werden wir uns wohl eine Weile gedulden müssen…
Bei all der Spannung bleibt aber auch das Tiefgründige nicht auf der Stelle – in einem neuen Gewand stellt hier Alice Andres die Frage danach, was uns zu Menschen macht. Ist es das Gewissen? Und ist ein gewissensloses Leben wirklich automatisch glücklicher? Da werden die essentiellen Fragen der Gesellschaft mal eben ganz nebenher in einem unterhaltsamen Kleid erläutert – so, wie ich es mag, ohne erhobenen Zeigefinger und dennoch nachdenklich.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Hat Spaß gemacht. Hat wirklich, wirklich großen Spaß gemacht und ist oft auch sehr selbstironisch unterwegs.
Ich glaube, ich habe selten so viel gelacht, wie bei dem Dialog zwischen Laura und Valentin, bei dem Valentin das Wort „Alpha-Kevin“ in den Mund nimmt und sich dafür von Laura eine hämische Bemerkung anhören darf😉.
Die vielen versteckten Anspielungen auf Populärkultur und Geekiges ließen den Roman manches Mal zu einem lustigen Wimmelbildbuch werden, bei dem jede gefundene Anspielung einen Bonuspunkt bringt.
Laura ist durch die Erlebnisse in Kroatien erwachsener geworden – und das merkt man auch der Erzählsprache an. Keine quirligen Schwärmereien mehr, keine Ausflüge ins Naivpoetische. Eine Sprache, die genau auf Laura und ihre neue Situation abgestimmt ist.
Und dazwischen, sehr charmant, ein paar Zeilen Münchener Dialekt.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Ein zweiter Band, der sich nicht hinter Band 1 zu verstecken braucht.
Ich hatte viel Spaß beim Lesen und habe mich gefreut, dass es nach dem rasanten Anfang jetzt mehr in die Tiefe geht und hintergründiger wird. Nun freue ich mich auf das Warten, auf Band 3 und darauf, tiefer in diese Welt eintauchen zu können.
Für mich gab es die perfekte Mischung aus gelösten und neuen Fragen, die perfekte (relative) Ruhe vor und nach dem Sturm und eine virtuos erzählte Geschichte abseits von Glitzervampiren.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Danke an O’Connell Press und Alice Andres für das Rezensionsexemplar!

C. Svartbeck – Königsfalke (Spiegelmagie Band 1)

Veröffentlicht am

Titel: Königsfalke
Autor: C. Svartbeck
Verlag: Amazon Create Space
Genre: Dark Fantasy
Altersempfehlung: 16+ (ob 18+ oder nicht, darüber kann man streiten, aber meiner Meinung nach wurde nichts geschildert, was man einem weit entwickelten Teenager nicht zumuten könnte)
Seiten: 282 Seiten
Format: eBook / Kindle
Coverdesign by: der Autor gestaltete das Cover mit Hilfe von einem Bild des Künstlers breakermaximus und eines Bildes des Künstlers yyang selbst.
ASIN: B01H91CI3Y
Das Buch auf Amazon

Ich weiß noch, wie ich mal wieder ein wenig frustriert über eine Leseprobe aus einem größeren Verlag war, bei der ich das Gefühl hatte, die gleiche Geschichte zum 100000sten Mal präsentiert zu bekommen. Die gleiche Welt, die gleichen Völker … und dann sprang mich das Cover an und machte mich neugierig genug, um mich für das Buch und die Leserunde zu interessieren.
Und die Genrebezeichnung. Bei dunkler Fantastik, die in Richtung Grim&Gritty geht, habe ich mich momentan noch lange nicht sattgelesen und bin immer auf der Suche nach mehr Geschichten.
Der Königsfalke bietet vieles, was mich persönlich reizt. Der Weltenbaunerd in mir jubelt über eine Welt, die nicht an das europäische „Mittelalter“ angelehnt ist (dass 80% aller „Mittelalter“-Romane eigentlich an die frühe Neuzeit angelehnt sind, ist eine andere Baustelle *hust*) und mit einem innovativem Magiesystem aufwartet. Und immer wieder wird das, was man als Leser als Moral wahrnimmt, auf eine harte Probe gestellt – auch das ist etwas, was mir bei Büchern sehr wichtig ist. Wenn ich lese, will ich dabei an meine Grenzen gehen und über Dinge nachdenken müssen, über die ich sonst nie nachgedacht hätte.
Das hätte das Buch auf alle Fälle schon mal geschafft.

Cover:

Mir sprangen sofort die sehr kräftigen Farben ins Auge – die untere Seite des Covers leuchtet dem Leser regelrecht entgegen in feurigem Rot und glänzendem Metall. Hintergrund und Typografie sind dafür eher schlicht gehalten, nichts lenkt vom Hauptmotiv des Covers ab.
Ein – bei genauerem Hinsehen etwas seltsam gepanzerter – Mann mit Lanze und Pferd, über dem die Silhouette eines Falken schwebt.
Man kann ja von der Panzerung des Mannes halten, was man will (ich persönlich finde es taktisch unklug, Kopf und Schultern sehr stark zu bedecken und dann den Torso mit dem empfindlichen Bauchbereich nackt zu lassen – oder soll das ein Muskelpanzer sein?) – die Komposition „Mann mit Pferd“ und „Falke als Silhouette“ ist fr einen Kenner der Story dann doch außerordentlich treffend.
Hierzu kann ich nichts weiter sagen, ohne zu spoilern, denn was der Falke mit dem Krieger zu tun hat, ist essentieller Teil der Story.
Eine Flocke Abzug gibt es aber nicht für die fehlende Panzerung, sondern für irgendwas, das vor der Nase des Pferdes hing, aber nicht gut genug wegradiert wurde. Dieser Pixel fällt mir andauernd ins Auge, wenn ich das Cover anschaue und stört etwas.
Feuerflocke vier Sterne Klein

Inhalt:

Die Lieblingskonkubine von König Kanata bringt einen Sohn zur Welt, der später zum Feldherrn des Landes aufsteigen soll. Einige Zeit später bekommt auch die Hauptfrau des Königs ein Kind. Von da an sind nicht nur die Frauen, sondern auch deren Kinder erbitterte Feinde.
Und in einer Welt, in der ein  Menschenleben wenig zählt, kann schon ein geringerer Feind schnell den Tod bedeuten. Die beiden Prinzen Tolioro und Ioro sind dazu geboren, zwei verschiedene Plätze einzunehmen – als König und Feldherr. Man könnte also meinen, der künftige König wäre froh, einen fähigen Feldherren zu bekommen. Doch Tolioro ist von Kindesbeinen an von Neid so verzerrt, dass das Ganze gar nicht gut gehen kann…
In einem zweiten Handlungsstrang begleiten wir den jungen Zauberlehrling Jokon – doch in Karapak sind Zauberer nicht nur geachtet, sondern auch gefürchtet und eine Ausbildung zum Zauberer geht mit Opfern einher, die ihn an die Grenzen einer Moral führen.
Beide Welten – der karapakische Königshof und die Zauberschule – sind auf ihre Weise brutal und erbarmungslos. Und dadurch sind die Stränge beide auf ihre Weise unglaublich spannend.
Gleichzeitig deutet der Autor an, dass wir noch längst nicht alles von dieser Welt gesehen haben – es gibt unbekannte Länder, fremdartige Völker und eine komplexe Etikette am Hof von Karapak. Da gibt es noch viel zu lernen und zu verstehen.

Die Kunst in einem Reihenauftakt besteht ja unter anderem auch darin, die Figuren alle so zu platzieren, dass es spannend weitergehen kann und trotzdem einen abgeschlossenen Handlungs- und Spannungsbogen zu bilden. Das ist dem Autor in meinen Augen wunderbar gelungen. Ich hatte Spaß, ich habe mitgefiebert und ich blieb sehr neugierig auf Folgebände und gleichzeitig durchaus zufrieden mit dem Ausgang zurück.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Sprache:

Die Sprache ist auf eine kunstvolle Weise schlicht. Klingt nach einem Gemeinplatz, aber damit meine ich eigentlich etwas, was mir als sprachfixierter und conlangliebender Leserin einfach auffällt. Und das ist die weitestgehende Abwesenheit von eben allem Conlang. Die einzige Stelle, an der Sprache sich im Roman auf sich selbst bezieht, ist eine, in der wir erfahren, was die Namen Ioro und Tolioro bedeuten – eine Erklärung, die wiederum in der Perspektive gebrochen wird. Denn sie stammt nicht von Menschen aus Karapak.
Es gibt bei Fantasy immer zwei Möglichkeiten – entweder man nennt die Dinge bei ihren erfundenen Namen oder man findet schlichte, für sich selbst sprechende und gut klingende Begriffe aus der Textsprache dafür. Beides ist legitim und beides ist schwer in seine Geschichte einzubauen.
C. Svartbeck hat sich hier für die zweite Option entschieden – und das Ganze dann atmosphärisch und ästhetisch ansprechend durchgezogen. Es gibt Blasshaare und Blassaugen, es gibt Obsidiandolche und Königsfalken. Es gibt Feldherren, Tempel, Schwertkampf und Spiegel.
Und sonst nichts.
So sehr ich Conlang liebe, es ist auch irgendwie gekonnt, ein Buch in einer selbsterdachten Welt so zu schreiben, dass es bis auf eine – dadurch sehr einprägsame – Stelle einfach völlig ohne auskommt.
Viel wichtiger sind an dieser Stelle Namen – bei den Magiern gilt: Je kürzer, desto besser. Bei allen anderen gilt das Gegenteil. Dadurch sieht man schon sprachlich, dass hier zwei Teile der Gesellschaft einander gegenübergestellt werden, von denen vielleicht die eine als Spiegel der anderen dargestellt werden wird, wer weiß …
Eine sprachlich sehr klare Geschichte.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

Wenn mich ein Buch so sehr umwirft, dass ich danach erstmal zwei-drei Tage nichts anderes lesen will, dann ist das Liebe. Oder so ähnlich.
Ich liebe Bücher, die mich zwingen, moralisch an die Grenzen zu gehen. Alles Mögliche zu hinterfragen. Ich liebe Bücher, die dabei auch noch so spannend geschrieben sind, dass ich sie nicht aus der Hand legen kann. Und Bücher, die mit ausgeklügelten Welten meinen Verstand herausfordern.
Mit diesem Reihenauftakt fühlte ich mich sehr gut unterhalten und freue mich schon sehr auf den zweiten Band.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Danke an den Autor für das Rezensionsexemplar und die Leserunde. Wenn man bedenkt, wie viel schiefgelaufen it… Erst hat Lovelybooks mich nicht bei den Mitbewerbern gezählt. Dann hat es meine Mailaddy nicht rausgerückt. Und es war eine kleine Odyssee, bis mich das eBook erreicht hat… Aber allen Widrigkeiten zum Trotz kam es an und ich habe es regelrecht weggeatmet😀

[Anthologie] Unicorns don’t swim – Hrsg. Antje Wagner

Veröffentlicht am

Titel: Unicorns don’t swim
Herausgeberin: Antje Wagner
Verlag: AvivA
Genre: Kurzgeschichten, Anthologie
Altersempfehlung: Ab 13
Seiten: 256
Format: Broschur
Coverdesign by: Britta Jürgs, Stockfoto von „JohanJK“
ISBN:978-3-932338-82-3
Das Buch auf der Verlagshomepage – dort gibt es auch weitere Informationen zum Buch und zu den teilnehmenden Autoren.

Liste der teilnehmenden Autoren: Ingrid Annel, Juliette Bensch, Anja Frisch, Sabine Funder, Laura Henkel, Vera Kissel, Katharina Korbach, Anja Kümmel, Sophie Micheel, Antonie Partheil, Kim Katharina Salmon, Kathrin Schrocke, Claudia Schuster, Corinna Waffender, Antje Wagner und Tania Witte.

Zunächst einmal: Ja, ich musste extra ein neues Schema für diese Rezension erfinden. Zwar habe ich schon mal eine Anthologie auf dem Blog rezensiert, dabei handelte es sich jedoch um die Sammlung eines einzelnen Autors, sodass ich sie in der Hauptbewertung (Sprache, Inhalt etc.) wie einen Roman behandeln konnte.
Das konnte ich bei dieser Rezi nicht wirklich. Ich weiß, einige Leute finden Schemata zum Buchbewerten blöd. Ich brauche sie, um meinen eigenen Qualitätsstandards zu genügen und auch nichts zu vergessen, was irgendwie wichtig ist.

Fakt ist: Es gibt keine einzige Kurzgeschichte in dieser Sammlung, von der ich sagen könnte, sie hätte mir nicht gefallen oder wäre schlecht geschrieben. Jede einzelne Geschichte ist auf ihre Weise gut, auf ihre Weise wertvoll und auf ihre Weise… weise. Ziel der Anthologie ist es ja, all die Konzepte von Mädchen einzufangen, die in den meisten Erzählungen entweder ganz ignoriert werden oder nur am Rande existieren dürfen.
Flüchtlingsmädchen, lesbische Mädchen, transidente Mädchen. Mädchen, deren Hauptlebensziel nicht darin besteht, irgendwann mal „einen süßen Boy“ abzuschleppen und dabei „megahip“ und „supersweet“ auszusehen. Und Mädchen, die gleichzeitig Tomboy und weiblich sein können.
Da ich als Teenie auch so eine schräge Mischung war (hübsch aussehen war mir zwar nicht völlig unwichtig, aber ich trug zu 80% schwarze Klamotten – hübsche Klamotten, wohlgemerkt – und las/schrieb lieber Geschichten, als irgendwelche Jungs zu stalken – und hörte schon damals eher Metal als Charts, zockte stundenlang Tetris und kann mit Liebesgeschichten aller Art bis heute wenig anfangen. Dafür lasse ich seit „Spiderman“ fast keinen Superheldenfilm mehr aus… ), habe ich mich zwischen den Seiten der Anthologie schnell wohlgefühlt.
Und ich denke, viele Menschen werden in dieser Sammlung zahlreiche Identifikationsfiguren finden.

Cover:

Ich mag es recht gern. Ein tätowiertes Skatergirl, sportlich, aktiv, rebellisch – aber mit angemalten Fingernägeln, einer schicken Frisur und Kleidung, die farblich perfekt aufeinander abgepasst ist. Das ist genau die Diskrepanz, die ich schon oben erwähnt habe. Kein Mädchen ist nur Prinzessin, kein Mädchen ist nur Rebellin, Schubladen sind doof. Und genau DAS strahlt das Cover und das Mädchen darauf für mich aus.
Das Weinrot als Kontrastfarbe ist da zusätzlich sehr hübsch gewählt.
Außerdem ist die Qualität des physischen Buches an sich ziemlich hoch. Ich hatte es im Urlaub dabei – Städtetripurlaub wohlgemerkt – und es ist somit ziemlich weit gereist. Aber das Buch geht nach wie vor tadellos auch im Liegen zu und hat keine Leserillen. Heißt: Das hält auch ein zweites, drittes, viertes Mal lesen locker aus, ohne dass ich es mir nachkaufen muss.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Konzept:

Die Idee hinter der Anthologie habe ich oben bereits angesprochen – Mädchen eine Stimme zu geben, die in den meisten Geschichten zumindest im Mainstream nicht ankommen.
Als durchaus gendersensibilisierte Autorin weiß ich zwar, wo ich solche Geschichten im Zweifelsfall suchen muss – bei kleinen Verlagen, bei Selfpublishern, abseits des Mainstreams – aber ich fand es schön, sie als Statementanthologie in den Händen zu halten. AvivA ist ein Verlag, der sich auf besondere Frauengeschichten abseits des Mainstreams spezialisiert hat und nächstes Jahr sein zwanzigstes Jubiläum feiert, in der Hinsicht also durchaus als etablierte Größe gesehen werden kann. Die Bücher liegen im Buchhandel aus und können somit gut gefunden und gekauft werden.
Bis auf eine Geschichte, bei der ich mir noch unsicher bin, würde ich auch sagen, dass jeder einzelne Beitrag das Konzept auf eine andere Weise umsetzt. Mal realistisch, mal fantastisch, mal hochlyrisch und sehr metaphorisch.
In meinen Augen perfekt umgesetzt und einige neue Autorinnen habe ich dadurch überhaupt erst auf den Schirm bekommen.
Feuerflocke fünf Sterne Klein
Zusammenstellung:

Ich fand die Reihenfolge in den meisten Fällen gut bis sehr gut gewählt. Texte mit einem echten Schocker wechseln sich ab mit humorvoller gestalteten Texten. Fantastisches mit Realistischem, Lyrisches mit Sachlichem.
Nur bei einem einzigen Text bin ich mir nicht sicher, ob ich ihn nicht ausschließlich darum ein bisschen blasser fand, weil der Text davor so intensiv war, dass danach einfach gar kein Text eine Chance gehabt hätte. Denn rein objektiv war eigentlich, wie gesagt, jeder von ihnen gut und in den meisten Teilen fand ich die Reihenfolge auch sinnvoll. Nur bei dem einen, dem in meinen Augen stärksten Text, hätte ich mir gewünscht, dass er ganz am Ende kommt, um den Text nach ihm nicht zu schwächen.
Ich könnte auch keinen Text nennen, der mir direkt nicht gefallen hat, nur einen, mit dessen Botschaft ich noch ein wenig hadere. Aber ich glaube, hadern gehört zu einer solchen Anthologie dazu und ist – vielleicht? vermutlich? – sogar so beabsichtigt.
Die Texte sind völlig unterschiedlich – von einer Geschichte von einem fremden Stern bis hin zur Geschichte über ein kleines Mädchen und ihre Meerschweinchen ist alles dabei. Es wird also nie langweilig.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Fazit:

Ich würde der ganzen Anthologie auf alle Fälle den Stempel „Pädagogisch wertvoll“ aufs Cover drücken. Und zwar nicht nur für Mädchen. Die Geschichten geben den Menschen eine Stimme, die zu oft im Mainstream ausgelassen werden und schaffen somit ein breiteres Bewusstsein für mögliche Identitäten.
Das Buch wird auf alle Fälle eins, das ich noch öfter in die Hand nehmen und lesen werde.

Feuerflocke fünf Sterne Klein
Disclaimer: Danke an den Verlag, die Herausgeberin Antje Wagner und das tolle „Katze mit Buch“-Forum für das Rezensionsexemplar und die Leserunde. Das gemeinsame Lesen, die daraus entstehenden Plauderrunden und die angeregten Diskussionen waren auch dieses Mal wieder unfassbar lehrreich, bereichernd und schön.

Alva Furisto – Der Psi-Effekt – 6:42 Uhr (1#)

Veröffentlicht am
Mit freundlicher Genehmigung des Verlags!

Mit freundlicher Genehmigung des Verlags!

Titel: Der Psi-Effekt – 6:42 Uhr
Autorin: Alva Furisto
Verlag: bookhouse Verlag
Genre: Thriller
Seiten: 2930 kb entsprechen 471 Seiten
Format: eBook
ISBN: 978-9963-53-371-8
Das Buch auf der Verlagshomepage

Ein Buch über eine Autorin, die ein Buch geschrieben hat. Und zwar ein Fantasy-Buch, das tiefgründig ist und dessen Symbolik sich mit den Ereignissen verstrickt? Beuteschema.
Es kommt intelligente Kritik an der Institution Kirche vor? Beuteschema².
Das Ganze gepaart mit einem komplexen Plot, einer omnipotenten Terrororganisation und das Versprechen, dass nichts so ist, wie es scheint?
Da kann ich unmöglich nein sagen, wenn man mir so ein Buch als Rezensionsexemplar anbietet!
Es wundert mich nicht, dass ich das Buch dann innerhalb kürzester Zeit durch hatte. Ich habe es regelrecht inhaliert, weil ich das eBook offenhatte, wo ich ging und stand.
Cover:

Bonuspunkte dafür, dass es ein rein abstraktes Cover ist, ohne ein einziges Gesicht. Nichts gegen Coverkünstler, die Menschen auf ihre Cover setzen. Ich liebe alle Cover, die schön gemacht sind. Aber wenn auf allen Covern nur noch Menschen drauf sind … Ich glaube, ihr versteht, was ich meine.
Hier den Titel selbst vor einem schlichten und zerklüfteten Hintergrund in Szene zu setzen, ist eine tolle Lösung, die mich optisch sehr angesprochen hat und für mich auch sehr gut zum Inhalt des Buches passte.
Schade, dass hier kein konkreter Covergestalter angegeben ist, den ich in die Beschreibung und die Tags einfügen könnte. Was für eine tolle Arbeit!
Feuerflocke fünf Sterne Klein

Inhalt:

Wo fange ich an…
Dass ich den Cocktail, den der Klappentext verspricht, an und für sich für faszinierend genug hielt, um das Rezensionsexemplar sofort und zittrig vor Vorfreude anzunehmen, habe ich bereits erwähnt. Auch, dass ich das Buch anschließend regelrecht verschlungen habe, weil ich nicht aufhören konnte, zu lesen.
Aber auch abgesehen davon fand ich das Buch rundum spannend und die Figuren glaubwürdig. Als Atheistin musste ich bei den Diskussionen zwischen Anna und dem Bischof häufig schmunzeln, einfach weil ich diese Art der Diskussion an und für sich sehr gut aus eigener Erfahrung kenne. Nur hatte ich im Gegensatz zu Anna nie die Gelegenheit, all diese Dinge einem Bischof zu sagen. Wie die zwei sich dann trotzdem irgendwie zusammenraufen müssen, fand ich in dem Zusammenhang absolut authentisch und sehr unterhaltsam zu lesen.
Der Roman hat mehrere Erzählebenen und ist aus verschiedenen Perspektiven geschildert, arbeitet dabei auch mal gerne mit Cliffhangern und sehr geschickt platzierten Rückblenden. Dabei muss man als Leser natürlich gut mitdenken, um nachverfolgen zu können, was genau wann und warum passiert.
Einen kleinen Abzug gibt es von mir für das Ende. Wenn ich nicht wüsste, dass da noch was kommt, wäre ich an dieser Stelle nämlich ganz schön ausgerastet (und hätte deutlich mehr Feuerflocken abgezogen). Vielleicht liegt es an meiner Ausgabe (Rezensionsexemplar) und die Käufer des Buches bekommen die Info, dass ein zweiter Teil folgt – aber ich musste jedenfalls erstmal die Autorin anschreiben und fragen, ob meine Datei nicht fehlerhaft ist.

Feuerflocke vier Sterne Klein

Sprache:

Alva Furisto kann erzählen und zwar so furios, wie ihr Name es bereits verspricht.
An den richtigen Stellen wird es nüchtern, emotional, chatauthentisch, spirituell und erotisch. An den richtigen Stellen ändert sich die Sprache genau so, wie sie muss.
Was mir außerdem sehr wichtig ist: Jede Figur hat ihre eigene Sprache erhalten. Man weiß bei einem Perspektivwechsel vom ersten Satz an, mit wem man zu rechnen hat und wer etwas gesagt hat oder sagen könnte.
Handwerklich also absolut sauber ausgeführt.
Ihr seht, ich habe hier nicht viel zu sagen. Wie es oft ist, wenn man etwas einfach ziemlich gut findet😀.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Fazit:

„Der Psi-Effekt – 6:42 Uhr“ macht Spaß. Es ist ein quasi wie zwei Bücher in einem – ein rasanter und actionreicher Thriller ebenso wie ein sehr intelligent erzählter, tiefgründiger Roman darüber, was die Welt scheinbar zusammenhält. Ein Roman, der mir manchmal schmerzlich realistisch erschien und bei dem ich das Gefühl hatte, dass er dazu in der Lage ist, unserer kaputten Gesellschaft den Spiegel hinzuhalten. Er zeigt zu deutlich auf, wie die Welt momentan ist, aber nicht zu sein hat.
Und das ist zumindest für mich bei zeitgenössischen Romanen fast das Wichtigste, dass sie in irgendeiner Weise auch eine Aussage über die Gesellschaft treffen.
Auf alle Fälle freue ich mich jetzt schon auf den zweiten Teil und wünsche der Autorin viel Erfolg. Dieses Buch verdient es, von möglichst vielen Menschen gelesen und verstanden zu werden.

Feuerflocke fünf Sterne Klein

Disclaimer: Ich bedanke mich beim bookhouse Verlag für das Rezensionsexemplar. Das waren sehr vergnügliche Lesestunden🙂